{"id":6529,"date":"2026-07-17T04:09:03","date_gmt":"2026-07-17T04:09:03","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=6529"},"modified":"2026-07-17T04:09:03","modified_gmt":"2026-07-17T04:09:03","slug":"die-entwertung-der-anrede-warum-die-duz-kultur-der-geschaeftswelt-schadet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-entwertung-der-anrede-warum-die-duz-kultur-der-geschaeftswelt-schadet\/","title":{"rendered":"Die Entwertung der Anrede: Warum die Duz-Kultur der Gesch\u00e4ftswelt schadet"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es beginnt mit einer scheinbaren Kleinigkeit. Der Kaffee wird mit einem fl\u00fcchtigen \u201eDanke, Dir!\u201c entgegengenommen, die E-Mail beginnt mit \u201eHallo Peter\u201c, der Vorgesetzte wird beim Namen genannt \u2013 ohne Titel, ohne Distanz. Was vor zwei Jahrzehnten noch als revolution\u00e4rer Bruch mit steifen Hierarchien gefeiert wurde, ist heute in weiten Teilen der deutschen Gesch\u00e4ftswelt zur Norm geworden. Das \u201eDu\u201c ist auf dem Vormarsch, das \u201eSie\u201c auf dem R\u00fcckzug. 2018 wollten noch zwei von drei Angestellten lieber gesiezt werden; f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter legte nur noch knapp jeder dritte bis vierte Befragte Wert darauf. 76 Prozent der Besch\u00e4ftigten m\u00f6chten heute am Arbeitsplatz lieber mit \u201eDu\u201c angesprochen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch was als Zeichen von Lockerheit und Modernit\u00e4t daherkommt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als symptomatischer Ausdruck eines schleichenden Werteverfalls. Die unkontrollierte Ausbreitung des \u201eDu\u201c in der Arbeitswelt ist kein Gewinn an Menschlichkeit, sondern ein Verlust an Respekt, Professionalit\u00e4t und klaren Strukturen. Es ist an der Zeit, diese Entwicklung nicht l\u00e4nger als unvermeidlichen Zeitgeist hinzunehmen, sondern sie einer grundlegenden Kritik zu unterziehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historischer Exkurs: Das Siezen als zivilisatorische Errungenschaft<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Unterscheidung zwischen \u201eDu\u201c und \u201eSie\u201c ist keine willk\u00fcrliche sprachliche Marotte, sondern das Ergebnis eines jahrhundertelangen zivilisatorischen Prozesses. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war das Siezen die selbstverst\u00e4ndliche Form des respektvollen Umgangs zwischen Erwachsenen \u2013 so selbstverst\u00e4ndlich, dass Kinder noch ihre Eltern siezen mussten. Das \u201eSie\u201c ist historisch ein Erbe des mittelalterlichen Feudalismus, aber genau darin liegt seine eigentliche Bedeutung: Es markiert den \u00dcbergang von einer Gesellschaft pers\u00f6nlicher Abh\u00e4ngigkeiten zu einer Gesellschaft freier, gleichberechtigter Individuen, die einander auf Augenh\u00f6he mit Respekt begegnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studentenbewegung der 1960er Jahre versuchte, das \u201eSie\u201c weitestm\u00f6glich zu verdr\u00e4ngen \u2013 als Ausdruck eines generationellen Aufbegehrens gegen erstarrte Autorit\u00e4tsstrukturen. Dieses Aufbegehren war in seinem historischen Kontext verst\u00e4ndlich, vielleicht sogar notwendig. Doch was einst als emanzipatorischer Akt begann, ist heute zur leeren Geste verkommen. Das \u201eDu\u201c ist nicht mehr Ausdruck von N\u00e4he und Vertrauen, sondern oft nur noch Ausdruck von Bequemlichkeit und Beliebigkeit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Illusion der flachen Hierarchie<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zentrale Irrtum der Duz-Kultur liegt in der Annahme, dass das \u201eDu\u201c Hierarchien einebne und ein Klima der Gleichberechtigung schaffe. Diese Vorstellung ist naiv. Wie der Soziologe und F\u00fchrungskr\u00e4ftecoach Ronny Jahn zu Recht anmerkt: \u201eZu glauben, dass sich in einem Unternehmen alle liebhaben, nur, weil man sich duzt, ist naiv. Durch das Duzen entsteht der Eindruck, dass es keine Unterschiede mehr gibt, aber das ist nat\u00fcrlich Quatsch. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer muss weiterhin auch unangenehme Entscheidungen treffen und sie verk\u00fcnden. Das \u201aDu\u2018 macht die Sache nicht leichter, sondern in der Regel schwerer.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wirklichkeit der Arbeitswelt ist von Machtgef\u00e4llen, Interessenskonflikten und hierarchischen Notwendigkeiten gepr\u00e4gt. Das \u201eSie\u201c benennt diese Realit\u00e4t \u2013 das \u201eDu\u201c verschleiert sie. Besonders deutlich wird dies in Situationen, in denen es um Kritik oder gar disziplinarische Ma\u00dfnahmen geht. \u201eF\u00fcr Kritik oder gar eine Abmahnung ist ein Mindestma\u00df an Distanz notwendig. Das \u201aDu\u2018 macht aber genau das Gegenteil, es dr\u00fcckt N\u00e4he aus. Aus dieser N\u00e4he heraus eine kritische Distanz einzunehmen und Kritik zu \u00fcben, ist nicht unm\u00f6glich, aber eine soziale Herausforderung.\u201c Das \u201eDu\u201c macht Konflikte nicht einfacher, sondern komplizierter \u2013 es erschwert die notwendige professionelle Distanz, die in konflikthaften Situationen unabdingbar ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Tyrannei des \u201eDu\u201c: Wenn Lockerheit zur Zumutung wird<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders problematisch ist die Entwicklung dort, wo das \u201eDu\u201c nicht mehr Angebot, sondern Zumutung ist \u2013 wo es als Teil der Unternehmenskultur verordnet wird und den Mitarbeitern keine Wahl l\u00e4sst. Dieses \u201eZwangs-Duzen\u201c wird von vielen als respektlos und bedr\u00e4ngend empfunden. Wer in einer \u201eDuz-Firma\u201c das \u201eSie\u201c bevorzugt, ger\u00e4t schnell in die Ecke des Ewiggestrigen, des Spie\u00dfers, des nicht Teamf\u00e4higen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sprachwissenschaftlerin Stefanie Stricker von der Universit\u00e4t Bamberg beobachtet einen tiefgreifenden Wandel: \u201eDas \u201aSie\u2018 wird immer reduzierter eingesetzt, das \u201aDu\u2018 greift weiter um sich. In diesem Punkt sind wir derzeit in einem Sprachwandel begriffen, der schon innerhalb einer Generation zu \u00c4nderungen f\u00fchrt.\u201c Doch Sprachwandel ist kein Naturgesetz \u2013 er ist das Ergebnis von Entscheidungen, und diese Entscheidungen sind keineswegs alternativlos. Dass Unternehmen wie Ikea, Adidas oder Aldi ihre Kunden duzen, mag aus Marketingperspektive nachvollziehbar sein \u2013 es sagt jedoch nichts \u00fcber die Angemessenheit dieser Praxis im internen Umgang aus.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Verquickung von Beruf und Privatem<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer kritischer Aspekt der Duz-Kultur ist die Verwischung der Grenze zwischen beruflicher und privater Sph\u00e4re. Der Sprachforscher Arnulf Deppermann vom Leibniz-Institut f\u00fcr Deutsche Sprache warnt: \u201eNegativ sieht Deppermann eine m\u00f6gliche Verquickung der Rolle im Job und der privaten Ebene. \u201aDann macht Duzen ausbeutbar.\u2018 Es m\u00fcsse gar kein b\u00f6ser Wille sein. Doch per du sei es eben &#8230;\u201c Die Vertraulichkeit des \u201eDu\u201c suggeriert eine N\u00e4he, die in der Arbeitsbeziehung oft nicht besteht und nicht bestehen soll. Wer seinen Vorgesetzten duzt, dem f\u00e4llt es schwerer, klare Grenzen zu ziehen \u2013 und dem Vorgesetzten f\u00e4llt es schwerer, seine F\u00fchrungsrolle auszuf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Soziologe Ronny Jahn bringt es auf den Punkt: \u201eNehmen wir ein Bewerbungsgespr\u00e4ch: Der Bewerber wei\u00df ganz genau, dass er bewertet wird und in Konkurrenz zu anderen Jobsuchenden steht. Das \u201aDu\u2018 verschleiert diese Tatsache. Da stimmt einfach die Form nicht mit dem Inhalt \u00fcberein.\u201c Diese Diskrepanz zwischen formloser Anrede und formellem Inhalt ist kein Randph\u00e4nomen, sondern kennzeichnet weite Teile der modernen Arbeitswelt. Das \u201eDu\u201c wird dort eingesetzt, wo es nicht hingeh\u00f6rt \u2013 und wo es hingeh\u00f6rt, im privaten Bereich, wird es entwertet.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Entwertung der Vertraulichkeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die inflation\u00e4re Verwendung des \u201eDu\u201c f\u00fchrt zu einer paradoxen Entwicklung: Je mehr Menschen geduzt werden, desto weniger bedeutet das \u201eDu\u201c eigentlich. Was einst ein Zeichen besonderer N\u00e4he und Vertrautheit war, wird zur Standardfloskel, zur leeren H\u00fclle. Der Drei-Sterne-Koch Christian Bau beklagt, dass er immer h\u00e4ufiger vom Servicepersonal kumpelhaft geduzt wird \u2013 \u201ediese Praxis irritiert ihn \u2013 denn sie verst\u00f6\u00dft gegen ein Grundprinzip der Gastlichkeit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Entwicklung ist kein Fortschritt, sondern ein R\u00fcckschritt. Die Differenzierung zwischen \u201eDu\u201c und \u201eSie\u201c ist ein kultureller Schatz, der es erm\u00f6glicht, Beziehungen sprachlich zu modulieren \u2013 N\u00e4he auszudr\u00fccken, wo sie angebracht ist, und Distanz zu wahren, wo sie notwendig ist. Wer diese Differenzierung aufgibt, verarmt nicht nur seine Sprache, sondern auch seine zwischenmenschlichen Beziehungen. Das \u201eSie\u201c ist nicht Ausdruck von K\u00e4lte oder Arroganz, sondern von Respekt \u2013 und Respekt ist die Grundlage jeder funktionierenden Zusammenarbeit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Missachtung des Alters: Wenn Lebenserfahrung nicht mehr z\u00e4hlt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders brisant wird die Duz-Kultur im Umgang mit \u00e4lteren Kollegen und Vorgesetzten. Die Hochachtung vor dem Alter \u2013 ein in vielen Kulturen selbstverst\u00e4ndlicher Wert \u2013 wird durch das pauschale \u201eDu\u201c systematisch untergraben. Ein junger Berufseinsteiger, der seinen langj\u00e4hrigen, erfahrenen Kollegen mit \u201eHallo Thomas\u201c anspricht, mag dies als Ausdruck von Gleichberechtigung verstehen \u2013 tats\u00e4chlich ist es ein Akt der Respektlosigkeit, der die Lebensleistung und den Erfahrungsschatz des Gegen\u00fcbers missachtet. Das \u201eSie\u201c in Verbindung mit dem Nachnamen oder dem Titel ist der angemessene Ausdruck dieser Hochachtung. Wer diese Form aufgibt, gibt nicht nur eine sprachliche Konvention auf, sondern verweigert dem \u00c4lteren die ihm geb\u00fchrende Anerkennung. Es ist kein Zufall, dass in traditionellen Berufen \u2013 etwa im Handwerk, in der Justiz oder im akademischen Bereich \u2013 das Siezen bis heute selbstverst\u00e4ndlich ist; dort hat man noch nicht vergessen, dass Respekt vor dem Alter keine Frage der Zeitgeistmode ist, sondern eine Frage des Anstands.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Dilemma der Namensunkenntnis: Wenn Kontakte zur Sackgasse werden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres, praktisch kaum beachtetes Problem der Duz-Kultur ist die zunehmende Unkenntnis der vollst\u00e4ndigen Namen von Gesch\u00e4ftspartnern, Kunden und sogar Kollegen. Wer im beruflichen Alltag nur mit Vornamen angesprochen wird, erf\u00e4hrt oft nie den Nachnamen seines Gegen\u00fcbers \u2013 es sei denn, er entnimmt ihn m\u00fchsam der Signatur oder der Visitenkarte. Diese scheinbare Nebens\u00e4chlichkeit entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als gravierendes Handicap.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie oft kommt es vor, dass man nach einem ersten Kennenlernen \u2013 sei es auf einer Messe, bei einer Konferenz oder in einem spontanen Meeting \u2013 nur den Vornamen des Gespr\u00e4chspartners im Kopf hat? Wochen oder Monate sp\u00e4ter, wenn es darum geht, eine formelle E-Mail zu verfassen oder eine Empfehlung auszusprechen, steht man vor einem Problem: Der volle Name ist unbekannt, eine f\u00f6rmliche Anrede mit \u201eSehr geehrter Herr \u2026\u201c ist unm\u00f6glich, und selbst die Betreffzeile der E-Mail bleibt vage. Man muss umst\u00e4ndlich recherchieren, in alten Unterlagen bl\u00e4ttern oder notgedrungen auf die vertrauliche Anrede zur\u00fcckgreifen \u2013 was beim Empf\u00e4nger den Eindruck mangelnder Sorgfalt oder gar Desinteresses hervorruft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch schwerer wiegt dieser Mangel bei der sp\u00e4teren Einordnung von Kontakten. Wer nur den Vornamen kennt, kann die Person oft nicht klar identifizieren \u2013 in gro\u00dfen Unternehmen gibt es mehrere \u201eThomas\u201c oder \u201eStefanie\u201c. Die berufliche Netzwerkarbeit, die doch auf klaren, wiedererkennbaren Beziehungen beruht, wird durch diese Anonymit\u00e4t erschwert. Ein sp\u00e4terer Anruf oder eine E-Mail ohne klare Namenszuordnung wirkt unprofessionell und kann die Wiederaufnahme des Kontakts scheitern lassen. Das \u201eDu\u201c f\u00fchrt hier nicht zur N\u00e4he, sondern zur Verwirrung \u2013 es erschwert, was es eigentlich erleichtern sollte: die dauerhafte und verbindliche Kommunikation \u00fcber berufliche Grenzen hinweg.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Erschwernis in Arbeitsabl\u00e4ufen: Wenn N\u00e4he zum Hindernis wird<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vermeintliche Vertraulichkeit des \u201eDu\u201c hat auch handfeste praktische Nachteile. In vielen Arbeitsprozessen ist eine klare Rollenverteilung und eine unmissverst\u00e4ndliche Ansprache entscheidend. Werden Kollegen durchg\u00e4ngig mit Vornamen angesprochen, verschwimmen Zust\u00e4ndigkeiten und Verantwortlichkeiten. Ein Vorgesetzter, der mit \u201eDu\u201c angeredet wird, kann schwerer eine Entscheidung durchsetzen, die unpopul\u00e4r ist \u2013 die notwendige Autorit\u00e4t fehlt. Einem gleichgestellten Kollegen gegen\u00fcber f\u00e4llt es schwerer, Kritik zu \u00fcben oder Verbesserungen einzufordern, wenn man sich auf einer vermeintlich freundschaftlichen Basis befindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders deutlich wird dies in interdisziplin\u00e4ren Teams oder bei der Zusammenarbeit mit externen Partnern. Ein Ingenieur, der den externen Berater duzt, l\u00e4uft Gefahr, dass dieser seine fachliche Expertise nicht mehr als \u00fcbergeordnet ansieht \u2013 die n\u00f6tige respektvolle Distanz, die dem Expertenstatus entspricht, geht verloren. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiter: Wenn der Ausbilder oder Mentor auf \u201eDu\u201c besteht, kann der Auszubildende Hemmungen haben, notwendige Fragen zu stellen oder Fehler einzur\u00e4umen \u2013 die zu gro\u00dfe N\u00e4he macht eine klare Lehrer-Sch\u00fcler-Beziehung unm\u00f6glich. Die Folge sind Missverst\u00e4ndnisse, Reibungsverluste und letztlich eine ineffiziente Zusammenarbeit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die fehlende Ansprachenregelung: Ein Chaos ohne Leitplanken<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der fatalsten Folgen der Duz-Kultur ist das Fehlen verbindlicher Ansprachenregelungen. Fr\u00fcher gab es klare Standards: Vorgesetzte wurden mit Nachname und \u201eSie\u201c angesprochen, gleichgestellte Kollegen nach Absprache, Externe grunds\u00e4tzlich mit \u201eSie\u201c. Heute herrscht eine verwirrende Beliebigkeit. Manche Firmen schreiben das \u201eDu\u201c vor, andere lassen es offen, wieder andere haben widerspr\u00fcchliche interne Regelungen. Die Unsicherheit, ob man nun \u201eSie\u201c oder \u201eDu\u201c sagen soll, f\u00fchrt zu peinlichen Situationen, zu Verlegenheit und zu einem Gef\u00fchl der Unsicherheit, das einer produktiven Arbeitsatmosph\u00e4re abtr\u00e4glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt, dass viele Mitarbeiter nicht wissen, wie sie Kunden, Lieferanten oder Partner ansprechen sollen \u2013 eine unangemessene Anrede kann das Gesch\u00e4ftsklima nachhaltig st\u00f6ren oder gar Kundenbeziehungen gef\u00e4hrden. Wer einen langj\u00e4hrigen Kunden pl\u00f6tzlich duzt, riskiert dessen Ver\u00e4rgerung. Wer umgekehrt einen jungen, modernen Partner siezt, gilt als altbacken und nicht zukunftsorientiert. Diese Gratwanderung ist unn\u00f6tig \u2013 sie lie\u00dfe sich durch eine R\u00fcckkehr zu klaren, verbindlichen Regeln vermeiden, die f\u00fcr alle Beteiligten verl\u00e4sslich sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick: Zur\u00fcck zu einem respektvollen Miteinander<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Duz-Kultur in der deutschen Gesch\u00e4ftswelt ist kein Zeichen von Modernit\u00e4t, sondern von Bequemlichkeit und mangelndem Respekt. Sie verschleiert reale Hierarchien, erschwert kritische Gespr\u00e4che, verwischt die Grenze zwischen Beruf und Privatem, entwertet die Vertraulichkeit, missachtet die Hochachtung vor dem Alter, f\u00fchrt zur Unkenntnis der vollen Namen und behindert damit eine klare Kommunikation und Wiedererkennbarkeit. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Zwei von drei Besch\u00e4ftigten duzen sich im Job, doch nur 14 Prozent verorten das Duzen als traditionell \u2013 es ist also kein gewachsener Brauch, sondern eine Modeerscheinung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist an der Zeit, dieser Modeerscheinung entgegenzutreten. Nicht, um in l\u00e4ngst vergangene Zeiten zur\u00fcckzukehren, sondern um zu einem bewussteren, respektvolleren Umgang miteinander zu finden. Das bedeutet nicht, das \u201eDu\u201c grunds\u00e4tzlich zu verbieten \u2013 wohl aber, es wieder dorthin zur\u00fcckzuf\u00fchren, wo es hingeh\u00f6rt: in den Bereich pers\u00f6nlicher N\u00e4he und Vertrautheit. Im beruflichen Kontext sollte das \u201eSie\u201c wieder die Regel sein, das \u201eDu\u201c die Ausnahme \u2013 ein Angebot, keine Verpflichtung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Konkret bedeutet dies: Unternehmen sollten verbindliche Ansprachenregelungen einf\u00fchren, die f\u00fcr alle klar sind und sowohl dem Alter als auch der Position des Gegen\u00fcbers Rechnung tragen. Neue Mitarbeiter und Gesch\u00e4ftspartner sollten zun\u00e4chst grunds\u00e4tzlich mit \u201eSie\u201c angesprochen werden \u2013 ein sp\u00e4teres Angebot zum \u201eDu\u201c kann dann individuell erfolgen, ohne Zwang. Der vollst\u00e4ndige Name sollte in jeder gesch\u00e4ftlichen Korrespondenz selbstverst\u00e4ndlich sein, um jederzeit eine f\u00f6rmliche Anrede zu erm\u00f6glichen und die Identifikation zu erleichtern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer seinen Mitarbeitern das \u201eDu\u201c aufzwingt, zeigt ihnen nicht, dass sie ihm nahestehen, sondern dass er keine M\u00fche scheut, eine Atmosph\u00e4re vorzut\u00e4uschen, die nicht existiert. Wer hingegen das \u201eSie\u201c wahrt, zeigt Respekt \u2013 und Respekt ist der wahre Grundstein jeder erfolgreichen Zusammenarbeit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Deutschlandfunk Kultur:\u00a0<em>Den Chef duzen \u2013 und doch Respekt bekunden<\/em>, 19. Juli 2016<\/li>\n\n\n\n<li>n-tv:\u00a0<em>Anrede im Wandel: Warum Duzen nicht immer einfacher ist<\/em>, 28. September 2025<\/li>\n\n\n\n<li>Absatzwirtschaft:\u00a0<em>Duzen oder Siezen \u2013 das Marketing und die H\u00f6flichkeit<\/em>, 20. Juli 2021<\/li>\n\n\n\n<li>impulse:\u00a0<em>Anrede im Betrieb: \u201eDas Du ist mitunter ein falscher Freund\u201c<\/em>, 27. Juli 2023<\/li>\n\n\n\n<li>WELT:\u00a0<em>Duzen \u2013 Siezen<\/em>\u00a0(Themenseite)<\/li>\n\n\n\n<li>ZEIT ONLINE:\u00a0<em>Umfrage: In vielen Unternehmen wird geduzt<\/em>, 16. September 2020<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/utopia.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">utopia.de<\/a>:\u00a0<em>\u201eDann macht Duzen ausbeutbar\u201c \u2013 Sprachexperte \u00fcber zu viel Lockerheit im Job<\/em>, 26. September 2025<\/li>\n\n\n\n<li>Euroakademie:\u00a0<em>Siezen oder duzen \u2013 wie halten Sie\u2019s unter Kolleg<\/em>innen?*, 10. Oktober 2019<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Es beginnt mit einer scheinbaren Kleinigkeit. 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