{"id":7698,"date":"2026-10-17T07:40:58","date_gmt":"2026-10-17T07:40:58","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=7698"},"modified":"2026-10-17T07:40:58","modified_gmt":"2026-10-17T07:40:58","slug":"die-stille-revolution-der-maschinensicherheit-was-sich-2027-wirklich-aendert-und-was-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-stille-revolution-der-maschinensicherheit-was-sich-2027-wirklich-aendert-und-was-nicht\/","title":{"rendered":"Die stille Revolution der Maschinensicherheit: Was sich 2027 wirklich \u00e4ndert \u2013 und was nicht"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Datumsangaben, die in der Geschichte der industriellen Sicherheitstechnik eine Z\u00e4sur markieren. Der <strong>20. Januar 2027<\/strong> ist ein solches Datum. An diesem Tag wird die Maschinenrichtlinie 2006\/42\/EG endg\u00fcltig aufgehoben und durch die <strong>Verordnung (EU) 2023\/1230<\/strong> ersetzt \u2013 ohne die M\u00f6glichkeit, wahlweise nach altem Recht zu verfahren . Was auf den ersten Blick wie ein formaler Akt der Rechtsvereinheitlichung wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine der tiefgreifendsten Ver\u00e4nderungen der Maschinensicherheit seit Jahrzehnten. Denn die neue Verordnung f\u00fchrt Anforderungen ein, die es in dieser Form bisher nicht gab: Schutz vor <strong>Korrumpierung<\/strong> \u2013 also der Manipulation von Software und Daten \u2013, Regelungen f\u00fcr Steuerungen mit <strong>selbstentwickelndem Verhalten<\/strong> unter Verwendung maschinellen Lernens, und eine <strong>Marktbeobachtungspflicht<\/strong>, die die Risikobeurteilung von einem einmaligen Dokument zu einem fortlaufenden Prozess macht . Parallel dazu dr\u00e4ngt der <strong>Cyber Resilience Act (CRA)<\/strong> mit eigenen, teils fr\u00fcheren Fristen in dieselbe Richtung: Die Meldepflichten nach Art. 14 CRA gelten bereits ab dem <strong>11. September 2026<\/strong> . Wer heute eine Maschine mit vernetzter Steuerung entwickelt, muss beide Regelwerke im Blick haben. Dieser Artikel ordnet die Ver\u00e4nderungen ein, trennt belastbare Fakten von offenen Fragen und zeigt, wo die tats\u00e4chlichen Herausforderungen f\u00fcr Hersteller liegen \u2013 jenseits der Paragraphen.<a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/print-pdf.html?pageTitle=Verordnung+%28EU%29+2023%2F1230+des+Europ%C3%A4ischen+Parlaments+und+de...&amp;currentUrl=%2Flegal-content%2FDE%2FLSU%2F%3Furi%3Doj%3AJOL_2023_165_R_0001#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/LSU\/?uri=celex:32023R1230#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.jun.legal\/news\/thema\/cyber-resilience-act\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Maschinenverordnung: Kein Wahlrecht, aber eine Staffelung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende Neuerung gegen\u00fcber der alten Richtlinie ist der Wechsel der Rechtsform. Eine Verordnung gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten, ohne nationalen Umsetzungsspielraum . F\u00fcr Hersteller bedeutet das einerseits gr\u00f6\u00dfere Rechtssicherheit, andererseits weniger Flexibilit\u00e4t bei der Auslegung. Die DGUV stellt ausdr\u00fccklich klar, dass es <strong>keine \u00dcbergangsphase mit Wahlfreiheit<\/strong> zwischen alter Richtlinie und neuer Verordnung gibt . Wer eine Maschine nach dem 20. Januar 2027 in Verkehr bringt, muss die Anforderungen der Verordnung erf\u00fcllen \u2013 unabh\u00e4ngig davon, wann die Entwicklung begonnen wurde.<a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/print-pdf.html?pageTitle=Verordnung+%28EU%29+2023%2F1230+des+Europ%C3%A4ischen+Parlaments+und+de...&amp;currentUrl=%2Flegal-content%2FDE%2FLSU%2F%3Furi%3Doj%3AJOL_2023_165_R_0001#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Differenzierung ist jedoch wichtig und wird in der Diskussion oft \u00fcbersehen: <strong>Artikel 6 der Verordnung<\/strong>, der die sogenannten \u201eHochrisikomaschinen\u201c betrifft, gilt erst ab dem <strong>20. Januar 2028<\/strong> (Art. 52 Abs. 2 MVO) . Der Begriff \u201eHochrisikomaschinen&#8220; ist dabei eine Kurzform f\u00fcr Maschinen, die in <strong>Anhang I<\/strong> der Verordnung aufgef\u00fchrt sind \u2013 darunter bestimmte Holzbearbeitungsmaschinen, Pressen, Kunststoffspritzgie\u00dfmaschinen sowie Sicherheitsbauteile mit selbstentwickelndem Verhalten . F\u00fcr diese Kategorien sieht die Verordnung ein Konformit\u00e4tsbewertungsverfahren mit Beteiligung einer notifizierten Stelle vor, sofern sie in <strong>Teil A<\/strong> des Anhangs I gelistet sind; f\u00fcr <strong>Teil B<\/strong> kann unter bestimmten Bedingungen die interne Fertigungskontrolle gen\u00fcgen . Die einj\u00e4hrige Verz\u00f6gerung f\u00fcr Art. 6 gibt Herstellern dieser Produktgruppen etwas Luft \u2013 aber nur denen, die rechtzeitig erkennen, dass ihre Maschine unter Anhang I f\u00e4llt.<a href=\"https:\/\/www.wko.at\/ooe\/umwelt-energie\/240521-praesentation-neue-maschinenverordnung-webinar-1.pdf#3#2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/print-pdf.html?pageTitle=Verordnung+%28EU%29+2023%2F1230+des+Europ%C3%A4ischen+Parlaments+und+de...&amp;currentUrl=%2Flegal-content%2FDE%2FLSU%2F%3Furi%3Doj%3AJOL_2023_165_R_0001#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.dvgw.de\/medien\/dvgw\/forschung\/berichte\/portal-green-l-technischer-leitfaden-fuer-ptg-anlagen.pdf#33#19\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die inhaltlichen Neuerungen der Verordnung betreffen drei Bereiche, die f\u00fcr die Risikobeurteilung unmittelbar relevant sind. Erstens der <strong>Schutz vor Korrumpierung<\/strong>: Die Verordnung verlangt, dass Maschinen so konstruiert sind, dass sicherheitsrelevante Funktionen nicht durch unbefugte Eingriffe in Software oder Daten beeintr\u00e4chtigt werden k\u00f6nnen . Das ist eine direkte Antwort auf die zunehmende Vernetzung von Steuerungen. Zweitens die Anforderungen an <strong>KI-gest\u00fctzte Steuerungen<\/strong>: Anhang I Nr. 1.2.1 der Verordnung enth\u00e4lt grundlegende Sicherheitsanforderungen f\u00fcr Systeme, die maschinelles Lernen einsetzen . Drittens die <strong>Marktbeobachtungspflicht<\/strong> nach Art. 10 Abs. 7: Hersteller m\u00fcssen auch nach dem Inverkehrbringen Risikobewertungen vornehmen und auf neue Gef\u00e4hrdungen reagieren. Die Risikobeurteilung wird damit zu einem <strong>lebenden Prozess<\/strong>, nicht zu einem abgeschlossenen Dokument f\u00fcr die Akte.<a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/print-pdf.html?pageTitle=Verordnung+%28EU%29+2023%2F1230+des+Europ%C3%A4ischen+Parlaments+und+de...&amp;currentUrl=%2Flegal-content%2FDE%2FLSU%2F%3Furi%3Doj%3AJOL_2023_165_R_0001#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/LSU\/?uri=celex:32023R1230#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Cyber Resilience Act: Die Frist, die fr\u00fcher greift<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die Maschinenverordnung den Januar 2027 als Stichtag setzt, arbeitet der CRA mit einer gestaffelten Zeitachse, die f\u00fcr Hersteller vernetzter Produkte unangenehm eng wird. Die <strong>Meldepflichten nach Art. 14 CRA<\/strong> \u2013 konkret die Fr\u00fchwarnung binnen 24 Stunden nach Kenntnis einer aktiv ausgenutzten Schwachstelle oder eines schwerwiegenden Sicherheitsvorfalls \u2013 gelten bereits ab dem <strong>11. September 2026<\/strong> . Die vollst\u00e4ndigen materiellen Anforderungen des CRA, einschlie\u00dflich Schwachstellenmanagement, Security by Design und Konformit\u00e4tsbewertung, greifen ab dem <strong>11. Dezember 2027<\/strong> .<a href=\"https:\/\/www.jun.legal\/news\/thema\/cyber-resilience-act\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Anwendungsbereich des CRA ist weiter, als oft angenommen wird. Er erfasst <strong>\u201eProdukte mit digitalen Elementen&#8220;<\/strong> \u2013 also nicht nur vernetzte Maschinen, sondern grunds\u00e4tzlich alle Produkte, die Software enthalten . Ein Maschinenbauer, der eine Steuerung ohne Netzwerkschnittstelle, aber mit eingebetteter Software einsetzt, kann ebenfalls betroffen sein. Die Pflichten aus Art. 13 CRA (Schwachstellenmanagement, Risikobewertung) und Art. 14 CRA (Meldepflichten) gelten grunds\u00e4tzlich f\u00fcr digitale Produkte \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie online sind . Praktisch erfordert die Erf\u00fcllung dieser Pflichten eine <strong>Software Bill of Materials (SBOM)<\/strong>: eine maschinenlesbare Auflistung aller Komponenten und Abh\u00e4ngigkeiten. Der CRA schreibt die SBOM nicht explizit als solche vor, aber Art. 13 Abs. 1 CRA verlangt die Identifikation und Dokumentation der in einem Produkt enthaltenen Schwachstellen und Komponenten \u2013 und die SBOM ist das anerkannte Mittel daf\u00fcr . Hersteller, die heute keine SBOM pflegen, werden die Meldefristen ab September 2026 kaum einhalten k\u00f6nnen.<a href=\"https:\/\/www.bsi.bund.de\/SharedDocs\/Downloads\/EN\/BSI\/Publications\/TechGuidelines\/TR03183\/BSI-TR-03183-1_v0_10_0.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1#7#2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sanktionen sind empfindlich: Bei Verst\u00f6\u00dfen gegen die grundlegenden Cybersicherheitsanforderungen drohen Bu\u00dfgelder bis zu <strong>15 Millionen Euro oder 2,5 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes<\/strong>; bei Verst\u00f6\u00dfen gegen die Herstellerpflichten nach Art. 13 und 14 bis zu <strong>10 Millionen Euro oder 2 Prozent<\/strong> .<a href=\"https:\/\/www.taylorwessing.com\/-\/media\/taylor-wessing\/files\/germany\/2024\/12\/tw24_dla-deep-dive-cra-produkthaftungsrl_deutsch.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">EN ISO 13849-1: Was die Norm wirklich fordert<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <strong>EN ISO 13849-1:2023<\/strong> ist die zentrale Norm f\u00fcr die Gestaltung sicherheitsbezogener Steuerungen. Ihre aktuelle Fassung enth\u00e4lt eine Neuerung, die im Kontext der Vernetzung bemerkenswert ist: <strong>Abschnitt 5.2.4<\/strong> regelt Anforderungen an den <strong>Fernzugriff<\/strong> . Die Norm adressiert dabei den <strong>Hersteller oder Integrator der Sicherheitsfunktion<\/strong> \u2013 also denjenigen, der die Steuerung und ihre Sicherheitsfunktionen auslegt. Die Anforderung zielt im Kern darauf, dass Fernzugriffe standardm\u00e4\u00dfig so begrenzt werden m\u00fcssen, dass keine gef\u00e4hrlichen Situationen durch die unbemerkte Anwesenheit von Personen im Gefahrenbereich entstehen k\u00f6nnen. Wer aus der Ferne auf eine Steuerung zugreift, darf nicht in eine laufende Produktion eingreifen k\u00f6nnen, ohne dass die Sicherheitsfunktionen dies ber\u00fccksichtigen. Eine genaue Pr\u00fcfung der Originalformulierung der Norm bleibt f\u00fcr den Anwender unerl\u00e4sslich, da Zusammenfassungen Nuancen verlieren k\u00f6nnen.<a href=\"https:\/\/www.din.de\/de\/mitwirken\/normenausschuesse\/nasg\/veroeffentlichungen\/wdc-beuth:din21:367893072\/toc-3435657\/download#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zweiter Punkt betrifft das Verh\u00e4ltnis der EN ISO 13849-1 zur <strong>IEC 61508<\/strong> und <strong>IEC 62061<\/strong>. Die EN ISO 13849-1 ist prim\u00e4r f\u00fcr <strong>Low-Demand-Anwendungen<\/strong> ausgelegt. \u00dcber die sogenannte <strong>Route 1H<\/strong> \u00f6ffnet sie sich f\u00fcr Subsysteme, die nach IEC 61508 oder IEC 62061 entwickelt wurden \u2013 allerdings nur f\u00fcr <strong>High-Demand- oder Continuous-Mode-Anwendungen<\/strong>, und die Subsysteme m\u00fcssen nach Route 1H (nicht Route 2H) qualifiziert sein . Die Fundstelle ist <strong>Anhang A, Tabellen 2 und 3<\/strong> (bzw. Tabelle A.1) der Norm. F\u00fcr den Maschinenbauer bedeutet das: Wer eine Sicherheitsfunktion aus Komponenten unterschiedlicher Normwelten zusammensetzt, muss die \u00dcberg\u00e4nge genau verstehen und darf die Modus-Annahme (Low-Demand vs. High-Demand) nicht vermischen. Die Formulierung \u201eRoute 1H&#8220; ist dabei keine blo\u00dfe Formalie: Sie verlangt den rechnerischen und systematischen Nachweis der SIL-Eignung, nicht die statistische Abk\u00fcrzung \u00fcber Route 2H .<a href=\"https:\/\/www.vde-verlag.de\/buecher\/leseprobe\/9783800755448_PROBE_01.pdf#2#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.gt-engineering.it\/en\/insights\/process-safety-processi-gt-engineering\/route-1h-and-route-2h-en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sensorlose \u00dcberwachung: Eine technische Antwort mit Grenzen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sensorlose Drehzahl- und Stillstands\u00fcberwachung ist keine neue Erfindung, aber sie gewinnt durch die regulatorischen Ver\u00e4nderungen an Bedeutung. Das Prinzip: Ein Drehstrommotor induziert beim Auslaufen eine Spannung \u2013 die <strong>elektromagnetische Kraft (EMK)<\/strong> \u2013, deren Frequenz proportional zur Drehzahl ist. Diese EMK kann ausgewertet werden, ohne dass ein separater Geber ben\u00f6tigt wird . DINA Elektronik nutzt dieses Verfahren in seinen SAFEONE-Ger\u00e4ten, die nach Herstellerangaben Performance Level e erreichen und f\u00fcr Motoren bis 690 V AC geeignet sind .<a href=\"https:\/\/knowledge.dina.de\/hubfs\/dina.de\/Produktvergleich\/PS2%20aus%20Produkt%C3%BCbersicht.pdf?hsLang=de#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.schmersalusa.com\/fileadmin\/content\/usa\/downloads\/brochures\/aditional_products\/20250711_DINA_Expose_Standstill_Monitoring_EN.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorteile liegen auf der Hand: kein Geber, keine Verkabelung, kein Verschlei\u00df durch mechanische Bauteile. Weniger Komponenten im Sicherheitskreis bedeuten weniger Fehlerm\u00f6glichkeiten und eine einfachere Validierung. Doch das Verfahren hat Grenzen, die in der Diskussion oft untergehen. Die sensorlose \u00dcberwachung funktioniert zuverl\u00e4ssig bei Motoren, die nach dem Abschalten tats\u00e4chlich auslaufen und dabei eine messbare EMK erzeugen. Bei Motoren mit integrierter Bremse, die sehr schnell zum Stillstand kommen, oder bei Systemen mit R\u00fccklaufsperre kann das Verfahren an seine Grenzen sto\u00dfen. Die Unterscheidung zwischen \u201eMotor l\u00e4uft noch&#8220; und \u201eMotor steht&#8220; ist eine <strong>Schwellwertentscheidung<\/strong>, die von der Parametrierung abh\u00e4ngt \u2013 eine Fehlerquelle, die bei einem mechanischen Geber so nicht existiert . Die Risikobeurteilung muss diese spezifischen Eigenschaften des Antriebsstrangs ber\u00fccksichtigen.<a href=\"https:\/\/www.schmersalusa.com\/fileadmin\/content\/usa\/downloads\/brochures\/aditional_products\/20250711_DINA_Expose_Standstill_Monitoring_EN.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">KI in Sicherheitsfunktionen: Kein Vakuum, aber unkonsolidiert<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Maschinenverordnung enth\u00e4lt grundlegende Anforderungen an Steuerungen mit selbstentwickelndem Verhalten unter Verwendung maschinellen Lernens . Doch die methodische Grundlage f\u00fcr den Nachweis der Sicherheit solcher Systeme ist noch nicht konsolidiert. Die <strong>EN ISO 13849-1<\/strong> wurde f\u00fcr deterministische Systeme entwickelt; ein neuronales Netz, dessen Ausgabeverhalten von Trainingsdaten abh\u00e4ngt, l\u00e4sst sich mit den Kategorien B bis 4 nur schwer fassen.<a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/print-pdf.html?pageTitle=Verordnung+%28EU%29+2023%2F1230+des+Europ%C3%A4ischen+Parlaments+und+de...&amp;currentUrl=%2Flegal-content%2FDE%2FLSU%2F%3Furi%3Doj%3AJOL_2023_165_R_0001#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00e4re jedoch falsch, von einem \u201emethodischen Vakuum&#8220; zu sprechen. Erste Regelwerke und Arbeitsergebnisse existieren: Die <strong>EU-KI-Verordnung (VO (EU) 2024\/1689)<\/strong> ist ein eigener Rechtsakt mit Anforderungen an Hochrisiko-KI-Systeme, der auch f\u00fcr Maschinensteuerungen relevant sein kann. <strong>ISO\/IEC TR 5469:2024<\/strong> \u2013 \u201eArtificial intelligence \u2014 Functional safety and AI systems&#8220; \u2013 wurde im Januar 2024 ver\u00f6ffentlicht und beschreibt Eigenschaften, Risikofaktoren sowie verf\u00fcgbare Methoden f\u00fcr den Einsatz von KI in sicherheitsbezogenen Funktionen . Diese Technische Richtlinie ist kein verbindlicher Standard, aber sie zeigt die Richtung. Die Normungsgremien haben das Problem erkannt; die Landschaft ist <strong>in Bewegung, aber noch nicht konsolidiert<\/strong>. Hersteller, die KI in Sicherheitsfunktionen einsetzen wollen, m\u00fcssen mit Unsicherheit umgehen \u2013 und die Aufsichtsbeh\u00f6rden auch.<a href=\"https:\/\/dgsm.gso.org.sa\/store\/standards\/iso:pub:std:IS:81283\/ISO-IEC%20TR%205469:2024?lang=en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/webdesk.jsa.or.jp\/books\/W11M0090\/index\/?bunsyo_id=ISO%2FIEC+TR+5469%3A2024\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was das f\u00fcr die Praxis bedeutet<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ver\u00e4nderungen lassen sich in drei Konsequenzen zusammenfassen. <strong>Erstens:<\/strong> Die Risikobeurteilung wird vom Dokument zum Prozess. Wer sie heute als einmalige Pflicht\u00fcbung f\u00fcr die CE-Kennzeichnung behandelt, wird die Marktbeobachtungspflicht und die CRA-Meldepflichten nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Digitale Werkzeuge wie die von DINA angebotene Plattform GO:<a href=\"https:\/\/beyond.io\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BEYOND.io<\/a>, die Risikobeurteilung nach EN ISO 12100 unter Ber\u00fccksichtigung der Maschinenverordnung unterst\u00fctzt, sind ein Indikator f\u00fcr diese Entwicklung \u2013 sie ersetzen aber nicht das Verst\u00e4ndnis der normativen Grundlagen.<a href=\"https:\/\/www.dina.de\/risikobeurteilung-gobeyond-io\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zweitens:<\/strong> Safety und Security lassen sich nicht mehr getrennt denken. Die Maschinenverordnung verlangt Schutz vor Korrumpierung, der CRA verlangt Schwachstellenmanagement und Meldepflichten. Ein Hersteller, der Sicherheitsfunktionen auslegt, muss die Angriffsfl\u00e4che seiner Steuerung kennen \u2013 und wer eine SBOM nicht pflegt, wird die 24-Stunden-Frist ab September 2026 nicht einhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Drittens:<\/strong> Die Fristen sind Realit\u00e4t, nicht Zukunftsmusik. September 2026 f\u00fcr CRA-Meldepflichten, Januar 2027 f\u00fcr die Maschinenverordnung, Januar 2028 f\u00fcr Art. 6 MVO, Dezember 2027 f\u00fcr die vollst\u00e4ndigen CRA-Anforderungen. Wer jetzt nicht anf\u00e4ngt, wird Schwierigkeiten bekommen \u2013 nicht wegen der Beh\u00f6rden, sondern weil die technischen und organisatorischen Voraussetzungen Zeit brauchen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neue EU-Maschinenverordnung und der Cyber Resilience Act sind keine b\u00fcrokratischen Akte allein. Sie sind der Versuch, ein Regelwerk aus dem Jahr 2006 auf eine Welt anzupassen, in der Maschinen vernetzt sind, Software aktualisiert wird und Angriffe auf Steuerungen keine Science-Fiction mehr sind. Die Fristen sind eng, die methodischen Grundlagen f\u00fcr KI in Sicherheitsfunktionen noch nicht ausgereift, und die Frage der Haftung bei Angriffen \u00fcber betreiberseitige Fernwartungsschnittstellen ist rechtlich nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt. Gleichzeitig bietet die Situation eine Chance: Wer Safety und Security von Anfang an zusammendenkt, wer die Risikobeurteilung als lebenden Prozess begreift und wer die Softwarezusammensetzung seiner Produkte kennt, wird nicht nur compliant sein, sondern belastbarere Produkte entwickeln. Die stille Revolution der Maschinensicherheit findet nicht auf der Stra\u00dfe statt. Sie findet in Schaltschr\u00e4nken statt, in denen Geber verschwinden und durch Software ersetzt werden. In Dokumenten, die nicht mehr abgeheftet, sondern versioniert werden. Und in Unternehmen, die lernen m\u00fcssen, dass ein Fernzugriff auf eine Steuerung nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit ist, sondern eine Sicherheitsfunktion eigener Art.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Verordnung (EU) 2023\/1230 (Maschinenverordnung), insbesondere Art. 6, Art. 10 Abs. 7, Art. 52 Abs. 2, Anhang I, Anhang III <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/print-pdf.html?pageTitle=Verordnung+%28EU%29+2023%2F1230+des+Europ%C3%A4ischen+Parlaments+und+de...&amp;currentUrl=%2Flegal-content%2FDE%2FLSU%2F%3Furi%3Doj%3AJOL_2023_165_R_0001#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/LSU\/?uri=celex:32023R1230#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Amt f\u00fcr Ver\u00f6ffentlichungen der Europ\u00e4ischen Union: <em>Sicherheitsanforderungen f\u00fcr Maschinen \u2013 Zusammenfassung der Verordnung (EU) 2023\/1230<\/em>, EUR-Lex, Stand 12.06.2025 <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/print-pdf.html?pageTitle=Verordnung+%28EU%29+2023%2F1230+des+Europ%C3%A4ischen+Parlaments+und+de...&amp;currentUrl=%2Flegal-content%2FDE%2FLSU%2F%3Furi%3Doj%3AJOL_2023_165_R_0001#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/LSU\/?uri=celex:32023R1230#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Wirtschaftskammer \u00d6sterreich: <em>Pr\u00e4sentation Neue Maschinenverordnung \u2013 Hochrisikomaschinen Anhang I<\/em>, o.D. <a href=\"https:\/\/www.wko.at\/ooe\/umwelt-energie\/240521-praesentation-neue-maschinenverordnung-webinar-1.pdf#3#2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>DVGW: <em>Technischer Leitfaden f\u00fcr PtG-Anlagen \u2013 Beispiele f\u00fcr Teil A und Teil B des Anhangs I<\/em>, o.D. <a href=\"https:\/\/www.dvgw.de\/medien\/dvgw\/forschung\/berichte\/portal-green-l-technischer-leitfaden-fuer-ptg-anlagen.pdf#33#19\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>BSI: <em>Technical Guideline TR-03183 \u2013 Cyber Resilience Act: Essential Requirements and Vulnerability Handling<\/em>, o.D. <a href=\"https:\/\/www.bsi.bund.de\/SharedDocs\/Downloads\/EN\/BSI\/Publications\/TechGuidelines\/TR03183\/BSI-TR-03183-1_v0_10_0.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1#7#2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Taylor Wessing: <em>Deep Dive \u2013 CRA und Produkthaftungsrichtlinie<\/em>, Dezember 2024 <a href=\"https:\/\/www.taylorwessing.com\/-\/media\/taylor-wessing\/files\/germany\/2024\/12\/tw24_dla-deep-dive-cra-produkthaftungsrl_deutsch.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>JUN Legal: <em>Cyber Resilience Act \u2013 Die Meldepflichten<\/em>, o.D. <a href=\"https:\/\/www.jun.legal\/news\/thema\/cyber-resilience-act\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>DIN EN ISO 13849-1:2023-12, insbesondere Abschnitt 5.2.4 und Anhang A <a href=\"https:\/\/www.din.de\/de\/mitwirken\/normenausschuesse\/nasg\/veroeffentlichungen\/wdc-beuth:din21:367893072\/toc-3435657\/download#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Gt-Engineering: <em>The difference between Route 1H and Route 2H<\/em>, 21.02.2023 <a href=\"https:\/\/www.gt-engineering.it\/en\/insights\/process-safety-processi-gt-engineering\/route-1h-and-route-2h-en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>VDE-Verlag: <em>Leseprobe \u2013 Entwerfen und Entwickeln eines Teilsystems<\/em>, o.D. (Erl\u00e4uterung Route 1H) <a href=\"https:\/\/www.vde-verlag.de\/buecher\/leseprobe\/9783800755448_PROBE_01.pdf#2#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>DINA Elektronik: <em>Safeone DN3P \u2013 Produkt\u00fcbersicht<\/em>, <a href=\"https:\/\/knowledge.dina.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">knowledge.dina.de<\/a> <a href=\"https:\/\/knowledge.dina.de\/hubfs\/dina.de\/Produktvergleich\/PS2%20aus%20Produkt%C3%BCbersicht.pdf?hsLang=de#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>DINA Elektronik: <em>Digital Risk Assessment with GO:<a href=\"https:\/\/beyond.io\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BEYOND.io<\/a><\/em>, <a href=\"https:\/\/dina.de\/en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dina.de\/en<\/a> <a href=\"https:\/\/www.dina.de\/risikobeurteilung-gobeyond-io\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Schmersal\/DINA: <em>Expos\u00e9 \u2013 Sensorless Standstill Monitoring<\/em>, 2025 <a href=\"https:\/\/www.schmersalusa.com\/fileadmin\/content\/usa\/downloads\/brochures\/aditional_products\/20250711_DINA_Expose_Standstill_Monitoring_EN.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>ISO\/IEC TR 5469:2024: <em>Artificial intelligence \u2014 Functional safety and AI systems<\/em>, ver\u00f6ffentlicht am 08.01.2024 <a href=\"https:\/\/dgsm.gso.org.sa\/store\/standards\/iso:pub:std:IS:81283\/ISO-IEC%20TR%205469:2024?lang=en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/webdesk.jsa.or.jp\/books\/W11M0090\/index\/?bunsyo_id=ISO%2FIEC+TR+5469%3A2024\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von DerSchneider Einleitung Es gibt Datumsangaben, die in der Geschichte der industriellen Sicherheitstechnik eine Z\u00e4sur markieren. 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