{"id":796,"date":"2026-03-04T10:09:26","date_gmt":"2026-03-04T09:09:26","guid":{"rendered":"https:\/\/iobseu-xejul.wordpress.com\/?p=796"},"modified":"2026-03-04T10:09:26","modified_gmt":"2026-03-04T09:09:26","slug":"der-toronto-refund-scam-oder-wenn-der-kunde-sich-selbst-bedient","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-toronto-refund-scam-oder-wenn-der-kunde-sich-selbst-bedient\/","title":{"rendered":"Der Toronto-Refund-Scam \u2013 oder: Wenn der Kunde sich selbst bedient"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Prolog \u2013 Die Szene<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Toronto, Juni 2025. Ein kleiner Imbiss namens &#8222;Souvlaki Hut&#8220; im Stadtteil The Beaches. Es riecht nach Grillfleisch und Zwiebeln. Die Besitzerin steht an der Fritteuse, ihr Sohn Artie wischt gerade einen Tisch ab. Ein Mann betritt den Laden, bestellt freundlich, macht Smalltalk. Als die Mutter das Essen zubereitet, hebt der Kunde das Zahlungsterminal an \u2013 nur ein paar Zentimeter, gerade genug, um es ihren Blicken zu entziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er tippt. Drei Sekunden. Vielleicht vier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann stellt er das Ger\u00e4t zur\u00fcck, bedankt sich und geht. Kein Souvlaki. Kein bezahlter Betrag. Aber auf dem Konto des Ladens werden sp\u00e4ter 2.000 Dollar fehlen. Kein Einbruch, kein Raub\u00fcberfall, kein geknackter Code aus einem Keller in Osteuropa. Nur ein Mann, ein Terminal und ein Passwort, das seit dem Auspacken des Ger\u00e4ts niemand ge\u00e4ndert hatte&nbsp;<a href=\"https:\/\/saskatchewanstandard.com\/canadian\/newsrefund-fraud-scammers-exploit-point-of-sale-systems65902\/523877\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/vancouver.ctvnews.ca\/toronto\/article\/it-was-a-shock-toronto-business-owner-says-customer-used-point-of-sale-terminal-to-issue-himself-2000-refund\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Mensch \u2013 Der T\u00e4ter und sein Gegen\u00fcber<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer war dieser Mann? Die Polizei von Toronto hat mehrere F\u00e4lle nicht zweifelsfrei miteinander verbinden k\u00f6nnen, aber die Methode ist immer gleich&nbsp;<a href=\"https:\/\/saskatchewanstandard.com\/canadian\/newsrefund-fraud-scammers-exploit-point-of-sale-systems65902\/523877\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es sind keine Hacker im klassischen Sinne. Es sind keine Leute, die nachts im Dunkeln mit Schraubenziehern an Leitungen klemmen. Es sind dreiste Psychologen, die verstanden haben, dass die gr\u00f6\u00dfte Sicherheitsl\u00fccke nicht in der Software liegt \u2013 sondern im Alltag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihr Gegen\u00fcber sind Menschen wie Shiro Maruo, der einen kleinen Blumenladen betreibt. Zwei M\u00e4nner kamen herein, taten interessiert an einem Blumenstrau\u00df, stellten Fragen, lenkten ab. Keine zwanzig Minuten sp\u00e4ter bekam Maruo eine E-Mail von seinem Zahlungsdienstleister Clover: Der Manager-Code seines Terminals wurde ge\u00e4ndert, eine R\u00fcckerstattung \u00fcber 2.000 Dollar wurde durchgef\u00fchrt. Die M\u00e4nner hatten sein Ger\u00e4t blitzschnell gegen ein mitgebrachtes, pr\u00e4pariertes ausgetauscht&nbsp;<a href=\"https:\/\/occn.ca\/toronto-east-end-pos-terminal-scam-warning\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.atinitonews.com\/2025\/07\/toronto-bia-warns-business-owners-of-point-of-sale-scam-after-thousands-of-dollars-in-thefts\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maruo ist kein Technikfeind. Er hat ein Gesch\u00e4ft, er will seinen Kunden einen schnellen Service bieten, also steht das Terminal griffbereit auf der Theke. Wer denkt schon daran, dass der freundliche Herr, der nach den \u00d6ffnungszeiten fragt, in Wirklichkeit ein paar Tasten dr\u00fcckt, um sich das Portemonnaie zu f\u00fcllen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Problem \u2013 Wenn der Feind im Ger\u00e4t steckt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem ist so alt wie die Technik selbst: der Werkszustand. Jedes dieser Zahlungsterminals \u2013 egal ob von Clover, Moneris oder einem anderen Anbieter \u2013 wird ab Werk mit einer Grundeinstellung ausgeliefert. Und zu dieser Grundeinstellung geh\u00f6rt ein Standard-Passwort. Nichts Komplexes, nichts Individuelles. Ein Schl\u00fcssel, der in tausende Schl\u00f6sser passt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Claudiu Popa, ein Cybersecurity-Experte, der seit Jahrzehnten Firmen ber\u00e4t, brachte es f\u00fcr den kanadischen Sender CTV auf den Punkt: &#8222;Die meisten dieser Terminals werden ab Werk mit Standard-Passw\u00f6rtern ausgeliefert. Wenn der H\u00e4ndler die nicht \u00e4ndert, ist das, als w\u00fcrde man sein Haust\u00fcrschloss mit Werksschl\u00fcssel betreiben \u2013 und den dann auch noch an die Kette h\u00e4ngen&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/vancouver.ctvnews.ca\/toronto\/article\/it-was-a-shock-toronto-business-owner-says-customer-used-point-of-sale-terminal-to-issue-himself-2000-refund\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Betreibergesellschaften wie Clover oder Moneris verweisen gerne auf ihre Dokumentationen und die Aufforderungen an die H\u00e4ndler, die Passw\u00f6rter zu \u00e4ndern. &#8222;Wir haben sie ja informiert&#8220;, ist der Tenor. Und ja, rein formal stimmt das. Nur: Wer liest schon das Handbuch eines Kassenterminals, wenn der Laden voller Kunden ist? Wer denkt beim Auspacken eines Ger\u00e4ts daran, dass der Kunde von der Stra\u00dfe in den n\u00e4chsten Minuten vielleicht versuchen wird, die Kasse zu knacken? Die Realit\u00e4t sieht aus wie bei Barbara Deangelis von &#8222;Pippins Tea Company&#8220;. Ein junger Mann kam herein, wollte angeblich eine Teekanne f\u00fcr seine Gro\u00dfmutter kaufen. Stattdessen erstattete er sich selbst 4.900 Dollar&nbsp;<a href=\"https:\/\/vancouver.ctvnews.ca\/toronto\/article\/it-was-a-shock-toronto-business-owner-says-customer-used-point-of-sale-terminal-to-issue-himself-2000-refund\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es fiel niemandem auf. Bis es zu sp\u00e4t war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Bau \/ Die Funktionsweise \u2013 So einfach ist das<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fall des &#8222;Souvlaki Hut&#8220; lief es so ab: Der T\u00e4ter nahm das Terminal, navigierte durch das Men\u00fc \u2013 das ist oft kein Hexenwerk, die Oberfl\u00e4chen sind f\u00fcr den schnellen Service ausgelegt \u2013 und w\u00e4hlte die Funktion &#8222;Manuelle R\u00fcckerstattung&#8220;. Dann gab er den Betrag ein und best\u00e4tigte mit dem Standard-Passwort, das er entweder kannte oder das der H\u00e4ndler nie ge\u00e4ndert hatte&nbsp;<a href=\"https:\/\/saskatchewanstandard.com\/canadian\/newsrefund-fraud-scammers-exploit-point-of-sale-systems65902\/523877\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/vancouver.ctvnews.ca\/toronto\/article\/it-was-a-shock-toronto-business-owner-says-customer-used-point-of-sale-terminal-to-issue-himself-2000-refund\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das System denkt nicht. Es fragt nicht: &#8222;Bist du wirklich der Besitzer?&#8220; Es fragt nicht: &#8222;Warum erstattest du dir gerade Geld, w\u00e4hrend der Ladeninhaber dir den R\u00fccken zudreht?&#8220; Es fragt nur nach dem Passwort. Und wenn das passt, macht es, was es soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch raffinierter ist die zweite Masche: der Ger\u00e4tetausch. Hier kommt ein T\u00e4ter mit einem eigenen, pr\u00e4parierten Terminal in den Laden. Er hat es vielleicht zu Hause schon so konfiguriert, dass alle Transaktionen auf sein Konto laufen. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit \u2013 der Verk\u00e4ufer dreht sich um, um die Blumen zu holen \u2013 und das Ger\u00e4t auf der Theke ist ein anderes. Der Kunde geht, ohne zu kaufen, aber das neue Terminal bleibt. Es nimmt Zahlungen entgegen, leitet sie aber um. Entdeckt wird das oft erst Tage sp\u00e4ter&nbsp;<a href=\"https:\/\/occn.ca\/toronto-east-end-pos-terminal-scam-warning\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.atinitonews.com\/2025\/07\/toronto-bia-warns-business-owners-of-point-of-sale-scam-after-thousands-of-dollars-in-thefts\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lori Van Soelen, die Managerin der Beach BIA (Business Improvement Area), best\u00e4tigte, dass in ihrem Viertel innerhalb kurzer Zeit bis zu sieben Gesch\u00e4fte auf diese Weise bestohlen wurden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.atinitonews.com\/2025\/07\/toronto-bia-warns-business-owners-of-point-of-sale-scam-after-thousands-of-dollars-in-thefts\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sieben L\u00e4den, in denen niemand das Passwort ge\u00e4ndert hatte. Sieben L\u00e4den, in denen niemand damit rechnete, dass &#8222;Kunde sein&#8220; auch &#8222;T\u00e4ter sein&#8220; bedeuten kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Herzst\u00fcck \u2013 Die eine Idee, die alles ver\u00e4ndert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Geniale an diesem Betrug ist seine Banalit\u00e4t. Es gibt hier keinen Zero-Day-Exploit, keine verschl\u00fcsselte Kommunikation, die geknackt wurde, keinen Hacker in einer Hoodie, der im Darknet die Zugangsdaten verkauft. Der Angriff nutzt die allt\u00e4glichste Schwachstelle der Menschheit: die Annahme, dass schon nichts passieren wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hersteller haben das System so konstruiert, dass es&nbsp;<em>einfach<\/em>&nbsp;ist. Einfach f\u00fcr den H\u00e4ndler, der schnell mal eine R\u00fcckerstattung geben will. Einfach f\u00fcr den Angestellten, der nicht erst den Manager rufen will. Aber diese Einfachheit ist eine Falle. Die Clover-Terminals bieten zum Beispiel die M\u00f6glichkeit, R\u00fcckerstattungen zu deaktivieren oder nur mit Zwei-Faktor-Autorisierung freizugeben. Das steht in den Handb\u00fcchern. Aber es ist nicht der Standard. Der Standard ist: Alles darf, nichts muss&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.atinitonews.com\/2025\/07\/toronto-bia-warns-business-owners-of-point-of-sale-scam-after-thousands-of-dollars-in-thefts\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.alibaba.com\/product-insights\/clover-pos-system-security-features-explained.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Artie Jorgaqi, der Sohn des &#8222;Souvlaki Hut&#8220;-Besitzers, sagte sp\u00e4ter: &#8222;Wenn wir gewusst h\u00e4tten, dass wir einen Limit f\u00fcr R\u00fcckerstattungen einstellen m\u00fcssen, h\u00e4tten wir das gemacht. Aber das sollte eigentlich der Anbieter von Haus aus besser absichern. Vielleicht ein Limit, oder eine Zwei-Schritt-Best\u00e4tigung&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/saskatchewanstandard.com\/canadian\/newsrefund-fraud-scammers-exploit-point-of-sale-systems65902\/523877\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/vancouver.ctvnews.ca\/toronto\/article\/it-was-a-shock-toronto-business-owner-says-customer-used-point-of-sale-terminal-to-issue-himself-2000-refund\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ist er wieder, der ewige Konflikt zwischen Usability und Sicherheit. Der Hersteller will, dass sein Ger\u00e4t sich leicht bedienen l\u00e4sst, sonst kauft es keiner. Der H\u00e4ndler will, dass es funktioniert, sonst wird der Kunde ungeduldig. Und der Dieb will nur eines: den Moment, in dem beide nicht aufpassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Ende \u2013 Triumph der Dreistigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was wurde aus den Betroffenen? Shiro Maruo von &#8222;NaNa Florist&#8220; hatte Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck. Er bemerkte den Betrug schnell, rief sofort bei Clover, seiner Bank und der Polizei an. Die 2.000 Dollar wurden eingefroren, bevor der T\u00e4ter sie abheben konnte. Clover k\u00fcndigte an, das Geld zu erstatten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.atinitonews.com\/2025\/07\/toronto-bia-warns-business-owners-of-point-of-sale-scam-after-thousands-of-dollars-in-thefts\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Barbara Deangelis von &#8222;Pippins Tea Company&#8220; bekam ihr Geld von Moneris zur\u00fcck. Die Firma betonte zwar, dass ihre Ger\u00e4te keinen &#8222;Standard-R\u00fcckerstattungscode&#8220; h\u00e4tten, und verwies auf die Pflicht der H\u00e4ndler, die Ger\u00e4te wie Bargeld zu behandeln \u2013 also sicher und unzug\u00e4nglich aufzubewahren&nbsp;<a href=\"https:\/\/saskatchewanstandard.com\/canadian\/newsrefund-fraud-scammers-exploit-point-of-sale-systems65902\/523877\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/vancouver.ctvnews.ca\/toronto\/article\/it-was-a-shock-toronto-business-owner-says-customer-used-point-of-sale-terminal-to-issue-himself-2000-refund\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber nicht jeder hat dieses Gl\u00fcck. Vincent Kang, Franchise-Direktor von &#8222;Halibut House Fish and Chips&#8220;, berichtete, dass vier ihrer 43 Filialen in kurzer Zeit bestohlen wurden. Gesamtschaden: etwa 6.000 Dollar, plus 3.000 Dollar f\u00fcr die gestohlenen oder ausgetauschten Terminals&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.atinitonews.com\/2025\/07\/toronto-bia-warns-business-owners-of-point-of-sale-scam-after-thousands-of-dollars-in-thefts\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. F\u00fcr eine kleine Ladenkette ist das ein Schlag. F\u00fcr einen einzelnen Blumenladen w\u00e4re es die Existenzgef\u00e4hrdung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Toronto Police warnt mittlerweile fl\u00e4chendeckend. Ihre Empfehlungen klingen, als k\u00e4men sie aus einem Sicherheitskurs f\u00fcr Anf\u00e4nger: Terminals au\u00dferhalb der Reichweite von Kunden aufbewahren, Passw\u00f6rter regelm\u00e4\u00dfig \u00e4ndern, Ger\u00e4te nie unbeaufsichtigt lassen&nbsp;<a href=\"https:\/\/occn.ca\/toronto-east-end-pos-terminal-scam-warning\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/vancouver.ctvnews.ca\/toronto\/article\/it-was-a-shock-toronto-business-owner-says-customer-used-point-of-sale-terminal-to-issue-himself-2000-refund\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Deputy Mayor Mike Colle ging sogar von T\u00fcr zu T\u00fcr, klebte Aufkleber in die Fenster, um Diebe abzuschrecken: &#8222;Hier wurde das Terminal gesichert&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/vancouver.ctvnews.ca\/toronto\/article\/it-was-a-shock-toronto-business-owner-says-customer-used-point-of-sale-terminal-to-issue-himself-2000-refund\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Ein Ehrenmann. Aber auch ein Armutszeugnis f\u00fcr eine Industrie, die ihre Kunden mit unsicheren Ger\u00e4ten allein l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Epilog \u2013 Was bleibt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es bleibt ein Gef\u00fchl der Wut. Nicht auf die Diebe \u2013 die wird es immer geben. Sondern auf diese seltsame Mischung aus Gleichg\u00fcltigkeit und Verantwortungsdiffusion, die unsere technisierte Welt so anf\u00e4llig macht. Die Hersteller sagen: &#8222;Der H\u00e4ndler muss das Passwort \u00e4ndern.&#8220; Der H\u00e4ndler sagt: &#8222;Das wusste ich nicht.&#8220; Der Experte sagt: &#8222;Das Ger\u00e4t h\u00e4tte nie mit einem Standardpasswort ausgeliefert werden d\u00fcrfen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Claudiu Popa brachte es in einem Interview auf den Punkt: &#8222;Wenn die Hersteller die Ger\u00e4te ausliefern, sollten sie bereits gesichert sein. Die R\u00fcckerstattungsfunktion sollte deaktiviert sein, bis der H\u00e4ndler sie bewusst freischaltet. Stattdessen m\u00fcssen wir jetzt die H\u00e4ndler erziehen, die einfach nur ihren Job machen wollen&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.atinitonews.com\/2025\/07\/toronto-bia-warns-business-owners-of-point-of-sale-scam-after-thousands-of-dollars-in-thefts\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau da sitzt der Frust. Es ist wie bei so vielen Dingen heute: Die Verantwortung wird nach unten delegiert, bis sie beim Letzten in der Kette h\u00e4ngen bleibt \u2013 beim kleinen Ladenbesitzer, der keine Ahnung von IT-Sicherheit hat, der einfach nur Blumen verkaufen oder Souvlaki braten will. Der muss jetzt nicht nur wissen, wie man Steuern berechnet und Mitarbeiter f\u00fchrt, sondern auch, wie man die Firmware eines Zahlungsterminals updated und Zwei-Faktor-Authentifizierung einrichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Toronto-Refund-Scam ist ein Lehrst\u00fcck in schlichter Techniksoziologie. Er zeigt, dass die gr\u00f6\u00dfte Gefahr nicht in der Komplexit\u00e4t der Systeme liegt, sondern in der Annahme, dass andere schon f\u00fcr uns denken. Tun sie nicht. Die Hersteller denken an ihren Umsatz. Die Diebe denken an ihre Beute. Und der Blumenh\u00e4ndler? Der denkt jetzt zweimal nach, bevor er sein Terminal aus der Hand gibt. Oder er stellt es gleich ganz weg. Vielleicht ist Bargeld doch nicht so veraltet. Das l\u00e4sst sich wenigstens nicht mit einem Standardpasswort klauen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prolog \u2013 Die Szene Toronto, Juni 2025. Ein kleiner Imbiss namens &#8222;Souvlaki Hut&#8220; im Stadtteil The Beaches. Es riecht nach Grillfleisch und Zwiebeln. Die Besitzerin steht an der Fritteuse, ihr Sohn Artie wischt gerade einen Tisch ab. Ein Mann betritt den Laden, bestellt freundlich, macht Smalltalk. 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