{"id":6056,"date":"2026-10-20T08:31:01","date_gmt":"2026-10-20T08:31:01","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=6056"},"modified":"2026-07-03T08:32:23","modified_gmt":"2026-07-03T08:32:23","slug":"der-unbekannte-wettlauf-wer-erfand-wirklich-das-led","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-unbekannte-wettlauf-wer-erfand-wirklich-das-led\/","title":{"rendered":"Der unbekannte Wettlauf: Wer erfand wirklich das LED?"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort auf die Frage scheint auf den ersten Blick klar: Das LED \u2013 die Leuchtdiode \u2013 wurde 1962 von Nick Holonyak bei General Electric erfunden. So steht es in den Lehrb\u00fcchern, so wird es in den Medien zitiert, und so hat es sich im kollektiven Ged\u00e4chtnis der Technikgeschichte festgesetzt. Doch wie so oft in der Geschichte der Technik ist die Wahrheit komplexer, vielschichtiger und vor allem:&nbsp;<strong>ungerechter<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erfindung des LEDs ist kein einzelner Moment, keine singul\u00e4re Tat eines genialen Erfinders. Sie ist das Ergebnis eines&nbsp;<strong>Wettlaufs \u00fcber sieben Jahrzehnte<\/strong>&nbsp;\u2013 ein Wettlauf, der in den Laboratorien des zaristischen Russlands begann, \u00fcber die Werkb\u00e4nke der amerikanischen Industriegiganten f\u00fchrte und schlie\u00dflich in den hochmodernen Reinr\u00e4umen japanischer Chemiefirmen endete. Drei Nationen, drei Epochen, unz\u00e4hlige vergessene Pioniere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel zeichnet den wahren Verlauf dieses unbekannten Wettlaufs nach. Er holt die vergessenen Helden aus dem Schatten der Geschichte \u2013 allen voran den russischen Physiker Oleg Losev, der bereits in den 1920er Jahren das Prinzip der Leuchtdiode entdeckte, aber in der sowjetischen B\u00fcrokratie und im Hunger des Zweiten Weltkriegs unterging. Er zeigt, warum Holonyak dennoch zu Recht als \u201eVater der praktischen LED\u201c gilt. Und er erz\u00e4hlt die Geschichte der japanischen Forscher, die mit der blauen LED das fehlende Puzzlest\u00fcck lieferten \u2013 und daf\u00fcr 2014 den Nobelpreis erhielten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Die Entdeckung: Henry Round und das r\u00e4tselhafte Leuchten (1907)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte des LEDs beginnt nicht in einem hochmodernen Halbleiterlabor, sondern in der Werkstatt eines britischen Funkpioniers.&nbsp;<strong>Henry Joseph Round<\/strong>&nbsp;war ein junger Ingenieur, der f\u00fcr die Marconi Company arbeitete \u2013 jenes Unternehmen, das die drahtlose Telegrafie commercialisierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1907 experimentierte Round mit einem&nbsp;<strong>Siliziumkarbid-Kristall (Carborundum)<\/strong>&nbsp;, der als Detektor in fr\u00fchen Funkempf\u00e4ngern diente. Als er eine Spannung anlegte, beobachtete er ein&nbsp;<strong>schwaches, gelbliches Leuchten<\/strong>&nbsp;an der Kontaktstelle<a href=\"https:\/\/www.licht.de\/index.php?id=6729&amp;L=0%20%2F%2A%2133989aNd%2A%2F%201%20--\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Round war fasziniert, doch sein Arbeitgeber Marconi hatte andere Priorit\u00e4ten: Die Entwicklung von Funkortungsverfahren f\u00fcr die Seefahrt stand im Vordergrund<a href=\"https:\/\/www.licht.de\/index.php?id=6729&amp;L=0%20%2F%2A%2133989aNd%2A%2F%201%20--\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Round notierte seine Beobachtung in einem kurzen Artikel in der Zeitschrift&nbsp;<em>Electrical World<\/em>&nbsp;\u2013 und wandte sich dann anderen Dingen zu. Seine Entdeckung geriet in Vergessenheit<a href=\"https:\/\/www.licht.de\/index.php?id=6729&amp;L=0%20%2F%2A%2133989aNd%2A%2F%201%20--\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Round hatte die&nbsp;<strong>Elektrolumineszenz<\/strong>&nbsp;entdeckt \u2013 das Ph\u00e4nomen, dass bestimmte Halbleitermaterialien unter Stromfluss Licht abgeben. Aber er hatte keine Ahnung,&nbsp;<em>warum<\/em>&nbsp;das geschah, und er sah auch keine praktische Anwendung darin. Es blieb ein Kuriosum, eine Fu\u00dfnote in den Annalen der Elektrotechnik.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Der vergessene Pionier: Oleg Losev und die erste LED (1920er Jahre)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Round seine Entdeckung schnell verga\u00df, nahm sich ein anderer Forscher des Ph\u00e4nomens an \u2013 und widmete ihm sein gesamtes, viel zu kurzes Leben.&nbsp;<strong>Oleg Vladimirovich Losev<\/strong>&nbsp;wurde am 10. Mai 1903 in Twer, Russland, in eine adelige Familie geboren<a href=\"https:\/\/nl.m.wikipedia.org\/wiki\/Oleg_Vladimirovich_Losev\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/interestingengineering.com\/engineers-directory\/oleg-losev-engineers-biography\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sein Vater war Hauptmann in der zaristischen Armee<a href=\"https:\/\/interestingengineering.com\/engineers-directory\/oleg-losev-engineers-biography\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Russische Revolution und der darauf folgende B\u00fcrgerkrieg zerst\u00f6rten die gesellschaftliche Stellung seiner Familie. Losev, der 1920 die Schule abschloss<a href=\"https:\/\/interestingengineering.com\/engineers-directory\/oleg-losev-engineers-biography\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>, konnte kein regul\u00e4res Studium aufnehmen. Stattdessen arbeitete er als&nbsp;<strong>Techniker<\/strong>&nbsp;im Nischni Nowgoroder Radiolabor (NNRL) \u2013 dem ersten Radiolabor der jungen Sowjetunion<a href=\"https:\/\/interestingengineering.com\/engineers-directory\/oleg-losev-engineers-biography\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er war im Wesentlichen ein&nbsp;<strong>Autodidakt<\/strong>, ein begnadeter Techniker ohne formale akademische Ausbildung<a href=\"https:\/\/interestingengineering.com\/engineers-directory\/oleg-losev-engineers-biography\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Beobachtung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Techniker f\u00fcr Radioempf\u00e4nger experimentierte Losev mit Punktkontaktdioden aus&nbsp;<strong>Siliziumkarbid<\/strong>&nbsp;\u2013 denselben Kristalldetektoren, die auch Round verwendet hatte<a href=\"https:\/\/interestingengineering.com\/engineers-directory\/oleg-losev-engineers-biography\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Im Jahr 1924 bemerkte er, dass eine Gleichspannung an einem solchen Kontakt einen&nbsp;<strong>gr\u00fcnlichen Lichtfleck<\/strong>&nbsp;erzeugte<a href=\"https:\/\/interestingengineering.com\/engineers-directory\/oleg-losev-engineers-biography\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. W\u00e4hrend Round nur eine kurze Notiz hinterlassen hatte, begann Losev, das Ph\u00e4nomen&nbsp;<strong>systematisch zu untersuchen<\/strong><a href=\"https:\/\/interestingengineering.com\/engineers-directory\/oleg-losev-engineers-biography\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen 1924 und 1941 ver\u00f6ffentlichte Losev&nbsp;<strong>43 wissenschaftliche Arbeiten<\/strong>&nbsp;und erhielt&nbsp;<strong>16 Urheberzertifikate<\/strong>&nbsp;(das sowjetische \u00c4quivalent zu Patenten) f\u00fcr seine Forschungen auf dem Gebiet der Halbleiter<a href=\"https:\/\/interestingengineering.com\/engineers-directory\/oleg-losev-engineers-biography\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. 1927 ver\u00f6ffentlichte er die detaillierte Beschreibung dessen, was wir heute als LED bezeichnen w\u00fcrden, in einer russischen Fachzeitschrift<a href=\"https:\/\/nl.m.wikipedia.org\/wiki\/Oleg_Vladimirovich_Losev\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er erkannte, dass die Lichtemission die&nbsp;<strong>Umkehrung des photoelektrischen Effekts<\/strong>&nbsp;sein musste \u2013 eine Einsicht, die seiner Zeit weit voraus war<a href=\"https:\/\/www.licht.de\/index.php?id=6729&amp;L=0%20%2F%2A%2133989aNd%2A%2F%201%20--\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Anwendung: Das Lichtrelais<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Losev ging \u00fcber die reine Beobachtung hinaus. Er entwickelte konkrete Anwendungen f\u00fcr sein \u201eLichtrelais\u201c (Light Relay) und lie\u00df sich dieses&nbsp;<strong>Patentieren<\/strong><a href=\"http:\/\/www.natureasia.com\/ja-jp\/nphoton\/1\/4\/JnphotonInThisIssue07040103\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Seine Vision: Das Lichtrelais sollte in der Nachrichtentechnik eingesetzt werden \u2013 als optischer Schalter oder als Anzeigeelement. Er war seiner Zeit um fast vierzig Jahre voraus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das tragische Ende<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Losevs Karriere endete in der H\u00f6lle der&nbsp;<strong>Belagerung Leningrads<\/strong>&nbsp;(1941\u20131944). Am 22. Januar 1942 starb er \u2013 erst 38 Jahre alt \u2013 an den Folgen von&nbsp;<strong>Unterern\u00e4hrung<\/strong><a href=\"https:\/\/nl.m.wikipedia.org\/wiki\/Oleg_Vladimirovich_Losev\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/interestingengineering.com\/engineers-directory\/oleg-losev-engineers-biography\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er hinterlie\u00df keine Familie, kein Verm\u00f6gen, nur ein umfangreiches Werk, das in der Sowjetunion weitgehend unbeachtet blieb.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die sp\u00e4te Anerkennung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es dauerte Jahrzehnte, bis Losev die ihm geb\u00fchrende Anerkennung erhielt. 1935 hatte der franz\u00f6sische Physiker Georges Destriau das Ph\u00e4nomen der Elektrolumineszenz an Zinksulfid wiederentdeckt und es zu Ehren des russischen Pioniers&nbsp;<strong>\u201eLossew-Licht\u201c<\/strong>&nbsp;genannt<a href=\"https:\/\/www.licht.de\/index.php?id=6729&amp;L=0%20%2F%2A%2133989aNd%2A%2F%201%20--\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Doch erst im April 2007 \u2013 65 Jahre nach seinem Tod \u2013 w\u00fcrdigte die renommierte Fachzeitschrift&nbsp;<em>Nature Photonics<\/em>&nbsp;Losev als den&nbsp;<strong>wahren Erfinder der LED<\/strong><a href=\"https:\/\/nl.m.wikipedia.org\/wiki\/Oleg_Vladimirovich_Losev\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.natureasia.com\/ja-jp\/nphoton\/1\/4\/JnphotonInThisIssue07040103\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nikolay Zheludev, der Autor des Nature-Artikels, schrieb:&nbsp;<em>\u201eDie historischen Aufzeichnungen und die photonische Gemeinschaft haben zwei Pers\u00f6nlichkeiten fast vollst\u00e4ndig vergessen \u2013 H.J. Round und O.V. Losev \u2013 deren Beitr\u00e4ge zur Erfindung der LED von gro\u00dfer Bedeutung waren\u201c<\/em>&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.natureasia.com\/ja-jp\/nphoton\/1\/4\/JnphotonInThisIssue07040103\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Die amerikanische \u00c4ra: Nick Holonyak und die erste praktische LED (1962)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Losev in Leningrad verhungerte, entwickelte sich in den Vereinigten Staaten die Halbleiterphysik rasant. Die Erfindung des&nbsp;<strong>Transistors<\/strong>&nbsp;(1947) und des&nbsp;<strong>Lasers<\/strong>&nbsp;(1960) schuf die theoretischen und technologischen Grundlagen f\u00fcr eine neue Generation optoelektronischer Bauelemente.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Mann, der die Gl\u00fchlampe herausforderte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nick Holonyak Jr.<\/strong>&nbsp;wurde am 3. November 1928 in Zeigler, Illinois, als Sohn ukrainischer Einwanderer geboren<a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Nick-Holonyak-Jr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er studierte Elektrotechnik an der University of Illinois und wurde der&nbsp;<strong>erste Doktorand von John Bardeen<\/strong>, dem zweifachen Nobelpreistr\u00e4ger und Miterfinder des Transistors<a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Nick-Holonyak-Jr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Nach Stationen bei Bell Telephone Laboratories und beim Milit\u00e4r wechselte er 1957 zum&nbsp;<strong>General Electric (GE) Labor in Syracuse<\/strong>, New York<a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Nick-Holonyak-Jr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei GE arbeitete Holonyak eng mit&nbsp;<strong>Robert N. Hall<\/strong>&nbsp;zusammen, der 1962 einen&nbsp;<strong>Halbleiterlaser<\/strong>&nbsp;entwickelt hatte \u2013 allerdings nur f\u00fcr&nbsp;<strong>infrarotes<\/strong>&nbsp;Licht, das f\u00fcr das menschliche Auge unsichtbar war<a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Nick-Holonyak-Jr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1557\/mrs.2012.262\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Holonyak stellte sich eine ehrgeizigere Aufgabe:&nbsp;<strong>sichtbares Licht<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der 9. Oktober 1962<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am&nbsp;<strong>9. Oktober 1962<\/strong>&nbsp;gelang Holonyak der Durchbruch. Er demonstrierte der GE-F\u00fchrung die&nbsp;<strong>erste praktische sichtbare Leuchtdiode<\/strong>&nbsp;\u2013 ein schwaches&nbsp;<strong>rotes Leuchten<\/strong>, das von einem winzigen Kristall aus&nbsp;<strong>Galliumarsenidphosphid (GaAsP)<\/strong>&nbsp;ausging<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1557\/mrs.2012.262\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Nick-Holonyak-Jr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Bauteil war sowohl eine LED als auch ein Laser: Es erzeugte koh\u00e4rentes rotes Licht<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1557\/mrs.2012.262\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Holonyak wusste, dass seine Erfindung die Welt ver\u00e4ndern w\u00fcrde. In einem Interview 1963 sagte er:&nbsp;<em>\u201eWir glauben, dass es eine starke M\u00f6glichkeit gibt, den Laser als praktische Lichtquelle zu entwickeln. Es muss noch viel experimentelle Arbeit getan werden, und es k\u00f6nnte zehn Jahre oder l\u00e4nger dauern, bis eine solche Lampe f\u00fcr den breiten Einsatz bereit ist\u201c<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1557\/mrs.2012.262\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er sollte Recht behalten \u2013 wenn auch mit einer Verz\u00f6gerung von mehreren Jahrzehnten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Kommerzialisierung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits wenige Monate nach der Erfindung verkaufte GE Holonyaks rote LEDs f\u00fcr&nbsp;<strong>260 Dollar pro St\u00fcck<\/strong>&nbsp;\u2013 eine exorbitante Summe, die dem heutigen Gegenwert von \u00fcber 2.500 Dollar entspricht<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1557\/mrs.2012.262\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Laser-Version kostete&nbsp;<strong>2.600 Dollar<\/strong><a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1557\/mrs.2012.262\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dennoch fanden die ersten LEDs ihren Weg in&nbsp;<strong>Taschenrechner, Digitaluhren und Anzeigetafeln<\/strong><a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1557\/mrs.2012.262\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Holonyak verlie\u00df GE 1963, um eine Professur an der University of Illinois anzutreten<a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Nick-Holonyak-Jr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dort forschte er weiter auf dem Gebiet der Optoelektronik und entwickelte 1977 den&nbsp;<strong>ersten Quantentopf-Laser<\/strong><a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Nick-Holonyak-Jr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er starb am 18. September 2022 im Alter von 93 Jahren<a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Nick-Holonyak-Jr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum Holonyak der &#8222;Vater der LED&#8220; ist<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Holonyak wird oft als&nbsp;<em>der<\/em>&nbsp;Erfinder der LED bezeichnet \u2013 und das zu Recht, wenn auch mit einer wichtigen Einschr\u00e4nkung: Er war nicht der Erste, der das Ph\u00e4nomen der Elektrolumineszenz beobachtete. Aber er war der Erste, der eine&nbsp;<strong>praktisch nutzbare, kommerziell herstellbare<\/strong>&nbsp;Leuchtdiode entwickelte, die&nbsp;<strong>sichtbares Licht<\/strong>&nbsp;abstrahlte. Er verstand die zugrundeliegende Halbleiterphysik, w\u00e4hlte das richtige Material (GaAsP) und schuf ein Bauteil, das reproduzierbar war und in Serie gefertigt werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Die Pioniere der Farbpalette: Rot, Gr\u00fcn, Gelb (1960er\u20131970er)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Holonyaks rote LED war der Startschuss f\u00fcr eine rasante Entwicklung. Schon bald kamen weitere Farben hinzu:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>1964<\/strong>\u00a0entwickelte\u00a0<strong>George Craford<\/strong>\u00a0von der Firma Monsanto die\u00a0<strong>erste gelbe LED<\/strong>.<\/li>\n\n\n\n<li>In den\u00a0<strong>1970er Jahren<\/strong>\u00a0kamen gr\u00fcne, orange und gelbe LEDs auf den Markt, basierend auf verbesserten Halbleitermaterialien<a href=\"https:\/\/www.licht.de\/index.php?id=6729&amp;L=0%20%2F%2A%2133989aNd%2A%2F%201%20--\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die LEDs dieser \u00c4ra waren jedoch noch&nbsp;<strong>schwach<\/strong>&nbsp;\u2013 sie dienten als&nbsp;<strong>Anzeigeleuchten<\/strong>&nbsp;in Ger\u00e4ten, nicht als Raumbeleuchtung. Ihre Lichtausbeute lag bei&nbsp;<strong>1 bis 20 Lumen pro Watt<\/strong><a href=\"https:\/\/www.licht.de\/index.php?id=6729&amp;L=0%20%2F%2A%2133989aNd%2A%2F%201%20--\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die gro\u00dfe Revolution \u2013 die Erfindung der&nbsp;<strong>blauen LED<\/strong>&nbsp;\u2013 lie\u00df noch auf sich warten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Das fehlende Puzzlest\u00fcck: Die blaue LED und der Nobelpreis (1990er)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rote und gr\u00fcne LEDs gab es seit den 1960er Jahren. Aber ohne&nbsp;<strong>blaues Licht<\/strong>&nbsp;war es unm\u00f6glich,&nbsp;<strong>wei\u00dfes Licht<\/strong>&nbsp;zu erzeugen \u2013 sei es durch die Kombination von Rot, Gr\u00fcn und Blau (RGB) oder durch die Anregung eines Leuchtstoffs mit blauem Licht. Die blaue LED war das fehlende Puzzlest\u00fcck f\u00fcr die&nbsp;<strong>Revolution der Raumbeleuchtung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Problem: Galliumnitrid<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Herstellung einer blauen LED erwies sich als \u00e4u\u00dferst schwierig. Das daf\u00fcr ben\u00f6tigte Halbleitermaterial \u2013&nbsp;<strong>Galliumnitrid (GaN)<\/strong>&nbsp;\u2013 lie\u00df sich mit den damaligen Methoden nicht in der erforderlichen Qualit\u00e4t z\u00fcchten<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/physik-nobelpreis-fuer-die-blaue-led\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. W\u00e4hrend andere Forscher auf das leichter zu handhabende Zinkselenid setzten, erkannten die japanischen Wissenschaftler das Potenzial von GaN<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/physik-nobelpreis-fuer-die-blaue-led\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Shuji-Nakamura#ref1218051\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Pioniere: Akasaki und Amano<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Isamu Akasaki<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Hiroshi Amano<\/strong>&nbsp;arbeiteten Ende der 1980er Jahre an der Universit\u00e4t Nagoya gemeinsam an dem Problem<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/physik-nobelpreis-fuer-die-blaue-led\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.&nbsp;<strong>1986<\/strong>&nbsp;gelang ihnen der Durchbruch: Sie fanden einen Weg, hochwertige GaN-Kristalle auf einer Saphir-Oberfl\u00e4che zu z\u00fcchten, indem sie zun\u00e4chst eine Schicht Aluminiumnitrid auftrugen<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/physik-nobelpreis-fuer-die-blaue-led\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1988<\/strong>&nbsp;entdeckten sie durch Zufall, dass die&nbsp;<strong>Bestrahlung des Kristalls mit einem Elektronenstrahl<\/strong>&nbsp;im Elektronenmikroskop genau die Dotierungen erzeugte, die f\u00fcr blaues Licht n\u00f6tig waren<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/physik-nobelpreis-fuer-die-blaue-led\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.&nbsp;<strong>1992<\/strong>&nbsp;pr\u00e4sentierten sie ihre&nbsp;<strong>erste blau leuchtende LED<\/strong><a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/physik-nobelpreis-fuer-die-blaue-led\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Underdog: Shuji Nakamura<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur gleichen Zeit arbeitete&nbsp;<strong>Shuji Nakamura<\/strong>&nbsp;\u2013 ein eher unbekannter Wissenschaftler \u2013 bei dem kleinen Unternehmen&nbsp;<strong>Nichia Chemicals<\/strong>&nbsp;in Tokushima<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/physik-nobelpreis-fuer-die-blaue-led\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Nakamura hatte 1988 seinen Vorgesetzten \u00fcbergangen und sich direkt an den CEO gewandt, um&nbsp;<strong>3 Millionen Dollar<\/strong>&nbsp;f\u00fcr ein Forschungsprojekt an der University of Florida zu fordern \u2013 eine unerh\u00f6rte Summe f\u00fcr ein kleines Unternehmen<a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Shuji-Nakamura#ref1218051\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Zu seiner \u00dcberraschung stimmte der CEO zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seiner R\u00fcckkehr aus Florida im Jahr 1989 entschied sich Nakamura f\u00fcr&nbsp;<strong>Galliumnitrid<\/strong>&nbsp;als Material f\u00fcr die blaue LED<a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Shuji-Nakamura#ref1218051\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er entwickelte eine&nbsp;<strong>eigene Methode<\/strong>&nbsp;zur Kristallz\u00fcchtung und gelangte&nbsp;<strong>fast zur gleichen Zeit<\/strong>&nbsp;wie Akasaki und Amano ans Ziel<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/physik-nobelpreis-fuer-die-blaue-led\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.&nbsp;<strong>1993<\/strong>&nbsp;pr\u00e4sentierte er die&nbsp;<strong>erste hell strahlende, kommerziell erfolgreiche blaue LED<\/strong><a href=\"https:\/\/www.licht.de\/index.php?id=6729&amp;L=0%20%2F%2A%2133989aNd%2A%2F%201%20--\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sie war heller und effizienter als alles, was zuvor gezeigt worden war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4ter entwickelte Nakamura auch die&nbsp;<strong>sehr effiziente gr\u00fcne Indium-Galliumnitrid-LED (InGaN)<\/strong>&nbsp;und schlie\u00dflich eine&nbsp;<strong>wei\u00dfe LED<\/strong><a href=\"https:\/\/www.licht.de\/index.php?id=6729&amp;L=0%20%2F%2A%2133989aNd%2A%2F%201%20--\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Nobelpreis 2014<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2014 wurden&nbsp;<strong>Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura<\/strong>&nbsp;mit dem&nbsp;<strong>Nobelpreis f\u00fcr Physik<\/strong>&nbsp;ausgezeichnet \u2013 f\u00fcr&nbsp;<em>\u201edie Erfindung effizienter blauer Leuchtdioden, die energieeffiziente wei\u00dfe Lichtquellen erm\u00f6glicht hat\u201c<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.licht.de\/index.php?id=6729&amp;L=0%20%2F%2A%2133989aNd%2A%2F%201%20--\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die drei Japaner (Nakamura ist inzwischen US-Staatsb\u00fcrger)&nbsp;hatten das Puzzlest\u00fcck geliefert, das die LED von einer Anzeigetechnologie zu einem&nbsp;<strong>weltweit dominierenden Leuchtmittel<\/strong>&nbsp;machte. Heute erreichen LEDs eine Lichtausbeute von&nbsp;<strong>bis zu 300 Lumen pro Watt<\/strong>&nbsp;\u2013 ein Wert, der die Gl\u00fchlampe um das Zwanzigfache \u00fcbertrifft.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Eine Zeittafel des Wettlaufs<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Jahr<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Ereignis<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Ort<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Bedeutung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>1907<\/strong><\/td><td>Henry Round entdeckt Elektrolumineszenz an Siliziumkarbid<\/td><td>Gro\u00dfbritannien<\/td><td>Erste Beobachtung des Ph\u00e4nomens<\/td><\/tr><tr><td><strong>1924\u20131941<\/strong><\/td><td>Oleg Losev erforscht systematisch die LED, meldet Patente an<\/td><td>Sowjetunion<\/td><td>Erste wissenschaftliche Beschreibung und praktische Anwendung<\/td><\/tr><tr><td><strong>1935<\/strong><\/td><td>Georges Destriau pr\u00e4gt den Begriff &#8222;Lossew-Licht&#8220;<\/td><td>Frankreich<\/td><td>Sp\u00e4te Anerkennung Losevs<\/td><\/tr><tr><td><strong>1962<\/strong><\/td><td>Nick Holonyak demonstriert erste praktische rote LED<\/td><td>USA (GE)<\/td><td>Geburtsstunde der kommerziellen LED<\/td><\/tr><tr><td><strong>1964<\/strong><\/td><td>George Craford entwickelt gelbe LED<\/td><td>USA (Monsanto)<\/td><td>Erweiterung der Farbpalette<\/td><\/tr><tr><td><strong>1970er<\/strong><\/td><td>Gr\u00fcne, orange und gelbe LEDs kommen auf den Markt<\/td><td>USA\/Japan<\/td><td>LEDs werden bunter<\/td><\/tr><tr><td><strong>1986<\/strong><\/td><td>Akasaki und Amano z\u00fcchten hochwertige GaN-Kristalle<\/td><td>Japan<\/td><td>Grundlage f\u00fcr blaue LED<\/td><\/tr><tr><td><strong>1992<\/strong><\/td><td>Akasaki und Amano pr\u00e4sentieren erste blaue LED<\/td><td>Japan<\/td><td>Erste blaue LED<\/td><\/tr><tr><td><strong>1993<\/strong><\/td><td>Nakamura pr\u00e4sentiert kommerzielle blaue LED<\/td><td>Japan (Nichia)<\/td><td>Durchbruch f\u00fcr wei\u00dfe LED<\/td><\/tr><tr><td><strong>2014<\/strong><\/td><td>Akasaki, Amano, Nakamura erhalten Nobelpreis<\/td><td>Schweden<\/td><td>Offizielle Anerkennung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7. Die Frage: Wer erfand wirklich das LED?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort h\u00e4ngt davon ab, wie man \u201eErfindung\u201c definiert:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Wer entdeckte das Ph\u00e4nomen?<\/strong>\u00a0<strong>Henry Round<\/strong>\u00a0(1907). Aber er erkannte weder die physikalischen Grundlagen noch sah er eine Anwendung.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wer erforschte es systematisch und sah die Anwendung?<\/strong>\u00a0<strong>Oleg Losev<\/strong>\u00a0(1920er Jahre). Er verstand das Prinzip, meldete Patente an \u2013 aber seine Arbeit wurde ignoriert, und er starb, bevor er sie zur Marktreife bringen konnte.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wer schuf die erste praktische, kommerziell nutzbare LED?<\/strong>\u00a0<strong>Nick Holonyak<\/strong>\u00a0(1962). Seine rote LED war das erste Bauteil, das in Serie gefertigt und verkauft werden konnte.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wer machte die LED zur Raumbeleuchtung tauglich?<\/strong>\u00a0<strong>Akasaki, Amano und Nakamura<\/strong>\u00a0(1990er). Ihre blaue LED war das fehlende Puzzlest\u00fcck f\u00fcr wei\u00dfes Licht.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Technikgeschichte ist selten die Geschichte eines einzelnen Genies. Sie ist die Geschichte eines&nbsp;<strong>kollektiven Fortschritts<\/strong>, bei dem jeder Pionier auf den Schultern seiner Vorg\u00e4nger steht. Oleg Losev war seiner Zeit um vierzig Jahre voraus \u2013 aber er hatte nicht die technologischen Werkzeuge, um seine Vision zu verwirklichen. Nick Holonyak hatte diese Werkzeuge \u2013 aber ohne Losevs grundlegende Arbeit w\u00e4re er vielleicht nie auf die Idee gekommen. Und die Japaner hatten schlie\u00dflich das Material, das alles m\u00f6glich machte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit &amp; Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der unbekannte Wettlauf um die Erfindung der LED ist ein Lehrst\u00fcck \u00fcber die&nbsp;<strong>Ungerechtigkeit der Technikgeschichte<\/strong>. W\u00e4hrend Holonyak zu Lebzeiten mit Preisen \u00fcberh\u00e4uft wurde \u2013 darunter die National Medal of Science (1990), der Japan Prize (1995) und die IEEE Medal of Honor (2003)<a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Nick-Holonyak-Jr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;\u2013, starb Losev verhungert und vergessen in Leningrad. Erst 2007, 65 Jahre nach seinem Tod, erinnerte sich die Fachwelt an ihn<a href=\"https:\/\/nl.m.wikipedia.org\/wiki\/Oleg_Vladimirovich_Losev\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch: Die LED ist heute&nbsp;<strong>die dominierende Lichttechnologie<\/strong>&nbsp;der Welt. Sie verdr\u00e4ngt die Gl\u00fchlampe, die Leuchtstoffr\u00f6hre und bald vielleicht auch die Halogenlampe. Sie spart Energie, sie ist langlebig, sie ist vielseitig. Und sie ist das Ergebnis eines&nbsp;<strong>Jahrhundertprojekts<\/strong>&nbsp;\u2013 eines Projekts, an dem Russen, Amerikaner, Japaner, Briten und Franzosen beteiligt waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00e4chste Revolution steht bereits vor der T\u00fcr:&nbsp;<strong>OLEDs<\/strong>&nbsp;(organische LEDs) f\u00fcr flexible Displays,&nbsp;<strong>Micro-LEDs<\/strong>&nbsp;f\u00fcr hochaufl\u00f6sende Bildschirme,&nbsp;<strong>Quantenpunkt-LEDs<\/strong>&nbsp;f\u00fcr noch reinere Farben. Und vielleicht, eines Tages, werden auch die Pioniere von morgen auf den Schultern der Vergessenen von gestern stehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Nature Photonics: &#8222;Who invented the LED?&#8220;<\/em>, Vol. 1, April 2007<a href=\"http:\/\/www.natureasia.com\/ja-jp\/nphoton\/1\/4\/JnphotonInThisIssue07040103\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><em>Zheludev, N.: &#8222;The life and times of the LED \u2013 a 100-year history&#8220;<\/em>, Nature Photonics, 2007<\/li>\n\n\n\n<li><em>Wikipedia: &#8222;Oleg Losev&#8220;<\/em>\u00a0(niederl\u00e4ndische Ausgabe)<a href=\"https:\/\/nl.m.wikipedia.org\/wiki\/Oleg_Vladimirovich_Losev\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><em>Interesting Engineering: &#8222;Oleg Losev \u2013 Physicist &amp; Inventor&#8220;<\/em><a href=\"https:\/\/interestingengineering.com\/engineers-directory\/oleg-losev-engineers-biography\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><em>Britannica: &#8222;Nick Holonyak, Jr.&#8220;<\/em><a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Nick-Holonyak-Jr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><em>MRS Bulletin: &#8222;50 years ago: How Holonyak won the race to invent visible LEDs&#8220;<\/em>, Vol. 37, 2012<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1557\/mrs.2012.262\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><em>Scinexx: &#8222;Physik-Nobelpreis f\u00fcr die blaue LED&#8220;<\/em>, 2014<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/physik-nobelpreis-fuer-die-blaue-led\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><em>Britannica: &#8222;Shuji Nakamura&#8220;<\/em><a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Shuji-Nakamura#ref1218051\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><em><a href=\"https:\/\/licht.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Licht.de<\/a>:\u00a0&#8222;Die Geschichte der LED&#8220;<\/em><a href=\"https:\/\/www.licht.de\/index.php?id=6729&amp;L=0%20%2F%2A%2133989aNd%2A%2F%201%20--\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.licht.de\/de\/grundlagen\/beleuchtungstechnik\/led\/so-funktionieren-leds\/geschichte-der-led\/?L=1.%2c%2c%27%29%22%29%29%2c%28\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><em>Chemistry World: &#8222;Losev&#8217;s diodes&#8220;<\/em>, 2021<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Die Antwort auf die Frage scheint auf den ersten Blick klar: Das LED \u2013 die Leuchtdiode \u2013 wurde 1962 von Nick Holonyak bei General Electric erfunden. So steht es in den Lehrb\u00fcchern, so wird es in den Medien zitiert, und so hat es sich im kollektiven Ged\u00e4chtnis der Technikgeschichte festgesetzt. 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