{"id":5893,"date":"2026-06-29T06:21:11","date_gmt":"2026-06-29T06:21:11","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=5893"},"modified":"2026-06-29T06:21:12","modified_gmt":"2026-06-29T06:21:12","slug":"wenn-der-blick-ueber-den-tellerrand-zur-qual-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wenn-der-blick-ueber-den-tellerrand-zur-qual-wird\/","title":{"rendered":"Wenn der Blick \u00fcber den Tellerrand zur Qual wird"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Eine Analogie, die unter die Haut geht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ein Bild, das sich einbrennt: Ein Siberian Husky, gez\u00fcchtet f\u00fcr tagelange M\u00e4rsche durch sibirische Schneew\u00fcsten, eingesperrt in eine 40-Quadratmeter-Wohnung. Ein Jack Russell Terrier, dessen Jagdtrieb ihn in Fuchsbaue unter der Erde treibt, gefangen zwischen Couch und K\u00fchlschrank. Die Vorstellung ist nicht nur skurril, sie ist&nbsp;<strong>grausam<\/strong>. Und genau diese Grausamkeit ist es, die die Analogie zu einem Ph\u00e4nomen der modernen Arbeitswelt so unangenehm treffend macht:&nbsp;<strong>Mitarbeiter, die \u00fcber den Tellerrand schauen k\u00f6nnen, nicht intellektuell zu fordern, ist geistige Tierqu\u00e4lerei.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch handelt es sich hier um eine rei\u00dferische \u00dcbertreibung \u2013 oder um eine Erkenntnis, die tief in die Psychologie, die Arbeitswissenschaft und nicht zuletzt in unser ethisches Verst\u00e4ndnis von menschenw\u00fcrdiger Arbeit hineinleuchtet? Die folgenden Ausf\u00fchrungen werden zeigen, dass der Vergleich nicht nur anschaulich, sondern in seiner strukturellen Logik erschreckend pr\u00e4zise ist. Er offenbart ein systematisches Versagen vieler Organisationen, das weder den Bed\u00fcrfnissen der Mitarbeiter noch den eigenen wirtschaftlichen Interessen gerecht wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hauptteil<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Die Natur der &#8222;Rasse&#8220;: Was Huskys, Jack Russells und Querdenker im besten Sinne eint<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Analogie zu verstehen, muss man zun\u00e4chst verstehen, wer hier eigentlich in der &#8222;Einzimmerwohnung&#8220; sitzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Siberian Husky<\/strong>&nbsp;ist kein gew\u00f6hnlicher Haushund. Er wurde \u00fcber Jahrhunderte von den Tschuktschen in Sibirien als Schlittenhund gez\u00fcchtet \u2013 ein Ausdauerathlet, der in Rudeln \u00fcber hunderte Kilometer bei bis zu minus 60 Grad Celsius ganze Lasten zieht. Seine herausragendsten Eigenschaften sind&nbsp;<strong>Eigenst\u00e4ndigkeit, Entscheidungsfreude und eine enorme physische und psychische Belastbarkeit<\/strong>. Ein Husky, der nicht gefordert wird, wird nicht etwa brav \u2013 er wird&nbsp;<strong>st\u00f6rrisch, zerst\u00f6rerisch und fluchtartig<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Jack Russell Terrier<\/strong>&nbsp;ist das andere Ende des Spektrums: klein, aber ein Kraftpaket. Gez\u00fcchtet zur Fuchs- und Dachsjagd, muss er in engen, dunklen Erdh\u00f6hlen selbstst\u00e4ndig Entscheidungen treffen und Beute stellen. Sein Gehirn arbeitet auf Hochtouren, sein K\u00f6rper ist ein Energiespeicher. Wer ihn nicht auslastet, bekommt einen&nbsp;<strong>hypernerv\u00f6sen, bellenden, buddelnden und bei\u00dfenden<\/strong>&nbsp;Vierbeiner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was beide Rassen eint, ist ihr&nbsp;<strong>Z\u00fcchtungszweck<\/strong>: Sie sind&nbsp;<strong>Gebrauchshunde<\/strong>, die zur L\u00f6sung komplexer, eigenverantwortlicher Probleme geschaffen wurden. Ihre F\u00e4higkeit, selbstst\u00e4ndig zu denken und zu handeln, ist kein nettes Beiwerk, sie ist ihr&nbsp;<strong>Wesenskern<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbertragen auf den Menschen bedeutet dies: Es gibt Mitarbeiter \u2013 auf&nbsp;<strong>allen Ebenen<\/strong>, in der Produktion, im Vertrieb, in der Verwaltung, im Management \u2013, die von Natur aus oder durch Erfahrung die Gabe besitzen,&nbsp;<strong>\u00fcber den Tellerrand zu schauen<\/strong>. Sie erkennen Zusammenh\u00e4nge, die andere \u00fcbersehen. Sie hinterfragen etablierte Prozesse. Sie sehen nicht nur den eigenen Arbeitsplatz, sondern das gesamte System, in das er eingebettet ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Menschen sind die&nbsp;<strong>Stillen Denker<\/strong>&nbsp;der Organisation. Sie sind oft&nbsp;<strong>nicht<\/strong>&nbsp;in den &#8222;richtigen&#8220; (also den formal strategischen) Positionen \u2013 und genau das macht sie so wertvoll und gleichzeitig so gef\u00e4hrdet. Wer ihre F\u00e4higkeit, das Gro\u00dfe und Ganze zu denken, brachliegen l\u00e4sst und sie auf stupide, repetitive Abl\u00e4ufe reduziert, begeht einen&nbsp;<strong>fundamentalen Mis-Match<\/strong>&nbsp;\u2013 ein &#8222;Person-Job Mismatch&#8220;, wie es die Arbeitspsychologie nennt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Symptome der Gefangenschaft: Was passiert, wenn der Blick \u00fcber den Tellerrand verwehrt bleibt?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folgen dieser Fehlhaltung sind auf beiden Seiten der Analogie verbl\u00fcffend \u00e4hnlich. Sie lassen sich in einer Tabelle gegen\u00fcberstellen, die mehr als nur eine oberfl\u00e4chliche Parallele zeigt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Symptom<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Der Husky \/ Jack Russell in der Wohnung<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Der unterforderte &#8222;Tellerrand-Denker&#8220;<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Zerst\u00f6rungswut<\/strong><\/td><td>Zerbeulte M\u00f6bel, zerkratzte T\u00fcren, zerbissene Gegenst\u00e4nde.<\/td><td><strong>Passive Aggression<\/strong>, innere K\u00fcndigung, Sabotage von Prozessen, &#8222;Dienst nach Vorschrift&#8220; mit negativer Energie.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Fluchtverhalten<\/strong><\/td><td>Ausbrechen bei jeder sich bietenden Gelegenheit.<\/td><td><strong>Hohe Fluktuation<\/strong>, h\u00e4ufige Krankmeldungen, inneres &#8222;Abschalten&#8220; und Tagtr\u00e4umen.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Neurosen &amp; Psychosomatik<\/strong><\/td><td>Stereotypes Verhalten (Kreislaufen), \u00fcberm\u00e4\u00dfiges Lecken, Appetitlosigkeit.<\/td><td><strong>Boreout-Syndrom<\/strong>: Schlafst\u00f6rungen, Depressionen, Kopf- und R\u00fcckenschmerzen, Gereiztheit, Lustlosigkeit.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Soziale Inkompetenz<\/strong><\/td><td>\u00dcberm\u00e4\u00dfiges Bellen, Aggressivit\u00e4t gegen\u00fcber Artgenossen oder Haltern.<\/td><td><strong>Soziale R\u00fcckzugstendenzen<\/strong>, Zynismus, Konflikte mit Kollegen und Vorgesetzten, abwertende Kommentare \u00fcber &#8222;die da oben&#8220;.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Verlust der Arbeitsfreude<\/strong><\/td><td>Apathie, Verweigerung von Grundkommandos.<\/td><td><strong>Motivationsverlust<\/strong>&nbsp;und sinkende Leistungsbereitschaft \u2013 &#8222;Warum soll ich mich anstrengen, wenn es doch keiner merkt?&#8220;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschung spricht hier eine klare Sprache. Das Boreout-Syndrom, erstmals 2007 von den Schweizer Unternehmensberatern Philippe Rothlin und Peter Werder beschrieben, ist kein Randph\u00e4nomen. Es ist gekennzeichnet durch die Trias aus&nbsp;<strong>Unterforderung, Langeweile und Desinteresse<\/strong>. Eine repr\u00e4sentative Umfrage der Pronova BKK aus dem Jahr 2026 zeigt, dass&nbsp;<strong>26 Prozent aller Besch\u00e4ftigten<\/strong>&nbsp;in Deutschland bereits Boreout selbst erlebt haben \u2013 bei den unter 30-J\u00e4hrigen sind es sogar&nbsp;<strong>37 Prozent<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders brisant: Chronische Unterforderung kann \u00e4hnlich belastende Effekte haben wie chronische \u00dcberforderung. Wer dauerhaft unterfordert ist, verliert nicht nur sein Autonomiegef\u00fchl und seine Arbeitszufriedenheit, sondern entwickelt auch ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr psychische und physische Erkrankungen. Die Zeit, die in einem solchen Zustand verbracht wird, wird zur &#8222;langen Weile&#8220; \u2013 einem qu\u00e4lenden Gef\u00fchl ungenutzter Zeitoptionen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Der Fehler liegt nie beim &#8222;Hund&#8220; \u2013 Die Verantwortung der F\u00fchrung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Punkt der Analogie ist die&nbsp;<strong>Umkehr der Perspektive<\/strong>. Kein Hund hat sich jemals eine Einzimmerwohnung ausgesucht. Der Fehler liegt immer beim&nbsp;<strong>Halter<\/strong>. Genauso wenig sucht sich ein Mensch mit Tellerrand-Blick bewusst einen Job, der ihn geistig verhungern l\u00e4sst. Der Fehler liegt im System, in der F\u00fchrung, in der Arbeitsgestaltung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verantwortung wird oft auf den Mitarbeiter abgew\u00e4lzt (&#8222;Er h\u00e4tte sich ja mehr einbringen k\u00f6nnen&#8220;), doch die Struktur gibt den Rahmen vor. Die zentralste Ursache f\u00fcr Boreout ist der &#8222;Person-Job Mismatch&#8220;. Dieser entsteht aus verschiedenen Gr\u00fcnden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Strukturelle Routinen<\/strong>: Organisationen, die R\u00fcckkehrer nach der Elternzeit pauschal in vereinfachte Rollen stecken oder langj\u00e4hrige Fachkr\u00e4fte in Schubladen pressen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Immobiler Arbeitsmarkt<\/strong>: Angst vor Arbeitslosigkeit zwingt Menschen in Jobs, die nicht zu ihnen passen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fehlende Entwicklungsperspektiven<\/strong>: Monotone Aufgaben und das Gef\u00fchl, stillzustehen, demotivieren besonders junge Erwerbst\u00e4tige.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die &#8222;Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht&#8220;-Mentalit\u00e4t<\/strong>: Sie erstickt jeden Impuls, der \u00fcber den eigenen Bereich hinausdenkt, im Keim.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wirtschaftspsychologin Patrizia Thamm von der Pronova BKK bringt es auf den Punkt: &#8222;Beide Ph\u00e4nomene [Burnout und Boreout] sind Ausdruck derselben Dynamik. Einer Arbeitswelt, die extreme Anforderungen stellt und gleichzeitig an vielen Stellen Sinn entzieht.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ein Akt der&nbsp;<strong>Entmenschlichung<\/strong>, einen Menschen, der mehr sieht und mehr kann, auf eine reine &#8222;Ressource&#8220; zu reduzieren, deren kognitive F\u00e4higkeiten nicht gefragt sind. Das ist nicht nur unethisch, es ist auch betriebswirtschaftlich dumm. Die volkswirtschaftlichen Kosten sind schwer zu beziffern, aber sie sind real \u2013 in Form von Produktivit\u00e4tsverlusten, Fehlzeiten und fr\u00fchzeitigen Renteneintritten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Von der Theorie zur Praxis: Wie man den K\u00e4fig \u00f6ffnet<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was also tun? Die L\u00f6sung ist nicht, den &#8222;Hund&#8220; aus der Wohnung zu lassen und ihn sich selbst zu \u00fcberlassen. Es geht darum,&nbsp;<strong>die Wohnung zu einem artgerechten Lebensraum zu machen<\/strong>. Die folgenden Prinzipien lassen sich aus der Analogie ableiten:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Das Gehege vergr\u00f6\u00dfern (Autonomie)<\/strong>: Geben Sie Mitarbeitern echte Entscheidungskompetenzen \u00fcber ihre Arbeitsprozesse. Die Theorie des &#8222;Person-Job Fit&#8220; (Edwards, 1991) zeigt, dass die Passung zwischen F\u00e4higkeiten und Anforderungen entscheidend f\u00fcr Wohlbefinden und Leistung ist.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Das Futter verstecken (Komplexit\u00e4t)<\/strong>: Lassen Sie Mitarbeiter Probleme selbst l\u00f6sen, anstatt immer die fertige L\u00f6sung vorzugeben. Ein Husky braucht eine Herde, die er f\u00fchren kann; ein Mitarbeiter braucht ein komplexes Problem, das er knacken kann.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Spuren legen (Abwechslung)<\/strong>: Job-Rotation, abteilungs\u00fcbergreifende Projekte oder die M\u00f6glichkeit, eigene Verbesserungsvorschl\u00e4ge umzusetzen, sind das geistige \u00c4quivalent zu einem abwechslungsreichen Spaziergang.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Das Rudel f\u00fchren (Purpose)<\/strong>: Erkl\u00e4ren Sie das &#8222;Warum&#8220;. Ein Hund, der versteht, wohin die Reise geht, zieht freiwillig mit. Ein Mensch, der den Sinn seiner Arbeit versteht und seinen Beitrag zum Ganzen sieht, gibt 150 Prozent.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Den Tellerrand einladen (Perspektivwechsel)<\/strong>: Schaffen Sie explizit R\u00e4ume (z.B. regelm\u00e4\u00dfige &#8222;Querdenker-Runden&#8220;), in denen Mitarbeiter aller Ebenen ihre Beobachtungen und Ideen einbringen k\u00f6nnen \u2013 ohne sofortige Hierarchie-Bewertung.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Transparenz und offene Kommunikation \u00fcber Belastung&nbsp;<strong>und<\/strong>&nbsp;Unterforderung sind dabei der Schl\u00fcssel. F\u00fchrungskr\u00e4fte m\u00fcssen lernen, nicht nur die &#8222;Leistungstr\u00e4ger&#8220; zu sehen, sondern auch die &#8222;stillen Denker&#8220; zu erkennen und zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit &amp; Ausblick: Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr mehr Menschlichkeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Analogie vom Mitarbeiter als Husky oder Jack Russell in der Einzimmerwohnung ist keine Herabw\u00fcrdigung des Menschen zum Tier. Sie ist eine&nbsp;<strong>dienliche Metapher<\/strong>, die uns mit einem unangenehmen Schrecken daran erinnert, was wir l\u00e4ngst wissen:&nbsp;<strong>Der Mensch ist kein Rad im Getriebe.<\/strong>&nbsp;Er ist ein denkendes, f\u00fchlendes Wesen, das nach Sinn, Herausforderung und Wachstum strebt \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob er in der Produktion, im Vertrieb oder im Vorstand sitzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer das Bed\u00fcrfnis, den Tellerrand zu erkunden, ignoriert, spart sich kurzfristig die &#8222;Erziehungsarbeit&#8220; \u2013 die M\u00fche, komplexe Aufgaben zu delegieren und zu erkl\u00e4ren. Doch die Rechnung kommt postwendend: in Form von&nbsp;<strong>hoher Fluktuation, schlechter Reputation, innerer K\u00fcndigung und nicht zuletzt psychisch kranken Mitarbeitern<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Zeiten des demografischen Wandels, in denen bis 2040 rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen das Rentenalter erreichen werden (Statistisches Bundesamt, 2025), kann sich kein Unternehmen mehr den Luxus erlauben, das Denkpotenzial seiner Belegschaft systematisch zu verschwenden. Der Fachkr\u00e4ftemangel ist nicht nur ein Problem der Menge, sondern auch der&nbsp;<strong>qualitativen Nutzung<\/strong>&nbsp;der vorhandenen Talente.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zukunft der Arbeit wird nicht darin bestehen, Menschen in kleinere K\u00e4fige zu sperren, sondern darin,&nbsp;<strong>gr\u00f6\u00dfere, interessantere Arenen zu schaffen<\/strong>, in denen ihr Blick \u00fcber den Tellerrand nicht nur geduldet, sondern aktiv eingefordert wird. Es ist an der Zeit, die T\u00fcr zur Einzimmerwohnung aufzusto\u00dfen \u2013 nicht nur, um dem Husky den Lauf zu erm\u00f6glichen, sondern um dem Menschen in uns allen die Chance zu geben, das zu sein, was er sein kann: ein Gestalter seiner eigenen Welt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Adam, S. (2018).\u00a0<em>Boreout \u2013 Unterforderung am Arbeitsplatz als Pr\u00e4diktor f\u00fcr Motivationsverlust<\/em>. FOM Hochschule f\u00fcr Oekonomie &amp; Management.<\/li>\n\n\n\n<li>Apotheke Adhoc (2026).\u00a0<em>Bore-out: Stress durch Unterforderung<\/em>.<\/li>\n\n\n\n<li>Harju, L. K., et al. (2016). Zitiert in:\u00a0<em>Wenn Entlastung zur Belastung wird<\/em>. Wirtschaftspsychologie aktuell.<\/li>\n\n\n\n<li>Kirazci, et al. (2024). Zitiert in:\u00a0<em>Wenn Entlastung zur Belastung wird<\/em>. Wirtschaftspsychologie aktuell.<\/li>\n\n\n\n<li>Maynard, D. C., et al. (2006). Zitiert in:\u00a0<em>Wenn Entlastung zur Belastung wird<\/em>. Wirtschaftspsychologie aktuell.<\/li>\n\n\n\n<li>Mara, E. (2009).\u00a0<em>Boreout am Arbeitsplatz \u2013 mehr als Unterforderung, Langeweile und Desinteresse?<\/em>\u00a0FPI-Publikation.<\/li>\n\n\n\n<li>Pronova BKK (2026). Repr\u00e4sentative Umfrage zu Burn-out und Bore-out. Zitiert in Apotheke Adhoc.<\/li>\n\n\n\n<li>Rothlin, P., &amp; Werder, P. (2007).\u00a0<em>Diagnose Boreout<\/em>. Zitiert in:\u00a0<em>Boreout &#8211; Biografien der Unterforderung und Langeweile<\/em>\u00a0(Springer VS).<\/li>\n\n\n\n<li>Sauer, J., &amp; Spahn, J. (2011).\u00a0<em>Kostenfaktor Bore-out<\/em>. Die Zeit.<\/li>\n\n\n\n<li>Statistisches Bundesamt (2025). Mikrozensus 2025. Zitiert in Tagesspiegel und Zeit Online.<\/li>\n\n\n\n<li>Stock, R. (2015). Zitiert in:\u00a0<em>Wenn Entlastung zur Belastung wird<\/em>. Wirtschaftspsychologie aktuell.<\/li>\n\n\n\n<li>Wirtschaftspsychologie aktuell (2024).\u00a0<em>Wenn Entlastung zur Belastung wird: Burnout und Boreout im Fokus<\/em>.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von DerSchneider Einleitung: Eine Analogie, die unter die Haut geht Es ist ein Bild, das sich einbrennt: Ein Siberian Husky, gez\u00fcchtet f\u00fcr tagelange M\u00e4rsche durch sibirische Schneew\u00fcsten, eingesperrt in eine 40-Quadratmeter-Wohnung. Ein Jack Russell Terrier, dessen Jagdtrieb ihn in Fuchsbaue unter der Erde treibt, gefangen zwischen Couch und K\u00fchlschrank. 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