{"id":6683,"date":"2026-08-08T04:46:30","date_gmt":"2026-08-08T04:46:30","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=6683"},"modified":"2026-08-08T04:46:31","modified_gmt":"2026-08-08T04:46:31","slug":"die-oekonomie-der-krummen-zahlen-ein-technikhistorischer-blick-auf-shrinkflation-verbrauchertaeuschung-und-das-versagen-des-grundpreises","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-oekonomie-der-krummen-zahlen-ein-technikhistorischer-blick-auf-shrinkflation-verbrauchertaeuschung-und-das-versagen-des-grundpreises\/","title":{"rendered":"Die \u00d6konomie der krummen Zahlen: Ein technikhistorischer Blick auf Shrinkflation, Verbrauchert\u00e4uschung und das Versagen des Grundpreises"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Der Verlust der einfachen Rechnung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war einmal eine Zeit, in der ein Kilo \u00c4pfel ein Kilo wog, eine Tafel Schokolade 200 Gramm hatte, und der Preisvergleich im Supermarkt eine Sache von Sekunden und einfacher Kopfrechnung war. Diese \u00c4ra, in der Gebindegr\u00f6\u00dfen wie 250g, 500g oder 1kg die Regel waren, ist nicht aus Zufall oder gutem Willen der Hersteller verschwunden. Sie wurde durch einen tiefgreifenden Wandel im rechtlichen und psychologischen Gef\u00fcge des Einzelhandels abgel\u00f6st. Die heute allgegenw\u00e4rtigen 62,5g-Packungen und 38-St\u00fcck-Gebinde sind kein Produkt von Anarchie, sondern das Ergebnis einer systematischen Deregulierung und einer verfeinerten Verkaufspsychologie, die den Verbraucher bewusst von der einfachen Preistransparenz wegf\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel beleuchtet die historischen, juristischen und psychologischen Pfade, die zu dieser Entwicklung gef\u00fchrt haben. Er zeigt auf, warum der heute verpflichtende Grundpreis (\u20ac\/kg) das Problem nicht l\u00f6st, sondern oft sogar Teil der Strategie ist, und warum Verbrauchersch\u00fctzer zunehmend lauter fordern, die Regeln des Spiels neu zu schreiben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die historische Ordnung: Von der Norm zur Deregulierung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grundlage f\u00fcr die einstigen, logisch erscheinenden Packungsgr\u00f6\u00dfen war nicht etwa die Freundlichkeit der Hersteller, sondern eine strikte gesetzliche Regelung. Die deutsche&nbsp;<strong>Fertigpackungsverordnung (FertigPackV)<\/strong>, die 1981 in Kraft trat, schrieb f\u00fcr viele Produktgruppen exakt vor, in welchen abgestuften Nennf\u00fcllmengen sie abgef\u00fcllt werden durften&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/FPVO\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/BGBl\/BGBl._I_1981,_1585\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese Normierung war ein Instrument des Verbraucherschutzes: Sie sollte den Preisvergleich erleichtern und verhindern, dass Hersteller durch st\u00e4ndig wechselnde, unvergleichbare Packungsgr\u00f6\u00dfen die Preistransparenz verschleiern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese geordnete Welt wurde durch die europ\u00e4ische Integration infrage gestellt. Die&nbsp;<strong>EU-Richtlinie 2007\/45\/EG<\/strong>&nbsp;hatte das Ziel, den Binnenmarkt zu harmonisieren und nationale Alleing\u00e4nge zu beseitigen. Die starren Nennf\u00fcllmengen wurden als Handelshemmnis betrachtet, da sie Produzenten aus anderen L\u00e4ndern mit anderen Ma\u00dftraditionen benachteiligten. In der Folge wurde die deutsche Fertigpackungsverordnung angepasst und die Paragraphen, welche die exakten Gr\u00f6\u00dfen vorschrieben, wurden aufgehoben&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.buzer.de\/gesetz\/5280\/a72954.htm?setmobile=0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.buzer.de\/gesetz\/5280\/al72948.htm?setmobile=0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Hersteller erhielten die Freiheit, jede beliebige F\u00fcllmenge zu w\u00e4hlen. Der Preis f\u00fcr diese Freiheit war die heute beobachtbare Beliebigkeit und die systematische Verwirrung des Verbrauchers. Die Deregulierung schuf ein Vakuum, das die Industrie mit psychologisch optimierten, krummen Zahlen f\u00fcllte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Shrinkflation: Die versteckte Inflation<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wohl sichtbarste Konsequenz dieser Deregulierung ist das Ph\u00e4nomen der&nbsp;<strong>Shrinkflation<\/strong>&nbsp;\u2013 eine Praxis, bei der der Inhalt einer Packung bei gleichbleibendem oder sogar steigendem Preis reduziert wird&nbsp;<a href=\"https:\/\/news.err.ee\/1609861779\/shoppers-complain-shrinkflation-is-increasingly-common-in-estonia-s-supermarkets\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/mycampus.hslu.ch\/-\/media\/campus\/common\/files\/dokumente\/w\/ikm\/ikm-impuls\/230427-ikm-impuls-preispsychologie-juliane-richter.pdf\/?sc_lang=en#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/verbraucherschutzzentrale.be\/shrinkflation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es handelt sich um eine indirekte Preiserh\u00f6hung, die f\u00fcr den fl\u00fcchtigen Blick kaum zu erkennen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der estnische Wirtschaftswissenschaftler Rasmus Kattai definiert Shrinkflation pr\u00e4zise:&nbsp;<em>&#8222;Der St\u00fcckpreis eines Produkts \u00e4ndert sich nicht, aber der Inhalt der Packung wird kleiner. Der K\u00e4ufer bekommt praktisch weniger Produkt f\u00fcr das gleiche Geld. Es handelt sich im Wesentlichen um eine versteckte Form der Inflation, bei der versucht wird, den Verbrauchern zu suggerieren, dass sich der Preis nicht ge\u00e4ndert hat, w\u00e4hrend der Preis pro Kilo oder Liter deutlich gestiegen ist&#8220;<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/news.err.ee\/1609861779\/shoppers-complain-shrinkflation-is-increasingly-common-in-estonia-s-supermarkets\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beispiele sind vielf\u00e4ltig und betreffen allt\u00e4gliche Produkte: Butterpackungen schrumpfen von 200 auf 195 Gramm, Schokoladentafeln von 300 auf 270 Gramm oder Smoothies von 330 auf 300 ml \u2013 zum gleichen Preis&nbsp;<a href=\"https:\/\/news.err.ee\/1609861779\/shoppers-complain-shrinkflation-is-increasingly-common-in-estonia-s-supermarkets\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Marketing-Professor Andres Kuusik erkl\u00e4rt die Wirkungsweise:&nbsp;<em>&#8222;Wenn wir st\u00e4ndig etwas kaufen, sind zwei Faktoren entscheidend: Erstens, wenn ein Grundnahrungsmittel teurer wird, beeinflusst das das Familienbudget erheblich. Und zweitens kennen wir die \u00fcblichen Preise von h\u00e4ufig gekauften Produkten. Das erzeugt einen Druck, nicht den Preis, sondern die Menge anzupassen&#8220;<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/news.err.ee\/1609861779\/shoppers-complain-shrinkflation-is-increasingly-common-in-estonia-s-supermarkets\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Hersteller nutzen dieses Preiswissen der Verbraucher aus, indem sie die Packungsgr\u00f6\u00dfe manipulieren, statt den Preis zu erh\u00f6hen \u2013 ein geringerer Inhaltsverlust wird vom Gehirn seltener registriert als eine direkte Preiserh\u00f6hung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der tr\u00fcgerische Grundpreis: Eine Pflichterf\u00fcllung ohne Wirkung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die L\u00f6sung des Gesetzgebers f\u00fcr dieses Problem war die Einf\u00fchrung des verpflichtenden Grundpreises (\u20ac\/kg oder \u20ac\/l), geregelt in der Preisangabenverordnung (PAngV)&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.buzer.de\/gesetz\/15106\/b41757.htm?setmobile=0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.beckmannundnorda.de\/pangv.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In der Theorie ein schlagendes Argument f\u00fcr Transparenz, in der Praxis hat sich der Grundpreis jedoch als stumpfes Schwert erwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Preisangabenverordnung schreibt vor, dass der Grundpreis&nbsp;<em>&#8222;leicht erkennbar und deutlich lesbar oder sonst gut wahrnehmbar zu machen&#8220;<\/em>&nbsp;ist&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.juris.de\/pangv_2022\/__1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Realit\u00e4t sieht jedoch anders aus. Der&nbsp;<strong>Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)<\/strong>&nbsp;stellte in einer aktuellen Analyse fest, dass&nbsp;<em>&#8222;jeder: zweite Befragte [angab], die Grundpreisangaben seien zu klein oder schwer zu erkennen&#8220;<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vzbv.de\/sites\/default\/files\/2024-11\/24-11-08_Kurzpapier_indirekte%20Preiserh%C3%B6hung_0.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Gestaltung der Preisschilder folgt einer klaren Hierarchie: Der Endpreis (z.B. 2,99 \u20ac) ist gro\u00df und auff\u00e4llig, der Grundpreis ist winzig und oft am Rand der Schilder versteckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vzbv kommt daher zu einem ern\u00fcchternden Schluss:&nbsp;<em>&#8222;Der Grundpreis bietet Verbraucher:innen Orientierung, wenn sie verschiedene Produkte einer Kategorie miteinander vergleichen m\u00f6chten, jedoch ist er kein geeignetes Mittel, um Skimpflation [oder Shrinkflation] erkennen zu k\u00f6nnen.&#8220;<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vzbv.de\/sites\/default\/files\/2024-11\/24-11-08_Kurzpapier_indirekte%20Preiserh%C3%B6hung_0.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Um eine Shrinkflation zu erkennen, m\u00fcsste der Verbraucher den alten und neuen Grundpreis einer Marke auswendig kennen \u2013 eine realit\u00e4tsferne Anforderung im hektischen Einkaufsalltag.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Psychologie der Preiswahrnehmung: Warum das System funktioniert<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Effektivit\u00e4t dieser Strategien l\u00e4sst sich nur durch die Brille der Preispsychologie vollst\u00e4ndig verstehen. Die Forschung zeigt, dass Menschen Preise nicht rational und isoliert betrachten, sondern in Relation zu subjektiven Referenzpunkten setzen&nbsp;<a href=\"https:\/\/mycampus.hslu.ch\/-\/media\/campus\/common\/files\/dokumente\/w\/ikm\/ikm-impuls\/230427-ikm-impuls-preispsychologie-juliane-richter.pdf\/?sc_lang=en#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Preispsychologe Kahneman beschreibt in seiner Prospect Theory, dass Verluste (wie eine Preiserh\u00f6hung) psychologisch schwerer wiegen als gleich gro\u00dfe Gewinne. Eine direkte Preiserh\u00f6hung w\u00e4re ein klarer, schmerzhafter Verlust. Die Reduzierung der Packungsgr\u00f6\u00dfe bei gleichem Preis ist dagegen ein &#8222;sanfterer&#8220; Verlust, der oft erst gar nicht als solcher wahrgenommen wird, weil der&nbsp;<strong>Referenzpreis<\/strong>&nbsp;im Ged\u00e4chtnis des Kunden unver\u00e4ndert bleibt&nbsp;<a href=\"https:\/\/mycampus.hslu.ch\/-\/media\/campus\/common\/files\/dokumente\/w\/ikm\/ikm-impuls\/230427-ikm-impuls-preispsychologie-juliane-richter.pdf\/?sc_lang=en#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hersteller nutzen diese kognitiven Verzerrungen systematisch aus. Die Verpackung bleibt nahezu unver\u00e4ndert, nur die Gewichtsangabe in einer Ecke wird aktualisiert. Der Kunde, der im Supermarkt eine schnelle Entscheidung trifft und sich an den gro\u00dfen, auff\u00e4lligen Preis von 2,99 \u20ac klammert, \u00fcbersieht die subtile \u00c4nderung. Wie eine Studie der Wirtschaftsforschung zeigt, ist diese Strategie so erfolgreich, dass Unternehmen hohe Kosten auf sich nehmen, um Preisanpassungen zu vermeiden, nur um das System 1 des Gehirns (die schnelle, intuitive Entscheidung) nicht zu triggern&nbsp;<a href=\"https:\/\/www2.aueb.gr\/conferences\/Crete2024\/slides\/Rebelo.pdf#2#1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Ausnahmen: Tabak und Alkohol als Belege f\u00fcr die Regel<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein interessantes Schlaglicht auf dieses System werfen die Sonderregeln f\u00fcr Tabak und Alkohol. Hier ist die Preisauszeichnung anders, aber nicht etwa verbraucherfreundlicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei&nbsp;<strong>Zigaretten<\/strong>&nbsp;wird der Preis nicht durch die Preisangabenverordnung, sondern durch das Tabaksteuergesetz diktiert. Die Kombination aus einer st\u00fcckbezogenen und einer wertbezogenen Steuer zwingt die Hersteller zur Angabe von Packungs- und St\u00fcckpreisen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/E-6-2009-2247-ASW_DE.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die EU-Kommission stellte klar, dass Mindestpreise f\u00fcr Tabakwaren gegen das Prinzip der Preisbildungsfreiheit versto\u00dfen und den freien Warenverkehr behindern w\u00fcrden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/E-6-2009-2247-ASW_DE.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei&nbsp;<strong>Alkohol<\/strong>&nbsp;wird die Steuer ebenfalls auf den reinen Alkoholgehalt erhoben&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/E-6-2009-2247-ASW_DE.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Preisauszeichnung f\u00fcr den Verbraucher bezieht sich dagegen auf den Liter des Getr\u00e4nks, nicht auf den Alkoholgehalt. Die Kommission argumentiert, dass eine Bepreisung nach reinem Alkoholgehalt zwar steuerlich sinnvoll, aber f\u00fcr den Verbraucher im Einzelhandel nicht praktikabel sei und den Wettbewerb verzerren w\u00fcrde. Diese Ausnahmen zeigen: Wo Steuerinteressen im Spiel sind, wird die Preisauszeichnung pr\u00e4zise geregelt. Wo jedoch reine Verbraucherinteressen auf dem Spiel stehen, wird die Regulierung bewusst locker gelassen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick: Der Ruf nach einer neuen Transparenz<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung von genormten Gebindegr\u00f6\u00dfen hin zu einer Flut von krummen Zahlen und versteckten Preiserh\u00f6hungen ist eine unmittelbare Folge der Deregulierung durch die EU. Das Versprechen, dass der Grundpreis den Verbraucher ausreichend sch\u00fctzt, hat sich nicht erf\u00fcllt. Stattdessen haben wir ein System, das die kognitiven Schw\u00e4chen des Menschen ausnutzt, um Preiserh\u00f6hungen zu verschleiern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verbraucherzentralen fordern daher l\u00e4ngst eine Versch\u00e4rfung der Regeln. Konkret wird ein&nbsp;<strong>sichtbarer Warnhinweis auf der Vorderseite der Verpackung<\/strong>&nbsp;f\u00fcr mindestens sechs Monate gefordert, wenn sich Inhalt oder Qualit\u00e4t ver\u00e4ndern&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vzbv.de\/sites\/default\/files\/2024-11\/24-11-08_Kurzpapier_indirekte%20Preiserh%C3%B6hung_0.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Frankreich macht mit seinem Lebensmittelh\u00e4ndler Carrefour vor, wie es gehen k\u00f6nnte: Der H\u00e4ndler f\u00fchrt Gespr\u00e4che mit Herstellern, um eine Preisanpassung zu erreichen, die einen Warnhinweis \u00fcberfl\u00fcssig macht&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vzbv.de\/sites\/default\/files\/2024-11\/24-11-08_Kurzpapier_indirekte%20Preiserh%C3%B6hung_0.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage, ob die Packung 62,5 Gramm oder 200 Gramm wiegt, ist keine Frage der Technik, sondern des Willens. Es ist ein Kampf um die Aufmerksamkeit und das Vertrauen der Verbraucher. Die EU steht vor der Aufgabe, das Versprechen des Binnenmarkts mit dem Schutz des m\u00fcndigen B\u00fcrgers zu vers\u00f6hnen \u2013 eine Aufgabe, die noch lange nicht gel\u00f6st ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung: Der Verlust der einfachen Rechnung Es war einmal eine Zeit, in der ein Kilo \u00c4pfel ein Kilo wog, eine Tafel Schokolade 200 Gramm hatte, und der Preisvergleich im Supermarkt eine Sache von Sekunden und einfacher Kopfrechnung war. Diese \u00c4ra, in der Gebindegr\u00f6\u00dfen wie 250g, 500g oder 1kg die Regel waren, ist nicht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[40,18,19,21],"tags":[9828,9826,9829,9825,9827,6305,7368],"class_list":["post-6683","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denkwerkzeuge","category-im-kopf-methoden-werkzeuge","category-im-ruckspiegel","category-industriegeschichte","tag-eu-deregulierung","tag-fertigpackungsverordnung","tag-grundpreis","tag-preisangabenverordnung","tag-preispsychologie","tag-shrinkflation","tag-verbraucherschutz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6683","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6683"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6683\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6684,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6683\/revisions\/6684"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6683"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6683"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6683"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}