{"id":6467,"date":"2026-07-13T06:08:32","date_gmt":"2026-07-13T06:08:32","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=6467"},"modified":"2026-07-13T06:08:33","modified_gmt":"2026-07-13T06:08:33","slug":"afrikas-rohstoffwende-vom-verlaengerten-foerderband-zum-industriestandort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/afrikas-rohstoffwende-vom-verlaengerten-foerderband-zum-industriestandort\/","title":{"rendered":"Afrikas Rohstoffwende: Vom verl\u00e4ngerten F\u00f6rderband zum Industriestandort?"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine dieser Nachrichten, die im deutschen Feuilleton kaum f\u00fcr Aufsehen sorgen, obwohl sie weltweit weitreichende Folgen haben k\u00f6nnte: Am 1. Juli 2026 trat in Ghana ein neues Goldabnahmegesetz in Kraft. Der Staat kauft fortan 30 Prozent der F\u00f6rderung aller gro\u00dfen Minenbetreiber auf \u2013 mit dem erkl\u00e4rten Ziel, die lokale Verarbeitung zu forcieren und Rohgoldexporte bis 2030 ganz zu beenden.<a href=\"https:\/\/goldbod.gov.gh\/goldbod-secures-historic-30-gold-offtake-deal-with-large-scale-mines-to-drive-ganrap\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ghana ist kein Einzelfall. Von Mali \u00fcber die Demokratische Republik Kongo bis nach Namibia vollzieht sich derzeit ein tiefgreifender Wandel in der afrikanischen Rohstoffpolitik. Was im Westen h\u00e4ufig als \u201eRohstoff-Nationalismus\u201c abgetan wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als das Ende eines jahrhundertealten Gesch\u00e4ftsmodells. Der Kontinent, dessen Bodensch\u00e4tze einst die Industrialisierung Europas und Amerikas erm\u00f6glichten, wehrt sich gegen seine Rolle als blo\u00dfer Rohstofflieferant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel beleuchtet die Hintergr\u00fcnde, Triebkr\u00e4fte und Konsequenzen dieser afrikanischen Rohstoffwende \u2013 und fragt, ob sie tats\u00e4chlich gelingen kann oder an internen Widerspr\u00fcchen zu scheitern droht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die koloniale Erblast: Ein Modell der einseitigen Wertsch\u00f6pfung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, warum afrikanische Regierungen heute so entschlossen auftreten, lohnt ein Blick in die Geschichte. Das koloniale Extraktionsmodell war denkbar einfach: Rohstoffe wurden abgebaut, verschifft und in den Industrienationen veredelt \u2013 w\u00e4hrend die f\u00f6rdernden L\u00e4nder mit einem Bruchteil der Wertsch\u00f6pfung vorliebnehmen mussten. Dieser Mechanismus hat sich bis in die Gegenwart fortgeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vereinten Nationen haben die Dimension dieses Wertsch\u00f6pfungsgef\u00e4lles entlang der Lithium-Ionen-Lieferkette eindrucksvoll beziffert: W\u00e4hrend der globale Export von Lithiumerz und -sole 2022 noch rund 20 Milliarden US-Dollar betrug, generierten Batteriematerialien bereits 51 Milliarden, Zellkomponenten und Batterien 106 Milliarden und Elektrofahrzeuge schlie\u00dflich 135 Milliarden US-Dollar.<a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/opinions\/2026\/7\/1\/africa-can-finally-mine-beneficiate-and-industrialise-on-its-own-terms\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Afrika f\u00f6rdert das Lithium, doch die Wertsch\u00f6pfung findet anderswo statt. Jede zus\u00e4tzliche Verarbeitungsstufe, die auf dem Kontinent angesiedelt wird, bedeutet mehr Einkommen, mehr qualifizierte Arbeitspl\u00e4tze und mehr Technologietransfer.<a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/opinions\/2026\/7\/1\/africa-can-finally-mine-beneficiate-and-industrialise-on-its-own-terms\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Bruchstelle: Warum Afrika jetzt handelt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass dieser Wandel nun Fahrt aufnimmt, ist kein Zufall. Mehrere Faktoren wirken zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erstens<\/strong>&nbsp;hat die COVID-19-Pandemie die Anf\u00e4lligkeit rohstoffexportierender L\u00e4nder f\u00fcr externe Schocks schonungslos offengelegt.&nbsp;<strong>Zweitens<\/strong>&nbsp;haben steigende Schuldenlasten und teurer gewordene Auslandskredite die Regierungen gezwungen, nach innen zu schauen.&nbsp;<strong>Drittens<\/strong>&nbsp;\u2013 und das ist vielleicht der entscheidende Punkt \u2013 hat sich das geopolitischen Machtgef\u00fcge verschoben. Mit Russland und China stehen dem Westen ebenb\u00fcrtige Akteure gegen\u00fcber, die bereit sind, andere Konditionen anzubieten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet damit, dass die Lithiumnachfrage bis 2040 um das F\u00fcnffache steigen wird, w\u00e4hrend Graphit und Nickel sich etwa verdoppeln.<a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/opinions\/2026\/7\/1\/africa-can-finally-mine-beneficiate-and-industrialise-on-its-own-terms\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Entscheidend ist jedoch: Neue Minen brauchen oft mehr als ein Jahrzehnt von der Entdeckung bis zur ersten F\u00f6rderung.<a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/opinions\/2026\/7\/1\/africa-can-finally-mine-beneficiate-and-industrialise-on-its-own-terms\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Unter dem \u201eStated Policies Scenario\u201c der IEA wird das Lithiumangebot bis 2035 voraussichtlich 40 Prozent unter der prognostizierten Nachfrage liegen.<a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/opinions\/2026\/7\/1\/africa-can-finally-mine-beneficiate-and-industrialise-on-its-own-terms\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Diese Angebotsverknappung verschafft den rohstoffreichen L\u00e4ndern eine bislang ungekannte Verhandlungsmacht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die neuen Instrumente: Wie Afrika die Kontrolle \u00fcbernimmt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die afrikanischen Regierungen setzen auf eine Mischung aus Zwang und Anreizen. Drei Fallbeispiele zeigen die Bandbreite der Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ghana: GoldBod und die 30-Prozent-Regel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ghana hat mit der Einrichtung der staatlichen Gold Board Institution (GoldBod) ein scharfes Instrument geschaffen. Seit dem 1. Juli 2026 sind alle gro\u00dfen Minenbetreiber verpflichtet, 30 Prozent ihrer Goldf\u00f6rderung in Rohform (\u201edor\u00e9\u201c) an den Staat zu verkaufen \u2013 zu einem Abschlag von 0,55 Prozent auf den Referenzkurs der Zentralbank.<a href=\"https:\/\/goldbod.gov.gh\/goldbod-secures-historic-30-gold-offtake-deal-with-large-scale-mines-to-drive-ganrap\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Das Gold wird lokal raffiniert, bevor es als Teil der nationalen Goldreserven an die Bank of Ghana geht.<a href=\"https:\/\/goldbod.gov.gh\/goldbod-secures-historic-30-gold-offtake-deal-with-large-scale-mines-to-drive-ganrap\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ziel ist es, bis 2030 mindestens eine LBMA-zertifizierte (London Bullion Market Association) Goldraffinerie im Land zu etablieren und Rohstoffexporte ganz zu beenden.<a href=\"https:\/\/goldbod.gov.gh\/goldbod-secures-historic-30-gold-offtake-deal-with-large-scale-mines-to-drive-ganrap\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Der Schritt ist Teil des \u201eGhana Accelerated National Reserve Accumulation Program\u201c (GANRAP), das die Devisenreserven des Landes bis 2028 auf 15 Monate Importdeckung ausbauen will.<a href=\"https:\/\/goldbod.gov.gh\/goldbod-secures-historic-30-gold-offtake-deal-with-large-scale-mines-to-drive-ganrap\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mali: Russische Partnerschaft f\u00fcr die Goldraffinerie<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mali, Afrikas zweitgr\u00f6\u00dfter Goldproduzent, geht einen anderen Weg. Im Juni 2025 gab die Regierung die Gr\u00fcndung von SOROMA-SA bekannt \u2013 einer staatlich kontrollierten Goldraffinerie in Partnerschaft mit dem russischen Unternehmen Yadran. Der malische Staat h\u00e4lt 62 Prozent, Yadran 38 Prozent.<a href=\"https:\/\/www.marketscreener.com\/news\/latest\/Mali-hopes-Russia-partnership-will-help-end-raw-gold-exports-50237134\/?utm_source=copy&amp;utm_medium=social&amp;utm_campaign=share\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Anlage nahe des Flughafens von Bamako soll j\u00e4hrlich 200 Tonnen Gold verarbeiten k\u00f6nnen \u2013 fast das Vierfache der derzeitigen malischen F\u00f6rderung von etwa 50 Tonnen.<a href=\"https:\/\/www.marketscreener.com\/news\/latest\/Mali-hopes-Russia-partnership-will-help-end-raw-gold-exports-50237134\/?utm_source=copy&amp;utm_medium=social&amp;utm_campaign=share\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Yadran bringt nicht nur Kapital, sondern vor allem die entscheidende Expertise f\u00fcr die LBMA-Zertifizierung ein \u2013 ein Hindernis, an dem die beiden bestehenden malischen Raffinerien bislang gescheitert sind.<a href=\"https:\/\/www.marketscreener.com\/news\/latest\/Mali-hopes-Russia-partnership-will-help-end-raw-gold-exports-50237134\/?utm_source=copy&amp;utm_medium=social&amp;utm_campaign=share\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Das neue Bergbaugesetz des Landes hatte zuvor bereits die staatliche Beteiligung an Minenprojekten erh\u00f6ht und die Abgaben auf 10 Prozent angehoben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Demokratische Republik Kongo: Kobalt-Exportquoten als Druckmittel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die DR Kongo, die f\u00fcr 75 bis 80 Prozent der weltweiten Kobaltf\u00f6rderung verantwortlich ist,<a href=\"https:\/\/investingnews.com\/drc-reclaims-unused-cobalt-quotas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;hat die sch\u00e4rfsten Ma\u00dfnahmen ergriffen. Nach einem vor\u00fcbergehenden Exportstopp im Februar 2025, der den Kobaltpreis von unter 10.000 US-Dollar pro Pfund auf \u00fcber 56.000 US-Dollar pro Tonne (etwa 25,40 US-Dollar pro Pfund) schnellen lie\u00df,<a href=\"https:\/\/investingnews.com\/drc-reclaims-unused-cobalt-quotas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;hat die Regierung ein formelles Quotensystem etabliert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die staatliche Beh\u00f6rde ARECOMS (Authority for the Regulation and Control of Strategic Mineral Substances\u2018 Markets) hat die Gesamtexporte f\u00fcr 2026 und 2027 auf 96.600 Tonnen pro Jahr gedeckelt.<a href=\"https:\/\/investingnews.com\/drc-reclaims-unused-cobalt-quotas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Ungenutzte Quoten verfallen automatisch an den Staat.<a href=\"https:\/\/investingnews.com\/drc-reclaims-unused-cobalt-quotas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Drei Unternehmen \u2013 CMOC, Glencore und Eurasian Resources Group \u2013 kontrollieren mehr als 60 Prozent der Exportzuteilungen.<a href=\"https:\/\/investingnews.com\/drc-reclaims-unused-cobalt-quotas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Rolle der neuen Partner: Russland und China<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beschriebenen Ma\u00dfnahmen w\u00e4ren ohne alternative Partner kaum durchsetzbar. Hier kommen Russland und China ins Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Russland<\/strong>&nbsp;hat sich in Mali mit der Beteiligung an SOROMA-SA positioniert. Dar\u00fcber hinaus ist Rosatom in mehreren afrikanischen L\u00e4ndern aktiv. In Tansania betreibt der Staatskonzern am Mkuju-River-Projekt eine Pilotanlage zur Uranverarbeitung; das Vorkommen umfasst erkundete Reserven von mehr als 44.000 Tonnen.<a href=\"https:\/\/interfax.com\/newsroom\/top-stories\/116651\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Gespr\u00e4che \u00fcber weitere Kernenergie- und Uranprojekte f\u00fchrt Rosatom unter anderem mit der Republik Kongo, \u00c4thiopien, Ghana, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Tansania und Sambia.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>China<\/strong>&nbsp;verfolgt eine noch umfassendere Strategie. Im Januar 2025 schaffte Peking alle verbleibenden Z\u00f6lle auf Waren aus 53 afrikanischen L\u00e4ndern ab und schuf so einen zollfreien Korridor f\u00fcr verarbeitete Produkte.&nbsp;Die j\u00fcngste Staatsvisite des namibischen Pr\u00e4sidenten in China m\u00fcndete in acht Kooperationsabkommen, die unter anderem die lokale Verarbeitung von Uran, Lithium und Seltenen Erden sowie Technologietransfer vorsehen.<a href=\"https:\/\/theprint.in\/world\/namibia-secures-china-deals-on-infrastructure-mining-and-energy-with-state-visit\/2983361\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Chinesische Firmen haben in Namibia bereits 4,2 Milliarden US-Dollar investiert \u2013 fast vollst\u00e4ndig im Metallsektor.<a href=\"https:\/\/theprint.in\/world\/namibia-secures-china-deals-on-infrastructure-mining-and-energy-with-state-visit\/2983361\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;85 Prozent der namibischen Exporte nach China entfielen zuletzt auf Uran.<a href=\"https:\/\/theprint.in\/world\/namibia-secures-china-deals-on-infrastructure-mining-and-energy-with-state-visit\/2983361\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Schattenseite: Verbieten ist einfacher als Bauen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So konsequent die neue Rohstoffpolitik auch erscheint \u2013 sie hat eine Achillesferse. Der Abschnitt mit der \u00dcberschrift \u201eVerbieten ist einfacher als Bauen\u201c im eingangs zitierten Artikel bringt es auf den Punkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Konflikt zwischen der malischen Regierung und dem kanadischen Bergbaukonzern Barrick Gold zeigt die Risiken. Nach Verabschiedung des neuen Bergbaugesetzes forderte Bamako zus\u00e4tzliche Zahlungen und die Anwendung der neuen Bedingungen auf den Goldminenkomplex Loulo-Gounkoto. Als Barrick sich weigerte, blockierten die Beh\u00f6rden Exporte, nahmen Topmanager fest und stellten die Mine unter externe Verwaltung. Zwar einigten sich die Parteien schlie\u00dflich, doch der Vorfall verschreckte Investoren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das grundlegende Problem ist struktureller Natur: Exportverbote und Quotenregelungen lassen sich per Dekret verh\u00e4ngen. Die lokale Verarbeitung erfordert jedoch verl\u00e4ssliche Stromversorgung, intakte Verkehrswege, qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte und vor allem Rechtssicherheit. Wenn Gesetze r\u00fcckwirkend ge\u00e4ndert werden oder Vertr\u00e4ge nicht mehr gelten, sind selbst gutwillige Investoren abgeschreckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Afrikanische Union hat mit der \u201eAfrica Mining Vision\u201c (2009)&nbsp;und der \u201eAfrican Green Minerals Strategy\u201c (2025)&nbsp;zwar ambitionierte Rahmenwerke geschaffen. Doch zwischen politischen Erkl\u00e4rungen und industrieller Realit\u00e4t klafft oft eine tiefe L\u00fccke. Die gro\u00dfe Frage lautet daher nicht,&nbsp;<em>ob<\/em>&nbsp;Afrika Rohstoffsouver\u00e4nit\u00e4t anstrebt \u2013 sie ist l\u00e4ngst unumkehrbar. Die Frage ist,&nbsp;<em>wie<\/em>&nbsp;sie umgesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Afrikas Rohstoffwende ist keine vor\u00fcbergehende Laune, sondern ein historischer Paradigmenwechsel. Der Kontinent wehrt sich gegen eine Rolle, die ihm seit der Kolonialzeit zugeschrieben wurde: die des verl\u00e4ngerten F\u00f6rderbands f\u00fcr die Industrien des Nordens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Instrumente sind vielf\u00e4ltig \u2013 von Pflichtabnahmen (Ghana) \u00fcber staatliche Raffinerien mit russischer Beteiligung (Mali) bis hin zu scharfen Exportkontrollen (DR Kongo). Die neuen Partner Russland und China bieten nicht nur Abnahmem\u00e4rkte, sondern vor allem Technologie und Infrastruktur \u2013 zu Bedingungen, die f\u00fcr afrikanische Regierungen oft attraktiver erscheinen als die der ehemaligen Kolonialm\u00e4chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch bleibt der Weg steinig. Rohstoffsouver\u00e4nit\u00e4t allein garantiert noch keine industrielle Entwicklung. Sie kann sogar kontraproduktiv wirken, wenn sie Investoren vertreibt, ohne gleichzeitig die Rahmenbedingungen f\u00fcr lokale Wertsch\u00f6pfung zu schaffen. Die wirkliche Bew\u00e4hrungsprobe wird nicht in den Gesetzestexten, sondern in den Fabrikhallen, auf den Baustellen und in den Ausbildungsst\u00e4tten Afrikas stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Westen bedeutet dies: Die \u00c4ra der einseitigen Rohstoffausbeutung ist endg\u00fcltig vorbei. Wer k\u00fcnftig Zugang zu Afrikas Bodensch\u00e4tzen haben will, muss bereit sein, mehr zu bieten als Kapital \u2013 n\u00e4mlich echte Industriepartnerschaften, Technologietransfer und Respekt vor der Souver\u00e4nit\u00e4t seiner Partner.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Al Jazeera:\u00a0<em>Africa can finally mine, beneficiate and industrialise on its own terms<\/em>, 1. Juli 2026\u00a0<a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/opinions\/2026\/7\/1\/africa-can-finally-mine-beneficiate-and-industrialise-on-its-own-terms\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Ghana Gold Board:\u00a0<em>GoldBod Secures Historic 30% Gold Offtake Deal with Large Scale Mines to Drive GANRAP<\/em>, 25. Juni 2026\u00a0<a href=\"https:\/\/goldbod.gov.gh\/goldbod-secures-historic-30-gold-offtake-deal-with-large-scale-mines-to-drive-ganrap\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Reuters \/\u00a0<a href=\"https:\/\/marketscreener.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">marketscreener.com<\/a>:\u00a0<em>Mali hopes Russia partnership will help end raw gold exports<\/em>, 13. Juni 2025\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marketscreener.com\/news\/latest\/Mali-hopes-Russia-partnership-will-help-end-raw-gold-exports-50237134\/?utm_source=copy&amp;utm_medium=social&amp;utm_campaign=share\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Investing News Network:\u00a0<em>DRC Seizes Unused Cobalt Quotas for National Reserve<\/em>, 30. Juni 2026\u00a0<a href=\"https:\/\/investingnews.com\/drc-reclaims-unused-cobalt-quotas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Interfax:\u00a0<em>Russia interested in uranium mining project in Namibia<\/em>, 17. M\u00e4rz 2026\u00a0<a href=\"https:\/\/interfax.com\/newsroom\/top-stories\/116651\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Reuters \/ ThePrint:\u00a0<em>Namibia secures China deals on infrastructure, mining and energy with state visit<\/em>, 10. Juli 2026\u00a0<a href=\"https:\/\/theprint.in\/world\/namibia-secures-china-deals-on-infrastructure-mining-and-energy-with-state-visit\/2983361\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>African Union:\u00a0<em>Africa Mining Vision (AMV)<\/em>, 2009\u00a0<\/li>\n\n\n\n<li>African Union:\u00a0<em>African Green Minerals Strategy (AGMS)<\/em>, Februar 2025\u00a0<\/li>\n\n\n\n<li>International Energy Agency (IEA): various reports on critical minerals demand and supply projections\u00a0<a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/opinions\/2026\/7\/1\/africa-can-finally-mine-beneficiate-and-industrialise-on-its-own-terms\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Es ist eine dieser Nachrichten, die im deutschen Feuilleton kaum f\u00fcr Aufsehen sorgen, obwohl sie weltweit weitreichende Folgen haben k\u00f6nnte: Am 1. 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