{"id":778,"date":"2026-03-04T10:09:27","date_gmt":"2026-03-04T09:09:27","guid":{"rendered":"https:\/\/iobseu-xejul.wordpress.com\/?p=778"},"modified":"2026-03-04T10:09:27","modified_gmt":"2026-03-04T09:09:27","slug":"die-beute-von-coyote-hill-wie-steve-jobs-den-computer-befreite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-beute-von-coyote-hill-wie-steve-jobs-den-computer-befreite\/","title":{"rendered":"Die Beute von Coyote Hill: Wie Steve Jobs den Computer befreite"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Palo Alto, Dezember 1979. Der Himmel \u00fcber den Ausl\u00e4ufern der Santa Cruz Mountains ist von der typischen bleiernen Farbe, die kalifornischen Wintern eine melancholische Schwere verleiht. Auf dem Coyote Hill Road, in einem langgestreckten, flachen Betonbau mit riesigen Terrassen, sitzen M\u00e4nner auf bunten Sitzs\u00e4cken und starren auf Bildschirme, die so aussehen, als h\u00e4tten sie ein Grafikdesigner gemalt \u2013 nicht ein Programmierer in einem stickigen Rechenzentrum. Drau\u00dfen, im kalten Wind, h\u00e4lt ein Mietwagen. Drinnen, im Geb\u00e4ude des Xerox Palo Alto Research Center, PARC genannt, tanzt einer.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Typ ist jung, vielleicht 24, mit Jeans und einem weichen Bart. Er tr\u00e4gt den klischeehaften Look eines Campus-Hippies, aber seine Augen sind die eines J\u00e4gers. Er hei\u00dft Steve Jobs. Neben ihm steht Bill Atkinson, der Grafiker unter den Apple-Ingenieuren, und dr\u00fcckt fast seine Nase an der Kathodenstrahlr\u00f6hre eines Ger\u00e4tes platt, das wie eine Anrichte aus der Zukunft aussieht: der Xerox Alto.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Larry Tesler, der Forscher am PARC, bewegt einen h\u00f6lzernen Klotz mit drei metallenen R\u00e4dern \u00fcber den Tisch. Auf dem Bildschirm bewegt sich ein kleiner Pfeil. Er klickt. Ein Fenster \u00f6ffnet sich. Er klickt auf ein anderes. Es \u00fcberlappt das erste. Er markiert Text, schneidet ihn aus und f\u00fcgt ihn woanders ein \u2013 in einer Schriftart, die genau so aussieht wie das, was sp\u00e4ter auf dem Papier stehen wird. WYSIWYG \u2013 What You See Is What You Get.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jobs ist nicht mehr im Raum. Er tanzt. Er springt umher, fuchtelt mit den Armen und ruft immer wieder: \u201eWarum tut ihr nichts damit? Das ist das Gr\u00f6\u00dfte, was ich je gesehen habe! Das ist revolution\u00e4r!\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/magazine\/2011\/05\/16\/creation-myth?source=post_page-----d7851e359ed5---------------------------------------\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forscher auf den Sitzs\u00e4cken l\u00e4cheln nachsichtig. Sie haben gerade einen Verr\u00fcckten aus Cupertino im Haus. Sie ahnen nicht, dass sie in diesem Moment zusehen, wie ihnen das 20. Jahrhundert gestohlen wird. Oder besser: wie ihnen die Beute abgenommen wird, die sie selbst nie zu heben wagten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Der Prolog \u2013 Die Szene<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es riecht nach Kaffee, kalter Zigarettenasche und dem Ozongeruch eingeschalteter R\u00f6hrenmonitore. Die Atmosph\u00e4re im PARC ist legend\u00e4r: keine Hierarchien, keine Management-Vorgaben, nur brillante K\u00f6pfe, die auf Sitzs\u00e4cken l\u00fcmmeln und \u00fcber die Zukunft der Informatik philosophieren. Bob Taylor, der Leiter des Labors, hat die Cr\u00e8me de la Cr\u00e8me der ARPA-Networks-Forscher zusammengetrommelt \u2013 M\u00e4nner, die vorher f\u00fcr Douglas Engelbart gearbeitet hatten, der schon in den 60ern die Maus erfand&nbsp;<a href=\"http:\/\/stanford.edu\/dept\/SUL\/sites\/mac\/parc.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Hier, in diesem Nirgendwo am Rande von Stanford, ist das gelungen, wovon Rechenzentren tr\u00e4umen: Die Maschine ist nicht mehr nur ein Befehlskasten f\u00fcr Lochkarten-Stanzer. Sie ist eine Zeichenfl\u00e4che. Ein Desktop. Ein St\u00fcck Papier, das lebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch f\u00fcr Xerox, den Mutterkonzern im fernen Connecticut, der mit Kopierern Geld druckt wie eine Notenpresse, ist das alles nettes Spielzeug. Man l\u00e4sst den T\u00fcftlern auf dem H\u00fcgel ihren Willen. Sie bauen den Alto, bauen Ethernet, bauen die erste Laserprint-Technik. Aber sie verkaufen nichts. Der Alto ist kein Produkt, er ist eine Machbarkeitsstudie. Rund 2000 dieser Maschinen werden gebaut und verschenkt \u2013 an Universit\u00e4ten, an den Senat, an Freunde&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.computinghistory.org.uk\/det\/5920\/Xerox-Alto-personal-computer-was-developed-at-Xerox-PARC\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es ist der reine, unschuldige Erkenntnisgewinn. Das PARC ist das Alexandria der Moderne, nur dass die Bibliothekare keine Ahnung haben, wie man B\u00fccher verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann kommt der Junge aus Cupertino, der noch nie etwas gebaut hat, aber genau wei\u00df, wie man es verkauft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Der Mensch \u2013 Der Dieb mit der Vision<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Steve Jobs war zu diesem Zeitpunkt bereits Million\u00e4r. Die Apple-IPO stand kurz bevor, die Aktie w\u00fcrde im n\u00e4chsten Jahr durch die Decke gehen. Jobs hatte Xerox eine Hand gereicht: 100.000 Aktien f\u00fcr eine Million Dollar \u2013 ein Schn\u00e4ppchen f\u00fcr Xerox, wenn man bedenkt, was die Papiere bald wert sein w\u00fcrden. Aber Jobs wollte kein Geld. Er wollte, dass Xerox sein \u201eKimono \u00f6ffnet\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/magazine\/2011\/05\/16\/creation-myth?source=post_page-----d7851e359ed5---------------------------------------\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er wollte ins Innere des Tempels.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man muss sich das klarmachen: Jobs war kein Ingenieur. Er hat nie eine Platine entworfen, nie einen Compiler gebaut. Wozniak war der Techniker. Jobs war der Leser. Er hatte eine fast krankhafte F\u00e4higkeit, das Gute zu erkennen und das Gro\u00dfartige daraus zu destillieren. Sp\u00e4ter wird er Picasso zitieren: \u201eGute K\u00fcnstler kopieren. Gro\u00dfe K\u00fcnstler stehlen.\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.cnet.com\/tech\/tech-industry\/tracing-the-origins-of-the-macintosh\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Das ist keine Rechtfertigung f\u00fcr Kleptomanie. Das ist eine Design-Philosophie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn was Jobs in diesem Raum auf dem Sitzsack sah, war nicht die perfekte L\u00f6sung. Es war die beste L\u00f6sung, die falsch gebaut wurde.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Das Problem \u2013 Die goldene Kugel und der Dreifach-Klick<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem der Xerox-Maus: Sie war ein Wunderwerk der Ingenieurskunst \u2013 und ein absolutes Desaster f\u00fcr den Alltag. Sie kostete 300 Dollar in der Herstellung, hatte drei Tasten und fiel nach zwei Wochen auseinander. Die Mechanik war filigran: Ein pr\u00e4zise gelagerter Kugellager-Mechanismus sorgte f\u00fcr sanften Lauf, aber wehe, es gab Kr\u00fcmel auf dem Tisch. Oder Fussel. Oder Schwei\u00df. Dann streikte das Ding. Und drei Tasten? Ein normaler Mensch wusste nicht, wo er die Finger lassen sollte. Was war prim\u00e4r? Was war sekund\u00e4r? Welche Taste dr\u00fcckt man zum L\u00f6schen? Die Ingenieure des PARC bauten f\u00fcr sich selbst. F\u00fcr Genies. Nicht f\u00fcr meine Gro\u00dfmutter. Nicht f\u00fcr den Sekret\u00e4r. Nicht f\u00fcr den &#8222;Normalen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem war nicht die Technologie. Das Problem war die Vorstellungskraft, wie ein normaler Mensch mit dieser Technologie umgehen w\u00fcrde. Xerox dachte, sie bauten Werkzeuge f\u00fcr Denker. Jobs wusste: Wir bauen Werkzeuge f\u00fcr Leute, die nur denken wollen, nicht bedienen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Der Bau \/ Die Funktionsweise \u2013 Wie man aus Unterarm-Deo eine Revolution macht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dean Hovey, ein junger Designer der Firma, die sp\u00e4ter IDEO werden sollte, bekam den Anruf von Jobs nur wenige Tage nach dem PARC-Besuch. Jobs kam direkt zur Sache, kein Hallo, kein Smalltalk. Nur eine Ansage: \u201eDu musst eine Maus bauen. Aber nicht so eine Schei\u00dfe, wie ich sie bei Xerox gesehen habe. Unser Ding kostet in der Herstellung maximal 15 Dollar. Es h\u00e4lt ein paar Jahre. Und es muss auf meinen Bluejeans und auf meiner Resopal-Platte funktionieren.\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/magazine\/2011\/05\/16\/creation-myth?source=post_page-----d7851e359ed5---------------------------------------\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hovey stand da, v\u00f6llig \u00fcberfordert. Was war eine Maus? Er fuhr los \u2013 zur n\u00e4chsten Drogerie, Walgreens an der Ecke Grant und El Camino in Mountain View. Er wanderte durch die G\u00e4nge und suchte nach Dingen mit Kugeln. Und dann wurde ihm klar: Deo-Roller. Diese billigen, runden Kugeln aus Plastik, die sich in jeder Richtung drehen lassen, angetrieben vom Achselschwei\u00df der Nation. Er kaufte alle Deos, die er finden konnte. Dazu einen Butter-Dish, diese kleinen Butterdosen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck in seinem winzigen B\u00fcro, das eigentlich nur ein Schlafzimmer war, mit einer Werkstatt auf dem flachen Dach, begann das Basteln. Er goss Epoxidharz in den Metalldeckel eines Marmeladenglases, schmierte Vaseline auf eine Stahlkugel und dr\u00fcckte sie ins Harz. Als es hart wurde, hatte er eine Pfanne, in der die Kugel perfekt lief, ohne zu verkanten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/magazine\/2011\/05\/16\/creation-myth?source=post_page-----d7851e359ed5---------------------------------------\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche Genialit\u00e4t lag in der Abtastung. Bei Xerox st\u00fctzten aufwendige Kugellager die Kugel und \u00fcbertrugen die Bewegung auf Rollen. Zu viel Reibung, zu komplex. Hoveys Team erkannte: Die Kugel muss frei schweben. Sie darf nur an zwei Punkten ber\u00fchrt werden \u2013 exakt auf der Mittellinie. Dort, wo die Rotationskr\u00e4fte am geringsten sind. So entstand der klassische Aufbau: Zwei kleine, geschlitzte Rollen (f\u00fcr X- und Y-Achse), die von der Kugel gedreht werden, und eine dritte, federnde Rolle, die die Kugel nur gegen die Abtastrollen dr\u00fcckt. Einfach. Robust. Billig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und die Tasten? Jobs entschied sich gegen die drei Kn\u00f6pfe der Xerox-Maus. Ein Knopf. Einer. Die Begr\u00fcndung war radikal einfach: \u201eLernen, eine Maus zu bedienen, ist schwer genug. Ein Knopf ist simpel. Der ganze Rest sind Optionen, die in der Software liegen.\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/magazine\/2011\/05\/16\/creation-myth?source=post_page-----d7851e359ed5---------------------------------------\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Es war diese Reduktion aufs Wesentliche, die das PARC nie verstand.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Das Herzst\u00fcck \u2013 Die eine Idee, die alles ver\u00e4ndert<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das Herzst\u00fcck der Geschichte, das eigentliche Genie, sitzt nicht in der Maus. Es sitzt im Zusammenspiel von Bildschirm und Hand. Das Herzst\u00fcck ist die&nbsp;<strong>direkte Manipulation<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im PARC sahen sie Icons. Sie hatten Fenster. Sie hatten Men\u00fcs. Aber wenn man auf ein Icon klickte, erschien oft ein Pop-up-Men\u00fc. Man musste einen Befehl ausw\u00e4hlen. Im Grunde war es immer noch ein Kommandozeilen-Denken, nur versteckt hinter einer niedlichen Grafik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Apple, angef\u00fchrt von Atkinson und einem Team, das sich als \u201ePiraten\u201c f\u00fchlte, entwickelte das Konzept weiter. Die bahnbrechende Idee, die nicht aus PARC stammte, war&nbsp;<strong>Drag-and-Drop<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.cnet.com\/tech\/tech-industry\/tracing-the-origins-of-the-macintosh\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Idee, dass man ein Icon \u2013 sagen wir, das Symbol eines Dokuments \u2013 mit der Maus anfassen, \u00fcber den Bildschirm ziehen und auf einem Ordner-Icon ablegen kann, um es dort zu speichern. Das war keine Simulation von Arbeit. Das war Arbeit, die sich anf\u00fchlte, als w\u00fcrde man einen Zettel in eine Schublade legen. Es war intuitiv. Es war k\u00f6rperlich. Es war menschlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bruce Horn, ein junger Programmierer, der noch am PARC gearbeitet hatte, bevor er zu Apple kam, schrieb den Finder des Macintosh. Er implementierte genau diese Idee: Dateien als physische Objekte, die man bewegen kann. \u201eDie Idee der direkten Manipulation von Dateien stammt von der Mac-Gruppe\u201c, schrieb er sp\u00e4ter in seinen Memoiren auf&nbsp;<a href=\"https:\/\/folklore.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">folklore.org<\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.cnet.com\/tech\/tech-industry\/tracing-the-origins-of-the-macintosh\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das war der Quantensprung. Nicht die Kopie, sondern die Weiterentwicklung. Xerox zeigte die T\u00fcr. Apple ging hindurch und baute das Haus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6. Das Ende \u2013 Triumph und Trag\u00f6die<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Xerox zog sich zur\u00fcck. Sie brachten 1981 die Xerox Star Workstation auf den Markt \u2013 ein technisch beeindruckendes, aber teures und langsames System f\u00fcrs B\u00fcro. Es floppte. Das Management in Connecticut hatte nie verstanden, was f\u00fcr ein Juwel sie da im Garten hatten. 1983 kam der Apple Lisa, direkt beeinflusst vom PARC-Besuch, aber immer noch viel zu teuer (10.000 Dollar). Auch ein Flop.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann, 1984, der Macintosh. Die erste Superbowl-Werbung (\u201e1984\u201c), das kleine graue Geh\u00e4use, der Preis von 2.495 Dollar \u2013 und diese eine Maus. Der Macintosh war nicht perfekt. Er war langsam, hatte nur 128 Kilobyte RAM und keine Festplatte. Aber er hatte&nbsp;<em>die<\/em>&nbsp;Idee. Alan Kay, der Vordenker des PARC, der sp\u00e4ter zu Apple wechselte, meckerte: &#8222;Ein Honda mit einem Ein-Gallonen-Tank&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/content.time.com\/time\/business\/article\/0,8599,2096251-2,00.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Aber er r\u00e4umte auch ein: Die Art, wie Apple die Ideen aufnahm, war richtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Trag\u00f6die? Xerox verklagte Apple sp\u00e4ter wegen Urheberrechtsverletzung. Und verlor. Die Richter sahen, dass Apples Umsetzung eigenst\u00e4ndig genug war. Mehr noch: Sie sahen, dass die Ideen der grafischen Oberfl\u00e4che selbst eine l\u00e4ngere Geschichte hatten, die bis zu Engelbart und Vannevar Bush zur\u00fcckreichte. Man kann das Wetter nicht patentieren, nur eine bestimmte Art, es zu messen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7. Der Epilog \u2013 Was bleibt?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bleibt, ist mehr als die Geschichte vom gro\u00dfen Diebstahl. Es ist die Geschichte vom Unterschied zwischen&nbsp;<em>Erfinden<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>Erschaffen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Xerox PARC erfand die Zukunft. Aber sie hatten kein Gef\u00fchl f\u00fcr den Menschen, der diese Zukunft betreten w\u00fcrde. Sie bauten f\u00fcr sich selbst. F\u00fcr die 100 Genies auf dem H\u00fcgel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jobs und sein Team \u2013 die T\u00fcftler, die Poeten, die Musiker, die in die Computerbranche abgewandert waren&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.cnet.com\/tech\/tech-industry\/tracing-the-origins-of-the-macintosh\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;\u2013 sie bauten f\u00fcr den Typen, der gerade den Keller betritt und seinen Staubsauger reparieren will. F\u00fcr die Sekret\u00e4rin, die einen Brief schreiben muss. F\u00fcr das Kind, das zum ersten Mal ein Bild malt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Forscher Larry Tesler, der Steve Jobs damals die Maus zeigte, war so beeindruckt von dem tanzenden Jungen, dass er sieben Monate sp\u00e4ter selbst zu Apple wechselte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.extremetech.com\/computing\/104661-how-steve-jobs-stole-the-mouse-and-gui-video\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er sagte sp\u00e4ter: \u201eSteve wollte, dass du gro\u00dfartig bist. Und er zwang dich dazu, etwas Gro\u00dfartiges zu schaffen.\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/content.time.com\/time\/business\/article\/0,8599,2096251-2,00.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist das PARC an SRI International verschenkt worden \u2013 ein Forschungsinstitut, das einst Siri entwickelte&nbsp;<a href=\"https:\/\/9to5mac.com\/2023\/04\/25\/parc-and-sri\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Xerox hat es aufgegeben. Die Bibliothek ist geschlossen. Die B\u00fccher sind verteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wenn du heute deine Hand auf eine Maus legst \u2013 oder deinen Finger auf ein Smartphone-Display \u2013 dann sp\u00fcrst du noch immer diese eine Dezembersekunde 1979. Den Moment, als ein Hippie aus Cupertino in einem sterilen Forschungsbau zu tanzen begann, weil er in einer Maschine die Seele des Menschen sah. Er nahm sich, was er brauchte. Aber er gab uns allen daf\u00fcr die Freiheit, die Maschine nie wieder als Feind zu sehen. Nur als Werkzeug. Als Verl\u00e4ngerung unserer Hand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Quellen dieser Geschichte liegen verstreut: in den Archiven der Stanford University, die die Geschichte der PARC-Besuche minuti\u00f6s dokumentieren&nbsp;<a href=\"http:\/\/stanford.edu\/dept\/SUL\/sites\/mac\/parc.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>; in der m\u00fcndlichen \u00dcberlieferung von Dean Hovey, der in seinem improvisierten B\u00fcro auf dem Dach mit Deo-Rollern spielte; und in den Patenten, die Apple sp\u00e4ter anmeldete und die zeigen, dass der Unterschied zwischen einem guten und einem gro\u00dfartigen Dieb manchmal nur eine Frage der Reduktion ist \u2013 vom Dreifach-Klick zum einfachen, befreienden Klick.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Palo Alto, Dezember 1979. Der Himmel \u00fcber den Ausl\u00e4ufern der Santa Cruz Mountains ist von der typischen bleiernen Farbe, die kalifornischen Wintern eine melancholische Schwere verleiht. Auf dem Coyote Hill Road, in einem langgestreckten, flachen Betonbau mit riesigen Terrassen, sitzen M\u00e4nner auf bunten Sitzs\u00e4cken und starren auf Bildschirme, die so aussehen, als h\u00e4tten sie ein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,27,36],"tags":[],"class_list":["post-778","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-dem-bauch-heraus","category-personlichkeiten","category-technologiegeschichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/778","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=778"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/778\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}