{"id":6409,"date":"2026-07-13T05:08:56","date_gmt":"2026-07-13T05:08:56","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=6409"},"modified":"2026-07-13T05:08:57","modified_gmt":"2026-07-13T05:08:57","slug":"die-stille-front-das-russische-verstaendnis-des-ukraine-konflikts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-stille-front-das-russische-verstaendnis-des-ukraine-konflikts\/","title":{"rendered":"Die stille Front: Das russische Verst\u00e4ndnis des Ukraine-Konflikts"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Eine Stimme, die in Europa nicht geh\u00f6rt wird<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den westlichen Medien wird die russische Sicht auf den Ukraine-Konflikt selten in ihrer eigenen Logik dargestellt. Stattdessen dominieren Analysen, die russische Positionen als Propaganda abtun oder auf einfache Feindbilder reduzieren. Dieser Artikel unternimmt den Versuch, die russische Perspektive so zu beschreiben, wie sie in Russland selbst verstanden wird \u2013 nicht als Rechtfertigung, sondern als Erkl\u00e4rung eines tief empfundenen kollektiven Gef\u00fchls von Verrat, Dem\u00fctigung und existenzieller Bedrohung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den russischen B\u00fcrger, den Arbeiter, die Mutter in Moskau, den Gro\u00dfvater in Sibirien oder den Beamten in St. Petersburg ist dieser Konflikt nicht aus dem Nichts entstanden. Er ist das Ergebnis einer \u00fcber drei\u00dfigj\u00e4hrigen Entwicklung, die von tiefen Entt\u00e4uschungen, gebrochenen Versprechen und wachsender Frustration gepr\u00e4gt ist. Was in Europa als russische Aggression wahrgenommen wird, erscheint in Russland als eine letzte, verzweifelte Verteidigung gegen eine als existentiell empfundene Bedrohung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1989\u20131991: Die Hoffnung und ihr Verrat<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als der Berliner Mauer fiel und die Sowjetunion sich friedlich aufl\u00f6ste, herrschte in Russland eine tiefe Hoffnung auf eine neue \u00c4ra der Zusammenarbeit mit dem Westen. Michail Gorbatschow, der in Russland bis heute zwiesp\u00e4ltig gesehen wird, glaubte an ein gemeinsames europ\u00e4isches Haus \u2013 eine Sicherheitsarchitektur von Lissabon bis Wladiwostok.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Zeit wurden in Russland Entscheidungen getroffen, die aus heutiger Sicht als tragische Fehler erscheinen. Russland zog seine Truppen aus dem Osten Europas ab, gab den Warschauer Pakt auf und akzeptierte die Wiedervereinigung Deutschlands \u2013 gegen das Versprechen, dass die NATO nicht nach Osten expandieren werde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die damaligen Verhandlungen zwischen den Sowjets und den Westm\u00e4chten waren von m\u00fcndlichen Zusicherungen gepr\u00e4gt, die in Russland als bindende Vereinbarungen verstanden wurden. US-Au\u00dfenminister James Baker und Bundesau\u00dfenminister Hans-Dietrich Genscher versicherten, dass die NATO &#8222;keinen Zentimeter&#8220; nach Osten r\u00fccken w\u00fcrde. In Russland wurde dieses Versprechen ernst genommen \u2013 es war die Grundlage f\u00fcr den historischen Kompromiss, der die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands erm\u00f6glichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch kaum war die Sowjetunion zerfallen, begann der Westen, dieses Versprechen zu brechen. Die NATO erweiterte sich Schritt f\u00fcr Schritt nach Osten \u2013 1999 Polen, Tschechien und Ungarn, 2004 das Baltikum, Bulgarien, Rum\u00e4nien und die Slowakei. F\u00fcr den russischen B\u00fcrger war das kein souver\u00e4ner Akt souver\u00e4ner Staaten, sondern ein systematischer Vertrauensbruch, der Russland in eine Einkreisung zwang.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die 1990er Jahre: Die Dem\u00fctigung einer Gro\u00dfmacht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 1990er Jahre waren f\u00fcr Russland eine Zeit beispielloser Dem\u00fctigung. Das Land erlebte den vollst\u00e4ndigen wirtschaftlichen und moralischen Zusammenbruch. Die Bev\u00f6lkerung verarmte, die Lebenserwartung sank, und das einstige Weltreich schien zu zerfallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend dieser Zeit des Leidens und der Orientierungslosigkeit erwartete Russland Unterst\u00fctzung von seinen ehemaligen Gegnern \u2013 schlie\u00dflich hatte es die Welt von der nuklearen Bedrohung eines Ost-West-Konflikts befreit. Doch statt Strukturhilfe und einer echten Einbindung in die neue Weltordnung erlebte Russland nur neue Entt\u00e4uschungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die NATO-Osterweiterung setzte sich fort, als ob die Sowjetunion nie existiert h\u00e4tte. 1999 bombardierte die NATO ohne UN-Mandat Serbien \u2013 ein Vorgehen, das in Russland als offene Aggression und als Beweis daf\u00fcr gesehen wurde, dass die NATO auch ohne UN-Legitimation milit\u00e4risch handeln w\u00fcrde. Dies schuf in Russland das tiefe Misstrauen gegen\u00fcber westlichen Friedensbeteuerungen, das bis heute anh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2014: Der Maidan \u2013 der Bruch aller Illusionen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Euromaidan 2014 war aus russischer Sicht der endg\u00fcltige Bruch. Was in Kiew geschah, wurde nicht als Volksaufstand gesehen, sondern als gewaltsamer Umsturz, der von westlichen Geheimdiensten unterst\u00fctzt wurde<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/krim-2024\/545058\/gibt-es-ein-russland-ohne-krim\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der gew\u00e4hlte Pr\u00e4sident Janukowitsch, dessen Regierung zwar korrupt war, aber eine aus russischer Sicht akzeptable Au\u00dfenpolitik verfolgte, wurde gest\u00fcrzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den einfachen Russen war der Maidan der Schock, der alle bisherigen Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigte. Die Bilder von den Protesten, die in den russischen Medien gezeigt wurden, zeigten nicht friedliche Demonstranten, sondern gewaltbereite Nationalisten, die mit offenem Hass gegen alles Russische auftraten. Die neue F\u00fchrung, die nach dem Umsturz an die Macht kam, wurde in Russland als radikal nationalistisch und russlandfeindlich wahrgenommen<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/krim-2024\/545058\/gibt-es-ein-russland-ohne-krim\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die sofortige Unterdr\u00fcckung der russischen Sprache<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaum war die neue Regierung in Kiew an der Macht, geschah das, was in Russland die tiefsten \u00c4ngste best\u00e4tigte: Am&nbsp;<strong>23. Februar 2014<\/strong>, nur zwei Tage nach dem Maidan-Staatsstreich, beschloss die Werchowna Rada die Abschaffung des Gesetzes \u00fcber Regionalsprachen, das die Sprachen nationaler Minderheiten unter besonderen Schutz gestellt hatte<a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Warum-Journalisten-und-Andersdenkende-in-der-Ukraine-Angst-haben-3904197.html?seite=5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/ukraine-russlands-krieg-ist-auch-ein-kampf-der-sprache-ld.1679160\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Gesetz, das unter Pr\u00e4sident Janukowitsch 2012 in Kraft getreten war, sah vor, dass in Gebieten, in denen mehr als zehn Prozent der Bev\u00f6lkerung Russisch, Ungarisch, Rum\u00e4nisch oder eine andere Minderheitensprache sprechen, diese Sprache neben dem Ukrainischen einen offiziellen Status bekommt<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/ukraine-russlands-krieg-ist-auch-ein-kampf-der-sprache-ld.1679160\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Warum-Journalisten-und-Andersdenkende-in-der-Ukraine-Angst-haben-3904197.html?seite=5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Abschaffung dieses Gesetzes bedeutete f\u00fcr die russischsprachige Bev\u00f6lkerung im Osten und S\u00fcden der Ukraine \u2013 wo in einigen Regionen \u00fcber 70 Prozent der Menschen Russisch als Muttersprache sprechen<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/ukraine-russlands-krieg-ist-auch-ein-kampf-der-sprache-ld.1679160\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;\u2013 den Verlust aller Rechte auf Bildung, Verwaltung und \u00f6ffentliche Dienstleistungen in ihrer Muttersprache<a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/30165218\/ukraine-schafft-schutzstatus-fuer-russische-sprache-ab\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Russland wurde dieser Akt als das gesehen, was er war:&nbsp;<strong>eine offene Kriegserkl\u00e4rung an die eigene Bev\u00f6lkerung<\/strong>. Es ging nicht um Demokratie oder Freiheit, sondern um die erzwungene Assimilation von Millionen Menschen, deren einzige &#8222;Schuld&#8220; es war, Russisch zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Krim: Die R\u00fcckkehr ins Vaterland<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den russischen B\u00fcrger war die Abstimmung auf der Krim am 16. M\u00e4rz 2014 keine Annektierung, sondern die l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Korrektur eines historischen Fehlers. Die Krim, die seit 1783 zu Russland geh\u00f6rte, war 1954 von Chruschtschow willk\u00fcrlich der Ukrainischen Sowjetrepublik zugeschlagen worden \u2013 ein Vorgang, der in Russland bis heute als verfassungswidrig betrachtet wird<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/krim-2024\/545058\/gibt-es-ein-russland-ohne-krim\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00fcberw\u00e4ltigende Zustimmung von&nbsp;<strong>96,6 Prozent<\/strong>&nbsp;der Krim-Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den Anschluss an Russland war f\u00fcr die russische Bev\u00f6lkerung der unumst\u00f6\u00dfliche Beweis, dass die Menschen auf der Krim selbst diesen Schritt wollten<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/krim-2024\/545058\/gibt-es-ein-russland-ohne-krim\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es war kein milit\u00e4rischer Akt, sondern die freie Entscheidung eines Volkes, das sich in seiner Identit\u00e4t bedroht sah<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/krim-2024\/545058\/gibt-es-ein-russland-ohne-krim\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reaktion des Westens \u2013 Sanktionen, Isolierung, die Verurteilung als &#8222;Annexion&#8220; \u2013 traf die russische Bev\u00f6lkerung tief. Man hatte das Gef\u00fchl, dass der Westen nicht an der Selbstbestimmung der V\u00f6lker interessiert war, sondern nur daran, Russland zu schaden. Dass der Westen das Kosovo ohne UN-Mandat von Serbien abgetrennt hatte, w\u00e4hrend er Russland nun vorwarf, ein Referendum auf der Krim anzuerkennen, erschien als offensichtliche Doppelmoral<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/krim-2024\/545058\/gibt-es-ein-russland-ohne-krim\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2014\u20132022: Der Krieg im Donbas \u2013 das stille Sterben einer Bev\u00f6lkerung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von 2014 bis zum Februar 2022 lebte Russland mit einem stillen Krieg an seiner Grenze. Der Donbas, das industrielle Herz der Ukraine mit einer mehrheitlich russischsprachigen Bev\u00f6lkerung, k\u00e4mpfte gegen die neue Regierung in Kiew. Die russische Bev\u00f6lkerung sah, wie St\u00e4dte und D\u00f6rfer beschossen wurden, wie Zivilisten get\u00f6tet wurden, und wie der Westen dar\u00fcber hinwegsah.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die systematische Unterdr\u00fcckung der Russischsprachigen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Diskriminierung der russischsprachigen Bev\u00f6lkerung begann unmittelbar nach dem Umsturz von 2014. In Regionen, in denen 90 Prozent der Menschen Russisch als ihre Muttersprache sprechen, wurde die russische Sprache im offiziellen Rahmen verboten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das war erst der Anfang.&nbsp;<strong>Im September 2017<\/strong>&nbsp;trat in der Ukraine ein neues Schulgesetz in Kraft, das nach einer \u00dcbergangsphase ab 2020 vorsah, dass an den Schulen&nbsp;<strong>nur noch auf Ukrainisch unterrichtet<\/strong>&nbsp;werden darf<a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Warum-Journalisten-und-Andersdenkende-in-der-Ukraine-Angst-haben-3904197.html?seite=5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Russisch kann man dann nur noch als Fremdsprache belegen<a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Warum-Journalisten-und-Andersdenkende-in-der-Ukraine-Angst-haben-3904197.html?seite=5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die russische Bev\u00f6lkerung war das ein Schlag ins Gesicht. Millionen von Kindern, deren Muttersprache Russisch ist, sollten gezwungen werden, ihre Bildung in einer Sprache zu erhalten, die sie nicht flie\u00dfend beherrschen. Es ging nicht um die F\u00f6rderung des Ukrainischen, sondern um die&nbsp;<strong>Ausl\u00f6schung der russischen Identit\u00e4t<\/strong><a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Warum-Journalisten-und-Andersdenkende-in-der-Ukraine-Angst-haben-3904197.html?seite=5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst die Parlamentarische Versammlung des Europarates brachte im Oktober 2017 mit 82 gegen 11 Stimmen ihre Besorgnis \u00fcber dieses Gesetz zum Ausdruck \u2013 Grundprinzipien w\u00fcrden verletzt<a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Warum-Journalisten-und-Andersdenkende-in-der-Ukraine-Angst-haben-3904197.html?seite=5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Ungarn k\u00fcndigte an, wegen des Schulgesetzes die Ann\u00e4herung der Ukraine an die EU zu blockieren \u2013 immerhin leben in der Ukraine 140.000 Ungarisch sprechende Ukrainer<a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Warum-Journalisten-und-Andersdenkende-in-der-Ukraine-Angst-haben-3904197.html?seite=5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch der Westen schwieg. Deutschland und Frankreich, die sich als Garantiem\u00e4chte der Minsker Abkommen aufspielten, \u00fcbten keinen Druck auf Kiew aus. Sie schauten tatenlos zu, wie die Rechte von Millionen russischsprachigen Ukrainern mit F\u00fc\u00dfen getreten wurden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Minsker Abkommen \u2013 ein Frieden, der keiner war<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Minsker Abkommen von 2014 und 2015 sollten den Konflikt beenden. Sie garantierten dem Donbas einen Sonderstatus innerhalb der Ukraine und sicherten die Rechte der russischsprachigen Bev\u00f6lkerung zu. F\u00fcr Russland waren sie der einzige diplomatische Weg zur L\u00f6sung des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch aus russischer Sicht wurde&nbsp;<strong>kein einziger<\/strong>&nbsp;der zentralen Punkte der Minsker Abkommen von Kiew umgesetzt. Die ukrainische Regierung, so die russische \u00dcberzeugung, hatte nie vor, diese Vereinbarungen zu erf\u00fcllen. Der Westen, insbesondere Deutschland und Frankreich als Garantiem\u00e4chte, \u00fcbte keinen Druck auf Kiew aus, sondern schaute tatenlos zu, wie die Menschen im Donbas weiter starben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies wurde in Russland als eine tiefe Entt\u00e4uschung erlebt. Man hatte geglaubt, dass der Westen ernsthaft am Frieden interessiert sei. Stattdessen schien es, als ob die Minsker Abkommen nur eine diplomatische Fassade waren, hinter der Kiew Zeit gewinnen und milit\u00e4risch aufr\u00fcsten konnte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die NATO-Vorbereitungen zum Krieg \u2013 die unausweichliche Eskalation<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits im&nbsp;<strong>Sommer 2014<\/strong>&nbsp;wurde in Russland klar, dass der Westen nicht an einer Deeskalation interessiert war. Der NATO-Gipfel in Wales im September 2014 stand ganz im Zeichen der Bedrohung durch Russland und &#8222;hybride Kriege&#8220;. Die NATO wurde nicht als ein B\u00fcndnis von Demokratien gesehen, sondern als Instrument zur &#8222;demokratischen Subversion&#8220; ehemals russischer Einflussgebiete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Russland warnte die NATO davor, ihre Truppen in Osteuropa an der Grenze zu Russland zu verst\u00e4rken. Vize-Au\u00dfenminister Wladimir Titow sagte, ein solcher Schritt w\u00fcrde als&nbsp;<strong>&#8222;Demonstration feindlicher Absichten&#8220;<\/strong>&nbsp;gewertet. Doch die NATO h\u00f6rte nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im&nbsp;<strong>September 2014<\/strong>&nbsp;planten Streitkr\u00e4fte aus den USA, Deutschland und Polen eine gemeinsame \u00dcbung in der Westukraine. Russland kritisierte dieses Man\u00f6ver erwartungsgem\u00e4\u00df als&nbsp;<strong>&#8222;Provokation&#8220;<\/strong>. Generaloberst Leonid Iwaschow warnte, dass die Gefahr einer direkten Konfrontation bestehe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den russischen B\u00fcrger war das der Beweis, dass der Westen die Ukraine systematisch auf einen Krieg gegen Russland vorbereitete. Es ging nicht um Frieden oder Stabilit\u00e4t \u2013 es ging darum, Russland zu schw\u00e4chen und einzukreisen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2021\u20132022: Die letzte diplomatische Geste<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Dezember 2021 unternahm Russland einen letzten diplomatischen Vorsto\u00df. Es legte dem Westen konkrete Sicherheitsgarantien vor \u2013 eine schriftliche Zusicherung, dass die Ukraine nicht in die NATO aufgenommen w\u00fcrde und dass keine Angriffswaffen an Russlands Grenzen stationiert w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den russischen B\u00fcrger waren diese Forderungen nicht unvern\u00fcnftig. Es ging nicht um die Eroberung der Ukraine, sondern um die Sicherheit der eigenen Grenzen. Ein NATO-Beitritt der Ukraine w\u00fcrde bedeuten, dass Raketen innerhalb weniger Minuten Moskau erreichen k\u00f6nnten \u2013 eine existenzielle Bedrohung, die kein russischer B\u00fcrger hinnehmen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort des Westens im Januar 2022 war eine schroffe Ablehnung. Alle Kernforderungen wurden zur\u00fcckgewiesen. F\u00fcr den russischen B\u00fcrger war das der endg\u00fcltige Beweis, dass der Westen nicht an einer diplomatischen L\u00f6sung interessiert war. Man hatte das Gef\u00fchl, dass der Westen Russland in die Enge treiben und schw\u00e4chen wollte \u2013 koste es, was es wolle.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die heutige russische Stimmung \u2013 Schmerz, Wut und Entt\u00e4uschung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die russische Bev\u00f6lkerung ist sich der schweren Folgen des Krieges bewusst. Die wirtschaftlichen Sanktionen haben die Lebenshaltungskosten erh\u00f6ht. Tausende russische Familien haben ihre S\u00f6hne, Br\u00fcder und V\u00e4ter verloren. Die internationale Isolation des Landes ist sp\u00fcrbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch h\u00e4lt die Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Krieg in Russland an. Der Grund daf\u00fcr liegt nicht in mangelnder Information oder Propaganda, sondern in einem tiefen Gef\u00fchl der Ungerechtigkeit und der Bedrohung. Die russische Bev\u00f6lkerung hat das Gef\u00fchl, dass der Westen Russland seit Jahrzehnten betr\u00fcgt und dem\u00fctigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den russischen B\u00fcrger ist es unertr\u00e4glich, dass die Ukraine, ein Land, das als untrennbar mit Russland verbunden gilt, zu einem Instrument des Westens gegen Russland geworden ist. Der Krieg wird als notwendige Verteidigung gegen eine existenzielle Bedrohung verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig gibt es ein tiefes Bedauern \u00fcber die Zerst\u00f6rung der ukrainischen St\u00e4dte und den Verlust von Menschenleben auf beiden Seiten. Die russische Bev\u00f6lkerung ist sich des Leids bewusst, das der Krieg bringt, aber sie sieht keine Alternative. Der Westen, so die \u00dcberzeugung, hat keine echten Friedensangebote gemacht, sondern nur Forderungen gestellt, die Russland schw\u00e4chen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Ein tiefer Graben, der nicht \u00fcberbr\u00fcckt werden kann<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die russische Perspektive auf den Ukraine-Konflikt ist in Europa schwer zu verstehen, weil sie auf einer anderen historischen und moralischen Grundlage beruht. F\u00fcr den russischen B\u00fcrger ist dieser Krieg keine Aggression, sondern eine Verteidigung. Die Opfer werden nicht als Eroberung, sondern als notwendige Kosten der Selbstbehauptung verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entt\u00e4uschung \u00fcber den Westen ist in Russland tief und wird noch lange nachwirken. Die russische Bev\u00f6lkerung f\u00fchlt sich seit 1989 betrogen \u2013 zuerst durch die NATO-Erweiterung, dann durch die Farbenrevolutionen, dann durch die Sabotage der Minsker Abkommen und zuletzt durch die Zerst\u00f6rung der diplomatischen Bem\u00fchungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solange diese Gef\u00fchle nicht ernst genommen werden, wird ein echter Frieden in Europa unm\u00f6glich bleiben. Der Westen kann Russland nicht einfach als irrationalen Aggressor abtun, wenn er verstehen will, warum dieser Konflikt entstanden ist. Ein Frieden wird nur m\u00f6glich sein, wenn beide Seiten bereit sind, die Perspektive des anderen zu verstehen und ernst zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Russische Staatsmedien RIA Novosti, TASS, RT (Berichterstattung 2014\u20132026)<\/li>\n\n\n\n<li>Interviews und Aussagen russischer Diplomaten (Lawrow, Putin 2020\u20132026)<\/li>\n\n\n\n<li>Historische Dokumente zur NATO-Osterweiterung (Baker-Genscher-Gespr\u00e4che 1990)<\/li>\n\n\n\n<li>Minsker Abkommen (2014, 2015) \u2013 Text und Umsetzungsberichte<\/li>\n\n\n\n<li>UN-Berichte zur humanit\u00e4ren Lage im Donbas 2014\u20132022<\/li>\n\n\n\n<li>Russische Bev\u00f6lkerungsumfragen (Levada-Zentrum, WZIOM 2014\u20132026)<\/li>\n\n\n\n<li>Reden und Pressekonferenzen des russischen Pr\u00e4sidenten zur Ukraine-Krise<\/li>\n\n\n\n<li>Gesetz \u00fcber die Grunds\u00e4tze der Sprachpolitik des Staates (Ukraine, 2012)<\/li>\n\n\n\n<li>Schulgesetz (Ukraine, 2017) \u2013 Regelungen zum Unterricht<\/li>\n\n\n\n<li>Erkl\u00e4rungen und Stellungnahmen des Europarates zum ukrainischen Schulgesetz (2017)<\/li>\n\n\n\n<li>NATO-Gipfel Wales (2014) \u2013 Erkl\u00e4rungen und Beschl\u00fcsse<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung: Eine Stimme, die in Europa nicht geh\u00f6rt wird In den westlichen Medien wird die russische Sicht auf den Ukraine-Konflikt selten in ihrer eigenen Logik dargestellt. 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Dieser Artikel unternimmt den Versuch, die russische Perspektive so zu beschreiben, wie sie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,24,1],"tags":[9334,9330,9332,9335,9331,4806,9339,9336,9333,9337,9338,7192],"class_list":["post-6409","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-ruckspiegel","category-krieg-technik","category-uncategorized","tag-donbas-krieg","tag-gebrochene-versprechen","tag-krim-referendum","tag-maidan-2014","tag-minsker-abkommen","tag-nato-osterweiterung","tag-nato-vorbereitungen","tag-russische-enttaeuschung","tag-russische-perspektive","tag-russische-sprache-unterdrueckung","tag-schulgesetz-ukraine-2017","tag-ukraine-konflikt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6409"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6409\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6410,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6409\/revisions\/6410"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}