{"id":6320,"date":"2026-07-10T08:18:52","date_gmt":"2026-07-10T08:18:52","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=6320"},"modified":"2026-07-10T08:18:53","modified_gmt":"2026-07-10T08:18:53","slug":"das-vertikale-fernsehen-der-80er-ein-gescheitertes-experiment-defekte-bildroehren-und-das-goldene-zeitalter-der-reparaturwerkstaetten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/das-vertikale-fernsehen-der-80er-ein-gescheitertes-experiment-defekte-bildroehren-und-das-goldene-zeitalter-der-reparaturwerkstaetten\/","title":{"rendered":"Das vertikale Fernsehen der 80er \u2013 Ein gescheitertes Experiment, defekte Bildr\u00f6hren und das goldene Zeitalter der Reparaturwerkst\u00e4tten"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war ein kurioser Moment in der Geschichte des deutschen Fernsehens: Anfang der 1980er Jahre rief der WDR die Zuschauer dazu auf, ihre Fernsehger\u00e4te kurzerhand um 90 Grad zu drehen. Der Grund war eine Fernsehsendung namens \u201eHochkant\u201c, ein experimentelles Theaterst\u00fcck, das im vertikalen Format ausgestrahlt wurde. Was wie eine skurrile Anekdote aus der Fernsehgeschichte klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ein faszinierendes Schlaglicht auf eine \u00c4ra, in der die Elektronik noch handwerklich greifbar war \u2013 und in der genau diese Greifbarkeit f\u00fcr eine ganze Branche zum lukrativen Gesch\u00e4ftsmodell wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn das \u201eHochkant-Fernsehen\u201c der 80er Jahre war nicht nur ein medienhistorisches Kuriosum. Es war ein Stresstest f\u00fcr die damalige Ger\u00e4tetechnik, ein Spiegel der Reparaturkultur und nicht zuletzt ein wirtschaftlicher Gl\u00fccksfall f\u00fcr die Fernsehfachgesch\u00e4fte der Zeit. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen Hintergr\u00fcnde, die typischen Sch\u00e4den der R\u00f6hrenfernseher-\u00c4ra und die Frage, warum ausgerechnet die 1980er Jahre f\u00fcr viele Fachbetriebe ein goldenes Zeitalter waren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Hochkant-Experiment von 1981: Als der Fernseher auf die Seite fiel<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 4. Oktober 1981 strahlte der Hessische Rundfunk (HR) im Rahmen der ARD eine Fernsehproduktion aus, die unter dem Titel \u201eHochkant\u201c firmierte. Es handelte sich um ein Fernsehspiel von Volker K\u00fchn und Wolfgang Braune, das bewusst im Hochformat inszeniert worden war. Die Zuschauer wurden aufgefordert, ihre heimischen Fernsehger\u00e4te entsprechend zu drehen, um das St\u00fcck in seiner vollen vertikalen Pracht genie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee dahinter war mutig: Ein Fernsehspiel, das die B\u00fchne nicht in die Breite, sondern in die H\u00f6he erz\u00e4hlt \u2013 mit Handlungen auf mehreren Ebenen, die das vertikale Format narrativ nutzten. Aus heutiger Perspektive wirkt das Experiment wie ein fr\u00fcher Vorbote der heutigen Smartphone-\u00c4ra, in der Hochkant-Videos zum Alltag geh\u00f6ren. Damals jedoch war es ein Einzelfall, ein k\u00fcnstlerischer Ausrei\u00dfer, der nie wiederholt wurde. Die Resonanz des Publikums blieb verhalten \u2013 nicht zuletzt, weil das Umdrehen eines R\u00f6hrenfernsehers keine triviale Angelegenheit war.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die technische Herausforderung: Warum das Drehen der Ger\u00e4te riskant war<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein R\u00f6hrenfernseher der 1980er Jahre war kein leichtes Unterfangen. Die Ger\u00e4te wogen oft zwischen 30 und 50 Kilogramm, und ihr Inneres war eine empfindliche Elektronenlandschaft aus Bildr\u00f6hren, Zeilentrafos, Netzteilen und unz\u00e4hligen L\u00f6tstellen. Das Herzst\u00fcck jedes Fernsehers war die Kathodenstrahlr\u00f6hre (CRT), eine mehrere Kilogramm schwere Glasvakuumr\u00f6hre, die das Bild erzeugte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Drehen eines solchen Ger\u00e4ts um 90 Grad war aus mehreren Gr\u00fcnden problematisch:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Magnetische Ablenkung<\/strong>: Die Bildr\u00f6hre funktionierte mit elektromagnetischen Ablenkspulen, die den Elektronenstrahl zeilenweise \u00fcber den Bildschirm lenkten. Diese Spulen waren auf das Erdmagnetfeld und die horizontale Ausrichtung des Ger\u00e4ts kalibriert. Eine Drehung konnte zu Verzerrungen des Bildes f\u00fchren \u2013 und im schlimmsten Fall zu dauerhaften Sch\u00e4den an der Ablenkeinheit.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Mechanische Belastung<\/strong>: Die Bildr\u00f6hre selbst war ein empfindliches Bauteil. Ihr Inneres stand unter Vakuum, und die Glaswand war nur wenige Millimeter dick. Eine unsachgem\u00e4\u00dfe Bewegung oder ein Sturz konnten zur Implosion der R\u00f6hre f\u00fchren \u2013 ein gef\u00e4hrlicher Vorfall, bei dem Glassplitter mit hoher Geschwindigkeit nach innen geschleudert wurden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>W\u00e4rmeableitung<\/strong>: Die Ger\u00e4te der 80er Jahre waren f\u00fcr eine bestimmte Bel\u00fcftungssituation ausgelegt. Wurde ein Fernseher gedreht, konnten die L\u00fcftungsschlitze blockiert werden, was zu einer \u00dcberhitzung empfindlicher Bauteile f\u00fchrte.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Typische Sch\u00e4den der R\u00f6hrenfernseher-\u00c4ra<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngig vom Hochkant-Experiment waren die Fernsehger\u00e4te der 1980er Jahre anf\u00e4llig f\u00fcr eine Reihe typischer Defekte. Wer heute in einschl\u00e4gigen Foren st\u00f6bert, findet eine lange Liste von Symptomen, die den Technikern der damaligen Zeit bestens vertraut waren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Zeilentrafo \u2013 das Sorgenkind der Fernsehtechnik<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zeilentrafo (auch Horizontal- oder Zeilen\u00fcbertrager genannt) war das Bauteil, das die Hochspannung f\u00fcr die Bildr\u00f6hre erzeugte. Er war zugleich eines der am h\u00e4ufigsten ausfallenden Komponenten. Ein Techniker erinnert sich: \u201eAls ich in den 80igern diese Chassis in den damaligen Fernsehern noch repariert hatte, war es eigentlich immer nur der Trafo\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Typische Anzeichen f\u00fcr einen defekten Zeilentrafo waren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Brutzeln oder Knistern<\/strong>\u00a0aus dem Ger\u00e4t, oft begleitet von flackernden Punkten im Bild<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ein stechender, saurer Geruch<\/strong>, verursacht durch durchgeschlagene Isolierung der Trafowicklungen<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kompletter Bildausfall<\/strong>\u00a0oder ein nur halb so gro\u00dfes Bild mit schwarzen R\u00e4ndern<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reparatur eines Zeilentrafos war aufwendig: Oft musste das gesamte Chassis ausgebaut werden, und das Ausl\u00f6ten des defekten Bauteils erforderte Geschick und Erfahrung. In einigen F\u00e4llen riss die Kunststoffummantelung des Trafos, was zu \u00dcberschl\u00e4gen und Kurzschl\u00fcssen f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weitere h\u00e4ufige Defekte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben dem Zeilentrafo plagten die Ger\u00e4te der 80er Jahre eine Reihe weiterer Probleme:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Bauteil \/ Fehlerbild<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Typische Ursache<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>H\u00e4ufigkeit<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Bildr\u00f6hre (Gr\u00fcn-\/Blaustich)<\/td><td>Alterung der Elektronenkanonen, defekte Trimmpotis<\/td><td>Mittel<\/td><\/tr><tr><td>Ablenkspulen<\/td><td>\u00dcberhitzung, L\u00f6tstellenbruch<\/td><td>Gering<\/td><\/tr><tr><td>Netztrafo<\/td><td>Isolationsfehler, Spannungsspitzen<\/td><td>Gering bis mittel<\/td><\/tr><tr><td>Kondensatoren (Elkos)<\/td><td>Austrocknung, Alterung<\/td><td>Hoch<\/td><\/tr><tr><td>L\u00f6tstellen (insb. auf der Sockelplatine)<\/td><td>Thermozyklische Erm\u00fcdung, Staub<\/td><td>Hoch<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders t\u00fcckisch war, dass viele Fehler erst nach Jahren der Nutzung auftraten \u2013 genau dann, wenn die Garantie l\u00e4ngst abgelaufen war. Ein Forenbeitrag aus dem Jahr 2016 berichtet von einem RFT-Fernseher Colormat 4510A, bei dem nach \u00fcber zehn Jahren der Zeilentrafo \u201eaufgeplatzt\u201c war.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die wirtschaftliche Dimension: Ein goldenes Zeitalter f\u00fcr Fachgesch\u00e4fte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die hohe Fehleranf\u00e4lligkeit der R\u00f6hrenfernseher war f\u00fcr die Fernsehfachgesch\u00e4fte der 1980er Jahre ein Segen. In einer Zeit, in der ein neuer Farbfernseher zwischen 3.700 DM (DDR) und \u00fcber 6.000 DM (Bundesrepublik) kostete, war die Reparatur eines defekten Ger\u00e4ts oft die einzig wirtschaftlich sinnvolle Option.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Reparaturkosten im Vergleich<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reparaturkosten f\u00fcr einen Fernseher bewegten sich je nach Defekt in einer Bandbreite, die heute fast unvorstellbar erscheint. Ein Zeitzeuge berichtet, dass die Reparatur eines Nordmende-Farbfernsehers in den 1980er Jahren \u201emehrmals teuer\u201c war. Allein f\u00fcr das \u00d6ffnen des Ger\u00e4ts und die Erstellung eines Kostenvoranschlags wurden damals schon Geb\u00fchren f\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vergleich dazu: Die Anschaffung eines neuen Ger\u00e4ts war ein erheblicher finanzieller Einschnitt. Ein durchschnittlicher Arbeiter verdiente Anfang der 1980er Jahre etwa 2.000 bis 2.500 DM brutto im Monat \u2013 ein Fernseher kostete also zwei bis drei Monatsgeh\u00e4lter. Unter diesen Umst\u00e4nden war jede Reparatur, die unter 500 DM lag, eine lohnende Investition.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Gesch\u00e4ftsmodell der Fachgesch\u00e4fte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Radio- und Fernsehfachgesch\u00e4fte der 1980er Jahre waren weit mehr als reine Verkaufsstellen. Sie waren Reparaturwerkst\u00e4tten, Servicezentren und oft auch die einzige Anlaufstelle f\u00fcr technische Probleme im Haushalt. Viele dieser Betriebe existierten seit den 1950er oder 1960er Jahren und hatten sich \u00fcber Jahrzehnte ein treues Kundenstamm aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gesch\u00e4ftsmodell war einfach und effektiv:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Verkauf von Neuger\u00e4ten<\/strong>\u00a0\u2013 mit ordentlichen Margen, aber vergleichsweise seltenen Transaktionen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Reparatur und Wartung<\/strong>\u00a0\u2013 das eigentliche Standbein. Die Werkstatt hinten im Laden war oft der Umsatzbringer.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ersatzteilverkauf<\/strong>\u00a0\u2013 von Bildr\u00f6hren \u00fcber Trafos bis hin zu Kondensatoren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kundendienst vor Ort<\/strong>\u00a0\u2013 viele Techniker fuhren noch zu den Kunden nach Hause, was zus\u00e4tzliche Einnahmen brachte.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein ehemaliger Fernsehtechniker, der seine Lehre 1980 abgeschlossen hatte, berichtet, dass bei defekten Fernsehern \u201emeist nur ein Modul getauscht werden\u201c musste, um sie wieder zum Laufen zu bringen. Diese modulare Reparatur war effizient und profitabel \u2013 und sie hielt die Kunden bei der Stange.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Rolle der Hersteller<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist die Rolle der Ger\u00e4tehersteller in diesem \u00d6kosystem. Marken wie Grundig, Telefunken, SABA, Philips oder der DDR-Hersteller RFT produzierten Ger\u00e4te, die oft \u00fcber viele Jahre hinweg repariert werden konnten. Die Ersatzteilversorgung war vergleichsweise gut, und viele Techniker kannten die typischen Schwachstellen der einzelnen Chassis auswendig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig waren die Hersteller aber auch daran interessiert, dass Ger\u00e4te nicht ewig hielten \u2013 ein klassischer Zielkonflikt, der bis heute fortbesteht. Die Einf\u00fchrung neuer Technologien wie Videotext, Bildschirmtext oder sp\u00e4ter die ersten Flachbildschirme sorgte daf\u00fcr, dass auch funktionierende Ger\u00e4te irgendwann veraltet wirkten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Niedergang des Reparaturgesch\u00e4fts<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das goldene Zeitalter der Fernsehreparatur w\u00e4hrte nicht ewig. Mehrere Faktoren f\u00fchrten ab den sp\u00e4ten 1990er Jahren zu einem schleichenden Niedergang:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Preisverfall bei Neuger\u00e4ten<\/strong>: Mit der Einf\u00fchrung von Flachbildschirmen und der Massenfertigung in Asien fielen die Preise f\u00fcr neue Fernseher dramatisch. Ein 42-Zoll-Flachbildfernseher kostete um 2010 oft weniger als eine durchschnittliche Reparatur eines R\u00f6hrenger\u00e4ts.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wegfall der Reparaturkompetenz<\/strong>: Die neuen Ger\u00e4te waren nicht mehr f\u00fcr eine Reparatur auf Komponentenebene ausgelegt. Statt einzelner Bauteile wurden ganze Platinen getauscht \u2013 was die Reparatur teurer und f\u00fcr viele Fachgesch\u00e4fte unwirtschaftlich machte.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ver\u00e4nderung des Konsumverhaltens<\/strong>: Die Wegwerfmentalit\u00e4t hielt Einzug. Ein defekter Fernseher wurde nicht mehr repariert, sondern entsorgt und durch ein neues, oft g\u00fcnstigeres Ger\u00e4t ersetzt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Konkurrenz durch Gro\u00dfm\u00e4rkte<\/strong>: Elektronikm\u00e4rkte mit eigenen Serviceschienen dr\u00e4ngten die kleinen Fachgesch\u00e4fte aus dem Markt.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele der einst bl\u00fchenden Radio- und Fernsehfachgesch\u00e4fte mussten schlie\u00dfen. Wer heute noch einen R\u00f6hrenfernseher reparieren lassen will, sucht oft vergeblich \u2013 oder st\u00f6\u00dft auf spezialisierte Hobbyisten und Sammler, die aus Leidenschaft weitermachen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hochkant-Fernsehen von 1981 war ein kurzes, aber bezeichnendes Experiment. Es zeigte, dass die Technik der damaligen Zeit zwar prinzipiell flexibel war, aber an ihre Grenzen stie\u00df, wenn man sie gegen ihren konstruktiven Zweck verwendete. Die Sch\u00e4den, die dabei auftreten konnten \u2013 von verzerrten Bildern bis hin zu defekten Zeilentrafos \u2013 waren ein Symptom einer \u00c4ra, in der Elektronik noch handwerklich beherrschbar war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Beherrschbarkeit war zugleich die wirtschaftliche Grundlage f\u00fcr die Fernsehfachgesch\u00e4fte der 1980er Jahre. Sie profitierten von einer Technik, die robust genug war, um repariert zu werden, und zugleich anf\u00e4llig genug, um regelm\u00e4\u00dfig in die Werkstatt zu m\u00fcssen. Es war eine Symbiose aus Technik, Handwerk und Handel, die heute weitgehend verschwunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fragen, die sich daraus ergeben, sind auch f\u00fcr die Gegenwart relevant: Was gewinnen wir, wenn Ger\u00e4te immer g\u00fcnstiger und zugleich immer weniger reparierbar werden? Und was verlieren wir? Das \u201eRecht auf Reparatur\u201c, das heute politisch diskutiert wird, ist in gewisser Weise eine R\u00fcckbesinnung auf die Werte jener \u00c4ra \u2013 auf Langlebigkeit, Handwerkskunst und die Einsicht, dass ein defektes Ger\u00e4t nicht automatisch ein Fall f\u00fcr den M\u00fcll ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist das Hochkant-Experiment von 1981 also nicht nur eine skurrile Fu\u00dfnote der Fernsehgeschichte, sondern auch ein stiller Mahner: Technik sollte nicht nur funktionieren, sondern auch verstanden und instand gehalten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Heise Online \/ TV-Foren: Diskussionen zum Hochkant-Experiment von 1981 (u.a. \u201eG\u00f6tterd\u00e4mmerung\u201c, \u201eWer erinnert sich noch an das Experiment\u201c)<\/li>\n\n\n\n<li>Radio-Bastler Forum: Beitr\u00e4ge zu Zeilentrafo-Defekten und Reparaturerfahrungen aus den 1980er Jahren<\/li>\n\n\n\n<li>Rundfunkforum: Diskussionen zu typischen Fernsehdefekten der R\u00f6hren\u00e4ra<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/mikrocontroller.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mikrocontroller.net<\/a>:\u00a0Forenbeitr\u00e4ge zur Reparaturpraxis in den 1980er Jahren<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/wertgarantie.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wertgarantie.de<\/a>:\u00a0Fachartikel zur Funktionsweise und Bedeutung der Bildr\u00f6hre<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/welt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Welt.de<\/a>:\u00a0Berichterstattung zur Entwicklung der Fernsehtechnik und Reparaturkosten<\/li>\n\n\n\n<li>Diverse Forenbeitr\u00e4ge (<a href=\"https:\/\/dampfradioforum.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">dampfradioforum.de<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/arcadezentrum.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">arcadezentrum.com<\/a>,\u00a0klasse\u2013<a href=\"https:\/\/tv.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">tv.de<\/a>)\u00a0zu spezifischen Schadensbildern und Reparaturtechniken<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/isteshaltbar.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Isteshaltbar.de<\/a>:\u00a0Preisliche Einordnung von Fernsehger\u00e4ten um 1980<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Es war ein kurioser Moment in der Geschichte des deutschen Fernsehens: Anfang der 1980er Jahre rief der WDR die Zuschauer dazu auf, ihre Fernsehger\u00e4te kurzerhand um 90 Grad zu drehen. 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