{"id":757,"date":"2026-03-04T10:09:28","date_gmt":"2026-03-04T09:09:28","guid":{"rendered":"https:\/\/iobseu-xejul.wordpress.com\/?p=757"},"modified":"2026-03-04T10:09:28","modified_gmt":"2026-03-04T09:09:28","slug":"kevin-mitnick-der-mann-der-keine-firewall-brauchte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/kevin-mitnick-der-mann-der-keine-firewall-brauchte\/","title":{"rendered":"Kevin Mitnick \u2013 Der Mann, der keine Firewall brauchte"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>Wie man mit einem L\u00e4cheln und einer L\u00fcge die sichersten Systeme der Welt knackt<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute wird\u2019s ungem\u00fctlich. Nicht wegen einer neuen Sicherheitsl\u00fccke in einem Betriebssystem, das ihr sowieso nicht nutzt. Auch nicht wegen eines Virus, der eure Festplatten verschl\u00fcsselt. Heute geht es um etwas viel Grundlegenderes. Etwas, das keinen Patch kennt, f\u00fcr das es keinen Virenscanner gibt und das in jeder Besprechung, an jedem Telefon und in jeder Firma sitzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich rede von euch. Von mir. Von uns.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kevin Mitnick, der Mann, der das zum Beruf gemacht hat, nannte es \u201eSocial Engineering\u201c. Die Kunst, Menschen auszutricksen, nicht Maschinen. Wir graben heute tief in den Akten des ber\u00fchmtesten Hackers der Welt. Und wir werden sehen: Das gr\u00f6\u00dfte Loch im System sitzt immer noch vor dem Bildschirm.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Der Prolog \u2013 Die Telefonzelle in L.A.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Los Angeles, irgendwann 1992. In einer sch\u00e4bigen Telefonzelle steht ein junger Mann, den Blick konzentriert auf das W\u00e4hlscheibe. Er wirft eine M\u00fcnze ein, w\u00e4hlt eine Nummer. Am anderen Ende meldet sich ein Techniker von Motorola.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eHallo, hier spricht Anton Chernoff aus der Entwicklung\u201c, sagt der junge Mann mit fester Stimme. \u201eWir haben hier eine verdammt kritische Sicherheitsl\u00fccke in unserem System entdeckt. Ich brauche dringend Zugang, um einen Patch einzuspielen, sonst ist der Laden morgen vielleicht offline. Der FBI-Typ, dieser Mitnick, der ist hinter uns her. K\u00f6nnen Sie mir helfen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Techniker, verunsichert von der Dringlichkeit und dem Namen des FBI, nickt innerlich. Klar, wenn der Chef pers\u00f6nlich anruft&#8230; Er notiert sich die Anweisungen, gibt dem Anrufer die ben\u00f6tigten Zugangsdaten durch. Der junge Mann bedankt sich knapp, legt auf, und l\u00e4chelt. In der Tasche seiner Jacke steckt kein Dienstausweis von Motorola. Nur ein abgegriffener Ausweis der \u00f6ffentlichen Bibliothek.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der junge Mann hie\u00df Kevin Mitnick. Er war 29 Jahre alt, stand auf der Most-Wanted-Liste des FBI und hatte gerade wieder bewiesen, dass die beste Firewall der Welt aus zwei Ohren, einem Mund und einem Gehirn besteht \u2013 nur leider auf der falschen Seite der Leitung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/h\/das-grosste-sicherheitsrisiko-ist-der-mensch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.cnetsec.com\/article\/30724.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Der Mensch \u2013 Der Fuchs, der die J\u00e4ger auslachte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kevin Mitnick war kein typischer Hacker, wie ihn sich die \u00d6ffentlichkeit vorstellt: der einsame Nerd im dunklen Keller, der n\u00e4chtelang Codezeilen w\u00e4lzt. Nein, Mitnick war ein J\u00e4ger. Ein Meister der Tarnung. Er wuchs in Los Angeles auf und entdeckte schon fr\u00fch, dass das Telefonnetz ein Spielzeug war, mit dem sich die Welt manipulieren lie\u00df&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/h\/das-grosste-sicherheitsrisiko-ist-der-mensch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er interessierte sich nie f\u00fcr Geld. Ihn trieb der Nervenkitzel, das Spiel, der Beweis, dass er es kann. Dass er schlauer ist als das System und die Leute, die es bewachen. Er hackte nicht nur Computer, er hackte die Realit\u00e4t. Er las die Akten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden, h\u00f6rte Gespr\u00e4che des FBI ab und wusste oft mehr \u00fcber die Agenten, die ihn jagten, als diese selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er untertauchte, erfand er sich einfach neu. Er suchte sich den Namen Eric Weiss aus \u2013 den b\u00fcrgerlichen Namen des Entfesselungsk\u00fcnstlers Harry Houdini&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/h\/das-grosste-sicherheitsrisiko-ist-der-mensch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Ein sch\u00f6ner ironischer Zug, schlie\u00dflich war er selbst ein Meister der Flucht. Er rief bei der Sozialversicherungsbeh\u00f6rde an, gab sich als Beamter aus und erschlich sich die Sozialversicherungsnummer eines echten Eric Weiss. Dann bestellte er eine Kopie von dessen Geburtsurkunde. Ausgestattet mit diesen Papieren, beantragte er einen F\u00fchrerschein. Mit diesem Ausweis zog er nach Denver, erfand einen Lebenslauf und arbeitete ganz legal als Anwalt, w\u00e4hrend er nachts weiterhin die Systeme von Nokia und Novell erkundete&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/h\/das-grosste-sicherheitsrisiko-ist-der-mensch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Drei Jahre lang f\u00fchrte er das FBI an der Nase herum \u2013 nicht mit Gewalt, sondern mit Chuzpe und einem Telefon.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Das Problem \u2013 Die Sicherheitsl\u00fccke Mensch<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sicherheitsindustrie verkauft uns seit Jahrzehnten teure Schl\u00f6sser. Firewalls, Verschl\u00fcsselungen, Intrusion-Detection-Systeme \u2013 ganze Industriezweige leben davon, die Festungen immer h\u00f6her zu mauern. Und das ist auch gut so.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber was n\u00fctzt das dickste Burgtor, wenn der Pf\u00f6rtner den ersten Fremden, der sich als Kurier ausgibt, freundlich hereinbittet?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem, das Mitnick erkannte, ist so alt wie die Menschheit: Wir sind soziale Wesen. Wir sind darauf programmiert, zu helfen, zu vertrauen, Autorit\u00e4ten zu respektieren und Konflikte zu vermeiden. Ein Social Engineer spielt nicht gegen den Code, er spielt auf diesem Klavier der menschlichen Psyche&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.welivesecurity.com\/la-es\/2014\/05\/21\/tecnicas-ingenieria-social-evolucionaron-presta-atencion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitnick identifizierte vier Saiten, auf denen er immer spielen konnte:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Der Helferreflex:<\/strong>\u00a0Wir wollen gerne n\u00fctzlich sein.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Das Vertrauensvorschuss-Prinzip:<\/strong>\u00a0Wir gehen erstmal davon aus, dass unser Gegen\u00fcber ehrlich ist.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Kunst, Nein zu sagen:<\/strong>\u00a0Den meisten f\u00e4llt es schwer, jemanden abblitzen zu lassen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Eitelkeit:<\/strong>\u00a0Wir m\u00f6gen es, wenn man uns wichtig nimmt oder uns schmeichelt\u00a0<a href=\"https:\/\/www.welivesecurity.com\/la-es\/2014\/05\/21\/tecnicas-ingenieria-social-evolucionaron-presta-atencion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein 17-j\u00e4hriger Mitnick rief einfach bei der Firma DEC an und bat um Zugang zum System \u2013 als leitender Entwickler. Punkt. Drei der vier Saiten hatten geschwungen. Der Techniker half, vertraute, und konnte nicht Nein sagen zu einem vermeintlich H\u00f6hergestellten&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.cnetsec.com\/article\/30724.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Der Bau \/ Die Funktionsweise \u2013 Das Handwerkszeug des Hochstaplers<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Social Engineering ist kein Zaubertrick, es ist Handwerk. Und wie jedes Handwerk hat es seine Werkzeuge und Techniken. Schauen wir sie uns an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens:&nbsp;<strong>Die Recherche.<\/strong>&nbsp;Bevor Mitnick zuschlug, wurde er zum Stalker \u2013 im positiven Sinne. Er durchforstete Firmenwebseiten nach Namen, las Pressemitteilungen, w\u00fchlte in M\u00fclltonnen nach Notizen. Wer spricht auf Konferenzen? Wer ist gerade im Urlaub? Wie hei\u00dft der Hund des Abteilungsleiters? Alles Puzzlest\u00fccke f\u00fcr die sp\u00e4tere Legende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens:&nbsp;<strong>Der Vorwand.<\/strong>&nbsp;Die glaubw\u00fcrdige Geschichte. Der Klassiker: der IT-Support. \u201eGuten Tag, hier ist die EDV-Abteilung. Wir haben einen seltsamen Befall auf Ihrem Rechner festgestellt. Um die Sicherheit zu gew\u00e4hrleisten, m\u00fcssen wir schnell Ihr Passwort zur\u00fccksetzen. Darf ich es mir notieren?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drittens:&nbsp;<strong>Die Ausnutzung von Autorit\u00e4t.<\/strong>&nbsp;Menschen reagieren auf Titel und vermeintliche Macht. Also gab sich Mitnick als Chernoff aus, als Entwicklungsleiter, als FBI-Agent. Er erfand sich eine Autorit\u00e4t, der man nicht widerspricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viertens:&nbsp;<strong>Die Erzeugung von Dringlichkeit.<\/strong>&nbsp;\u201eWenn wir jetzt nicht handeln, ist die Firma ruiniert!\u201c, \u201eIhr Konto wird in 24 Stunden gel\u00f6scht!\u201c. Wer unter Druck steht, denkt nicht nach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcnftens (und am hinterh\u00e4ltigsten):&nbsp;<strong>Die sch\u00f6ne neue Welt des USB-Sticks.<\/strong>&nbsp;In den Archiven seiner sp\u00e4teren Firma, der Mitnick Security Consulting, gibt es einen Klassiker. Man l\u00e4sst einen USB-Stick mit einem Firmenlogo auf dem Parkplatz liegen oder in der Kantine \u201evergessen\u201c. Irgendwann findet ihn ein Mitarbeiter. Neugierig, vielleicht sogar hilfsbereit, steckt er ihn in seinen Rechner, um zu sehen, wem er geh\u00f6rt. Zack. Der Stick installiert einen Trojaner. Kein Klingeln an der T\u00fcr, kein nerviger Anruf. Die Neugier des Mitarbeiters erledigt den Rest&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.druva.com\/blog\/red-sky-security-conference-lessons-from-kevin-mitnick\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.krone.at\/102334\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In einer seiner Vorf\u00fchrungen nahm Mitnick ein scheinbar normales iPhone-Ladekabel, steckte es in einen Laptop und hatte sofort die Kontrolle dar\u00fcber. Das Kabel selbst war die Waffe&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.druva.com\/blog\/red-sky-security-conference-lessons-from-kevin-mitnick\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Das Herzst\u00fcck \u2013 Der Riss im System namens Vertrauen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist das Geniale, das Heimt\u00fcckische an dieser Methode? Es ist die Tatsache, dass sie keine Sicherheitsl\u00fccke im Code ausnutzt, sondern eine im System namens Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gro\u00dfe Coup, der mir immer wieder im Ged\u00e4chtnis bleibt, ist nicht der Einbruch in einen Gro\u00dfrechner. Es ist der Einbruch in ein gesichertes Rechenzentrum einer Bank. Das Geb\u00e4ude hatte Wachpersonal, Sicherheitsschleusen, alles, was das Security-Herz begehrt. Mitnick spazierte einfach rein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuerst rief er die Hausverwaltung an, gab sich als interessierter Mieter und ergatterte eine Besichtigungstour. In seinem Terminkalender versteckt trug er einen kleinen Scanner, der die HID-Codes der Sicherheitsausweise der Mitarbeiter lesen konnte. Mit diesen Daten ausgestattet, ging er sp\u00e4ter auf die Herrentoilette, wo er mit einem st\u00e4rkeren Scanner in seinem Rucksack die Codes der hereinkommenden M\u00e4nner einsammelte. Einen dieser Codes klonte er auf eine leere Karte und marschierte damit seelenruhig am Empfang vorbei in den heiligen Gral der Datensicherheit&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.druva.com\/blog\/red-sky-security-conference-lessons-from-kevin-mitnick\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schwachstelle war nicht der T\u00fcrcode. Die Schwachstelle war die H\u00f6flichkeit des Hausverwalters, der ihm die T\u00fcr \u00f6ffnete, und die Tatsache, dass niemand auf einer Herrentoilette einen Rucksack als Sicherheitsrisiko betrachtet. Das Vertrauen in die sozialen Normen \u2013 dass man Besichtigungen macht, dass man auf Toiletten geht \u2013 war der Riss, durch den er schl\u00fcpfte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6. Das Ende \u2013 Vom Gejagten zum J\u00e4ger im wei\u00dfen Kittel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 15. Februar 1995 war das Spiel aus. Ein japanischer Sicherheitsexperte namens Tsutomu Shimomura, den Mitnick zuvor selbst gehackt hatte, half dem FBI, ihn aufzusp\u00fcren&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/h\/das-grosste-sicherheitsrisiko-ist-der-mensch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Mitnick wurde verhaftet und sa\u00df f\u00fcnf Jahre im Gef\u00e4ngnis, davon acht Monate in Einzelhaft. Die Auflagen nach seiner Entlassung waren drakonisch: Drei Jahre lang durfte er keinen Computer, kein Handy, keinen Codec anfassen \u2013 nicht mal eine Spielkonsole&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.krone.at\/102334\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte meinen, das sei das Ende der Geschichte. Ein zerst\u00f6rter Mann, kriminell, vorbestraft. Aber die Technikwelt dreht sich weiter. Und sie brauchte jemanden, der ihre weichen Flanken kennt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist Kevin Mitnick (der 2023 leider verstorben ist) einer der gefragtesten Sicherheitsberater der Welt. Seine Firma, Mitnick Security Consulting, hackt f\u00fcr Unternehmen \u2013 mit deren Erlaubnis, versteht sich. Er testet die \u201emenschliche Firewall\u201c. Und seine Erfolgsquote liegt angeblich bei 100 Prozent. Jedes Unternehmen, das er testete, hat er geknackt. Nicht weil die Technik versagte, sondern weil irgendwann, irgendwo, ein Mensch half, vertraute, oder einfach nur neugierig war&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.druva.com\/blog\/red-sky-security-conference-lessons-from-kevin-mitnick\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.cio.com\/article\/213774\/social-engineering-disabling-targets-mitnick.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er hat seine Methoden in zwei B\u00fcchern offengelegt: \u201eDie Kunst der T\u00e4uschung\u201c und \u201eDie Kunst des Eindringens\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Kunst_der_T%C3%A4uschung_(Buch)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/?curid=4773407\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In diesen B\u00fcchern, die heute in jedem Regal eines Sicherheitsbeauftragten stehen sollten, erz\u00e4hlt er genau die Geschichten, die wir hier besprechen. Keine patentierten Exploits, sondern Geschichten von Menschen, die f\u00fcr einen Moment nicht aufgepasst haben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7. Der Epilog \u2013 Was bleibt?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bleibt von der Geschichte des Kevin Mitnick f\u00fcr uns? Ist es nur eine nette Anekdote aus den Kindertagen des Internets?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Es ist aktueller denn je. Die Angriffe auf das Wei\u00dfe Haus, auf Sony, auf RSA \u2013 sie alle begannen nicht mit einem 0-Day-Exploit, sondern mit einer Phishing-Mail, einem Anruf, einem gezielten K\u00f6der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.cio.com\/article\/213774\/social-engineering-disabling-targets-mitnick.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der wichtigste Satz, den Mitnick je gesagt hat, ist vielleicht dieser:&nbsp;<strong>\u201eEs gibt keinen Patch f\u00fcr Dummheit oder Naivit\u00e4t.\u201c<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.krone.at\/102334\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihr k\u00f6nnt eure Firewalls noch so hochziehen, eure Passw\u00f6rter noch so kompliziert machen \u2013 wenn der Mitarbeiter am Empfang den Typen mit der Kaffeetasse und dem gef\u00e4lschten Ausweis hereinl\u00e4sst, weil er ihm den Rucksack h\u00e4lt, ist alles umsonst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Funke, der bleibt, ist die Erkenntnis: Sicherheit ist kein Produkt, das man kauft. Es ist ein Prozess, eine Haltung, ein Training. Es ist das komische Bauchgef\u00fchl, wenn jemand zu freundlich ist, zu dringend, zu autorit\u00e4r. Es ist der Moment, in dem du dich entscheidest, nicht zu helfen, sondern nachzufragen. Es ist der Mut, einfach aufzulegen und die offizielle Nummer zur\u00fcckzurufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitnick hat die Taschenuhr des FBI-Chefs geklaut, als er in dessen B\u00fcro war. Er hat bewiesen, dass man die st\u00e4rkste Festung nicht mit einem Rammbock \u00f6ffnen muss, sondern mit einem L\u00e4cheln und einem plausiblen Grund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Maschine ist nur der Buchstabe. Der Mensch ist das Wort. Und manchmal l\u00fcgt das Wort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also, beim n\u00e4chsten Mal, wenn das Telefon klingelt und sich jemand als IT-Support ausgibt, der dringend euer Passwort braucht \u2013 denkt an den jungen Mann in der Telefonzelle in L.A. Und legt einfach auf.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen und weiterf\u00fchrende Literatur:<\/strong><br>Die Geschichten und Zitate in diesem Artikel stammen aus verschiedenen Quellen, die das Leben und Wirken Mitnicks dokumentieren. Besonders aufschlussreich sind die Original-Berichte aus der&nbsp;<em>Wiener Zeitung<\/em>&nbsp;von 2012&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wienerzeitung.at\/h\/das-grosste-sicherheitsrisiko-ist-der-mensch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>, die Konferenzberichte von der&nbsp;<em>Druva<\/em>-Seite&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.druva.com\/blog\/red-sky-security-conference-lessons-from-kevin-mitnick\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;sowie das Interview in der&nbsp;<em>Kronen Zeitung<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.krone.at\/102334\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die detaillierte Beschreibung seiner Methode mit den vier Prinzipien der Manipulation findet sich in den Analysen von&nbsp;<em>WeLiveSecurity<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.welivesecurity.com\/la-es\/2014\/05\/21\/tecnicas-ingenieria-social-evolucionaron-presta-atencion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Wer tiefer graben will, dem seien Mitnicks eigene Werke empfohlen, deren Inhalt auf Wikipedia und den Verlagssepen gut zusammengefasst ist: \u201eDie Kunst der T\u00e4uschung\u201c (mitp-Verlag) und \u201eDie Kunst des Eindringens\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Kunst_der_T%C3%A4uschung_(Buch)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/?curid=4773407\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.mitp.de\/Bestseller\/Die-Kunst-der-Taeuschung.html?searchparam=&amp;listtype=list&amp;\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie man mit einem L\u00e4cheln und einer L\u00fcge die sichersten Systeme der Welt knackt Heute wird\u2019s ungem\u00fctlich. Nicht wegen einer neuen Sicherheitsl\u00fccke in einem Betriebssystem, das ihr sowieso nicht nutzt. Auch nicht wegen eines Virus, der eure Festplatten verschl\u00fcsselt. 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