{"id":5956,"date":"2026-10-11T04:44:43","date_gmt":"2026-10-11T04:44:43","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=5956"},"modified":"2026-06-30T04:45:36","modified_gmt":"2026-06-30T04:45:36","slug":"von-lochkarte-zu-hologramm-eine-kleine-geschichte-der-datenspeicherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/von-lochkarte-zu-hologramm-eine-kleine-geschichte-der-datenspeicherung\/","title":{"rendered":"Von Lochkarte zu Hologramm: Eine kleine Geschichte der Datenspeicherung"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine der stillsten, aber folgenreichsten Revolutionen der Menschheitsgeschichte: Die Art und Weise, wie wir Informationen aufbewahren, hat sich in den letzten zweihundert Jahren radikaler ver\u00e4ndert als in den zweitausend Jahren zuvor. W\u00e4hrend unsere Vorfahren ihre Geschichten in H\u00f6hlenmalereien, Tontafeln und Pergamenten festhielten, speichern wir heute ganze Bibliotheken auf einem Ger\u00e4t, das in eine Jackentasche passt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch dieser Fortschritt ist kein linearer Weg. Er ist eine Aneinanderreihung von Medienbr\u00fcchen, von vergessenen Technologien und von Wissen, das unwiederbringlich verloren ging \u2013 weil die Ger\u00e4te fehlen, um es zu lesen. Dieser Artikel zeichnet den Weg von den ersten Lochkarten des 18. Jahrhunderts bis zu den holografischen Speichern der Zukunft nach. Er erz\u00e4hlt von den Erfindern, den physikalischen Grenzen und den Datenmengen, die heute im digitalen \u00c4ther schweben \u2013 und von der beunruhigenden Frage, was von unserem Wissen in hundert Jahren \u00fcbrig bleiben wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Die Geburt der maschinenlesbaren Daten: Lochkarte und Lochstreifen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Datenspeicherung beginnt nicht im Computerlabor, sondern in der Textilindustrie. Bereits im&nbsp;<strong>18. Jahrhundert<\/strong>&nbsp;wurden Lochkarten und Lochstreifen verwendet, um Webst\u00fchle zu steuern<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lochstreifen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.geschichtewiki.wien.gv.at\/Lochkarte\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der franz\u00f6sische Weber&nbsp;<strong>Joseph-Marie Jacquard<\/strong>&nbsp;entwickelte zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen Webstuhl, bei dem Lochkarten aus Pappe die Muster vorgaben \u2013 eine fr\u00fche Form der programmierbaren Steuerung<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herman_Hollerith?diff=107963814\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der eigentliche Durchbruch zur&nbsp;<strong>Massendatenspeicherung<\/strong>&nbsp;gelang jedoch erst&nbsp;<strong>Herman Hollerith<\/strong>&nbsp;(1860\u20131929). Der junge Angestellte des US Census Bureau entwickelte ein System, bei dem Daten auf Lochkarten codiert und von elektromechanischen Maschinen gelesen wurden. Die Inspiration kam ihm durch einen einfachen Kniff der Eisenbahnschaffner: Sie lochten Fahrkarten an bestimmten Stellen, um Merkmale der Passagiere wie Geschlecht oder Hautfarbe festzuhalten \u2013 und so die mehrfache Nutzung eines Tickets zu verhindern<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herman_Hollerith?diff=107963814\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1889 meldete Hollerith seine Erfindung zum Patent an<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herman_Hollerith?diff=107963814\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Bei der&nbsp;<strong>US-Volksz\u00e4hlung von 1890<\/strong>&nbsp;kamen erstmals \u00fcber 40 seiner Maschinen zum Einsatz. Was zuvor Jahre manueller Arbeit erforderte, war nun in wenigen Monaten erledigt. Die Lochkarte war geboren \u2013 und mit ihr die \u00c4ra der automatisierten Datenverarbeitung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die technischen Daten dieser fr\u00fchen Speichermedien sind aus heutiger Sicht atemberaubend bescheiden<\/strong>: Eine einzelne Lochkarte konnte etwa&nbsp;<strong>80 Zeichen<\/strong>&nbsp;speichern \u2013 weniger als eine moderne SMS-Nachricht<a href=\"https:\/\/www.wissen.de\/vom-magnetband-zum-dna-speicher-die-erstaunliche-evolution-der-datentraeger\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das von IBM 1928 patentierte Standardformat hatte zw\u00f6lf Zeilen und 80 Spalten<a href=\"https:\/\/www.geschichtewiki.wien.gv.at\/Lochkarte\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dennoch wurden Lochkartensysteme bis in die&nbsp;<strong>1960er Jahre<\/strong>&nbsp;als Massenspeicher genutzt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Der Medienbruch: Das Magnetband erobert die Rechenzentren<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lochkarte hatte eine entscheidende Schw\u00e4che: Sie war ein&nbsp;<strong>sequenzielles Medium<\/strong>, das nur in einer Richtung gelesen werden konnte, und ihre Kapazit\u00e4t war begrenzt. Die L\u00f6sung kam aus einer v\u00f6llig anderen Ecke: der Tontechnik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der&nbsp;<strong>Urvater der Magnetbandtechnik<\/strong>&nbsp;war die&nbsp;<strong>magnetische Tonaufnahme auf Draht<\/strong>, die&nbsp;<strong>1898<\/strong>&nbsp;erfunden wurde<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Magnetband#p-lang\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Doch erst die Entwicklung des&nbsp;<strong>Kunststoff-Tonbandes<\/strong>&nbsp;durch die BASF in den Jahren&nbsp;<strong>1935 bis 1940<\/strong>&nbsp;schuf die Grundlage f\u00fcr ein neues Zeitalter der Datenspeicherung<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Magnetband#p-lang\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die AEG und die IG Farben (BASF) entwickelten die Technologie, die zun\u00e4chst f\u00fcr analoge Tonsignale verwendet wurde<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Magnetband#p-lang\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ab den 1950er Jahren<\/strong>&nbsp;wurden Magnetb\u00e4nder zum R\u00fcckgrat der fr\u00fchen Computersysteme<a href=\"https:\/\/www.wissen.de\/vom-magnetband-zum-dna-speicher-die-erstaunliche-evolution-der-datentraeger\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sie verdr\u00e4ngten die Lochkarten zunehmend aus den Rechenzentren. Ein typisches Magnetband der 1960er Jahre speicherte&nbsp;<strong>wenige Megabyte<\/strong>&nbsp;\u2013 damals revolution\u00e4r, heute eine l\u00e4cherlich geringe Menge<a href=\"https:\/\/www.wissen.de\/vom-magnetband-zum-dna-speicher-die-erstaunliche-evolution-der-datentraeger\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das Magnetband hatte einen Nachteil: Es war ein&nbsp;<strong>sequentielles Speichermedium<\/strong>. Um eine bestimmte Datenposition zu erreichen, musste das gesamte Band bis dorthin gespult werden \u2013 ein Vorgang, der Minuten dauern konnte. F\u00fcr Anwendungen, die einen&nbsp;<strong>direkten, wahlfreien Zugriff<\/strong>&nbsp;auf Daten ben\u00f6tigten, war es ungeeignet.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Der Sprung zur Festplatte: Wahlfreier Zugriff in Echtzeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die L\u00f6sung f\u00fcr das Zugriffsproblem kam&nbsp;<strong>am 13. September 1956<\/strong>&nbsp;von IBM. Mit der&nbsp;<strong>IBM 350<\/strong>&nbsp;\u2013 dem Kernst\u00fcck des&nbsp;<strong>IBM 305 RAMAC<\/strong>&nbsp;\u2013 stellte das Unternehmen die&nbsp;<strong>erste magnetische Festplatte<\/strong>&nbsp;der Welt vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dimensionen waren gewaltig: Der Apparat war&nbsp;<strong>so gro\u00df wie ein K\u00fchlschrank<\/strong>&nbsp;und wog eine&nbsp;<strong>halbe Tonne<\/strong><a href=\"https:\/\/www.mpi-halle.mpg.de\/579245\/#top\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. 50 Speicherplatten mit einem Durchmesser von gut&nbsp;<strong>60 Zentimetern<\/strong>&nbsp;waren darin verbaut<a href=\"https:\/\/www.mpi-halle.mpg.de\/579245\/#top\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die gesamte Speicherkapazit\u00e4t betrug gerade einmal&nbsp;<strong>5 Megabyte<\/strong>. Zum Vergleich: Eine heutige Festplatte speichert mehrere Terabyte \u2013 das ist eine Steigerung um den Faktor&nbsp;<strong>eine Milliarde<\/strong>&nbsp;innerhalb von etwa 50 Jahren<a href=\"https:\/\/www.mpi-halle.mpg.de\/579245\/#top\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Fortschritt der Festplatte gegen\u00fcber dem Magnetband war der&nbsp;<strong>wahlfreie Zugriff<\/strong>&nbsp;(Random Access). Die Lesek\u00f6pfe konnten direkt zu jeder Position auf den rotierenden Platten fahren, ohne das gesamte Medium durchspulen zu m\u00fcssen. Dies machte die Festplatte zum idealen Speicher f\u00fcr Betriebssysteme und Anwendungssoftware.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung der Festplatte ist eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten der Technikgeschichte<a href=\"https:\/\/www.wissen.de\/vom-magnetband-zum-dna-speicher-die-erstaunliche-evolution-der-datentraeger\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Speicherdichte hat seit 1956 um mehr als das&nbsp;<strong>300-Millionenfache<\/strong>&nbsp;zugenommen<a href=\"https:\/\/www.wissen.de\/vom-magnetband-zum-dna-speicher-die-erstaunliche-evolution-der-datentraeger\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Technologische Durchbr\u00fcche wie der&nbsp;<strong>GMR-Effekt<\/strong>&nbsp;(Riesenmagnetowiderstand, Nobelpreis 2007) und das&nbsp;<strong>Perpendicular Recording<\/strong>&nbsp;erm\u00f6glichten diese atemberaubende Entwicklung<a href=\"https:\/\/www.wissen.de\/vom-magnetband-zum-dna-speicher-die-erstaunliche-evolution-der-datentraeger\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Die optische Wende: CD, DVD und Blu-ray<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel zur Festplatte entstand eine v\u00f6llig neue Speichertechnologie:&nbsp;<strong>optische Medien<\/strong><a href=\"https:\/\/www.wissen.de\/vom-magnetband-zum-dna-speicher-die-erstaunliche-evolution-der-datentraeger\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Statt magnetischer Felder nutzen sie&nbsp;<strong>Laserlicht<\/strong>, um Daten auf einer reflektierenden Schicht zu lesen und zu schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Compact Disc (CD)<\/strong>&nbsp;wurde&nbsp;<strong>Anfang der 1980er Jahre<\/strong>&nbsp;von Philips und Sony eingef\u00fchrt \u2013 urspr\u00fcnglich zur digitalen Speicherung von Musik. Die&nbsp;<strong>CD-ROM<\/strong>&nbsp;(Compact Disc Read-Only Memory) wurde schnell zum verbreiteten Medium f\u00fcr die Verteilung von Software und Daten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die CD war ein Meilenstein: Sie war&nbsp;<strong>robust, preiswert herzustellen<\/strong>&nbsp;und konnte von verschiedenen Computersystemen gelesen werden, sofern die Daten nach der&nbsp;<strong>ISO-9660-Norm<\/strong>&nbsp;aufgezeichnet waren. Sp\u00e4ter folgten die&nbsp;<strong>DVD<\/strong>&nbsp;mit h\u00f6herer Kapazit\u00e4t und die&nbsp;<strong>Blu-ray Disc<\/strong>&nbsp;f\u00fcr hochaufl\u00f6sende Videoinhalte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Nachteil optischer Medien: Sie sind&nbsp;<strong>nur beschreibbar oder wiederbeschreibbar<\/strong>, aber nicht so flexibel wie Festplatten. Zudem haben sie in den letzten Jahren an Bedeutung verloren, da Cloud-Speicher und USB-Sticks sie in vielen Anwendungen verdr\u00e4ngt haben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Die Zukunft? Holografische Speicher<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Suche nach dem Speichermedium der Zukunft hat viele Pfade beschritten. Einer der vielversprechendsten ist der&nbsp;<strong>holografische Speicher<\/strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/?curid=507054\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Konzept ist ebenso einfach wie genial: Statt Daten nur auf der&nbsp;<strong>Oberfl\u00e4che<\/strong>&nbsp;eines Mediums abzulegen, nutzt der holografische Speicher das&nbsp;<strong>gesamte Volumen<\/strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/?curid=507054\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Erfindung des Lasers ebnete den Weg f\u00fcr diese Technologie.&nbsp;<strong>Anfang der 1960er Jahre<\/strong>&nbsp;pr\u00e4sentierte&nbsp;<strong>Pieter J. van Heerden<\/strong>&nbsp;von Polaroid die Idee, Daten&nbsp;<strong>dreidimensional als Hologramm<\/strong>&nbsp;in einem lichtempfindlichen Material abzuspeichern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Funktionsweise ist komplex: Ein Laserstrahl wird in zwei Strahlen aufgeteilt \u2013 einen&nbsp;<strong>Signalstrahl<\/strong>, der die digitalen Informationen als Muster von hellen und dunklen Punkten tr\u00e4gt, und einen&nbsp;<strong>Referenzstrahl<\/strong>. Das resultierende&nbsp;<strong>Interferenzmuster<\/strong>&nbsp;wird als Hologramm im Medium eingeschrieben<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/?curid=507054\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Beim Auslesen wird der Referenzstrahl wieder auf das Medium gerichtet, und aus der Wellenform des gebrochenen Lichts wird die urspr\u00fcngliche Information rekonstruiert<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/?curid=507054\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Vorteile sind verlockend<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Enorme Speicherkapazit\u00e4t<\/strong>: Das gesamte Volumen des Mediums kann genutzt werden<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/?curid=507054\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Hohe Daten\u00fcbertragungsraten<\/strong>: Durch das seitenweise (page-wise) Einschreiben und Auslesen k\u00f6nnen gro\u00dfe Datenmengen parallel verarbeitet werden<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/?curid=507054\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Lange Haltbarkeit<\/strong>: Holografische Medien k\u00f6nnen etwa\u00a0<strong>50 Jahre<\/strong>\u00a0halten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2005<\/strong>&nbsp;pr\u00e4sentierte die Firma InPhase einen Prototyp einer holografischen Festplatte \u2013 etwa doppelt so gro\u00df wie ein Toaster. Doch die Technologie hat bisher&nbsp;<strong>noch nicht die Marktreife<\/strong>&nbsp;erreicht<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/?curid=507054\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Herausforderungen liegen in den Materialien: Der photorefraktive Effekt, der den Brechungsindex des Mediums ver\u00e4ndert, tritt nur in bestimmten Kristallen und organischen Polymeren auf \u2013 und diese sind teuer und schwer zuverl\u00e4ssig herzustellen<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/?curid=507054\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Der Medienbruch: Verlorenes Wissen und die Gefahr der Digitalisierung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Datenspeicherung ist nicht nur eine Geschichte des Fortschritts. Sie ist auch eine Geschichte des&nbsp;<strong>Verlustes<\/strong>. Jeder Medienwechsel birgt die Gefahr, dass das auf den alten Medien gespeicherte Wissen&nbsp;<strong>unwiederbringlich verloren<\/strong>&nbsp;geht.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Lochkarten<\/strong>\u00a0sind heute nur noch in Museen zu finden. Die Maschinen, die sie lesen konnten, existieren kaum noch.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Magnetb\u00e4nder<\/strong>\u00a0der fr\u00fchen Computer generationen sind oft\u00a0<strong>unlesbar<\/strong>, weil die Bandspuren verblassen oder die Leseger\u00e4te nicht mehr verf\u00fcgbar sind.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Disketten<\/strong>, die in den 1980er und 90er Jahren allgegenw\u00e4rtig waren, sind heute ein Fall f\u00fcr Sammler. Die meisten modernen Computer haben kein Diskettenlaufwerk mehr.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>CDs und DVDs<\/strong>\u00a0altern physisch. Die reflektierende Schicht kann oxidieren, die Daten werden unlesbar.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Digitalisierung<\/strong>&nbsp;hat dieses Problem sogar versch\u00e4rft. W\u00e4hrend ein Papierdokument auch nach Jahrhunderten noch lesbar sein kann \u2013 sofern es nicht verbrennt oder verrottet \u2013 ist eine digitale Datei ohne das richtige&nbsp;<strong>Dateiformat<\/strong>&nbsp;und die richtige&nbsp;<strong>Hardware<\/strong>&nbsp;wertlos. Wer kann heute noch eine WordStar-Datei von 1985 \u00f6ffnen? Oder ein Bild im TIFF-Format von 1990?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Langzeitarchivierung<\/strong>&nbsp;digitaler Daten ist eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen unserer Zeit. Bibliotheken, Archive und Unternehmen k\u00e4mpfen mit der Frage, wie sie ihre digitalen Best\u00e4nde f\u00fcr die n\u00e4chsten Generationen erhalten k\u00f6nnen. Die Antworten sind komplex:&nbsp;<strong>Emulation<\/strong>&nbsp;(alte Systeme in Software nachbilden),&nbsp;<strong>Migration<\/strong>&nbsp;(Daten in neue Formate konvertieren) und&nbsp;<strong>Robuste Speichermedien<\/strong>&nbsp;(wie spezielle Archivierungs-DVDs mit einer Lebensdauer von 100 Jahren) sind einige der Ans\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7. Ein Blick auf die Zahlen: Die explosive Entwicklung der Speicherkapazit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung der Speicherkapazit\u00e4t ist eines der eindrucksvollsten Beispiele f\u00fcr exponentielles Wachstum in der Technikgeschichte:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Jahr<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Medium<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Kapazit\u00e4t<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Bemerkung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>1890<\/td><td>Lochkarte (Hollerith)<\/td><td>ca. 80 Zeichen<\/td><td>Erste Massendatenspeicherung<a href=\"https:\/\/www.wissen.de\/vom-magnetband-zum-dna-speicher-die-erstaunliche-evolution-der-datentraeger\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/td><\/tr><tr><td>1956<\/td><td>IBM 350 (Festplatte)<\/td><td>5 MB<\/td><td>Gr\u00f6\u00dfe eines K\u00fchlschranks, 1 Tonne Gewicht<\/td><\/tr><tr><td>1960er<\/td><td>Magnetband<\/td><td>Wenige MB<\/td><td>R\u00fcckgrat der Gro\u00dfrechner<a href=\"https:\/\/www.wissen.de\/vom-magnetband-zum-dna-speicher-die-erstaunliche-evolution-der-datentraeger\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/td><\/tr><tr><td>1980er<\/td><td>CD-ROM<\/td><td>650\u2013700 MB<\/td><td>Optisches Medium, revolution\u00e4r f\u00fcr Software-Verteilung<\/td><\/tr><tr><td>1990er<\/td><td>DVD<\/td><td>4,7\u20138,5 GB<\/td><td>H\u00f6here Kapazit\u00e4t f\u00fcr Video<\/td><\/tr><tr><td>2000er<\/td><td>Blu-ray<\/td><td>25\u201350 GB<\/td><td>Hochaufl\u00f6sendes Video<\/td><\/tr><tr><td>2020er<\/td><td>Festplatte (HDD)<\/td><td>bis zu 20 TB<\/td><td>Wahlfreier Zugriff, hohe Kapazit\u00e4t<\/td><\/tr><tr><td>2020er<\/td><td>SSD<\/td><td>bis zu 8 TB<\/td><td>Blitzschnell, keine beweglichen Teile<\/td><\/tr><tr><td>Zukunft<\/td><td>Holografischer Speicher<\/td><td>Theoretisch &gt; 1 TB pro cm\u00b3<\/td><td>Dreidimensionale Speicherung<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/?curid=507054\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit &amp; Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Datenspeicherung ist eine Geschichte von&nbsp;<strong>Br\u00fcchen und Kontinuit\u00e4ten<\/strong>. Jede neue Technologie hat die alte nicht einfach ersetzt, sondern ihr&nbsp;<strong>Aufgabenfelder<\/strong>&nbsp;weggenommen \u2013 und neue geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die\u00a0<strong>Lochkarte<\/strong>\u00a0lebt in den\u00a0<strong>ISO\u20119660\u2011Datenformaten<\/strong>\u00a0von CDs fort \u2013 beide speichern Daten in einem\u00a0<strong>sequenziellen, blockweisen Format<\/strong>.<\/li>\n\n\n\n<li>Das\u00a0<strong>Magnetband<\/strong>\u00a0hat in der\u00a0<strong>Archivierung<\/strong>\u00a0von Gro\u00dfrechenzentren \u00fcberlebt, weil es\u00a0<strong>preiswert und langlebig<\/strong>\u00a0ist.<\/li>\n\n\n\n<li>Die\u00a0<strong>Festplatte<\/strong>\u00a0bleibt das Arbeitstier der Rechenzentren, auch wenn sie zunehmend durch\u00a0<strong>SSDs<\/strong>\u00a0erg\u00e4nzt wird.<\/li>\n\n\n\n<li>Die\u00a0<strong>CD<\/strong>\u00a0ist als Musikmedium weitgehend verschwunden, aber ihr Erbe lebt in der\u00a0<strong>Blu-ray<\/strong>\u00a0und in der\u00a0<strong>Cloud<\/strong>\u00a0fort, die gro\u00dfe Datenmengen auf optischen und magnetischen Medien speichert.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Zukunft<\/strong>&nbsp;geh\u00f6rt wahrscheinlich einer&nbsp;<strong>Kombination<\/strong>&nbsp;verschiedener Technologien:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Holografische Speicher<\/strong>\u00a0k\u00f6nnten eines Tages die Kapazit\u00e4tsgrenzen sprengen<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/?curid=507054\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>DNA-Speicher<\/strong>\u00a0(in der Forschung erprobt) k\u00f6nnten die gesamte menschheitsgeschichtliche Informationsmenge in einem einzigen Gramm speichern<a href=\"https:\/\/www.wissen.de\/vom-magnetband-zum-dna-speicher-die-erstaunliche-evolution-der-datentraeger\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Quantenspeicher<\/strong>\u00a0sind noch Zukunftsmusik, aber sie k\u00f6nnten die Art und Weise, wie wir Daten speichern, grundlegend ver\u00e4ndern.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch eines bleibt: Die Frage nach der&nbsp;<strong>Haltbarkeit<\/strong>&nbsp;unseres digitalen Wissens. W\u00e4hrend wir immer mehr Daten produzieren \u2013 sch\u00e4tzungsweise&nbsp;<strong>120 Zettabyte<\/strong>&nbsp;(120 Milliarden Terabyte) bis 2025 \u2013, wird es immer schwieriger, sie f\u00fcr die Nachwelt zu bewahren. Die Technikgeschichte lehrt uns:&nbsp;<strong>Nichts ist f\u00fcr die Ewigkeit gemacht.<\/strong>&nbsp;Und das gilt auch f\u00fcr unsere Daten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Wikipedia: \u201eHerman Hollerith\u201c<\/em>\u00a0(Versionsunterschied)<\/li>\n\n\n\n<li><em>Wikipedia: \u201eLochstreifen\u201c<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Geschichtewiki Wien: \u201eLochkarte\u201c<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Wikipedia: \u201eMagnetband\u201c<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em><a href=\"https:\/\/wissen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">wissen.de<\/a>:\u00a0\u201eVom Magnetband zum DNA-Speicher\u201c<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Max-Planck-Institut f\u00fcr Mikrostrukturphysik: \u201eWie Perlen auf einer Schnur\u201c<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Wikipedia: \u201eHolografischer Speicher\u201c<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Deutschlandfunk: \u201eTolle Idee! Was wurde daraus? \u2013 Holografische Speichermedien\u201c<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>ComputerWeekly: \u201eHolografischer Speicher (Holografisches Storage)\u201c<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>LoadView: \u201eGeschichte der Computerspeicherung: Von Magnetband bis zur Cloud\u201c<\/em><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Es ist eine der stillsten, aber folgenreichsten Revolutionen der Menschheitsgeschichte: Die Art und Weise, wie wir Informationen aufbewahren, hat sich in den letzten zweihundert Jahren radikaler ver\u00e4ndert als in den zweitausend Jahren zuvor. W\u00e4hrend unsere Vorfahren ihre Geschichten in H\u00f6hlenmalereien, Tontafeln und Pergamenten festhielten, speichern wir heute ganze Bibliotheken auf einem Ger\u00e4t, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,19,32,1,37],"tags":[8424,1428,8423,8426,4025,4187,4275,8425],"class_list":["post-5956","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-kopf-methoden-werkzeuge","category-im-ruckspiegel","category-techarchaologie","category-uncategorized","category-wissenspeicher","tag-cd-rom","tag-datenspeicherung","tag-festplatte","tag-holografischer-speicher","tag-langzeitarchivierung","tag-lochkarte","tag-magnetband","tag-medienbruch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5956","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5956"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5956\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5957,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5956\/revisions\/5957"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5956"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5956"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5956"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}