{"id":7643,"date":"2026-10-10T15:07:15","date_gmt":"2026-10-10T15:07:15","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=7643"},"modified":"2026-10-10T15:07:15","modified_gmt":"2026-10-10T15:07:15","slug":"die-ki-verordnung-in-der-praxis-was-jetzt-zu-beachten-ist-und-wo-vorsicht-geboten-bleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-ki-verordnung-in-der-praxis-was-jetzt-zu-beachten-ist-und-wo-vorsicht-geboten-bleibt\/","title":{"rendered":"Die KI-Verordnung in der Praxis: Was jetzt zu beachten ist und wo Vorsicht geboten bleibt"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Ein Regelwerk im Wandel<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem 1. August 2024 ist die europ\u00e4ische KI-Verordnung (KI-VO, Verordnung (EU) 2024\/1689) in Kraft. Doch was zun\u00e4chst wie ein klar strukturierter, risikobasierter Rechtsrahmen klang, hat sich in der Praxis als ein bewegliches Ziel erwiesen. Der <strong>AI Omnibus<\/strong> (als Teil des Digital Omnibus Package, am 19. November 2025 vorgeschlagen<a href=\"https:\/\/digital-strategy.ec.europa.eu\/de\/node\/17154\/printable\/pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/futurium.ec.europa.eu\/bg\/apply-ai-alliance\/news\/ai-omnibus-enters-force\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>) <strong>trat am 27. Juli 2026 in Kraft<\/strong><a href=\"https:\/\/digital-strategy.ec.europa.eu\/de\/node\/17154\/printable\/pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/futurium.ec.europa.eu\/bg\/apply-ai-alliance\/news\/ai-omnibus-enters-force\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Er hat Fristen verschoben, Pflichten abgeschw\u00e4cht und neue Klarstellungen gebracht \u2013 und dabei nicht alle Unsicherheiten beseitigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Unternehmen, \u00f6ffentliche Stellen und Anwender stellt sich damit eine dr\u00e4ngende Frage: Was gilt jetzt, was kommt sp\u00e4ter, und wo lauern Fallstricke, die trotz aller Vereinfachungsbem\u00fchungen bestehen bleiben?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel ordnet die aktuelle Rechtslage ein, identifiziert konkrete Handlungserfordernisse und benennt die Bereiche, in denen besondere Vorsicht geboten ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der aktuelle Zeitplan: Was wann gilt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die KI-VO folgt einem gestaffelten Anwendungsmodell. Durch den AI Omnibus haben sich die Fristen f\u00fcr die meisten Hochrisiko-Pflichten verschoben<a href=\"https:\/\/digital-strategy.ec.europa.eu\/de\/node\/17154\/printable\/pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/futurium.ec.europa.eu\/bg\/apply-ai-alliance\/news\/ai-omnibus-enters-force\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Regelungsbereich<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Urspr\u00fcngliche Frist<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Aktuelle Frist (nach AI Omnibus)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Verbote (Art. 5)<\/td><td>2. Februar 2025<\/td><td>2. Februar 2025 (unver\u00e4ndert)<\/td><\/tr><tr><td>GPAI-Modelle, Governance, Sanktionen<\/td><td>2. August 2025<\/td><td>2. August 2025 (unver\u00e4ndert)<\/td><\/tr><tr><td>Transparenzpflichten (Art. 50)<\/td><td>2. August 2026<\/td><td>2. August 2026 (im Wesentlichen unver\u00e4ndert; f\u00fcr vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebrachte generative Systeme gilt eine \u00dcbergangsfrist f\u00fcr die maschinenlesbare Kennzeichnung bis zum 2. Dezember 2026)<a href=\"https:\/\/anwaltspraxis-magazin.de\/kanzleimagazin\/ai-act-ki-omnibus-verschiebt-hochrisiko-pflichten-und-verbietet-nudifier-apps\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.adwokatura.pl\/ogolnoprawne\/ai-act-od-2-sierpnia-2026-r-obowiazuja-nowe-zasady-transparentnosci\/page\/1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/td><\/tr><tr><td>Hochrisiko-KI (Anhang III: Biometrie, Bildung, Besch\u00e4ftigung etc.)<\/td><td>2. August 2026<\/td><td><strong>2. Dezember 2027<\/strong><a href=\"https:\/\/digital-strategy.ec.europa.eu\/de\/node\/17154\/printable\/pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/A-10-2026-0073_DE.pdf#22#5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/td><\/tr><tr><td>Hochrisiko-KI in physischen Produkten (Anhang I)<\/td><td>2. August 2027<\/td><td><strong>2. August 2028<\/strong><a href=\"https:\/\/digital-strategy.ec.europa.eu\/de\/node\/17154\/printable\/pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/A-10-2026-0073_DE.pdf#22#5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Verschiebungen waren eine Reaktion auf erhebliche Verz\u00f6gerungen bei der Ausarbeitung harmonisierter Normen sowie auf den Aufbau der nationalen Governance-Strukturen. Die neuen Fristen sind jedoch verbindlich \u2013 es handelt sich nicht um unverbindliche Zielmarken. Die Kommission kann zwar durch Beschluss die Anwendbarkeit vorziehen, wenn geeignete Konformit\u00e4tsma\u00dfnahmen vorliegen, doch ohne einen solchen Beschluss gelten die genannten Daten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was jetzt besonders zu beachten ist<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Die Transparenzpflichten greifen bereits \u2013 und werden oft untersch\u00e4tzt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Artikel 50 der KI-VO verpflichtet Anbieter und Betreiber, Nutzer dar\u00fcber zu informieren, wenn sie mit einem KI-System interagieren, und KI-generierte oder manipulierte Inhalte (Deepfakes) zu kennzeichnen<a href=\"https:\/\/www.bundesnetzagentur.de\/DE\/Fachthemen\/Digitales\/KI\/4_Transparenzpflichten\/artikel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Diese Pflichten gelten seit dem 2. August 2026<a href=\"https:\/\/digital.gov.pt\/en\/noticias\/novas-regras-de-transparencia-ia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a> und erfassen einen breiten Kreis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders wichtig: Es gibt <strong>keine generelle Ausnahme f\u00fcr kleine Unternehmen oder Freiberufler<\/strong> im Anwendungsbereich des Art. 50. Die Verordnung enth\u00e4lt lediglich Ausnahmen f\u00fcr bestimmte Sachverhalte, etwa wenn der KI-Einsatz f\u00fcr den Nutzer offensichtlich ist oder wenn Inhalte lediglich unterst\u00fctzend bearbeitet werden, ohne die Semantik wesentlich zu ver\u00e4ndern<a href=\"https:\/\/www.bundesnetzagentur.de\/DE\/Fachthemen\/Digitales\/KI\/4_Transparenzpflichten\/artikel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/digital.gov.pt\/en\/noticias\/novas-regras-de-transparencia-ia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ebenso erfasst sind \u00f6ffentliche Stellen: Eine Gemeinde mit einem KI-Chatbot auf ihrem Portal, eine Gesundheitsbeh\u00f6rde mit KI-gest\u00fctzten Diagnosewerkzeugen, eine Schule mit KI-Lernsoftware \u2013 alle m\u00fcssen ihre Systeme kartieren, die erforderlichen Hinweise umsetzen und gegebenenfalls eine Grundrechte-Folgenabsch\u00e4tzung (FRIA) durchf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Praktische Konsequenz: F\u00fcr jedes KI-System, das mit Endnutzern interagiert oder Inhalte generiert, sollte eine Compliance-Akte angelegt werden, die Screenshots der Hinweise, die verwendeten Formulierungen, die Label-Konfigurationen und die technische Dokumentation enth\u00e4lt. Diese Akte entscheidet im Ernstfall dar\u00fcber, ob eine Beh\u00f6rdenanfrage in einem Tag oder in Wochen beantwortet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Hochrisiko-KI: Die Frist ist l\u00e4nger, die Vorbereitung nicht einfacher<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verschiebung auf Dezember 2027 bzw. August 2028 bedeutet nicht, dass Unternehmen mit der Vorbereitung warten sollten. Im Gegenteil: Die Anforderungen an Hochrisiko-KI-Systeme sind umfangreich und betreffen nahezu alle Unternehmensbereiche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Hochrisiko-KI-System liegt vor, wenn es als Sicherheitskomponente in einem Produkt eingesetzt wird, das unter EU-Produktsicherheitsrecht f\u00e4llt, oder wenn es f\u00fcr bestimmte in Anhang III genannte Zwecke bestimmt ist \u2013 darunter Biometrie, kritische Infrastruktur, Bildung, Besch\u00e4ftigung und Strafverfolgung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade der Besch\u00e4ftigungsbereich ist f\u00fcr viele Unternehmen relevant: Systeme zur automatisierten Bewerberauswahl, Leistungsbewertung oder Arbeitsplatz\u00fcberwachung fallen regelm\u00e4\u00dfig in die Hochrisiko-Kategorie. Die Anforderungen umfassen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Risikomanagementsystem \u00fcber den gesamten Lebenszyklus<\/li>\n\n\n\n<li>Daten-Governance: Trainings-, Validierungs- und Testdaten m\u00fcssen relevant, repr\u00e4sentativ und m\u00f6glichst fehlerfrei sein<\/li>\n\n\n\n<li>Technische Dokumentation gem\u00e4\u00df Anhang IV<\/li>\n\n\n\n<li>Automatische Protokollierung relevanter Ereignisse<\/li>\n\n\n\n<li>Menschliche Aufsicht: Automatisierte Entscheidungen d\u00fcrfen nicht ohne angemessene \u00dcberpr\u00fcfung und menschlichen Einfluss erfolgen<\/li>\n\n\n\n<li>Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit<\/li>\n\n\n\n<li>Qualit\u00e4tsmanagementsystem<\/li>\n\n\n\n<li>Konformit\u00e4tsbewertung, CE-Kennzeichnung und Registrierung in der EU-Datenbank<\/li>\n\n\n\n<li>Post-Market-Monitoring und Meldung schwerwiegender Vorf\u00e4lle<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders zu beachten: Die Pflicht zur menschlichen Aufsicht ist nicht blo\u00df ein formales Erfordernis. Betreiber m\u00fcssen nat\u00fcrliche Personen mit der Aufsicht betrauen, die \u00fcber die notwendige Kompetenz, Ausbildung und Autorit\u00e4t verf\u00fcgen<a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/SL\/TXT\/?uri=CELEX:02024R1689-20240712#9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Regelm\u00e4\u00dfige Schulungen sind unerl\u00e4sslich. Wer glaubt, ein Hochrisiko-System \u201el\u00e4uft schon irgendwie\u201c, untersch\u00e4tzt die organisatorischen Anforderungen erheblich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Die Betreiberpflichten werden oft \u00fcbersehen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die Pflichten der Anbieter (Provider) umfangreich und bekannt sind, werden die Pflichten der Betreiber (Deployer) h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt. Doch gerade f\u00fcr Unternehmen, die KI-Systeme einkaufen und einsetzen \u2013 also die Mehrheit der Anwender \u2013 sind diese Pflichten zentral.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betreiber von Hochrisiko-KI-Systemen m\u00fcssen gem\u00e4\u00df Artikel 26 KI-VO<a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/SL\/TXT\/?uri=CELEX:02024R1689-20240712#9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das System gem\u00e4\u00df der Gebrauchsanweisung verwenden<\/li>\n\n\n\n<li>Menschliche Aufsicht durch qualifiziertes Personal sicherstellen<\/li>\n\n\n\n<li>Eingabedaten auf Relevanz und Repr\u00e4sentativit\u00e4t pr\u00fcfen<\/li>\n\n\n\n<li>Protokolle mindestens sechs Monate aufbewahren<\/li>\n\n\n\n<li>Arbeitnehmervertreter und betroffene Arbeitnehmer <strong>vor<\/strong> der Verwendung am Arbeitsplatz informieren<\/li>\n\n\n\n<li>Bei Risiken oder schwerwiegenden Vorf\u00e4llen Anbieter und Beh\u00f6rden informieren und die Verwendung aussetzen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vorsicht geboten: Die Informationspflicht gegen\u00fcber Arbeitnehmervertretern (in Deutschland: Betriebsrat) ist nicht optional. Sie muss vor der Inbetriebnahme erfolgen und umfasst nicht nur die Tatsache der Verwendung, sondern auch relevante Informationen \u00fcber das System und seine Funktionsweise<a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/SL\/TXT\/?uri=CELEX:02024R1689-20240712#9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Die Wertsch\u00f6pfungskette: Vertr\u00e4ge werden zum Compliance-Instrument<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der am wenigsten beachteten, aber praktisch bedeutsamsten \u00c4nderungen durch den AI Omnibus betrifft Artikel 25 und die Verantwortlichkeiten entlang der KI-Wertsch\u00f6pfungskette. Wer ein KI-System mit eigenem Namen oder eigener Marke in Verkehr bringt, eine wesentliche \u00c4nderung vornimmt oder den Verwendungszweck so \u00e4ndert, dass ein bislang nicht-hochriskanes System hochriskan wird, gilt fortan als Anbieter \u2013 mit allen damit verbundenen Pflichten<a href=\"https:\/\/www.tk-lex.tk.de\/web\/guest\/externalcontent\/-\/print\/serviceId\/2006\/externalcontentid\/HI16441418\/haufeChapterIndex\/HI16425377.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/artificialintelligenceact.eu\/article\/25\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig verpflichtet die Verordnung Anbieter und Drittanbieter (Modelllieferanten, Cloud-Anbieter, Integratoren), durch schriftliche Vereinbarungen die notwendigen Informationen, F\u00e4higkeiten, technischen Zugang und Unterst\u00fctzung zu regeln, damit der Anbieter seine Compliance-Pflichten erf\u00fcllen kann<a href=\"https:\/\/www.tk-lex.tk.de\/web\/guest\/externalcontent\/-\/print\/serviceId\/2006\/externalcontentid\/HI16441418\/haufeChapterIndex\/HI16425377.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Praktische Konsequenz: Ein Unternehmen, das eine KI-L\u00f6sung auf Basis eines Fremdmodells einsetzt und anpasst, kann sich nicht darauf verlassen, dass der Modellanbieter alle Compliance-Lasten tr\u00e4gt. Die Vertr\u00e4ge m\u00fcssen klar regeln, wer f\u00fcr Dokumentation, Tests, Protokollierung, Vorfallmeldungen, Modell-Updates und Audit-Rechte verantwortlich ist. Wer diese Vertragsgestaltung vernachl\u00e4ssigt, tr\u00e4gt ein Risiko, das er nicht bepreist hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Der Umgang mit sensiblen Daten zur Bias-Erkennung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der AI Omnibus hat eine neue Rechtsgrundlage geschaffen, die die Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten (Art. 9 DSGVO) zur Erkennung und Korrektur von Bias in KI-Systemen erlaubt \u2013 unter strengen Bedingungen<a href=\"https:\/\/digital-strategy.ec.europa.eu\/de\/node\/17154\/printable\/pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/futurium.ec.europa.eu\/bg\/apply-ai-alliance\/news\/ai-omnibus-enters-force\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die kumulativen Voraussetzungen sind anspruchsvoll: Das Ziel muss unbedingt erforderlich sein, andere Daten (synthetisch oder anonymisiert) d\u00fcrfen nicht ausreichen, der Zugang muss kontrolliert und dokumentiert sein, die Daten d\u00fcrfen nicht an Dritte \u00fcbermittelt werden, und nach der Bias-Korrektur sind sie zu l\u00f6schen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vorsicht geboten: Diese Regelung schafft keine allgemeine Pflicht zur Bias-Erkennung. Wer sie nutzt, muss die Notwendigkeit dokumentieren und die Datenschutz-Compliance sicherstellen. Die Versuchung, auf sensible Daten \u201eeinfach zuzugreifen\u201c, ist gro\u00df \u2013 die rechtlichen H\u00fcrden bleiben hoch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wo Vorsicht geboten ist: F\u00fcnf Risikobereiche<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erstens: Die Annahme, dass die verl\u00e4ngerten Fristen Zeit zum Nichtstun bedeuten.<\/strong> Die Vorbereitung auf die Hochrisiko-Pflichten erfordert Monate, wenn nicht Jahre. Wer jetzt nicht mit der Klassifizierung seiner Systeme beginnt, wird 2027 in Zeitnot geraten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zweitens: Die Untersch\u00e4tzung der Betreiberpflichten.<\/strong> Viele Unternehmen konzentrieren sich auf die Anbieterrolle, \u00fcbersehen aber, dass sie als Betreiber umfangreiche Pflichten haben \u2013 von der menschlichen Aufsicht \u00fcber die Protokollierung bis zur Arbeitnehmerinformation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Drittens: Die Vernachl\u00e4ssigung der Vertragsgestaltung.<\/strong> In einer arbeitsteiligen KI-Wertsch\u00f6pfungskette ist Compliance ohne vertragliche Absicherung kaum m\u00f6glich. Wer glaubt, die Verantwortung auf den Lieferanten abw\u00e4lzen zu k\u00f6nnen, irrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Viertens: Die Verwechslung von Vereinfachung und Abschw\u00e4chung.<\/strong> Der AI Omnibus erleichtert die Compliance f\u00fcr KMU und kleine Midcaps durch vereinfachte Dokumentationsformulare \u2013 aber nicht durch niedrigere inhaltliche Standards. Die Anforderungen an Risikomanagement, Datenqualit\u00e4t und menschliche Aufsicht bleiben bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>F\u00fcnftens: Die unklare Rechtslage bei GPAI-Modellen.<\/strong> Die Abgrenzung zwischen GPAI-Anbietern, Systemanbietern und Betreibern ist in der Praxis oft schwierig. Wer ein Foundation-Modell einsetzt und f\u00fcr einen spezifischen Zweck anpasst, kann schnell in die Anbieterrolle rutschen \u2013 mit allen Konsequenzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die KI-Verordnung ist kein statisches Regelwerk. Sie entwickelt sich weiter \u2013 durch den AI Omnibus, durch delegierte Rechtsakte, durch Leitlinien und durch die Rechtsprechung. Die Kernanforderungen bleiben jedoch bestehen: Risikomanagement, Transparenz, menschliche Aufsicht und Dokumentation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Unternehmen und \u00f6ffentliche Stellen bedeutet das: Die Zeit der Abwartens ist vorbei. Auch wenn die Hochrisiko-Fristen verschoben wurden, m\u00fcssen die organisatorischen und technischen Grundlagen jetzt gelegt werden. Compliance ist kein Projekt, das man \u201eirgendwann\u201c abschlie\u00dft, sondern ein kontinuierlicher Prozess.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und noch etwas: Die Verordnung mag komplex erscheinen, doch ihr Grundprinzip ist einfach. Es geht darum, dass KI-Systeme vertrauensw\u00fcrdig sind \u2013 dass sie funktionieren, dass sie niemanden diskriminieren, dass Menschen die Kontrolle behalten. Wer dieses Prinzip ernst nimmt, ist auf dem richtigen Weg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Europ\u00e4ische Kommission: \u201eAI Omnibus enters into force\u201c, 27. Juli 2026 <a href=\"https:\/\/digital-strategy.ec.europa.eu\/de\/node\/17154\/printable\/pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/futurium.ec.europa.eu\/bg\/apply-ai-alliance\/news\/ai-omnibus-enters-force\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024\/1689, Artikel 25 (Verantwortlichkeiten entlang der KI-Wertsch\u00f6pfungskette) <a href=\"https:\/\/www.tk-lex.tk.de\/web\/guest\/externalcontent\/-\/print\/serviceId\/2006\/externalcontentid\/HI16441418\/haufeChapterIndex\/HI16425377.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024\/1689, Artikel 26 (Betreiberpflichten) <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2024\/1689\/oj?locale=it#26\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/SL\/TXT\/?uri=CELEX:02024R1689-20240712#9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024\/1689, Artikel 50 (Transparenzpflichten) <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/FR-EN\/ALL\/?uri=CELEX:32024R1689&amp;from=EN#50\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.bundesnetzagentur.de\/DE\/Fachthemen\/Digitales\/KI\/4_Transparenzpflichten\/artikel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bundesnetzagentur: \u201eTransparenzpflichten\u201c (\u00dcbersicht zu Art. 50 KI-VO) <a href=\"https:\/\/www.bundesnetzagentur.de\/DE\/Fachthemen\/Digitales\/KI\/4_Transparenzpflichten\/artikel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Anwaltspraxis Magazin: \u201eAI Act: KI-Omnibus verschiebt Hochrisiko-Pflichten und verbietet Nudifier-Apps\u201c, Juli 2026 <a href=\"https:\/\/anwaltspraxis-magazin.de\/kanzleimagazin\/ai-act-ki-omnibus-verschiebt-hochrisiko-pflichten-und-verbietet-nudifier-apps\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: Ein Regelwerk im Wandel Seit dem 1. 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