{"id":6360,"date":"2026-07-11T05:06:55","date_gmt":"2026-07-11T05:06:55","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=6360"},"modified":"2026-07-11T05:06:56","modified_gmt":"2026-07-11T05:06:56","slug":"die-illusion-vom-arbeitenden-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-illusion-vom-arbeitenden-geld\/","title":{"rendered":"Die Illusion vom arbeitenden Geld"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist einer der am h\u00e4ufigsten wiederholten S\u00e4tze in Finanzratgebern, Verm\u00f6gensberatungen und Selbsthilfeb\u00fcchern:&nbsp;<em>\u201eLass dein Geld f\u00fcr dich arbeiten.\u201c<\/em>&nbsp;Die Vorstellung klingt verlockend \u2013 entspannt in der H\u00e4ngematte liegen, w\u00e4hrend das Kapital im Hintergrund flei\u00dfig Rendite erwirtschaftet. Doch bei genauem Hinsehen entpuppt sich dieser Satz als eine der folgenreichsten sprachlichen Verschleierungen unserer Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage ist simpel, die Antwort f\u00fcr viele unangenehm:&nbsp;<strong>Kann Geld \u00fcberhaupt arbeiten?<\/strong>&nbsp;Die n\u00fcchterne Wirklichkeit lautet: Nein. Geld hat keine H\u00e4nde, keine Muskeln, keine kreative Intelligenz. Es kann sich nicht von selbst vermehren, es kann keine Produkte herstellen, keine Dienstleistungen erbringen und keine Probleme l\u00f6sen.<a href=\"https:\/\/www.neuenarrative.de\/magazin\/milliarden-vs-milliardaere-geld-arbeitet-nicht-sondern-menschen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Was wir \u201earbeitendes Geld\u201c nennen, ist in Wahrheit ein komplexes System von Anrechten, Umverteilungsmechanismen und Machtverh\u00e4ltnissen \u2013 dessen eigentliche Last stets von jenen getragen wird, die die reale Wertsch\u00f6pfung erbringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel nimmt die Illusion vom arbeitenden Geld auseinander. Er fragt nach den historischen Wurzeln dieses Denkens, beleuchtet den Mechanismus hinter Aussch\u00fcttungen von Fonds und Versicherungen, analysiert die gesellschaftlichen Konsequenzen und wagt einen Blick in die Zukunft. Dabei geht es nicht um pauschale Kapitalismuskritik um ihrer selbst willen, sondern um ein ehrliches Verst\u00e4ndnis dessen, was hinter den glatten Finanzfloskeln tats\u00e4chlich steckt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Ursprung der Illusion: Woher kommt der Gedanke?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorstellung, dass Geld \u201earbeiten\u201c k\u00f6nne, ist keineswegs uralt. Sie ist ein Produkt der modernen Finanzwelt, gen\u00e4hrt von der zunehmenden Abstraktion wirtschaftlicher Prozesse. Der Wirtschaftsexperte Arno Gahrmann, Professor f\u00fcr Finanzierung und Investition, beschreibt in seiner Streitschrift \u201eWir arbeiten und nicht das Geld\u201c eindringlich, wie sich die \u201e\u00d6konomie\u201c als Prinzip der Gewinnmaximierung von einem \u201eWirtschaften\u201c entfernt hat, das den Menschen in den Mittelpunkt r\u00fcckt.<a href=\"https:\/\/www.prozukunft.org\/buecher\/geld-arbeitet-nicht\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Historisch betrachtet war Geld lange Zeit nichts anderes als ein Tauschmittel \u2013 ein praktisches Werkzeug, um den Austausch von Waren und Dienstleistungen zu erleichtern. Wer Geld besa\u00df, konnte sich damit die Arbeit anderer kaufen. Der entscheidende Wandel setzte mit der Industrialisierung ein, als Kapital zunehmend in Produktionsmittel investiert wurde und die Trennung zwischen Kapitalbesitzern und Lohnarbeitern sich verfestigte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Karl Marx analysierte diesen Mechanismus im 19. Jahrhundert mit der Theorie des&nbsp;<strong>Mehrwerts<\/strong>: Der Kapitalbesitzer kauft die Arbeitskraft des Arbeiters zu einem Preis, der dessen Existenz sichert \u2013 aber der Wert, den der Arbeiter in der Produktion schafft, liegt h\u00f6her als dieser Lohn. Die Differenz ist der Mehrwert, der vom Kapitalbesitzer angeeignet wird.&nbsp;Genau hier liegt der Kern:&nbsp;<strong>Das Kapital braucht die Arbeit zur Absch\u00f6pfung von Mehrwert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der CDU-Politiker und fr\u00fchere Arbeitsminister Norbert Bl\u00fcm brachte es auf den Punkt:&nbsp;<em>\u201eIch hab Geld noch nie arbeiten g\u2018sehn.\u201c<\/em>&nbsp;F\u00fcr ihn ist Arbeit das, \u201ewas Werte schafft\u201c \u2013 und die Akteure der Finanzwirtschaft, die mit Geld spielen und glauben, es w\u00fcrde arbeiten, sind in seinen Augen \u201eHochstapler\u201c.<a href=\"https:\/\/kurier.at\/wirtschaft\/bluem-hab-geld-noch-nie-arbeiten-gsehn\/756.664\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die heutige Selbsthilfeliteratur ist voll von dem Ratschlag, endlich aus der M\u00fchsal des Arbeitslebens auszusteigen und sein Geld f\u00fcr sich \u201earbeiten zu lassen\u201c.<a href=\"https:\/\/www.neuenarrative.de\/magazin\/milliarden-vs-milliardaere-geld-arbeitet-nicht-sondern-menschen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Doch dieses Versprechen verschweigt systematisch, dass Geld sich vor allem dann vermehrt, wenn man bereits viel davon besitzt. Wer zwei, zehn oder hundert Millionen Euro zum Investieren hat, kann in der Regel gut von der Rendite leben \u2013 mit 20.000 oder 50.000 Euro wird die Sache schon schwerer, wenn nicht unm\u00f6glich. Je gr\u00f6\u00dfer das Verm\u00f6gen, desto gr\u00f6\u00dfer ist auch die Rendite. In den allermeisten F\u00e4llen stammt so viel Kapital nicht aus Arbeit, sondern aus Erbschaften.<a href=\"https:\/\/www.neuenarrative.de\/magazin\/milliarden-vs-milliardaere-geld-arbeitet-nicht-sondern-menschen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Mechanismus: Woher kommen die Aussch\u00fcttungen wirklich?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage des Nutzers im zugrundeliegenden Dialog war pr\u00e4zise:&nbsp;<em>\u201eWoher kommen die Aussch\u00fcttungen bei Fonds und Versicherern?\u201c<\/em>&nbsp;Die Antwort ist ebenso pr\u00e4zise \u2013 und sie entlarvt die Illusion vom arbeitenden Geld.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fonds: Weitergeleitete Ertr\u00e4ge aus realer Wirtschaft<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Investmentfonds ist ein Sammelbecken, das in Unternehmen oder Verm\u00f6genswerte investiert. Die Aussch\u00fcttungen, die Anleger erhalten, sind nichts anderes als&nbsp;<strong>weitergeleitete Ertr\u00e4ge aus der realen Wirtschaft<\/strong>. Die Quelle h\u00e4ngt von der Fondsart ab:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Fondsart<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Quelle der Aussch\u00fcttung<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Reale T\u00e4tigkeit dahinter<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Aktienfonds<\/td><td>Dividenden<\/td><td>Gewinne aus Produktion, Verkauf, Dienstleistungen<\/td><\/tr><tr><td>Rentenfonds<\/td><td>Zinsertr\u00e4ge<\/td><td>Kreditnehmer zahlen f\u00fcr geliehenes Kapital<\/td><\/tr><tr><td>Immobilienfonds<\/td><td>Mieteinnahmen<\/td><td>Mieter zahlen f\u00fcr Nutzung von Geb\u00e4uden<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aussch\u00fcttende Fonds bieten Anlegern die M\u00f6glichkeit, regelm\u00e4\u00dfige Ertr\u00e4ge zu erhalten.&nbsp;Doch die H\u00f6he der Aussch\u00fcttung ist kein Qualit\u00e4tsmerkmal \u2013 sie ist schlicht der Teil der Gewinne, Zinsen und Mieten, den die Unternehmen und Schuldner erwirtschaftet haben und den der Fonds an die Anteilseigner weitergibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jeder Euro, den ein Anleger als Dividende oder Zins erh\u00e4lt, ist ein Euro, der nicht an den Arbeitnehmer als h\u00f6heren Lohn, nicht an den Kunden als niedrigeren Preis und nicht in das Unternehmen als Investition geflossen ist.<\/strong>&nbsp;Das ist keine moralische Wertung, sondern eine n\u00fcchterne Beschreibung des Verteilungsmechanismus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Versicherungen: Die \u00dcberschussbeteiligung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Lebens- und Rentenversicherungen ist der Mechanismus \u00e4hnlich, aber weniger transparent. Hier spricht man von der&nbsp;<strong>\u00dcberschussbeteiligung<\/strong>. Der Versicherer legt die Beitr\u00e4ge der Kunden an \u2013 und wenn die tats\u00e4chlichen Ertr\u00e4ge h\u00f6her ausfallen als bei der Kalkulation angenommen, werden die \u00dcbersch\u00fcsse an die Versicherten weitergegeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese \u00dcbersch\u00fcsse entstehen aus drei Quellen:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Kapitalanlage\u00fcberschuss<\/strong>: H\u00f6here Ertr\u00e4ge aus der Geldanlage als kalkuliert<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Risiko\u00fcberschuss<\/strong>: Weniger Schadensf\u00e4lle als angenommen<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kosten\u00fcberschuss<\/strong>: Niedrigere Verwaltungskosten als geplant<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch hier gilt: Die Quelle ist letztlich die Wertsch\u00f6pfung in der Realwirtschaft \u2013 die Arbeit von Menschen, die Produkte herstellen, Dienstleistungen erbringen und Immobilien nutzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die fundamentale Verschiebung: Vom Real- zum Finanzkapitalismus<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit den 1970er-Jahren hat sich die Wirtschaft schleichend vom Real- zum Finanzkapitalismus gewandelt. Die Finanzm\u00e4rkte \u00fcben einen wachsenden Einfluss auf die Realwirtschaft aus.<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Finanzmarkt-Kapitalismus\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Gewinne entstehen zunehmend \u00fcber finanzielle Kan\u00e4le \u2013 hohe Dividendenzahlungen, ged\u00e4mpftes Lohnwachstum und zur\u00fcckhaltende Investitionen sind die Folge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister spricht vom \u201eHauptr\u00e4tsel der wirtschaftlichen Entwicklung der Nachkriegszeit\u201c \u2013 und meint damit die zunehmende Entkopplung von Finanzstr\u00f6men und realer Wertsch\u00f6pfung.&nbsp;Der Soziologe Christoph Deutschmann, der den gesellschaftlichen Umgang mit Geld erforscht, hat vorgeschlagen, dass Aktien nicht mehr auf Kredit gekauft werden d\u00fcrften und mit Geld nicht Geld verdient werden d\u00fcrfte \u2013 ein radikaler Gedanke, der zeigt, wie tief die Kritik am Finanzkapitalismus in der Wissenschaft verankert ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die gesellschaftlichen Konsequenzen: Wer tr\u00e4gt die Last?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Illusion vom arbeitenden Geld ist nicht harmlos. Sie hat reale gesellschaftliche Konsequenzen \u2013 und zwar zulasten derer, die die Wertsch\u00f6pfung tats\u00e4chlich erbringen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ungleichheit als Systemmerkmal<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Finanzexperte Arno Gahrmann warnt davor, dass die sich auft\u00fcrmenden Schulden- und Verm\u00f6gensberge nichts mehr mit realem Wirtschaften zu tun h\u00e4tten:&nbsp;<em>\u201eTats\u00e4chlich wird seit Jahrzehnten ein Kapital aus Pappmaschee gebildet, aus dem niemals mehr reale Leistungen hervorgelockt werden k\u00f6nnen.\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.prozukunft.org\/buecher\/geld-arbeitet-nicht\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Er unterscheidet zwischen \u201egutem\u201c Kapital, das aufgrund realer Ressourceneinsparung oder intelligenter Arbeit gebildet wurde, und \u201eminderwertigem Kapital\u201c, das \u201enur durch Fronarbeit und Verschuldung Dritter\u201c entsteht.<a href=\"https:\/\/www.prozukunft.org\/buecher\/geld-arbeitet-nicht\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kapitalismuskritik weist seit dem 19. Jahrhundert auf die Konsequenzen dieser Dynamik hin: Ausbeutung und Verelendung der arbeitenden Klasse, die Konzentration von Verm\u00f6gen und Macht in den H\u00e4nden weniger.<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kapitalismuskritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Die Wertkritik geht noch weiter und sieht im Kapitalismus die \u201eindirekte Herrschaft eines abstrakten Verh\u00e4ltnisses \u00fcber die Menschen\u201c \u2013 ein Verh\u00e4ltnis, das die Menschen t\u00e4glich selbst aktiv reproduzieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Mythos des passiven Einkommens<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders perfide ist der Mythos des \u201epassiven Einkommens\u201c. Die Vorstellung, man k\u00f6nne sein Geld f\u00fcr sich arbeiten lassen, suggeriert, dass Einkommen ohne eigene Anstrengung m\u00f6glich sei \u2013 und dass dies erstrebenswert und moralisch neutral sei.<a href=\"https:\/\/www.neuenarrative.de\/magazin\/milliarden-vs-milliardaere-geld-arbeitet-nicht-sondern-menschen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Doch dieses Versprechen verschleiert, dass jede Rendite irgendwo erarbeitet werden muss \u2013 nur eben von anderen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland leben \u00fcber 800.000 Menschen, die so verm\u00f6gend sind, dass sie nicht auf Arbeit angewiesen sind.<a href=\"https:\/\/www.neuenarrative.de\/magazin\/milliarden-vs-milliardaere-geld-arbeitet-nicht-sondern-menschen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Ihr Einkommen speist sich aus Kapitalertr\u00e4gen \u2013 also aus Aussch\u00fcttungen, die letztlich auf der Arbeit anderer beruhen. Das ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Merkmal des Finanzkapitalismus.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Blick in die Zukunft: Wohin entwickelt sich das System?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gegenw\u00e4rtige Entwicklung ist ambivalent. Einerseits f\u00fchrt die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung dazu, dass immer mehr Arbeit aus der Produktion herausgenommen werden muss.&nbsp;Andererseits w\u00e4chst die Ungleichheit zwischen Kapital- und Arbeitseinkommen weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 2008 beginnende Finanzkrise hat die Kritik am Finanzkapitalismus verst\u00e4rkt.&nbsp;In der Schweiz wurde eine Volksinitiative eingereicht, die vorsieht, Kapitaleinkommen \u00fcber einem bestimmten Betrag zu 150 Prozent zu besteuern und den Mehrertrag f\u00fcr die Entlastung von Arbeitseinkommen zu verwenden.<a href=\"https:\/\/www.denknetz.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Geld_arbeitet_nicht_wir_schon.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Solche Ans\u00e4tze zeigen, dass der politische Druck w\u00e4chst, das Verh\u00e4ltnis von Kapital und Arbeit neu zu justieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die grundlegende Frage bleibt unbeantwortet:&nbsp;<strong>Wie kann eine Wirtschaft organisiert werden, die den Menschen wieder in den Mittelpunkt r\u00fcckt?<\/strong>&nbsp;Arno Gahrmann pl\u00e4diert f\u00fcr eine St\u00e4rkung der Regionen \u2013 denn eine regionale Wirtschaft erf\u00fclle \u201eunmittelbar die tats\u00e4chlichen Bed\u00fcrfnisse der Menschen nach sinnvoller und verbindender Arbeit, guten Produkten und Erhalt ihrer Umwelt\u201c und bilde \u201eeine Sicherung gegen die von uns auf absehbare Zeit nicht beeinflussbare globale \u00d6konomie\u201c.<a href=\"https:\/\/www.prozukunft.org\/buecher\/geld-arbeitet-nicht\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Die nackte Wahrheit hinter der Floskel<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aussage \u201eGeld muss arbeiten\u201c ist eine sprachliche Verschleierung. Sie verschiebt die aktive Rolle auf das Kapital und macht unsichtbar, wer die eigentliche Last tr\u00e4gt.&nbsp;<strong>Geld arbeitet nicht \u2013 Menschen tun es.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer eine Fondaussch\u00fcttung oder eine Versicherungsdividende auf dem Konto sieht, sieht nicht \u201edie Fr\u00fcchte seiner Arbeit\u201c. Er sieht den Teil des fremden Arbeitsertrags, den der Markt ihm zuspricht, weil er das Eigentum an den Produktionsmitteln oder den Schuldscheinen besitzt. Das ist kein Betrug \u2013 es ist der Mechanismus des Kapitalismus. Aber es ist auch keine \u201eArbeit\u201c des Geldes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Formulierung vom \u201earbeitenden Geld\u201c ist eine elegante Floskel der Verm\u00f6gensverwalter, um den unangenehmen Umstand zu kaschieren, dass das System auf einer grundlegenden Schieflage basiert. Wer sein Geld \u201earbeiten\u201c l\u00e4sst, lebt am Ende von der Arbeit der anderen. Das ist die nackte Wahrheit \u2013 und sie verdient es, beim Namen genannt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende Frage f\u00fcr die Zukunft lautet nicht, wie man sein Geld noch besser \u201earbeiten\u201c lassen kann. Sie lautet:&nbsp;<strong>Wie wollen wir als Gesellschaft mit dieser Erkenntnis umgehen?<\/strong>&nbsp;Die Antwort darauf wird dar\u00fcber entscheiden, ob wir in einer Welt leben, in der diejenigen, die den Wohlstand erarbeiten, auch an ihm teilhaben \u2013 oder in einer Welt, in der die Schere zwischen Kapital und Arbeit weiter auseinanderklafft, bis sie un\u00fcberbr\u00fcckbar wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong><a href=\"https:\/\/denknetz.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">denknetz.ch<\/a>\u00a0\/ edition 8 (Hrsg.)<\/strong>:\u00a0<em>Geld arbeitet nicht \u2013 wir schon!<\/em>\u00a0Abstimmungsbuch, Z\u00fcrich 2021.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.denknetz.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Geld_arbeitet_nicht_wir_schon.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Deutschmann, Christoph<\/strong>: Wirtschaftssoziologische Forschungen zum gesellschaftlichen Umgang mit Geld.\u00a0<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gahrmann, Arno<\/strong>:\u00a0<em>Wir arbeiten und nicht das Geld<\/em>\u00a0\u2013 Streitschrift des Wirtschaftsexperten und Professors f\u00fcr Finanzierung und Investition an der Hochschule Bremen.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.prozukunft.org\/buecher\/geld-arbeitet-nicht\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Getty, John Paul<\/strong>: Ber\u00fchmter Ausspruch: \u201e\u00dcber Geld spricht man nicht.\u201c\u00a0<a href=\"https:\/\/www.neuenarrative.de\/magazin\/milliarden-vs-milliardaere-geld-arbeitet-nicht-sondern-menschen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Habermas, J\u00fcrgen<\/strong>: Kritische Einordnung des Finanzmarktkapitalismus als neo-feudalistische Entwicklung.\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Finanzmarkt-Kapitalismus\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Marx, Karl<\/strong>: Mehrwerttheorie und Kapitalismuskritik im 19. Jahrhundert.\u00a0<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Neue Narrative<\/strong>:\u00a0<em>Geld arbeitet nicht! Menschen tun es.<\/em>\u00a0Magazinbeitrag zur Kritik der Finanzfloskeln.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.neuenarrative.de\/magazin\/milliarden-vs-milliardaere-geld-arbeitet-nicht-sondern-menschen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Schulmeister, Stephan<\/strong>:\u00a0<em>Realkapitalismus und Finanzkapitalismus<\/em>\u00a0\u2013 Essay zum \u201eHauptr\u00e4tsel der wirtschaftlichen Entwicklung der Nachkriegszeit\u201c.\u00a0<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Windolf, Paul<\/strong>: Soziologe, Pr\u00e4gung des Begriffs \u201eFinanzmarkt-Kapitalismus\u201c.\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Finanzmarkt-Kapitalismus\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wikipedia<\/strong>:\u00a0<em>Kapitalismuskritik<\/em>\u00a0\u2013 \u00dcbersicht \u00fcber historische und gegenw\u00e4rtige Kritikans\u00e4tze.\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kapitalismuskritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wikipedia<\/strong>:\u00a0<em>Finanzmarkt-Kapitalismus<\/em>\u00a0\u2013 Begriffserkl\u00e4rung und Einordnung.\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Finanzmarkt-Kapitalismus\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wikipedia<\/strong>:\u00a0<em>Mehrwert (Marxismus)<\/em>\u00a0\u2013 Erl\u00e4uterung der marxistischen Mehrwerttheorie.\u00a0<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Es ist einer der am h\u00e4ufigsten wiederholten S\u00e4tze in Finanzratgebern, Verm\u00f6gensberatungen und Selbsthilfeb\u00fcchern:&nbsp;\u201eLass dein Geld f\u00fcr dich arbeiten.\u201c&nbsp;Die Vorstellung klingt verlockend \u2013 entspannt in der H\u00e4ngematte liegen, w\u00e4hrend das Kapital im Hintergrund flei\u00dfig Rendite erwirtschaftet. 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