{"id":583,"date":"2026-03-04T10:09:37","date_gmt":"2026-03-04T09:09:37","guid":{"rendered":"https:\/\/iobseu-xejul.wordpress.com\/?p=583"},"modified":"2026-03-04T10:09:37","modified_gmt":"2026-03-04T09:09:37","slug":"die-verlorene-kunst-des-gebens-und-nehmens-eine-geschichte-der-freundlichkeit-von-1914-bis-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-verlorene-kunst-des-gebens-und-nehmens-eine-geschichte-der-freundlichkeit-von-1914-bis-heute\/","title":{"rendered":"Die verlorene Kunst des Gebens und Nehmens: Eine Geschichte der Freundlichkeit von 1914 bis heute"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Vom Wir zum Ich<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Wenn Freundlichkeit zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit wird, dann wird aus einer Gesellschaft eine Gemeinschaft.&#8220; Diese einfache Wahrheit stand lange Zeit im Zentrum des sozialen Miteinanders. Doch die Geschichte der Freundlichkeit ist auch eine Geschichte ihrer Grenzen, ihrer Instrumentalisierung und ihres m\u00f6glichen Verschwindens. &#8222;Wenn diese Freundlichkeit ausgenutzt wird, dann ziehen sich die stillen, guten Menschen zur\u00fcck und \u00fcberlassen das Feld den Lauten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel zeichnet den Wandel der Freundlichkeit nach \u2013 von den solidarischen Netzwerken der Kriegs- und Zwischenkriegszeit \u00fcber die staatlich organisierte F\u00fcrsorge bis hin zur heutigen Gesellschaft, in der Egoismus und Isolation zunehmend den Ton angeben. Gest\u00fctzt auf historische Quellen und aktuelle Forschungsergebnisse fragt er: Was geschieht mit einer Gesellschaft, in der das Geben und Nehmen aus dem Gleichgewicht ger\u00e4t?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Teil I: 1914\u20131950 \u2013 Solidarit\u00e4t in Zeiten der Not<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Geburt der organisierten Hilfe<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Freundlichkeit noch keine individuelle Tugend, sondern eine kollektive Notwendigkeit. Die Industrialisierung hatte Millionen von Menschen in die St\u00e4dte gesp\u00fclt, wo sie entwurzelt und auf sich allein gestellt waren&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ctt-lisa.de\/gesellschaftliche_modernisierung_und_ihre_menschlichen_kosten?nav_id=4173#comment_625\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Aus dieser Not heraus entstanden die Hilfsvereine \u2013 Selbsthilfeorganisationen, die auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit beruhten&nbsp;<a href=\"https:\/\/hls-dhs-dss.ch\/de\/articles\/016617\/2010-10-28\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Die auf den Prinzipien Solidarit\u00e4t, Unabh\u00e4ngigkeit und Br\u00fcderlichkeit beruhenden Hilfsvereine linderten die Folgen, \u00dcbersteigerungen und Missbr\u00e4uche des Kapitalismus&#8220;, schreibt das Historische Lexikon der Schweiz&nbsp;<a href=\"https:\/\/hls-dhs-dss.ch\/de\/articles\/016617\/2010-10-28\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Arbeiter einer Region oder Branche schlossen sich zusammen, zahlten Beitr\u00e4ge in gemeinsame Kassen und unterst\u00fctzten sich gegenseitig bei Krankheit, Unfall oder Tod. Hier war Freundlichkeit nicht nur eine Frage der Moral, sondern der blanken \u00dcberlebenssicherung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Erste Weltkrieg (1914\u20131918) versch\u00e4rfte diese Notwendigkeit noch. Als 1924 in Deutschland der &#8222;F\u00fcnfte Wohlfahrtsverband&#8220; (sp\u00e4ter: Der Parit\u00e4tische) gegr\u00fcndet wurde, standen &#8222;pragmatische Motive im Vordergrund. Angesichts des verlorenen Ersten Weltkrieges, von Inflationserfahrungen und der allgemeinen Krisenhaftigkeit der Weimarer Republik gilt es, die materielle Existenz der eigenen Mitgliedsorganisationen sicherzustellen&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/magazin\/ausgabe-01-2024-100-jahre-der-paritaetische\/der-paritaetische-im-spiegel-der-zeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die dunkle Seite der F\u00fcrsorge<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die organisierte Hilfe hatte auch ihre Schattenseiten. Eine historische Fallstudie aus Z\u00fcrich zeigt, wie staatliche F\u00fcrsorge in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu einem Instrument der Disziplinierung und Normierung wurde&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ctt-lisa.de\/gesellschaftliche_modernisierung_und_ihre_menschlichen_kosten?nav_id=4173#comment_625\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zentrum der staatlichen Intervention stand dabei nicht die Behebung der materiellen Misere, sondern die Einwirkung auf die moralischen Defizite. F\u00fcrsorgerinnen drangen unangemeldet in Wohnungen ein, befragten Nachbarn und erstellten minuti\u00f6se Protokolle \u00fcber das Verhalten der &#8222;Schutzbefohlenen&#8220;. Armut wurde als Abweichung vom &#8222;Normalen&#8220; betrachtet, die mit bestimmten Sozialtechniken behoben werden sollte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ctt-lisa.de\/gesellschaftliche_modernisierung_und_ihre_menschlichen_kosten?nav_id=4173#comment_625\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Protokolle der F\u00fcrsorgerin \u00fcber Frau De Agostini, eine italienisch-schweizerische Mutter, die 1913 ins Visier der Beh\u00f6rden geriet, lesen sich heute wie Zeugnisse einer entw\u00fcrdigenden Kontrolle: &#8222;Frau De Agostini empf\u00e4ngt mich nicht sehr liebevoll. (&#8230;) In ma\u00dflosen groben Ausdr\u00fccken f\u00e4ngt sie an, auf die, die sie verklagt, u. auf die Amtsvormundschaft zu schimpfen. Fast muss man annehmen, dass sie wieder betrunken ist&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ctt-lisa.de\/gesellschaftliche_modernisierung_und_ihre_menschlichen_kosten?nav_id=4173#comment_625\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier zeigt sich ein Grundproblem der institutionalisierten Freundlichkeit: Wo Hilfe zur Pflicht wird und mit Kontrolle einhergeht, verliert sie ihre freiwillige, w\u00e4rmende Qualit\u00e4t. Die &#8222;F\u00fcrsorge&#8220; wird zur &#8222;\u00dcberwachung&#8220;, das &#8222;Geben&#8220; zur &#8222;Bevormundung&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Zerst\u00f6rung der Solidarit\u00e4t im Nationalsozialismus<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die dunkelste Episode in der Geschichte der organisierten Hilfe begann 1933. Die Nationalsozialisten forcierten die &#8222;Gleichschaltung&#8220; aller Wohlfahrtsverb\u00e4nde. J\u00fcdische Vorstandsmitglieder wie Leopold Langstein, einer der f\u00fchrenden Kindermediziner der Weimarer Republik, mussten ihre \u00c4mter niederlegen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/magazin\/ausgabe-01-2024-100-jahre-der-paritaetische\/der-paritaetische-im-spiegel-der-zeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) \u00fcbernahm die Kontrolle, 1934 l\u00f6ste sich der Parit\u00e4tische Wohlfahrtsverband selbst auf&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/magazin\/ausgabe-01-2024-100-jahre-der-paritaetische\/der-paritaetische-im-spiegel-der-zeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee der Parit\u00e4t \u2013 der Gleichheit aller in Ansehen und M\u00f6glichkeiten \u2013 war durch die nationalsozialistische Rassenideologie ersetzt worden. Freundlichkeit wurde zur Belohnung f\u00fcr &#8222;Volksgenossen&#8220;, w\u00e4hrend Juden, Sinti und Roma, Behinderte und politisch Andersdenkende aus dem solidarischen Netzwerk ausgeschlossen und systematisch verfolgt wurden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Teil II: 1950\u20132000 \u2013 Der Wiederaufbau und die neuen sozialen Bewegungen<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neubeginn auf Tr\u00fcmmern<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Europa vor gewaltigen Aufgaben. St\u00e4dte lagen in Tr\u00fcmmern, Millionen waren obdachlos, Fl\u00fcchtlinge und Vertriebene irrten durch das zerst\u00f6rte Land. Die Wiederaufnahme der organisierten Wohlfahrtspflege war keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, sondern harte Aufbauarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1949 wurde der Parit\u00e4tische Wohlfahrtsverband in Frankfurt am Main wiedergegr\u00fcndet \u2013 zun\u00e4chst ohne nennenswerte finanzielle Mittel und mit wenigen Mitgliedern&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/magazin\/ausgabe-01-2024-100-jahre-der-paritaetische\/der-paritaetische-im-spiegel-der-zeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Fl\u00fcchtlingshilfe stand im Zentrum der Arbeit: 1955 betrieben Mitgliedsorganisationen zw\u00f6lf &#8222;Heime f\u00fcr Heimatvertriebene und Fl\u00fcchtlinge&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/magazin\/ausgabe-01-2024-100-jahre-der-paritaetische\/der-paritaetische-im-spiegel-der-zeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesen Jahren der Knappheit funktionierte Solidarit\u00e4t noch nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit: Man half, weil man wusste, dass man morgen selbst Hilfe brauchen k\u00f6nnte. Freundlichkeit war keine Frage des Charakters, sondern eine \u00dcberlebensstrategie.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die 68er und die neuen sozialen Bewegungen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab den sp\u00e4ten 1960er Jahren ver\u00e4nderte sich das Verst\u00e4ndnis von Hilfe und Solidarit\u00e4t grundlegend. Die Gesellschaft kam in Bewegung: Eltern von Kindern mit Behinderungen schlossen sich zusammen, erste Kinderl\u00e4den entstanden, Frauen forderten mehr Handlungsspielr\u00e4ume&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/magazin\/ausgabe-01-2024-100-jahre-der-paritaetische\/der-paritaetische-im-spiegel-der-zeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1970er Jahren entstanden Selbsthilfegruppen und B\u00fcrgerinitiativen, die sich nicht mehr als Bittsteller sahen, sondern als selbstbewusste Akteure. 1972 wurde die Deutsche ILCO (Selbsthilfe f\u00fcr Menschen mit k\u00fcnstlichem Darmausgang) gegr\u00fcndet, f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter war sie Mitglied im Parit\u00e4tischen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/magazin\/ausgabe-01-2024-100-jahre-der-paritaetische\/der-paritaetische-im-spiegel-der-zeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Verband verstand sich nun als &#8222;Verband der B\u00fcrgerinitiativen und Selbsthilfeorganisationen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Entwicklung bedeutete eine Demokratisierung der Hilfe. Die Betroffenen selbst bestimmten, welche Unterst\u00fctzung sie brauchten, und organisierten sich eigenst\u00e4ndig. Freundlichkeit wurde hier nicht von oben verordnet, sondern von unten entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der erste Armutsbericht: Ein Weckruf<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 9. November 1989 \u2013 wenige Tage vor dem Fall der Mauer \u2013 ver\u00f6ffentlichte der Parit\u00e4tische seinen ersten Armutsbericht. Der Titel war Programm: &#8222;\u2026wessen wir uns sch\u00e4men m\u00fcssen in einem reichen Land\u2026&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/magazin\/ausgabe-01-2024-100-jahre-der-paritaetische\/der-paritaetische-im-spiegel-der-zeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. 3,1 Millionen Sozialhilfebeziehende in der Bundesrepublik wurden als arm bezeichnet \u2013 ein Skandal in der damaligen Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstmals bezog ein Wohlfahrtsverband lobbyistische Positionen, die \u00fcber das Fachpolitische hinausgingen: f\u00fcr Obdachlose, f\u00fcr Alleinerziehende, f\u00fcr Arbeitslose, f\u00fcr psychisch kranke Menschen. Die Botschaft war klar: In einer solidarischen Gesellschaft darf niemand zur\u00fcckgelassen werden. Freundlichkeit bedeutet auch, politisch f\u00fcr die Schwachen einzutreten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Teil III: Die Gegenwart \u2013 Egoismus und Isolation<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Selfcare-Hype und seine Schattenseiten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute, im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, hat sich das Verst\u00e4ndnis von Freundlichkeit und Solidarit\u00e4t grundlegend gewandelt. Ein Trend beherrscht die sozialen Medien: Selfcare. &#8222;Sehr viele junge Menschen sind mit Selbstf\u00fcrsorge besch\u00e4ftigt&#8220;, schreibt die WELT. &#8222;Oft f\u00fchrt das am Ende zu problematischer Einsamkeit. Ein Blick auf die Spirale eines Social-Media-Trends \u2013 und warum Egoismus und Isolation gef\u00e4hrlich nah beieinanderliegen&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/iconist\/trends\/plus68ac1fdcaf05a85a3b98e4f2\/Selfcare-und-Einsamkeit-Wenn-Selbstfuersorge-zur-Isolation-wird.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was als gesunde Abgrenzung beginnt, kann in egozentrischer Isolation enden. Die st\u00e4ndige Besch\u00e4ftigung mit den eigenen Bed\u00fcrfnissen, die Optimierung des Selbst, die Pflege der eigenen Grenzen \u2013 all das sind wichtige Anliegen. Doch wenn sie absolut gesetzt werden, verlieren wir den Blick f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der anderen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Psychologie best\u00e4tigt diesen Befund: &#8222;Mit Freundlichkeit kommt man weiter&#8220; lautet eine Lebensweisheit, aber &#8222;wer dauernd grinst, kommt nicht gut an&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/gesundheit\/psychologie\/article5058569\/Die-unertraegliche-Freundlichkeit-der-Dauergrinser.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Freundlichkeit muss der Situation angemessen und vor allem glaubw\u00fcrdig sein. &#8222;Wenn Freundlichkeit nur aus taktischen Gr\u00fcnden eingesetzt wird und nicht zu meiner Stimmung passt, ist sie nicht wirkungsvoll&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/gesundheit\/psychologie\/article5058569\/Die-unertraegliche-Freundlichkeit-der-Dauergrinser.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die wissenschaftlichen Belege: Einsamkeit macht egoistisch<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Studie des Leibniz-Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung Halle (IWH) aus dem Jahr 2021 liefert alarmierende Ergebnisse: Die Erfahrung sozialer Isolierung f\u00fchrt dazu, dass Menschen eher egoistische Entscheidungen treffen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/forschung\/2021\/06\/forschungsergebnis-aus-magdeburg-digitale-medien-befoerdern-soziale-isolierung-und-bereitschaft-zu-egoistischem-verhalten-397802?lrm_logout=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.leibniz-gemeinschaft.de\/ueber-uns\/neues\/forschungsnachrichten\/forschungsnachrichten-single\/newsdetails\/einsamkeit-macht-egoistisch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forscherinnen Sabrina Jeworrek und Joschka Waibel f\u00fchrten zwei Online-Experimente mit mehr als 500 Studierenden durch. Die eine Gruppe wurde gezielt an die Erfahrungen der sozialen Isolation w\u00e4hrend des Lockdowns erinnert, die andere diente als Kontrollgruppe. Das Ergebnis: &#8222;Die Aktivierung von Erinnerungen an soziale Isolation f\u00fchrt zu egoistischeren monet\u00e4ren Allokationsentscheidungen&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.leibniz-gemeinschaft.de\/ueber-uns\/neues\/forschungsnachrichten\/forschungsnachrichten-single\/newsdetails\/einsamkeit-macht-egoistisch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders bemerkenswert: Knapp 80 Prozent der jungen Menschen nahmen sich trotz intensiver digitaler Kontakte als sozial isoliert wahr&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/forschung\/2021\/06\/forschungsergebnis-aus-magdeburg-digitale-medien-befoerdern-soziale-isolierung-und-bereitschaft-zu-egoistischem-verhalten-397802?lrm_logout=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Videotelefonie und soziale Medien sind offenbar kein ausreichender Ersatz f\u00fcr menschliche N\u00e4he. Die Studie enth\u00e4lt aber auch eine gute Nachricht: &#8222;Die Probanden legten ein prosozialeres Verhalten an den Tag, nachdem wir sie an geltende Normen erinnert hatten&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.leibniz-gemeinschaft.de\/ueber-uns\/neues\/forschungsnachrichten\/forschungsnachrichten-single\/newsdetails\/einsamkeit-macht-egoistisch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Vorbildliches Verhalten ins Rampenlicht zu r\u00fccken, kann ein wichtiges Instrument sein, um die sozialen Negativfolgen der Isolation abzufedern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Anonymit\u00e4t des Internets als Freundlichkeitskiller<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Faktor f\u00fcr die zunehmende Egoisierung der Gesellschaft ist die digitale Kommunikation. &#8222;Die Anonymit\u00e4t des Internets&#8220; wird in der FAZ als &#8222;stiller Freundlichkeitskiller&#8220; bezeichnet&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/frankfurt\/freundlichkeit-im-alltag-warum-nettsein-das-leben-besser-macht-accg-110735826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dass man es einem anderen nicht ins Gesicht sagen muss, was man so eifrig in die Tastatur haut, erleichtert die Hemmungslosigkeit. Man muss sich nicht mit den Befindlichkeiten der Beschimpften auseinandersetzen und beweist dabei &#8222;nur mindere Intelligenz \u2013 weil man ja selbst an dem Ast s\u00e4gt, auf dem wir alle sitzen&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/frankfurt\/freundlichkeit-im-alltag-warum-nettsein-das-leben-besser-macht-accg-110735826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entkopplung von Wort und Gesicht, von \u00c4u\u00dferung und unmittelbarer Reaktion, von Handlung und sichtbarer Konsequenz \u2013 all das erleichtert egoistisches und verletzendes Verhalten. Der andere wird zum abstrakten Gegen\u00fcber, zum Profilbild, zum Pseudonym. Freundlichkeit aber braucht den Augenkontakt. &#8222;Schlie\u00dflich ist es ihr Ziel, anderen zu nutzen. Dazu muss man sie und ihre Bed\u00fcrfnisse aber erst mal \u00fcberhaupt zur Kenntnis nehmen. Genau das aber geht schlecht, wenn man dauernd sein Handy vor der Nase hat&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/frankfurt\/freundlichkeit-im-alltag-warum-nettsein-das-leben-besser-macht-accg-110735826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die paradoxe Lehre der KI<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Ironie der technologischen Entwicklung: W\u00e4hrend die Menschen einander zunehmend ausweichen, ist die K\u00fcnstliche Intelligenz von ausnehmender Freundlichkeit. &#8222;Wer jemals ChatGPT genutzt hat, ist \u00fcberrascht dar\u00fcber, wie ausnehmend freundlich man dort behandelt wird. Wie der Chatbot sich alles merkt, sich interessiert, sich mit gro\u00dfer Akribie in die Bed\u00fcrfnisse der User einarbeitet&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/frankfurt\/freundlichkeit-im-alltag-warum-nettsein-das-leben-besser-macht-accg-110735826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Maschine simuliert, was den Menschen abhandenkommt: Aufmerksamkeit, Interesse, Zuwendung. W\u00e4hrend wir uns &#8222;genau ausrechnen, ob man vom gemeinschaftlich geteilten Mineralwasser auch wirklich das ganze Glas getrunken hat, f\u00fcr das man beim Verlassen des Restaurants bezahlt hat&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/frankfurt\/freundlichkeit-im-alltag-warum-nettsein-das-leben-besser-macht-accg-110735826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>, programmieren wir Computer darauf, freundlich zu uns zu sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Gegenbewegung: Menschen, die das Nettsein nicht verlernt haben<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch es gibt sie noch, die stillen Heldinnen und Helden der Freundlichkeit. Die FAZ portr\u00e4tiert einige von ihnen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/frankfurt\/freundlichkeit-im-alltag-warum-nettsein-das-leben-besser-macht-accg-110735826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ist Marcus Stiehl, Kassierer bei Tegut in Frankfurt, der sich f\u00fcr jeden Kunden ein paar Worte in dessen Muttersprache aneignet. &#8222;Ich mag die vielen kleinen Gespr\u00e4che jeden Tag. Den Kontakt mit den Leuten. Dass sie sich freuen, wenn man auf sie eingeht.&#8220; Er sammelt das Leergut der Arbeitskollegen, kauft von dem Erl\u00f6s Einkaufsgutscheine und verschenkt sie an Bed\u00fcrftige. F\u00fcr einen vereinsamten Senior ging er einkaufen und lud ihn zum Heiligen Abend ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ist Italo Tarantino vom DRK-Blutspendedienst, der die Spender mit \u00fcberbordender Herzlichkeit begr\u00fc\u00dft und auf seinem Tresen ein kleines S\u00fc\u00dfwarenparadies aufgebaut hat. &#8222;Ich finde es so toll, was die Spender hier leisten&#8220;, sagt er. &#8222;Das sind die Helden, und ich bin nur jemand, der versucht, es ihnen so angenehm wie m\u00f6glich zu machen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ist Kerstin Knittel, Fu\u00dfpflegerin in Dreieich, f\u00fcr die Freundlichkeit eine Grundhaltung ist, gepaart mit Dankbarkeit daf\u00fcr, &#8222;wie gut dieses Leben ist&#8220;. Sie zieht selbst unheimlich viel aus den Gespr\u00e4chen mit ihren Kunden: &#8222;Bei den Studenten erfahre ich, wie es so in einer WG l\u00e4uft. Von dem emeritierten Professor f\u00fcr Architektur lerne ich viel \u00fcber die Geschichte des R\u00f6merberges.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Menschen beweisen: Freundlichkeit ist keine Frage des Berufs oder des sozialen Status, sondern eine Haltung. Und sie funktioniert nach dem Prinzip der Win-win-Situation: &#8222;Tun wir jemandem etwas Gutes, macht das den Alltag nicht nur f\u00fcr den anderen ein wenig heller. Sondern auch f\u00fcr uns. Im Gehirn werden dabei dieselben Regionen aktiviert, als w\u00fcrden wir gerade Schokolade essen&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/frankfurt\/freundlichkeit-im-alltag-warum-nettsein-das-leben-besser-macht-accg-110735826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Teil IV: Analyse \u2013 Vom Geben und Nehmen<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Dialektik der Freundlichkeit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Freundlichkeit von 1914 bis heute offenbart eine tiefe Dialektik. Auf der einen Seite steht die selbstverst\u00e4ndliche, allt\u00e4gliche Freundlichkeit, die Gemeinschaften zusammenh\u00e4lt und Vertrauen schafft. &#8222;Wenn Freundlichkeit zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit wird, dann wird Vertrauen zur Grundierung unseres Miteinanders.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite steht die Gefahr der Ausbeutung: &#8222;Wenn diese Freundlichkeit ausgenutzt wird, dann ziehen sich die stillen, guten Menschen zur\u00fcck und \u00fcberlassen das Feld den Lauten.&#8220; Die Geschichte der F\u00fcrsorge im fr\u00fchen 20. Jahrhundert zeigt, wie Hilfe zur Kontrolle werden kann. Die Geschichte der Gegenwart zeigt, wie die Verweigerung von Hilfe zur Isolation f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vom Wir zum Ich: Der gro\u00dfe Wandel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vielleicht tiefgreifendste Wandel der letzten hundert Jahre ist der von der Kollektiv- zur Individualkultur. In der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts war Solidarit\u00e4t keine Frage der pers\u00f6nlichen Neigung, sondern der Notwendigkeit. Die Hilfsvereine, die Gewerkschaften, die Genossenschaften \u2013 sie alle beruhten auf der Einsicht, dass der Einzelne allein verloren ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute dominiert das Mantra der Selbstoptimierer: &#8222;Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/frankfurt\/freundlichkeit-im-alltag-warum-nettsein-das-leben-besser-macht-accg-110735826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dieser Satz ist nicht nur falsch, er ist gef\u00e4hrlich. Denn er \u00fcbersieht, dass menschliches Leben von Anfang an auf Kooperation angelegt ist. Die Freundlichkeitsforschung nimmt an, &#8222;dass das Nettsein ein Motor der Evolution sei. Weil es einen klaren \u00dcberlebensvorteil darstelle, sich gegenseitig zu unterst\u00fctzen. Deshalb belohne uns das Gehirn \u00fcberhaupt nur f\u00fcr &#8218;prosoziales Verhalten'&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/frankfurt\/freundlichkeit-im-alltag-warum-nettsein-das-leben-besser-macht-accg-110735826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Kosten der Isolation<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was geschieht mit einer Gesellschaft, in der Egoismus und Isolation zunehmen? Die Forschung liefert erste Antworten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens: Isolation f\u00fchrt zu egoistischerem Verhalten. Die Magdeburger Studie belegt, dass Menschen, die soziale Distanzierung erfahren haben, tendenziell weniger bereit sind zu teilen und zu spenden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/forschung\/2021\/06\/forschungsergebnis-aus-magdeburg-digitale-medien-befoerdern-soziale-isolierung-und-bereitschaft-zu-egoistischem-verhalten-397802?lrm_logout=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.leibniz-gemeinschaft.de\/ueber-uns\/neues\/forschungsnachrichten\/forschungsnachrichten-single\/newsdetails\/einsamkeit-macht-egoistisch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens: Fehlende soziale Kontakte lassen die Normen der R\u00fccksichtnahme verk\u00fcmmern. Der t\u00e4gliche Umgang mit anderen Menschen wirkt als &#8222;soziales Korrektiv&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/forschung\/2021\/06\/forschungsergebnis-aus-magdeburg-digitale-medien-befoerdern-soziale-isolierung-und-bereitschaft-zu-egoistischem-verhalten-397802?lrm_logout=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Wo dieses Korrektiv fehlt, verlieren wir das Gesp\u00fcr daf\u00fcr, was angemessen ist und was nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drittens: Die digitale Kommunikation kann den pers\u00f6nlichen Kontakt nicht ersetzen. Trotz intensiver Nutzung sozialer Medien f\u00fchlten sich 80 Prozent der jungen Menschen im Lockdown isoliert&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/forschung\/2021\/06\/forschungsergebnis-aus-magdeburg-digitale-medien-befoerdern-soziale-isolierung-und-bereitschaft-zu-egoistischem-verhalten-397802?lrm_logout=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viertens: Die Anonymit\u00e4t des Netzes f\u00f6rdert Enthemmung und Aggression. Was man einem Menschen nicht ins Gesicht sagen w\u00fcrde, tippt man m\u00fchelos in die Tastatur&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/frankfurt\/freundlichkeit-im-alltag-warum-nettsein-das-leben-besser-macht-accg-110735826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Wiederentdeckung der Freundlichkeit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch es gibt auch Hoffnung. Die Magdeburger Studie zeigt, dass der negative Effekt der Isolation abgemildert werden kann, wenn Menschen an geltende Normen erinnert werden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.leibniz-gemeinschaft.de\/ueber-uns\/neues\/forschungsnachrichten\/forschungsnachrichten-single\/newsdetails\/einsamkeit-macht-egoistisch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Vorbildliches Verhalten ins Rampenlicht zu r\u00fccken, kann ein wichtiges Instrument sein, um die sozialen Negativfolgen abzufedern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Portr\u00e4ts der freundlichen Menschen in der FAZ zeigen, dass Freundlichkeit ansteckend wirkt. Marcus Stiehl berichtet, dass die Kunden seinetwegen lieber zu seiner Kasse gehen. Italo Tarantino hofft, dass seine Freundlichkeit dazu beitr\u00e4gt, &#8222;dass die Leute wiederkommen&#8220;. Kerstin Knittel zieht selbst unheimlich viel aus den Gespr\u00e4chen mit ihren Kunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freundlichkeit ist kein Nullsummenspiel, bei dem der eine verliert, was der andere gewinnt. Freundlichkeit ist ein Positivsummenspiel, bei am Ende alle gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schluss: F\u00fcr eine neue Kultur des Gebens und Nehmens<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Freundlichkeit von 1914 bis heute ist eine Geschichte des Wandels \u2013 von der solidarischen Notgemeinschaft \u00fcber die institutionalisierte F\u00fcrsorge bis hin zur individualisierten Gesellschaft der Gegenwart. Sie zeigt, dass Freundlichkeit mehr ist als eine private Tugend. Sie ist das Fundament des sozialen Zusammenhalts, der Kitt, der Gesellschaften zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Herausforderungen der Gegenwart \u2013 wachsende Einsamkeit, zunehmender Egoismus, die Anonymit\u00e4t der digitalen Kommunikation \u2013 erfordern eine bewusste Gegenbewegung. Es geht nicht um eine romantische Verkl\u00e4rung der &#8222;guten alten Zeit&#8220;, in der angeblich alle f\u00fcreinander da waren. Es geht um die n\u00fcchterne Einsicht, dass menschliches Leben auf Kooperation angelegt ist und dass wir alle unter einer Kultur der R\u00fccksichtslosigkeit leiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Wenn die Menschen wieder anfangen w\u00fcrden, einander wahrzunehmen, sich anzul\u00e4cheln, Interesse f\u00fcreinander zu bekunden, zu fragen: &#8218;Was kann ich dir Gutes tun?&#8216;, anstatt sich zu fragen: &#8218;Und wo bleibe ich?&#8216;, w\u00fcrde letztlich jeder auf seine Kosten kommen&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/frankfurt\/freundlichkeit-im-alltag-warum-nettsein-das-leben-besser-macht-accg-110735826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Einsicht ist nicht naiv. Sie ist wissenschaftlich belegt. Sie ist evolution\u00e4r verankert. Sie ist praktisch erprobt. Und sie ist dringender denn je.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn wenn Freundlichkeit zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit wird, dann wird aus einer Gesellschaft eine Gemeinschaft. Und wenn wir zulassen, dass Freundlichkeit ausgenutzt wird, dann ziehen sich die stillen, guten Menschen zur\u00fcck. Die Entscheidung, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, liegt bei uns.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Historisches Lexikon der Schweiz: Hilfsvereine\u00a0<a href=\"https:\/\/hls-dhs-dss.ch\/de\/articles\/016617\/2010-10-28\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Hardegger, Urs: Die Akte der Luisa De Agostini. Z\u00fcrich: NZZ Libro 2012\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ctt-lisa.de\/gesellschaftliche_modernisierung_und_ihre_menschlichen_kosten?nav_id=4173#comment_625\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Der Parit\u00e4tische: Geschichte des Verbandes 1924\u20132024\u00a0<a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/magazin\/ausgabe-01-2024-100-jahre-der-paritaetische\/der-paritaetische-im-spiegel-der-zeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Jeworrek, Sabrina \/ Waibel, Joschka: Alone at Home: The Impact of Social Distancing on Norm-consistent Behaviour. IWH-Diskussionspapiere 8\/2021\u00a0<a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/forschung\/2021\/06\/forschungsergebnis-aus-magdeburg-digitale-medien-befoerdern-soziale-isolierung-und-bereitschaft-zu-egoistischem-verhalten-397802?lrm_logout=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.leibniz-gemeinschaft.de\/ueber-uns\/neues\/forschungsnachrichten\/forschungsnachrichten-single\/newsdetails\/einsamkeit-macht-egoistisch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>WELT: Selfcare und Einsamkeit\u00a0<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/iconist\/trends\/plus68ac1fdcaf05a85a3b98e4f2\/Selfcare-und-Einsamkeit-Wenn-Selbstfuersorge-zur-Isolation-wird.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>WELT: Die unertr\u00e4gliche Freundlichkeit der Dauergrinser\u00a0<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/gesundheit\/psychologie\/article5058569\/Die-unertraegliche-Freundlichkeit-der-Dauergrinser.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>FAZ: Freundlichkeit im Alltag \u2013 Warum Nettsein das Leben besser macht<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: Vom Wir zum Ich &#8222;Wenn Freundlichkeit zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit wird, dann wird aus einer Gesellschaft eine Gemeinschaft.&#8220; Diese einfache Wahrheit stand lange Zeit im Zentrum des sozialen Miteinanders. 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