{"id":707,"date":"2026-03-04T10:09:30","date_gmt":"2026-03-04T09:09:30","guid":{"rendered":"https:\/\/iobseu-xejul.wordpress.com\/?p=707"},"modified":"2026-03-04T10:09:30","modified_gmt":"2026-03-04T09:09:30","slug":"hermann-oberth-der-mann-der-den-weltraum-erfand-und-keiner-glaubte-ihm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/hermann-oberth-der-mann-der-den-weltraum-erfand-und-keiner-glaubte-ihm\/","title":{"rendered":"Hermann Oberth \u2013 Der Mann, der den Weltraum erfand (und keiner glaubte ihm)"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sch\u00e4\u00dfburg, Siebenb\u00fcrgen, 1906. Ein zw\u00f6lfj\u00e4hriger Junge sitzt in der engen Stube seiner Eltern und verschlingt ein Buch. Es ist kein Schulbuch. Es ist Jules Vernes \u201eVon der Erde zum Mond\u201c. Drau\u00dfen pfeift der Wind durch die Gassen, drinnen fliegt der Junge in einer hohlen Granate durchs All. Er hei\u00dft Hermann. Und er wei\u00df noch nicht, dass er gerade dabei ist, den Rest seines Lebens mit dem Versuch zu verbringen, diese eine Geschichte wahr zu machen \u2013 und dass ihm daf\u00fcr fast niemand glauben wird.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Der Prolog \u2013 Die Rechnung eines Kindes<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Jahr sp\u00e4ter. Der Junge sitzt wieder am Tisch. Aber diesmal liest er nicht. Er rechnet. Mit Bleistift und Papier versucht er herauszufinden, ob Jules Verne sich nicht verrechnet hat. Die Helden im Buch werden aus einer riesigen Kanone auf den Mond geschossen. Hermann findet den Fehler. Er rechnet vor: Die Beschleunigung in diesem Geschoss w\u00e4re so gewaltig, dass die Insassen&nbsp;<strong>dem 21.000-fachen ihres K\u00f6rpergewichts ausgesetzt w\u00e4ren<\/strong>. Zerquetscht. Tot.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Kind widerlegt einen ber\u00fchmten Schriftsteller. Und in diesem Moment, in dieser Rechenaufgabe eines Zw\u00f6lfj\u00e4hrigen, ist die gesamte sp\u00e4tere Raumfahrt schon angelegt. Denn Hermann Oberth zieht die richtige Schlussfolgerung: Wenn der Druck von unten nicht funktioniert, muss der Zug von vorne funktionieren. Keine Kanone. Eine Rakete. Etwas, das sich selbst zieht, das sanft beschleunigt, das den Menschen nicht zerquetscht, sondern tr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Jahre sp\u00e4ter, 1909, entwirft der Gymnasiast eine&nbsp;<strong>Zentrifuge mit 35 Metern Arml\u00e4nge<\/strong>, um auszurechnen, wie viel Druck ein Mensch aushalten kann \u2013 liegend, stehend, sitzend.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Die Zahlen, die er damals aufs Papier wirft, werden Jahrzehnte sp\u00e4ter die Grundlage f\u00fcr die Trainingszentren der Astronauten in Houston und Star City. Ein Kind in Siebenb\u00fcrgen schreibt die Bedienungsanleitung f\u00fcr den Weltraum, lange bevor es die Maschinen gibt, die ihn erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Der Mensch \u2013 Der verhinderte Arzt, der Lehrer bleiben musste<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hermann Oberth wird 1894 in Hermannstadt geboren, sein Vater ist Chirurg.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Eine solide b\u00fcrgerliche Familie, die mit dem Sohn etwas Anst\u00e4ndiges vorhat. Medizin soll er studieren, einen richtigen Beruf lernen, nicht an solchen Spinnereien wie Raketen herumrechnen. Also studiert Hermann in M\u00fcnchen und G\u00f6ttingen Medizin \u2013 aber heimlich, in den N\u00e4chten, in den Pausen, rechnet er weiter. Er liest Physik, Mathematik, Astronomie. Er will promovieren. Er will beweisen, dass seine Raketen fliegen k\u00f6nnen, zumindest auf dem Papier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1922 legt er der Universit\u00e4t Heidelberg seine Dissertation vor. Titel:&nbsp;<strong>\u201eDie Rakete zu den Planetenr\u00e4umen\u201c<\/strong>. Ein Werk, das die Grundz\u00fcge der gesamten Raumfahrt skizziert. Die Gutachter lehnen ab.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/hermann-oberth-vor-125-jahren-geboren-der-raketenvisionaer-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Der Grund ist nicht etwa ein Fehler in der Rechnung, sondern schlicht der Inhalt. Es ist zu fantastisch. Zu weit weg von der realen Physik. Ein Student, der \u00fcber Reisen ins All schreibt \u2013 das ist keine Wissenschaft, das ist Spinnerei. Die Herren Professoren empfehlen ihm, doch lieber etwas Handfestes zu arbeiten. Oder, wie es in einem zeitgen\u00f6ssischen Bericht aus G\u00f6ttingen hei\u00dft: \u201eEr solle doch besser Romanautor werden.\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.163.com\/dy\/article\/JTECT8UG051284IN.html?spss=dy_author\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oberth nimmt die Arbeit, reicht sie in Klausenburg ein, wird dort promoviert.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/hermann-oberth-vor-125-jahren-geboren-der-raketenvisionaer-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Aber die Zur\u00fcckweisung in Heidelberg sitzt tief. Jahre sp\u00e4ter, als l\u00e4ngst alle seine Formeln best\u00e4tigt sind, wird er noch davon sprechen. Der Traum vom Weltraum, das war von Anfang an ein Kampf gegen die Schwerkraft der akademischen Ignoranz. Er wird nie eine ordentliche Professur bekommen. Er wird sein Leben lang Lehrer bleiben \u2013 in Mediasch, in Sch\u00e4\u00dfburg, in Wien. Ein Gymnasiallehrer, der nebenbei den Weltraum erfindet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Das Problem \u2013 Die Schallmauer des Denkens<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem war nicht die Rakete. Das Problem war, dass die Rakete als ernsthafte Technik gar nicht existierte. Es gab Feuerwerksraketen, es gab milit\u00e4rische Sprengraketen nach Kongreve-Art \u2013 aber das waren im Grunde nichts anderes als fliegende Pulverf\u00e4sser. Unkontrollierbar, unlenkbar, f\u00fcr den Weltraum v\u00f6llig unbrauchbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Physik sagte: Im Vakuum des Weltraums gibt es nichts, woran sich eine Rakete \u201eabsto\u00dfen\u201c kann. Also kann sie dort nicht funktionieren. Das war die herrschende Meinung. Ein Trugschluss, aber ein hartn\u00e4ckiger. Oberth erkannte, woran Generationen von Physikern gescheitert waren:&nbsp;<strong>Die Rakete st\u00f6\u00dft sich nicht an der Luft ab. Sie st\u00f6\u00dft sich an ihrer eigenen Masse ab.<\/strong>&nbsp;Das R\u00fccksto\u00dfprinzip funktioniert im Leeren sogar besser als in der Atmosph\u00e4re, weil dort kein Luftwiderstand bremst. Eine simple Einsicht \u2013 aber sie widersprach so fundamental der Alltagserfahrung, dass sie keiner wahrhaben wollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kam das Materialproblem. Es gab keine Pumpen, die fl\u00fcssigen Sauerstoff f\u00f6rdern konnten. Es gab keine D\u00fcsen, die 3000 Grad hei\u00dfe Abgase aushielten. Es gab keine Regelungstechnik. Oberth musste nicht nur eine Rakete erfinden, er musste die gesamte Industrie, die sie bauen k\u00f6nnte, erst denken. Er musste Materialwissenschaften erfinden, K\u00e4ltetechnik, Antriebstechnik. Alles auf dem Papier, alles im Kopf eines siebenb\u00fcrgischen Lehrers.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Der Bau \u2013 Das Buch, das die Welt ver\u00e4nderte (nur wusste sie es nicht)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1923 passiert etwas Merkw\u00fcrdiges. Das Buch, das die Heidelberger Professoren nicht einmal als Doktorarbeit akzeptieren wollten, erscheint als schmales B\u00e4ndchen im M\u00fcnchner Oldenbourg Verlag.&nbsp;<strong>Oberth muss die Druckkosten selbst bezahlen.<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;\u201eDie Rakete zu den Planetenr\u00e4umen\u201c \u2013 92 Seiten, voller Formeln, n\u00fcchtern geschrieben, aber dahinter gl\u00fcht der Traum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch ist kein Fantasieprodukt. Es ist eine pr\u00e4zise technische Skizze der Zukunft. Oberth beschreibt darin:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Fl\u00fcssigkeitsrakete mit Alkohol und fl\u00fcssigem Sauerstoff.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/hermann-oberth-vor-125-jahren-geboren-der-raketenvisionaer-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Das Stufenprinzip: Raketen, die sich wie eine Zwiebel h\u00e4uten und \u00fcberfl\u00fcssige Masse abwerfen.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Die Lebenserhaltung in einer Raumkapsel.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Berechnungen f\u00fcr Fluchtgeschwindigkeiten und Erdumlaufbahnen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die M\u00f6glichkeit, dass Menschen in der Schwerelosigkeit \u00fcberleben k\u00f6nnen \u2013 damals wagte kaum ein Mediziner, das zu glauben.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein einziger Satz in diesem Buch wird das Leben eines anderen Jungen ver\u00e4ndern. In Deutschland, in einer anderen Kleinstadt, sitzt ein Gymnasiast namens&nbsp;<strong>Wernher von Braun<\/strong>&nbsp;und liest Oberths Buch. Er versteht sofort: Das ist es. Das ist die Zukunft. Er wird Oberth sp\u00e4ter schreiben, wird sein Sch\u00fcler werden, sein Assistent.&nbsp;<a href=\"http:\/\/leibnizsozietaet.de\/tag\/gotthold-st\/#header\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Die Lekt\u00fcre dieses einen Buches, so wird von Braun sp\u00e4ter sagen, habe ihn \u201ezu gr\u00f6\u00dferem Lerneifer befl\u00fcgelt\u201c. Eine der gr\u00f6\u00dften Untertreibungen der Technikgeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der jungen Sowjetunion wird das Buch begeistert aufgenommen. Nur Konstantin Ziolkowski, der russische Pionier, ist zun\u00e4chst skeptisch.&nbsp;<a href=\"http:\/\/leibnizsozietaet.de\/tag\/gotthold-st\/#header\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Aber der Briefwechsel zwischen den beiden kommt in Gang. Drei M\u00e4nner, die unabh\u00e4ngig voneinander das Gleiche denken \u2013 Oberth, Ziolkowski, der Amerikaner Robert Goddard \u2013, und die doch alle das gleiche Problem haben: Keiner nimmt sie ernst.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Das Herzst\u00fcck \u2013 Die Idee, die alles ver\u00e4ndert (Die Selbstzerrei\u00dfung der Tr\u00f6pfchen)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann \u00fcber Hermann Oberth schreiben, ohne jemals eine seiner Formeln zu nennen. Aber dann h\u00e4tte man das Herzst\u00fcck verpasst. Es gibt einen Moment, eine Entdeckung, die so genial ist, dass sie bis heute in jedem Raketentriebwerk steckt.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1929\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Oberth experimentiert mit Brennkammern. Das Problem: Wie bekommt man den Treibstoff so fein verteilt in die Flamme, dass er vollst\u00e4ndig und explosionsartig verbrennt? Man k\u00f6nnte ihn durch D\u00fcsen pressen, ihn zerst\u00e4uben. Aber Oberth beobachtet etwas anderes. Er nennt es die\u00a0<strong>\u201eSelbstzerrei\u00dfung der brennenden Tr\u00f6pfchen\u201c<\/strong>.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was passiert? Ein Tropfen fl\u00fcssigen Treibstoffs tritt in die Brennkammer ein. Er beginnt zu verdampfen, zu brennen. Aber die Verbrennung ist nicht gleichm\u00e4\u00dfig. Die einen Stellen des Tropfens werden hei\u00dfer als die anderen. Es entstehen Spannungen im Tropfen. Und dann \u2013 zerrei\u00dft er. Er explodiert buchst\u00e4blich von innen heraus in tausend kleinere Tr\u00f6pfchen. Jedes dieser Tr\u00f6pfchen verbrennt nun seinerseits, erhitzt sich ungleichm\u00e4\u00dfig, zerrei\u00dft wieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Kettenreaktion der Zerst\u00e4ubung. Eine Fl\u00fcssigkeit, die sich selbst in ihre feinsten Teile zerlegt, nur weil man sie brennen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oberth erkennt: Das ist der Schl\u00fcssel. Wenn man die Bedingungen in der Brennkammer richtig w\u00e4hlt \u2013 Druck, Temperatur, D\u00fcsengeometrie \u2013, dann arbeitet der Treibstoff mit einem. Dann rei\u00dft er sich selbst in einen Nebel aus Mikrotr\u00f6pfchen, der praktisch schlagartig verbrennt. Die Energie freisetzung wird explosiv, kontrolliert, effizient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Entdeckung \u2013 die heute jeder Raketeningenieur kennt und nutzt \u2013 war damals so neu, so unerwartet, dass sie die Konstruktion der Triebwerke auf eine v\u00f6llig neue Grundlage stellte. Oberth meldet sie zum Patent an:&nbsp;<strong>\u201eVerfahren und Vorrichtung zum Verbrennen, z.B. f\u00fcr Raketen\u201c<\/strong>.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Ein Verfahren, das aus einem simplen Brenner erst ein Raketentriebwerk macht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Das Ende \u2013 Die Rakete und der Pakt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt wird es dunkel. Denn Geschichte ist selten eine gerade Linie zum Ruhm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1930, Berlin-Tegel. Ein ehemaliger Flugplatz wird zum ersten Raketenflugplatz der Welt. Oberths Assistent Rudolf Nebel hat ihn gegr\u00fcndet. Hier werkeln junge M\u00e4nner, die an die Sterne wollen, darunter ein gewisser Wernher von Braun.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Sie bauen, testen, sprengen sich fast in die Luft. Es ist die goldene Zeit der Bastler, der T\u00fcftler in der Garage \u2013 nur dass die Garage ein ganzes Feld ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kommen die Nazis. Und die entdecken, dass Raketen nicht nur in den Weltraum fliegen k\u00f6nnen, sondern auch nach London.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1937 wird von Braun technischer Direktor in Peenem\u00fcnde. 1941 wird Oberth dorthin \u201ebefohlen\u201c.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Er arbeitet nun an der&nbsp;<strong>Aggregat 4 (A4), der sp\u00e4teren V2<\/strong>.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/hermann-oberth-vor-125-jahren-geboren-der-raketenvisionaer-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Die erste Fernrakete der Welt, 300 Kilometer Reichweite, 90 Kilometer Gipfelh\u00f6he.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Ein technisches Wunder. Und eine furchtbare Waffe, gebaut von KZ-H\u00e4ftlingen, die zu Tausenden sterben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1942, im Oktober, gelingt der erste erfolgreiche Start.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Oberth erh\u00e4lt 1942 das Reichspatent f\u00fcr eine \u201eRakete oder sonstiges durch R\u00fccksto\u00df angetriebenes Ger\u00e4t\u201c.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Der Traum vom Weltraum ist in der Hand der M\u00f6rder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich will hier kein Urteil f\u00e4llen. Aber ich will die Frage nicht verschweigen, die in den Archiven des Smithsonian zu finden ist, in den Briefen, in den Protokollen.&nbsp;<a href=\"https:\/\/sova.si.edu\/search?q=Oberth,+Hermann,+1894-1989\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Oberth hat nie bereut, f\u00fcr Hitler gearbeitet zu haben. Er war kein Nazi, aber er war auch kein Widerst\u00e4ndler. Er war ein Mann, der sein Leben lang gegen die Schwerkraft der Ignoranz gek\u00e4mpft hatte \u2013 und jetzt endlich, endlich gab es Geld, gab es Material, gab es tausend Ingenieure, die an seiner Idee arbeiteten. Dass sie daf\u00fcr Menschen t\u00f6teten, dass sie die Rakete zur Terrorwaffe machten \u2013 war das der Preis? Oberth hat sp\u00e4ter gesagt, er habe gehofft, mit einer Superwaffe den Krieg schnell zu beenden. Eine Selbstl\u00fcge, die sich viele erlaubten.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/archiv\/zur-urauffuehrung-von-hochhuths-hitlers-dr-faust-im-schlosspark-theater-zeitlebens-in-die-falsche-richtung-li.429811\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1943 verl\u00e4sst er Peenem\u00fcnde wieder, arbeitet an Feststoffraketen.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Das gro\u00dfe Manuskript, an dem er schreibt \u2013 1300 Seiten \u00fcber die Zukunft der Raumfahrt \u2013 geht in den Wirren des Krieges verloren.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Verbrannt, verlegt, vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Krieg: kurze Internierung, dann Arbeit als G\u00e4rtner in Feucht bei N\u00fcrnberg.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Der Erfinder des Weltraums pflanzt Kohl an.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7. Der Epilog \u2013 Apollo 11 und die sp\u00e4te Gnade<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann, 1955, holt Wernher von Braun seinen alten Lehrer in die USA. Oberth arbeitet in Huntsville, Alabama, am amerikanischen Raumfahrtprogramm mit.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/hermann-oberth-vor-125-jahren-geboren-der-raketenvisionaer-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Drei Jahre nur, dann geht er zur\u00fcck nach Deutschland.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Er ist kein Mann der gro\u00dfen Teams mehr, kein Manager. Er ist der alte Denker, der Rechner, der Vision\u00e4r.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 16. Juli 1969 sitzt Hermann Oberth auf der Ehrentrib\u00fcne in Cape Canaveral.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schulmodell.eu\/unterricht\/105-unterrichtsfaecher\/astronomie-unterricht\/astronomiebereiche\/astrobriefmarken\/835-hermann-oberth.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Vor ihm hebt&nbsp;<strong>Apollo 11 ab<\/strong>, die erste Mondlandef\u00e4hre. Die Rakete, die sie tr\u00e4gt, die Saturn V, ist das direkte Enkelkind seiner Rechnungen. Das Stufenprinzip, das er 1920 erfand, tr\u00e4gt drei M\u00e4nner zum Mond. Die Fl\u00fcssigsauerstoff-Turbopumpen, die er ersonn hat, arbeiten mit der Pr\u00e4zision eines Uhrwerks. Die \u201eSelbstzerrei\u00dfung der Tr\u00f6pfchen\u201c in den Triebwerken \u2013 l\u00e4ngst Standard.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er ist 75 Jahre alt. Neben ihm jubeln die Menschen. Er sagt nichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was geht in einem Mann vor, der f\u00fcnfzig Jahre lang gegen den Strom geschwommen ist, der als Spinner galt, der als Lehrer Raketen berechnete, w\u00e4hrend die Kollegen ihn f\u00fcr verr\u00fcckt hielten \u2013 und der jetzt zusieht, wie zwei Amerikaner in seine Fu\u00dfstapfen treten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich stelle es mir so vor: Er riecht den Rauch, h\u00f6rt das Donnern, sp\u00fcrt die Ersch\u00fctterung im Boden. Vielleicht denkt er an das Zimmer in Sch\u00e4\u00dfburg, an die Kerze, an das Buch von Jules Verne. Vielleicht denkt er an die Heidelberger Professoren, die ihn nicht promovieren wollten. Vielleicht denkt er an Peenem\u00fcnde, an das T\u00f6ten, an den verlorenen Krieg. Vielleicht denkt er auch einfach: Es fliegt. Es fliegt wirklich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hermann Oberth stirbt 1989, ein halbes Jahr vor dem Fall der Mauer. 95 Jahre alt.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/hermann-oberth-vor-125-jahren-geboren-der-raketenvisionaer-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Er hat gesehen, wie sein Traum wahr wurde. Und er hat gesehen, welchen Preis er daf\u00fcr bezahlt hat \u2013 einen Preis, den nicht nur er zahlte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Smithsonian Institution in Washington bewahrt seinen Nachlass auf.&nbsp;<a href=\"https:\/\/sova.si.edu\/search?q=Oberth,+Hermann,+1894-1989\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Briefe, Fotos, Patentschriften. In einer Mappe, die ich mir im Geiste vorstelle, liegt auch das Original seiner Dissertation von 1922. \u201eDie Rakete zu den Planetenr\u00e4umen\u201c. Mit Bleistift durchgestrichene Formeln, handschriftliche Korrekturen, Anmerkungen am Rand. Ein Dokument der Beharrlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bleibt? Vielleicht das: Dass die gr\u00f6\u00dften Ideen dieser Welt meist nicht in den H\u00f6rs\u00e4len der Universit\u00e4ten geboren werden, sondern in den K\u00f6pfen von Menschen, die zu viel Fantasie haben, um sich mit dem Hier und Jetzt zufrieden zu geben. Dass es sich lohnt, gegen den Strom zu schwimmen, auch wenn das Wasser eisig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dass jede Rakete, die heute zu den Sternen startet, ein St\u00fcck weit die Rechnung eines zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Jungen aus Siebenb\u00fcrgen ist, der herausfand, dass Jules Verne sich verrechnet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hermann Oberth hat den Weltraum erfunden. Auf Papier, mit Bleistift, gegen alle. Dass daraus Waffen wurden, dass Menschen starben, dass der Traum blutig wurde \u2013 das ist nicht seine Schuld allein. Das ist die Schuld einer Welt, die Vision\u00e4re erst auslacht und dann f\u00fcr ihre Zwecke einspannt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Rechnung von damals, die stimmt immer noch.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00e4\u00dfburg, Siebenb\u00fcrgen, 1906. Ein zw\u00f6lfj\u00e4hriger Junge sitzt in der engen Stube seiner Eltern und verschlingt ein Buch. Es ist kein Schulbuch. Es ist Jules Vernes \u201eVon der Erde zum Mond\u201c. Drau\u00dfen pfeift der Wind durch die Gassen, drinnen fliegt der Junge in einer hohlen Granate durchs All. Er hei\u00dft Hermann. 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