{"id":6075,"date":"2026-10-26T11:04:39","date_gmt":"2026-10-26T11:04:39","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=6075"},"modified":"2026-07-03T11:05:32","modified_gmt":"2026-07-03T11:05:32","slug":"die-ewigkeit-der-mathematik-eine-reise-durch-5000-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-ewigkeit-der-mathematik-eine-reise-durch-5000-jahre\/","title":{"rendered":"Die Ewigkeit der Mathematik: Eine Reise durch 5000 Jahre"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mathematik ist die \u00e4lteste und zugleich die j\u00fcngste aller Wissenschaften. Sie ist \u00e4lter als jede Schrift, jede Stadt, jede Hochkultur \u2013 die ersten Kerben in Knochen und Holz, die Menschen vor 40.000 Jahren in die Welt ritzten, waren bereits Mathematik. Und sie ist j\u00fcnger als jeder andere Bereich des Wissens \u2013 jeden Tag, jede Stunde werden neue mathematische S\u00e4tze bewiesen, neue Zusammenh\u00e4nge entdeckt, neue Welten der Abstraktion erschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese zeitlose Gegenw\u00e4rtigkeit der Mathematik ist ihr gr\u00f6\u00dftes Geheimnis. Die S\u00e4tze des Pythagoras, die&nbsp;<em>Elemente<\/em>&nbsp;des Euklid, die Formeln des Euler \u2013 sie sind nicht veraltet, nicht \u00fcberholt, nicht durch neuere Erkenntnisse ersetzt worden. Sie sind so g\u00fcltig wie am Tag ihrer Entdeckung. Die Mathematik ist die einzige Wissenschaft, in der die Erkenntnisse von vor 2500 Jahren heute noch gelehrt werden \u2013 nicht aus historischem Interesse, sondern weil sie wahr sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Reise durch 5000 Jahre Mathematikgeschichte ist eine Reise durch die Geschichte des menschlichen Denkens selbst. Von den ersten Zahlensystemen der Sumerer \u00fcber die philosophische Mathematik der Griechen, die praktische Algebra der islamischen Welt, die Durchbr\u00fcche der Renaissance bis zur abstrakten Mathematik der Moderne \u2013 jede Epoche hat ihre eigenen Fragen, ihre eigenen Methoden, ihre eigenen Einsichten. Und jede Epoche hat die Mathematik reicher gemacht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die gro\u00dfen Wendepunkte: Ein \u00dcberblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Mathematik l\u00e4sst sich in f\u00fcnf gro\u00dfe Epochen einteilen, die jeweils durch einen grundlegenden Wandel des mathematischen Denkens gekennzeichnet sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Epoche<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Zeitraum<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Zentrale Errungenschaften<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Schl\u00fcsselfiguren<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Fr\u00fchzeit und Antike<\/td><td>3500 v. Chr. \u2013 500 n. Chr.<\/td><td>Stellenwertsystem, Satz des Pythagoras, Euklids&nbsp;<em>Elemente<\/em>, irrationale Zahlen<\/td><td>Pythagoras, Euklid, Archimedes, Diophantos<\/td><\/tr><tr><td>Mittelalter<\/td><td>500 \u2013 1500<\/td><td>Null als Zahl, Algebra, binomischer Lehrsatz, Fibonacci-Folge<\/td><td>Brahmagupta, al-Khwarizmi, Omar Chayyam, Fibonacci<\/td><\/tr><tr><td>Renaissance<\/td><td>1500 \u2013 1680<\/td><td>Komplexe Zahlen, Logarithmen, analytische Geometrie, Infinitesimalrechnung<\/td><td>Cardano, Descartes, Fermat, Newton, Leibniz<\/td><\/tr><tr><td>Aufkl\u00e4rung<\/td><td>1680 \u2013 1800<\/td><td>Newtonsche Mechanik, Wahrscheinlichkeitstheorie, Graphentheorie, Normalverteilung<\/td><td>Euler, Bernoulli, Laplace, Gau\u00df<\/td><\/tr><tr><td>Moderne<\/td><td>1800 \u2013 heute<\/td><td>Nichteuklidische Geometrien, Gruppentheorie, mathematische Logik, Computer<\/td><td>Galois, Riemann, Cantor, Turing, Wiles, Perelman<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Tabelle zeigt, wie sich die Mathematik von einer praktischen Rechenkunst zu einer abstrakten Wissenschaft entwickelt hat \u2013 und wie sie gleichzeitig immer m\u00e4chtiger wurde, um die Welt zu beschreiben und zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Grundpfeiler der Mathematik<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcnf grundlegende Ideen durchziehen die gesamte Geschichte der Mathematik. Sie sind die Pfeiler, auf denen das Geb\u00e4ude der Mathematik ruht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Die Zahl<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee der Zahl ist der Ursprung der Mathematik. Von den ersten Strichlisten bis zu den transzendenten Zahlen \u2013 die Zahl ist das grundlegendste mathematische Objekt. Die Entwicklung der Zahlensysteme \u2013 von den \u00e4gyptischen Hieroglyphen \u00fcber das babylonische Sexagesimalsystem bis zum indisch-arabischen Dezimalsystem \u2013 war ein Prozess der zunehmenden Abstraktion. Die Null, die negativen Zahlen, die irrationalen Zahlen, die imagin\u00e4ren Zahlen \u2013 jeder Schritt erweiterte den Begriff der Zahl und er\u00f6ffnete neue mathematische Welten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Die Form<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geometrie ist die Wissenschaft der Formen. Von den ersten Vermessungen der \u00c4gypter \u00fcber die&nbsp;<em>Elemente<\/em>&nbsp;des Euklid bis zu den nichteuklidischen Geometrien des 19. Jahrhunderts \u2013 die Geometrie hat sich immer wieder neu erfunden. Die Entdeckung, dass es nicht nur eine, sondern viele Geometrien gibt \u2013 euklidische, hyperbolische, elliptische \u2013 war eine der gr\u00f6\u00dften \u00dcberraschungen der Mathematik. Sie zeigte, dass die Geometrie nicht an die Anschauung gebunden ist, sondern eine freie Sch\u00f6pfung des menschlichen Geistes.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Die Ver\u00e4nderung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Analysis ist die Wissenschaft der Ver\u00e4nderung. Die Infinitesimalrechnung von Newton und Leibniz erm\u00f6glichte es, Bewegungen, Wachstumsprozesse, Schwingungen und unz\u00e4hlige andere Ph\u00e4nomene zu beschreiben. Die Differenzialgleichungen, die aus der Analysis entstanden, sind die Grundlage der modernen Physik. Die Analysis zeigt, dass die Mathematik nicht nur statische Strukturen beschreibt, sondern auch dynamische Prozesse.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Die Struktur<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Algebra ist die Wissenschaft der Strukturen. Von den ersten Gleichungen der Babylonier \u00fcber die L\u00f6sungsformeln der Renaissance bis zur abstrakten Algebra des 20. Jahrhunderts \u2013 die Algebra hat sich von einer Methode zur L\u00f6sung konkreter Probleme zu einer Theorie abstrakter Strukturen entwickelt. Die Gruppentheorie, die Ringtheorie, die K\u00f6rpertheorie \u2013 all dies sind algebraische Strukturen, die in der gesamten Mathematik auftauchen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Die Logik<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Logik ist die Wissenschaft des Schlussfolgerns. Die Syllogismen des Aristoteles, die boolesche Algebra, die mathematische Logik von Frege und Russell, die Unvollst\u00e4ndigkeitss\u00e4tze von G\u00f6del \u2013 all dies sind Versuche, die Prinzipien des logischen Denkens zu verstehen und zu formalisieren. Die Logik ist die Grundlage der Mathematik \u2013 ohne sie g\u00e4be es keine Beweise, keine S\u00e4tze, keine Gewissheit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die gro\u00dfe Synthese<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Mathematik ist auch eine Geschichte der Synthese. Immer wieder haben Mathematiker scheinbar getrennte Gebiete miteinander verbunden und dadurch neue Einsichten gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste gro\u00dfe Synthese war die Verbindung von Algebra und Geometrie durch Descartes. Die analytische Geometrie zeigte, dass algebraische Gleichungen geometrische Kurven beschreiben \u2013 und dass geometrische Probleme algebraisch gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Diese Synthese war die Grundlage f\u00fcr die Infinitesimalrechnung und die gesamte moderne Mathematik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite gro\u00dfe Synthese war die Verbindung von Analysis und Geometrie durch Euler und Gau\u00df. Die Differentialgeometrie, die Euler begr\u00fcndete, beschreibt gekr\u00fcmmte Fl\u00e4chen mit den Mitteln der Analysis. Diese Synthese wurde zur Grundlage der allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie Einsteins.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die dritte gro\u00dfe Synthese war die Verbindung von Algebra und Geometrie durch Galois und die algebraische Geometrie. Die Galois-Theorie zeigt, dass die L\u00f6sungen von Gleichungen mit den Symmetrien der Nullstellen zusammenh\u00e4ngen \u2013 eine Verbindung, die zu den tiefsten Einsichten der Mathematik gef\u00fchrt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vierte gro\u00dfe Synthese ist die Verbindung von Zahlentheorie und harmonischer Analyse im Langlands-Programm. Diese Verbindung, die Robert Langlands in den 1960er Jahren vorschlug, ist eines der ehrgeizigsten Projekte der modernen Mathematik. Sie zeigt, dass die scheinbar getrennten Bereiche der Mathematik tief miteinander verwoben sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Mathematik und die Welt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mathematik ist keine isolierte Disziplin. Sie ist tief mit der Welt verbunden \u2013 mit der Physik, der Technik, der Wirtschaft, der Kunst. Diese Verbindung ist wechselseitig: Die Mathematik liefert die Werkzeuge f\u00fcr die Wissenschaften, und die Wissenschaften liefern die Probleme f\u00fcr die Mathematik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Physik ist das beste Beispiel f\u00fcr diese Verbindung. Von Newtons&nbsp;<em>Principia<\/em>&nbsp;\u00fcber die Maxwellschen Gleichungen bis zur Quantenmechanik \u2013 die Mathematik ist die Sprache der Physik. Die Differentialgleichungen, die Euler und Lagrange entwickelten, beschreiben die Bewegung von Planeten und Fl\u00fcssigkeiten. Die komplexen Zahlen, die Bombelli einf\u00fchrte, sind die Grundlage der Elektrotechnik. Die nichteuklidischen Geometrien, die Gau\u00df und Riemann entwickelten, beschreiben die Kr\u00fcmmung der Raumzeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Technik ist ein weiteres Beispiel. Die Logarithmen von Napier waren ein Werkzeug f\u00fcr Astronomen und Navigatoren. Die Infinitesimalrechnung von Newton und Leibniz war die Grundlage f\u00fcr den Br\u00fcckenbau und die Maschinenkonstruktion. Die Matrizen, die Cayley einf\u00fchrte, sind die Grundlage f\u00fcr die Computergrafik. Die Turing-Maschine ist die Grundlage f\u00fcr den Computer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kunst ist ein drittes Beispiel. Die Perspektive in der Renaissancemalerei war eine Anwendung der Geometrie. Der Goldene Schnitt war ein Symbol f\u00fcr die Harmonie in der Kunst. Die Fraktale von Mandelbrot sind heute ein beliebtes Motiv in der Computergrafik.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die offenen Fragen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz aller Fortschritte ist die Mathematik noch lange nicht vollst\u00e4ndig. Es gibt unz\u00e4hlige offene Fragen \u2013 einige alt, einige neu, einige scheinbar einfach, einige extrem komplex.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die riemannsche Vermutung \u2013 die Vermutung \u00fcber die Verteilung der Primzahlen \u2013 ist vielleicht die ber\u00fchmteste offene Frage der Mathematik. Sie ist seit 1859 ungel\u00f6st und wird von vielen Mathematikern als das wichtigste ungel\u00f6ste Problem angesehen. Ein Beweis der riemannschen Vermutung w\u00fcrde unser Verst\u00e4ndnis der Primzahlen revolutionieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die goldbachsche Vermutung \u2013 dass jede gerade Zahl gr\u00f6\u00dfer als 2 die Summe zweier Primzahlen ist \u2013 ist ein weiteres altes Problem. Sie wurde 1742 von Christian Goldbach aufgestellt und ist bis heute unbewiesen \u2013 obwohl sie f\u00fcr alle Zahlen bis zu&nbsp;<math xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/1998\/Math\/MathML\"><semantics><mrow><mn>4<\/mn><mo>\u22c5<\/mo><msup><mn>10<\/mn><mn>18<\/mn><\/msup><\/mrow><\/semantics><\/math>4\u22c51018&nbsp;\u00fcberpr\u00fcft wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das P-NP-Problem \u2013 die Frage, ob jede leicht zu verifizierende L\u00f6sung auch leicht zu finden ist \u2013 ist ein Problem der Informatik mit tiefen mathematischen Implikationen. Es ist eines der Millennium-Probleme des Clay Mathematics Institute \u2013 und eines der wichtigsten ungel\u00f6sten Probleme der modernen Mathematik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage nach der Natur der Unendlichkeit \u2013 die Cantor mit seiner transfiniten Arithmetik beantwortet hat \u2013 ist noch nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt. Die Kontinuumshypothese, die Cantor aufstellte, wurde 1963 von Paul Cohen als unabh\u00e4ngig von den \u00fcblichen Axiomen der Mengenlehre bewiesen \u2013 aber die Frage, welche Axiome die &#8222;richtigen&#8220; sind, ist noch offen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Zukunft der Mathematik<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mathematik wird sich weiterentwickeln \u2013 schneller als je zuvor. Die Digitalisierung hat die Mathematik ver\u00e4ndert: Computer sind nicht nur Werkzeuge, sondern auch Partner der Mathematiker. Sie erm\u00f6glichen es, komplexe Berechnungen durchzuf\u00fchren, die fr\u00fcher unm\u00f6glich waren, und sie erm\u00f6glichen es, neue Arten von Beweisen zu f\u00fchren \u2013 wie beim Vier-Farben-Satz, der 1976 als erster gro\u00dfer Satz mit Computernhilfe bewiesen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die k\u00fcnstliche Intelligenz wird die Mathematik weiter ver\u00e4ndern. Schon heute k\u00f6nnen KI-Systeme mathematische Beweise finden und neue Vermutungen aufstellen. Die Frage, ob eine KI jemals ein wirklich neues mathematisches Problem l\u00f6sen kann \u2013 ein Problem, das von Menschen noch nicht gestellt wurde \u2013, ist offen. Aber sie zeigt, dass die Mathematik nicht nur eine menschliche Aktivit\u00e4t ist, sondern eine universelle Sprache des Denkens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verbindung von Mathematik und Physik wird weiterhin fruchtbar sein. Die Stringtheorie \u2013 ein Versuch, die Grundkr\u00e4fte der Natur zu vereinheitlichen \u2013 hat zu neuen mathematischen Strukturen gef\u00fchrt, die von Mathematikern unabh\u00e4ngig von ihrer physikalischen Bedeutung studiert werden. Die Quanteninformation \u2013 die Grundlage f\u00fcr den Quantencomputer \u2013 hat zu neuen mathematischen Fragen gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mathematik wird auch neue Anwendungen finden \u2013 in der Biologie, der Medizin, der \u00d6konomie, der Soziologie. Die mathematische Modellierung wird immer wichtiger werden, um komplexe Systeme zu verstehen \u2013 von der Gehirnforschung bis zum Klimawandel.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Die Mathematik als ewige Wahrheit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Mathematik ist die Geschichte der Suche nach Wahrheit. Sie ist die Geschichte von Menschen, die sich die Frage gestellt haben, was wahr ist und wie man es beweisen kann \u2013 und die Antworten gefunden haben, die so g\u00fcltig sind wie am Tag ihrer Entdeckung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mathematik ist eine ewige Wissenschaft \u2013 nicht weil ihre S\u00e4tze unver\u00e4nderlich sind, sondern weil sie wahr sind. Der Satz des Pythagoras war wahr, bevor Pythagoras ihn entdeckte, und er wird wahr bleiben, wenn es keine Menschen mehr gibt. Die Mathematik ist nicht menschengemacht \u2013 sie ist menschenentdeckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Einsicht ist die tiefste Einsicht der Mathematik. Sie zeigt, dass die Welt eine Ordnung hat \u2013 eine Ordnung, die wir mit unserem Verstand erkennen k\u00f6nnen. Die Mathematik ist das Werkzeug dieser Erkenntnis \u2013 und sie ist zugleich das Ergebnis dieser Erkenntnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reise durch 5000 Jahre Mathematikgeschichte ist eine Reise zu den Wurzeln unseres Denkens. Sie zeigt, wie wir die Welt verstehen gelernt haben \u2013 und wie wir immer noch lernen, sie zu verstehen. Die Mathematik ist keine abgeschlossene Wissenschaft \u2013 sie ist eine lebendige, sich st\u00e4ndig weiterentwickelnde Disziplin. Und sie wird uns noch viele \u00dcberraschungen bringen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Euklid:\u00a0<em>Elemente<\/em>\u00a0(um 300 v. Chr.)<\/li>\n\n\n\n<li>Archimedes:\u00a0<em>Kyklou metresis<\/em>\u00a0(um 250 v. Chr.)<\/li>\n\n\n\n<li>al-Khwarizmi:\u00a0<em>Al-kitab al-muhtasar fi hisab al-dschabr wa-l-muqabala<\/em>\u00a0(um 830)<\/li>\n\n\n\n<li>Fibonacci:\u00a0<em>Liber Abbaci<\/em>\u00a0(1202)<\/li>\n\n\n\n<li>Ren\u00e9 Descartes:\u00a0<em>La G\u00e9om\u00e9trie<\/em>\u00a0(1637)<\/li>\n\n\n\n<li>Isaac Newton:\u00a0<em>Philosophiae Naturalis Principia Mathematica<\/em>\u00a0(1687)<\/li>\n\n\n\n<li>Leonhard Euler:\u00a0<em>Introductio in Analysin Infinitorum<\/em>\u00a0(1748)<\/li>\n\n\n\n<li>Carl Friedrich Gau\u00df:\u00a0<em>Disquisitiones Arithmeticae<\/em>\u00a0(1801)<\/li>\n\n\n\n<li>Bernhard Riemann:\u00a0<em>\u00dcber die Anzahl der Primzahlen unter einer gegebenen Gr\u00f6\u00dfe<\/em>\u00a0(1859)<\/li>\n\n\n\n<li>Georg Cantor:\u00a0<em>Beitr\u00e4ge zur Begr\u00fcndung der transfiniten Mengenlehre<\/em>\u00a0(1897)<\/li>\n\n\n\n<li>David Hilbert:\u00a0<em>Mathematische Probleme<\/em>\u00a0(1900)<\/li>\n\n\n\n<li>Kurt G\u00f6del:\u00a0<em>\u00dcber formal unentscheidbare S\u00e4tze der Principia Mathematica und verwandter Systeme<\/em>\u00a0(1931)<\/li>\n\n\n\n<li>Alan Turing:\u00a0<em>On Computable Numbers, with an Application to the Entscheidungsproblem<\/em>\u00a0(1937)<\/li>\n\n\n\n<li>Andrew Wiles:\u00a0<em>Modular Elliptic Curves and Fermat&#8217;s Last Theorem<\/em>\u00a0(1995)<\/li>\n\n\n\n<li>Grigori Perelman:\u00a0<em>The Entropy Formula for the Ricci Flow and its Geometric Applications<\/em>\u00a0(2002)<\/li>\n\n\n\n<li>Morris Kline:\u00a0<em>Mathematical Thought from Ancient to Modern Times<\/em>\u00a0(1972)<\/li>\n\n\n\n<li>John Stillwell:\u00a0<em>Mathematics and Its History<\/em>\u00a0(1989)<\/li>\n\n\n\n<li>Peter L. Bernstein:\u00a0<em>Against the Gods: The Remarkable Story of Risk<\/em>\u00a0(1996)<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von DerSchneider Einleitung Die Mathematik ist die \u00e4lteste und zugleich die j\u00fcngste aller Wissenschaften. Sie ist \u00e4lter als jede Schrift, jede Stadt, jede Hochkultur \u2013 die ersten Kerben in Knochen und Holz, die Menschen vor 40.000 Jahren in die Welt ritzten, waren bereits Mathematik. 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