{"id":6641,"date":"2026-08-08T04:29:31","date_gmt":"2026-08-08T04:29:31","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=6641"},"modified":"2026-08-08T04:29:32","modified_gmt":"2026-08-08T04:29:32","slug":"der-35-mm-film-und-seine-welt-eine-landschaft-der-varianten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-35-mm-film-und-seine-welt-eine-landschaft-der-varianten\/","title":{"rendered":"Der 35-mm-Film und seine Welt: Eine Landschaft der Varianten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die technische Welt des 35-mm-Films gleicht einem komplexen \u00d6kosystem, in dem sich zwei Hauptstr\u00f6mungen \u2013 die Fotografie und der Kinofilm \u2013 trotz identischer Materialbasis in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Was auf den ersten Blick nach einer einfachen Geschichte aussieht, entpuppt sich bei n\u00e4herer Betrachtung als ein hochgradig differenziertes Geflecht aus Normen, Perforationsmustern und Einsatzgebieten. Die scheinbare Einheitlichkeit des 35-mm-Formats verbirgt eine bemerkenswerte Vielfalt an Spezialisierungen, die jeweils spezifischen Anforderungen von Standbild- und Bewegtbildaufnahmen geschuldet sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine kurze historische Einordnung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte des 35-mm-Films beginnt nicht in der Fotografie, sondern im Kino. Bereits in den fr\u00fchen 1890er-Jahren entwickelte William Kennedy Laurie Dickson im Labor von Thomas Edison ein Verfahren, das auf 70-mm-Filmmaterial von George Eastmans Kodak basierte, das der L\u00e4nge nach durchgeschnitten wurde, um zwei 35-mm-Filmstreifen zu erhalten&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/135_film\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.kinofenster.de\/unterrichten\/filmglossar\/50375\/filmformate\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dieses Format etablierte sich schnell als professioneller Standard f\u00fcr die Filmproduktion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst 1934 f\u00fchrte Kodak den Begriff&nbsp;<strong>Typ 135<\/strong>&nbsp;ein \u2013 eine Bezeichnung f\u00fcr 35-mm-Film, der nun speziell f\u00fcr die Standfotografie in einer standardisierten Kassette verwendet wurde&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/135_film\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die technische Basis war dieselbe, doch die Anwendungsfelder trennten sich fortan: W\u00e4hrend der Kinofilm auf die hohe Bildfrequenz und die Projektion in Kinos\u00e4len optimiert wurde, orientierte sich die Fotografie an der Kompaktheit der Kameras und der Handhabbarkeit im Alltag. Dieser historische Moment markiert die Geburtsstunde dessen, was heute als &#8222;Kleinbildfilm&#8220; bekannt ist \u2013 ein Format, das trotz seiner Bezeichnung als &#8222;Miniaturformat&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/135_film\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;bis heute die Grundlage f\u00fcr das digitale Vollformat bildet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Vielfalt der Varianten: Ein \u00dcberblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff &#8222;Variante&#8220; ist hier besonders treffend. In der Technikgeschichte bezeichnet eine Variante ein vom Standardprodukt abweichendes, aber dennoch verwandtes Erzeugnis \u2013 \u00e4hnlich wie verschiedene Ausf\u00fchrungen eines Grundmodells&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.provita.de\/Service\/Glossar\/V\/Varianten\/#content-main\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Genau das finden wir beim 35-mm-Film: ein einheitliches Grundmaterial (35 mm breit, mit Perforationen), das jedoch f\u00fcr verschiedene Zwecke modifiziert wurde.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Varianten in der Fotografie (Typ 135)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Standardisierung des Typs 135 legte das Bildformat auf&nbsp;<strong>24 \u00d7 36 mm<\/strong>&nbsp;bei einem Seitenverh\u00e4ltnis von&nbsp;<strong>2:3<\/strong>&nbsp;fest&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/135_film\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/baike.baidu.com\/item\/35%E6%AF%AB%E7%B1%B3%E8%83%B6%E7%89%87\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dieses Format wurde zum Ma\u00dfstab f\u00fcr die analoge und sp\u00e4ter auch f\u00fcr die digitale Fotografie. Die Industrie schuf jedoch weitere Formate, die auf dem 35-mm-Streifen basierten, aber von dieser Norm abwichen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Format<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Bildgr\u00f6\u00dfe<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Seitenverh\u00e4ltnis<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Einsatzgebiet<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Status<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Typ 135 (Kleinbild)<\/strong><\/td><td>24 \u00d7 36 mm<\/td><td>2:3<\/td><td>Standardfotografie<\/td><td>Aktiv<\/td><\/tr><tr><td><strong>Typ 126 (Instamatic)<\/strong><\/td><td>28 \u00d7 28 mm<\/td><td>1:1 (quadratisch)<\/td><td>Einfachkameras (1963\u20132000)<\/td><td>Historisch<\/td><\/tr><tr><td><strong>Typ 110 (Pocketfilm)<\/strong><\/td><td>13 \u00d7 17 mm<\/td><td>ca. 1,3:1<\/td><td>Taschenkameras<\/td><td>Nische<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die fr\u00fchen&nbsp;<strong>Typ-126<\/strong>-Kassetten und der&nbsp;<strong>110-Film<\/strong>&nbsp;f\u00fcr Taschenkameras nutzten ebenfalls 35 mm breites Material, doch mit vereinfachten Perforationen und kleineren Bildformaten&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/135_film\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sie waren auf Einfachheit und Massentauglichkeit ausgelegt und erreichten eine enorme Verbreitung, bevor sie von der Digitaltechnik verdr\u00e4ngt wurden. Heute erlebt insbesondere der 110-Film durch Anbieter wie Lomography eine \u00fcberraschende Renaissance&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Analogfotografie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Varianten im Kinofilm<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Bereich des Bewegtbildes ist die Variantenvielfalt noch ausgepr\u00e4gter. Die unterschiedlichen Anforderungen an Bildqualit\u00e4t, Produktionskosten und Seitenverh\u00e4ltnisse f\u00fchrten zu verschiedenen Perforationsmustern:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Variante<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Perforationen pro Bild<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Effekt<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Einsatzgebiet<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>4-Perf (Standard)<\/strong><\/td><td>4<\/td><td>Gr\u00f6\u00dfte Materialfl\u00e4che, h\u00f6chste Bildqualit\u00e4t<\/td><td>Kinofilme, Klassisches Hollywood-Kino<\/td><\/tr><tr><td><strong>3-Perf<\/strong><\/td><td>3<\/td><td>25 % Materialersparnis<\/td><td>Fernsehproduktionen, Serien<\/td><\/tr><tr><td><strong>2-Perf (Techniscope)<\/strong><\/td><td>2<\/td><td>50 % Materialersparnis<\/td><td>Breitwandfilme mit normalen Linsen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Super 35<\/strong><\/td><td>4 oder 3<\/td><td>Nutzung der gesamten Bildbreite<\/td><td>VFX-intensive Produktionen<\/td><\/tr><tr><td><strong>VistaVision<\/strong><\/td><td>8 (horizontal)<\/td><td>Doppelte Bildfl\u00e4che<\/td><td>Spezialeffekte, High-End-Aufnahmen<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Perforation \u2013 die Zahnl\u00f6cher am Filmrand \u2013 ist kein triviales Detail. Die Anzahl der Perforationen pro Bild bestimmt die Fl\u00e4che, die f\u00fcr die Bildaufzeichnung zur Verf\u00fcgung steht, und beeinflusst damit direkt die Aufl\u00f6sung und die Kornstruktur. Der 4-Perf-Standard, der seit den Anf\u00e4ngen des Kinos existiert, bietet die gr\u00f6\u00dfte Fl\u00e4che und damit die h\u00f6chste Bildqualit\u00e4t&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.kinofenster.de\/unterrichten\/filmglossar\/50375\/filmformate\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der 3-Perf-Modus wurde f\u00fcr das Fernsehen entwickelt, da er das 16:9-Format direkt abbildet und Material spart.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders interessant ist das&nbsp;<strong>VistaVision<\/strong>-Verfahren, bei dem der Film horizontal durch die Kamera l\u00e4uft \u2013 eine L\u00f6sung, die die doppelte Bildfl\u00e4che gegen\u00fcber dem Standardverfahren erm\u00f6glicht&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/135_film\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/filmlexikon.uni-kiel.de\/doku.php\/f:filmformateubersichtubergroformate-465\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese Technologie war in den 1950er-Jahren f\u00fcr Spezialeffekte und hochaufl\u00f6sende Aufnahmen von Bedeutung, weil sie nahezu die Qualit\u00e4t des 70-mm-Formats bei geringeren Kosten bot.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einsatzgebiete: Vom Massenmarkt zur Nische<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einsatzgebiete des 35-mm-Films haben sich im Laufe der Jahrzehnte grundlegend gewandelt. Was einst die unangefochtene Dom\u00e4ne der professionellen Filmproduktion und der Alltagsfotografie war, ist heute ein hochspezialisiertes Feld mit klar definierten Anwendungsbereichen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die goldene \u00c4ra und der Niedergang<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1960er-Jahren l\u00f6ste der Typ 135 den bis dahin dominierenden 120er-Mittelformatfilm als beliebtestes Filmmaterial ab&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/135_film\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese \u00c4ra der analogen Dominanz sollte bis zum Beginn des digitalen Zeitalters anhalten. Ab etwa 2010 begann der rasante Niedergang des analogen Kinofilms: W\u00e4hrend 2010 noch 68 % der weltweiten Kinoleinw\u00e4nde mit 35-mm-Film bespielt wurden, sank dieser Anteil bis 2015 auf 17 %&nbsp;<a href=\"https:\/\/baike.baidu.com\/item\/35%E6%AF%AB%E7%B1%B3%E8%83%B6%E7%89%87\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Digitale Projektionssysteme ersetzten die mechanischen Filmprojektoren in atemberaubendem Tempo.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Entwicklung ist kein technologischer Unfall, sondern das Ergebnis eines Jahrzehnte w\u00e4hrenden Transformationsprozesses. Das 35-mm-Format war bis zuletzt das &#8222;R\u00fcckgrat der Filmindustrie&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.kinofenster.de\/unterrichten\/filmglossar\/50375\/filmformate\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>, doch die Wirtschaftlichkeit der Digitaltechnik erwies sich als \u00fcberlegen: Kein Filmmaterial mehr, keine aufwendige Entwicklung, keine mechanischen Verschlei\u00dfteile \u2013 die digitale Produktion und Vorf\u00fchrung senkte die Kosten f\u00fcr die gesamte Branche massiv.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die heutige Bedeutung: Nischen, Renaissance und Hybrid<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz dieser massiven Ver\u00e4nderungen ist der 35-mm-Film nicht verschwunden. Vielmehr hat sich sein Status gewandelt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>K\u00fcnstlerische Fotografie:<\/strong>&nbsp;Die analoge Fotografie erf\u00e4hrt seit den 2010er-Jahren eine bemerkenswerte Renaissance, insbesondere als k\u00fcnstlerisches Ausdrucksmittel und als Hobby&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Analogfotografie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Junge Fotografen entdecken die besondere \u00c4sthetik des Filmmaterials \u2013 die charakteristische Kornstruktur, die spezifische Farbwiedergabe und die taktile Erfahrung des analogen Prozesses. Dieses Interesse hat zu einer Wiederbelebung der Filmproduktion durch Nischenanbieter gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hybridfotografie:<\/strong>&nbsp;Eine besonders interessante Entwicklung ist die sogenannte Hybridfotografie, bei der analoge Negative belichtet, entwickelt und anschlie\u00dfend digital eingescannt werden&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Analogfotografie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese Technik kombiniert die \u00e4sthetischen Qualit\u00e4ten des Films mit den praktischen Vorteilen der digitalen Nachbearbeitung und Archivierung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fine Art und Gro\u00dfformat:<\/strong>&nbsp;In der professionellen Kunstfotografie und bei der Langzeitarchivierung wird weiterhin auf Filmmaterial gesetzt. Die physikalische Haltbarkeit von Negativen und die besonderen Tonwerte, die mit klassischen Edeldruckverfahren erzielt werden k\u00f6nnen, haben sich als kulturelles Erbe etabliert. Seit 2025 ist die analoge Fotografie offiziell im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland verzeichnet&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.unesco.de\/staette\/analoge-fotografie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Analogfotografie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nischenm\u00e4rkte und Neo-Industrie:<\/strong>&nbsp;Es existiert eine kleine, aber wachsende Industrie, die analoge Kameras, Filmmaterial und Entwicklungschemikalien produziert. Neue Kameramodelle werden in Kleinserien gefertigt, und alte Produktionsanlagen wurden reaktiviert&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Analogfotografie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Perspektiven und Widerspr\u00fcche<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Technikgeschichte des 35-mm-Films offenbart ein Ph\u00e4nomen, das f\u00fcr technologische Entwicklung insgesamt charakteristisch ist:&nbsp;<strong>Standardisierung erzeugt Vielfalt<\/strong>. Die einheitliche Materialbasis des 35-mm-Formats erm\u00f6glichte eine enorme Bandbreite an Spezialisierungen und Anpassungen, die jeweils auf spezifische Anwendungsfelder zugeschnitten waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig zeigt der Fall des 35-mm-Films die Ambivalenz technologischen Fortschritts. Die Digitalisierung hat viele praktische Vorteile gebracht \u2013 g\u00fcnstigere Produktion, vereinfachte Verteilung und neue kreative M\u00f6glichkeiten. Doch sie hat auch einen Verlust an materieller Kultur und handwerklichem Wissen bewirkt. Das &#8222;Wissen um Herkunft und Anwendung analoger Fotografieverfahren verschwindet aufgrund digitaler Angebote allm\u00e4hlich aus dem Alltag&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.unesco.de\/staette\/analoge-fotografie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob die aktuelle Renaissance der analogen Fotografie eine vor\u00fcbergehende Mode oder ein nachhaltiger kultureller Wandel ist, bleibt abzuwarten. Die UNESCO-Anerkennung als immaterielles Kulturerbe deutet darauf hin, dass der 35-mm-Film mehr ist als ein technisches Relikt \u2013 er ist Teil einer materiellen Kultur, deren Wert \u00fcber die blo\u00dfe Funktionalit\u00e4t hinausgeht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Welt des 35-mm-Films ist eine Landschaft der Varianten, in der technische Normen und kreative Anpassungen in Wechselwirkung treten. Von der Einf\u00fchrung des Formats in den 1890er-Jahren bis zur heutigen digitalen Transformation hat der 35-mm-Film eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Er war Massenmedium, Industriestandard und ist heute ein Nischenprodukt mit kulturellem Wert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die verschiedenen Auspr\u00e4gungen \u2013 vom 3-Perf-Kinofilm \u00fcber die 24\u00d736-mm-Kleinbildkassette bis zur horizontalen VistaVision-Aufnahme \u2013 zeigen, wie ein technischer Standard durch gezielte Modifikationen an unterschiedliche Anforderungen angepasst werden kann. Die Geschichte des 35-mm-Films ist damit nicht nur ein Kapitel der Technikgeschichte, sondern ein Beispiel f\u00fcr die Dialektik von Standardisierung und Diversifizierung in technologischen Systemen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>[1] 135 film, Wikipedia (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/135_film\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/135_film<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>[4] Analoge Fotografie, UNESCO Deutschland (<a href=\"https:\/\/www.unesco.de\/staette\/analoge-fotografie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.unesco.de\/staette\/analoge-fotografie<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>[6] Filmformate,\u00a0<a href=\"https:\/\/kinofenster.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">kinofenster.de<\/a>\u00a0(<a href=\"https:\/\/www.kinofenster.de\/unterrichten\/filmglossar\/50375\/filmformate\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.kinofenster.de\/unterrichten\/filmglossar\/50375\/filmformate<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>[8] 35\u6beb\u7c73\u80f6\u7247, Baidu Baike (<a href=\"https:\/\/baike.baidu.com\/item\/35\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/baike.baidu.com\/item\/35<\/a>\u6beb\u7c73\u80f6\u7247)<\/li>\n\n\n\n<li>[11] Analogfotografie, Wikipedia (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Analogfotografie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Analogfotografie<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>[13] Filmformate: \u00dcbersicht \u00fcber Gro\u00dfformate, Filmlexikon der Universit\u00e4t Kiel (<a href=\"https:\/\/filmlexikon.uni-kiel.de\/doku.php\/f:filmformateubersichtubergroformate-465\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/filmlexikon.uni-kiel.de\/doku.php\/f:filmformateubersichtubergroformate-465<\/a>)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die technische Welt des 35-mm-Films gleicht einem komplexen \u00d6kosystem, in dem sich zwei Hauptstr\u00f6mungen \u2013 die Fotografie und der Kinofilm \u2013 trotz identischer Materialbasis in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Was auf den ersten Blick nach einer einfachen Geschichte aussieht, entpuppt sich bei n\u00e4herer Betrachtung als ein hochgradig differenziertes Geflecht aus Normen, Perforationsmustern und Einsatzgebieten. Die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,32,1],"tags":[9760,401,9762,9761,9763,9765,9764],"class_list":["post-6641","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-ruckspiegel","category-techarchaologie","category-uncategorized","tag-35-mm-film","tag-analoge-fotografie","tag-filmformate","tag-kinogeschichte","tag-perforation","tag-technischer-standard","tag-typ-135"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6641","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6641"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6641\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6644,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6641\/revisions\/6644"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6641"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6641"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6641"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}