{"id":7696,"date":"2026-10-17T06:14:41","date_gmt":"2026-10-17T06:14:41","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=7696"},"modified":"2026-10-17T06:14:42","modified_gmt":"2026-10-17T06:14:42","slug":"das-raetsel-des-quecksilbers-wie-ein-metall-bei-4-kelvin-seinen-widerstand-verlor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/das-raetsel-des-quecksilbers-wie-ein-metall-bei-4-kelvin-seinen-widerstand-verlor\/","title":{"rendered":"Das R\u00e4tsel des Quecksilbers: Wie ein Metall bei 4 Kelvin seinen Widerstand verlor"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im April 1911 beobachtete Heike Kamerlingh Onnes in seinem Labor in Leiden ein Ph\u00e4nomen, das die Physik nachhaltig ver\u00e4ndern sollte: Der elektrische Widerstand von hochreinem Quecksilber fiel bei einer Temperatur von etwa 4,2 Kelvin auf einen Wert, der unterhalb jeder damals m\u00f6glichen Nachweisgrenze lag. Onnes selbst traute seinen Messger\u00e4ten zun\u00e4chst nicht. Doch weitere Experimente best\u00e4tigten den Befund \u2013 und markierten die Geburtsstunde der Supraleitung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was genau geschieht in einem Metall, wenn es seinen elektrischen Widerstand scheinbar vollst\u00e4ndig aufgibt? Und warum dauerte es fast ein halbes Jahrhundert, bis eine tragf\u00e4hige Erkl\u00e4rung gefunden wurde?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Entdeckung: Ein Experiment am Rande des absoluten Nullpunkts<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kamerlingh Onnes hatte 1908 als erster Mensch Helium verfl\u00fcssigt und damit eine Temperatur von 4,2 Kelvin erreicht \u2013 nur wenige Grad \u00fcber dem absoluten Nullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius . Diese technische Meisterleistung war die Voraussetzung f\u00fcr seine Untersuchungen zur Temperaturabh\u00e4ngigkeit des elektrischen Widerstands von Metallen.<a href=\"https:\/\/lernarchiv.bildung.hessen.de\/uportale\/wissenschaft\/mpg\/tech_max\/medienpaket_tmax05\/Tech5_Arbeitsblatt1.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Interesse galt einer grundlegenden Frage: Was geschieht mit dem Widerstand eines Metalls, wenn man es extrem abk\u00fchlt? Die theoretischen Erwartungen waren widerspr\u00fcchlich. Einige Physiker vermuteten, der Widerstand werde gegen null gehen; andere erwarteten einen endlichen Restwiderstand . Onnes w\u00e4hlte Quecksilber f\u00fcr seine Experimente, weil es sich durch mehrfache Destillation in besonders hoher Reinheit herstellen lie\u00df.<a href=\"https:\/\/www.degruyterbrill.com\/document\/doi\/00.0000\/PHYSIKO.physiko.15.434\/downloadAsset\/suppl\/9783110358704.13.pdf#38#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Messungen zeigten zun\u00e4chst das erwartete Verhalten: Der Widerstand sank mit fallender Temperatur. Doch dann, bei etwa 4,2 Kelvin, geschah etwas Unerwartetes. Der Widerstand fiel nicht allm\u00e4hlich weiter ab, sondern brach innerhalb eines sehr schmalen Temperaturintervalls drastisch ein. Nach den Originalmessungen nahm der Widerstand zwischen 4,22 und 4,15 Kelvin um einen Faktor von mehr als einer Million ab .<a href=\"https:\/\/www.degruyterbrill.com\/de\/document\/doi\/10.1515\/9783112550182-002\/html?_x_output_type_b6db407c4_=embedded_pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend f\u00fcr die Interpretation war ein Folgeexperiment aus dem Jahr 1914: Onnes induzierte einen Strom in einer geschlossenen Bleispule, entfernte die Stromquelle und beobachtete, dass der Strom \u00fcber Stunden nicht messbar abklang . Ein derartiges Verhalten war mit klassischen Vorstellungen von elektrischer Leitung unvereinbar. Onnes nannte das neue Ph\u00e4nomen \u201eSupraleitung&#8220;.<a href=\"https:\/\/lernarchiv.bildung.hessen.de\/uportale\/wissenschaft\/mpg\/tech_max\/medienpaket_tmax05\/Techmax_5.pdf#2#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/lernarchiv.bildung.hessen.de\/uportale\/wissenschaft\/mpg\/tech_max\/medienpaket_tmax05\/Tech5_Arbeitsblatt1.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was \u201everschwundener Widerstand&#8220; experimentell bedeutet<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine wichtige Pr\u00e4zisierung: Ein Widerstand von exakt null l\u00e4sst sich nicht direkt messen. Jedes Messverfahren besitzt eine Nachweisgrenze. Was die Experimente zeigen, ist eine <strong>obere Grenze<\/strong>: Der Widerstand f\u00e4llt unter einen Wert, der mit den verf\u00fcgbaren Mitteln nicht mehr aufl\u00f6sbar ist. Moderne Dauerstrommessungen an supraleitenden Ringen belegen, dass die spezifische Resistivit\u00e4t im supraleitenden Zustand kleiner als etwa <math xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/1998\/Math\/MathML\"><semantics><mrow><msup><mn>10<\/mn><mrow><mo>\u2212<\/mo><mn>24<\/mn><\/mrow><\/msup><\/mrow><\/semantics><\/math>10\u221224 <math xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/1998\/Math\/MathML\"><semantics><mrow><mi>\u03bc<\/mi><mi mathvariant=\"normal\">\u03a9<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>\u03bc<\/em>\u03a9cm sein muss \u2013 ein Wert, der sich jeder direkten Messung entzieht .<a href=\"https:\/\/juser.fz-juelich.de\/record\/857642\/files\/J%C3%BCl_2895_Hollricher.pdf#18#9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die technische Beschreibung \u2013 verlustfreier Stromtransport \u2013 ist dieser Unterschied ohne Belang. F\u00fcr die experimentelle Genauigkeit ist er fundamental: Supraleitung bedeutet nicht \u201eWiderstand = 0&#8243;, sondern \u201eWiderstand unterhalb der Nachweisgrenze, mit einer extrem niedrigen oberen Schranke&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die lange Suche nach der Erkl\u00e4rung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Onnes erkannte rasch, dass sein Fund sich nicht mit der klassischen Physik erkl\u00e4ren lie\u00df. Doch es sollten mehr als vier Jahrzehnte vergehen, bis eine mikroskopische Theorie formuliert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Zwischenzeit sammelten Experimentalphysiker wichtige Hinweise. 1933 entdeckten Walther Mei\u00dfner und Robert Ochsenfeld, dass Supraleiter nicht nur ideale Leiter, sondern auch ideale Diamagneten sind: Sie verdr\u00e4ngen Magnetfelder aus ihrem Inneren . Dieser Mei\u00dfner-Ochsenfeld-Effekt zeigte, dass Supraleitung mehr ist als nur ein Extremfall elektrischer Leitung \u2013 es handelt sich um einen eigenen thermodynamischen Zustand der Materie.<a href=\"https:\/\/www.degruyterbrill.com\/document\/doi\/00.0000\/PHYSIKO.physiko.15.434\/downloadAsset\/suppl\/9783110358704.13.pdf#38#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/link.springer.com\/content\/pdf\/bbm:978-3-642-86840-5\/1#140#95\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Fingerzeig war die <strong>Energiel\u00fccke<\/strong>: Experimente zeigten, dass eine Mindestenergie aufgebracht werden muss, um ein Elektron aus dem supraleitenden Zustand herauszul\u00f6sen. Diese L\u00fccke in der Energieverteilung der Elektronen war der entscheidende Hinweis auf die zugrundeliegende Quantenmechanik.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">BCS 1957: Cooper-Paare und der kollektive Quantenzustand<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1957 gelang John Bardeen, Leon Cooper und John Robert Schrieffer der Durchbruch. Ihre BCS-Theorie erkl\u00e4rte erstmals, warum bestimmte Metalle unterhalb einer kritischen Temperatur widerstandslos leiten .<a href=\"https:\/\/juser.fz-juelich.de\/record\/857642\/files\/J%C3%BCl_2895_Hollricher.pdf#18#9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kern der Theorie ist kontraintuitiv: Elektronen, die sich aufgrund ihrer negativen Ladung absto\u00dfen, gehen unter bestimmten Bedingungen eine schwache Anziehungskraft ein, die indirekt durch das Kristallgitter vermittelt wird. Ein Elektron, das sich durch das Gitter bewegt, zieht die positiv geladenen Atomr\u00fcmpfe geringf\u00fcgig aus ihrer Gleichgewichtslage. Diese Verzerrung breitet sich als Gitterschwingung (Phonon) aus und hinterl\u00e4sst eine Spur positiver Ladung, die ein nachfolgendes Elektron anzieht. Bei sehr tiefen Temperaturen, wenn die thermische Bewegung die Gitterschwingungen nicht mehr dominiert, kann diese indirekte Anziehung ausreichen, um zwei Elektronen zu einem <strong>Cooper-Paar<\/strong> zu verbinden .<a href=\"https:\/\/juser.fz-juelich.de\/record\/857642\/files\/J%C3%BCl_2895_Hollricher.pdf#18#9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/itp.uni-frankfurt.de\/~zantout\/Documents\/Bachelorarbeit_Zantout.pdf#19#11\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cooper-Paare haben eine entscheidende Eigenschaft: Sie verhalten sich nicht wie einzelne Fermionen, die dem Pauli-Prinzip unterliegen. Da sie einen ganzzahligen Gesamtspin besitzen, gehorchen sie der Bose-Statistik . Alle Cooper-Paare eines Supraleiters k\u00f6nnen sich im selben Quantenzustand befinden und bilden ein kollektives Ph\u00e4nomen, beschrieben durch eine einzige makroskopische Wellenfunktion.<a href=\"https:\/\/juser.fz-juelich.de\/record\/857642\/files\/J%C3%BCl_2895_Hollricher.pdf#18#9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um ein Cooper-Paar aufzubrechen, muss Energie aufgebracht werden. Diese Energie ist die <strong>Energiel\u00fccke<\/strong> <math xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/1998\/Math\/MathML\"><semantics><mrow><mi mathvariant=\"normal\">\u0394<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math>\u0394. F\u00fcr schwach gekoppelte Supraleiter liefert die BCS-Theorie die Beziehung:<math xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/1998\/Math\/MathML\" display=\"block\"><semantics><mrow><mn>2<\/mn><mi mathvariant=\"normal\">\u0394<\/mi><mo stretchy=\"false\">(<\/mo><mn>0<\/mn><mo stretchy=\"false\">)<\/mo><mo>=<\/mo><mn>3,53<\/mn><mo>\u22c5<\/mo><msub><mi>k<\/mi><mi>B<\/mi><\/msub><mo>\u22c5<\/mo><msub><mi>T<\/mi><mi>c<\/mi><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math>2\u0394(0)=3,53\u22c5<em>k<\/em><em>B<\/em>\u200b\u22c5<em>T<\/em><em>c<\/em>\u200b<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">wobei <math xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/1998\/Math\/MathML\"><semantics><mrow><msub><mi>k<\/mi><mi>B<\/mi><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>k<\/em><em>B<\/em>\u200b die Boltzmann-Konstante und <math xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/1998\/Math\/MathML\"><semantics><mrow><msub><mi>T<\/mi><mi>c<\/mi><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>T<\/em><em>c<\/em>\u200b die kritische Temperatur ist . F\u00fcr Quecksilber mit seiner niedrigen Sprungtemperatur ist diese L\u00fccke entsprechend klein \u2013 ein empfindliches Gleichgewicht, das bereits bei wenigen Kelvin durch thermische Energie zerst\u00f6rt werden kann.<a href=\"https:\/\/juser.fz-juelich.de\/record\/857642\/files\/J%C3%BCl_2895_Hollricher.pdf#18#9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum der Widerstand verschwindet<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zusammenhang zwischen Cooper-Paaren und verschwindendem Widerstand liegt in der Quantenstatistik. Ein einzelnes Elektron kann an einem Phonon gestreut werden und dabei Energie und Impuls \u00e4ndern \u2013 das ist der mikroskopische Ursprung des Widerstands. Ein Cooper-Paar dagegen kann nicht so einfach gestreut werden, weil beide Elektronen durch die Paarbindung korreliert sind. Um den Bewegungszustand des Paares zu \u00e4ndern, m\u00fcsste die Paarungsenergie \u00fcberwunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Temperaturen weit unterhalb von <math xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/1998\/Math\/MathML\"><semantics><mrow><msub><mi>T<\/mi><mi>c<\/mi><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>T<\/em><em>c<\/em>\u200b und bei kleinen Str\u00f6men reicht die thermische Energie nicht aus, um die Paare aufzubrechen. Die Paare bewegen sich als kollektive Objekte durch das Gitter, ohne Energie zu dissipieren. Erst wenn der Strom zu gro\u00df wird oder ein zu starkes Magnetfeld angelegt wird, bricht die Paarung zusammen und die Supraleitung verschwindet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was BCS nicht erkl\u00e4rt: Die Grenzen der Theorie<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So erfolgreich die BCS-Theorie f\u00fcr konventionelle Supraleiter wie Quecksilber, Blei oder Niob ist, so deutlich markiert sie auch eine Grenze. Innerhalb der BCS-Theorie ist eine h\u00f6chste kritische Temperatur von etwa 30 Kelvin m\u00f6glich . Als man in den 1980er Jahren keramische Materialien entdeckte, die bereits bei Temperaturen oberhalb von 30 Kelvin supraleitend wurden \u2013 und sp\u00e4ter Verbindungen mit Sprungtemperaturen von \u00fcber 130 Kelvin \u2013, versagte die BCS-Theorie in ihrer einfachen Form.<a href=\"https:\/\/itp.uni-frankfurt.de\/~zantout\/Documents\/Bachelorarbeit_Zantout.pdf#19#11\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Phononen-vermittelte Mechanismus reicht bei diesen <strong>Hochtemperatur-Supraleitern<\/strong> nicht aus, um die hohen Sprungtemperaturen zu erkl\u00e4ren. Bis heute ist nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt, welche Wechselwirkung dort die Cooper-Paare zusammenh\u00e4lt. Die Existenz von Cooper-Paaren und einer Energiel\u00fccke gilt jedoch auch f\u00fcr diese Materialien als gesichert \u2013 nur der \u201eKlebstoff&#8220; ist ein anderer, und seine Natur ist Gegenstand intensiver Forschung .<a href=\"https:\/\/itp.uni-frankfurt.de\/~zantout\/Documents\/Bachelorarbeit_Zantout.pdf#19#11\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vom Laborph\u00e4nomen zur Technologie<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Onnes&#8216; Vision einer verlustfreien Energie\u00fcbertragung \u00fcber supraleitende Kabel ist bis heute nicht Realit\u00e4t geworden \u2013 jedenfalls nicht im Alltagsma\u00dfstab. Die Notwendigkeit, Supraleiter auf Temperaturen nahe des absoluten Nullpunkts zu k\u00fchlen, macht ihren gro\u00dffl\u00e4chigen Einsatz f\u00fcr die Energieversorgung unwirtschaftlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch sind Supraleiter aus der modernen Technologie nicht wegzudenken. In Kernspintomografen erzeugen supraleitende Spulen die extrem starken und stabilen Magnetfelder, die f\u00fcr die Bildgebung notwendig sind. Teilchenbeschleuniger wie der Large Hadron Collider nutzen supraleitende Magnete. SQUIDs (supraleitende Quanteninterferenzdetektoren) erm\u00f6glichen hochempfindliche Magnetfeldmessungen, und supraleitende Qubits sind ein vielversprechender Ansatz f\u00fcr Quantencomputer .<a href=\"https:\/\/prod.spektrum.de\/lexikon\/physik\/elektronik-supraleitende\/4161#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Ein Fenster zur Quantenwelt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entdeckung der Supraleitung am Quecksilber im Jahr 1911 war ein Bruch mit der klassischen Physik. Dass ein Metall bei tiefen Temperaturen seinen Widerstand unter die Nachweisgrenze fallen l\u00e4sst, widersprach jeder Intuition. Es brauchte die Quantenmechanik in ihrer kollektiven Form \u2013 die BCS-Theorie von 1957 \u2013, um zu verstehen, was in Leidens Labor geschah.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Quecksilber bei 4 Kelvin war nicht nur ein physikalisches Kuriosum. Es war ein Fenster zu einer Welt, in der Elektronen sich nicht mehr einzeln, sondern als koh\u00e4rente Quantenwellen verhalten. Und es erinnert daran, dass die Natur sich nicht vorschreiben l\u00e4sst, was m\u00f6glich sein darf.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kategorien:<\/strong> wissenspeicher, industriegeschichte<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schlagworte:<\/strong> Supraleitung, Quecksilber, Kamerlingh Onnes, BCS-Theorie, Cooper-Paare, Energiel\u00fccke, Tieftemperaturphysik<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Forschungszentrum J\u00fclich: <em>Supraleitung \u2013 Grundlagen und technische Anwendungen<\/em>, J\u00fcl-0631 (Bericht zur technischen Nutzung und Widerstandsverhalten) <a href=\"https:\/\/juser.fz-juelich.de\/record\/834410\/files\/J%C3%BCl_0631-PA_Doose.pdf?version=1#13%232\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Forschungszentrum J\u00fclich: <em>BCS-Theorie und Supraleitung<\/em>, J\u00fcl-2895 (Darstellung der BCS-Theorie, Cooper-Paare und Energiel\u00fccke) <a href=\"https:\/\/juser.fz-juelich.de\/record\/857642\/files\/J%C3%BCl_2895_Hollricher.pdf#18#9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Hessisches Kultusministerium \/ Max-Planck-Gesellschaft: <em>Techmax 05: Widerstand zwecklos \u2013 Supraleiter auf dem Sprung zu h\u00f6heren Temperaturen<\/em> (Onnes&#8216; Dauerstromexperiment, historischer Kontext) <a href=\"https:\/\/lernarchiv.bildung.hessen.de\/uportale\/wissenschaft\/mpg\/tech_max\/medienpaket_tmax05\/Techmax_5.pdf#2#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Hessisches Kultusministerium \/ Max-Planck-Gesellschaft: <em>Was ist Supraleitung?<\/em>, Arbeitsblatt zu Techmax 05 (Entdeckungsgeschichte, 4,19 Kelvin) <a href=\"https:\/\/lernarchiv.bildung.hessen.de\/uportale\/wissenschaft\/mpg\/tech_max\/medienpaket_tmax05\/Tech5_Arbeitsblatt1.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>De Gruyter: <em>Supraleitung<\/em>, Kapitel 13 (Mei\u00dfner-Ochsenfeld-Effekt, historische Widerstandsmessungen, 4,22\u20134,15 K) <a href=\"https:\/\/www.degruyterbrill.com\/document\/doi\/00.0000\/PHYSIKO.physiko.15.434\/downloadAsset\/suppl\/9783110358704.13.pdf#38#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>De Gruyter: <em>Die grundlegenden experimentellen Tatsachen<\/em> (Widerstandsabnahme um Faktor &lt; 10\u207b\u2076 zwischen 4,22 K und 4,15 K) <a href=\"https:\/\/www.degruyterbrill.com\/de\/document\/doi\/10.1515\/9783112550182-002\/html?_x_output_type_b6db407c4_=embedded_pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt: <em>Supraleitung \u2013 Eine Einf\u00fchrung<\/em> (Mei\u00dfner-Ochsenfeld-Effekt, Supraleiter 1. und 2. Art) <a href=\"https:\/\/itp.uni-frankfurt.de\/~hees\/faq-pdf\/supraleitung.pdf#4#3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt: <em>Bachelorarbeit zur Cooper-Paarung und BCS-Theorie<\/em> (Cooper-Paare, Energiel\u00fccke, Grenzen der BCS-Theorie bei Hochtemperatur-Supraleitern) <a href=\"https:\/\/itp.uni-frankfurt.de\/~zantout\/Documents\/Bachelorarbeit_Zantout.pdf#19#11\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Max-Planck-Institut f\u00fcr Festk\u00f6rperforschung: <em>Keramische Werkstoffe II<\/em> (BCS-Theorie, Energiel\u00fccke, kollektives Verhalten der Cooper-Paare) <a href=\"https:\/\/fkf.iwww.mpg.de\/5960109\/Keramische-Werkstoffe-II_Gesamt.pdf#18#13\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Spektrum Lexikon der Physik: <em>Supraleitende Elektronik<\/em> (Technische Anwendungen: SQUIDs, Josephson-Kontakte) <a href=\"https:\/\/prod.spektrum.de\/lexikon\/physik\/elektronik-supraleitende\/4161#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von DerSchneider Im April 1911 beobachtete Heike Kamerlingh Onnes in seinem Labor in Leiden ein Ph\u00e4nomen, das die Physik nachhaltig ver\u00e4ndern sollte: Der elektrische Widerstand von hochreinem Quecksilber fiel bei einer Temperatur von etwa 4,2 Kelvin auf einen Wert, der unterhalb jeder damals m\u00f6glichen Nachweisgrenze lag. 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