{"id":847,"date":"2026-03-04T10:09:24","date_gmt":"2026-03-04T09:09:24","guid":{"rendered":"https:\/\/iobseu-xejul.wordpress.com\/?p=847"},"modified":"2026-03-04T10:09:24","modified_gmt":"2026-03-04T09:09:24","slug":"das-fraulein-vom-amt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/das-fraulein-vom-amt\/","title":{"rendered":"Das Fr\u00e4ulein vom Amt"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hallo, du s\u00fc\u00dfe Klingelfee \u2013 Vom Sterben einer Stimme<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bern, 1916. Eine Telefonzentrale im Fernamt.<\/strong>&nbsp;Der Raum ist hoch, die Fenster sind geschlossen, damit der L\u00e4rm der Stra\u00dfe drau\u00dfen bleibt. Aber drinnen ist es nie still. Ein leises, stetiges Klickern und Surren erf\u00fcllt die Luft, vermischt mit dem Fl\u00fcstern von Frauenstimmen. Vor einer der gro\u00dfen, schwarzen Kl\u00f6tze, den Vermittlungspulten, sitzt Fr\u00e4ulein Borter. Sie tr\u00e4gt ein gest\u00e4rktes Kleid, die Haare sind streng nach hinten gesteckt. Vor ihr erstreckt sich ein Feld aus gl\u00e4nzenden Messingbuchsen, ein Labyrinth aus tausend L\u00f6chern, jedes der Eingang in eine andere Wohnung, eine andere Firma, ein anderes Leben. In jeder Hand h\u00e4lt sie einen St\u00f6psel, der an einem d\u00fcnnen Kabel baumelt. Sie spricht leise ins Brustmikrofon, w\u00e4hrend ihre H\u00e4nde wie von selbst \u00fcber das Pult fliegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Schnelldienst, Bern. Welche Nummer, bitte?&#8220; Ein St\u00f6psel verschwindet in einer Buchse. Ein L\u00e4mpchen erlischt. Ein Gespr\u00e4ch beginnt. Zehn Sekunden sp\u00e4ter, der n\u00e4chste Anruf. &#8222;Fernamt, Bern. Einen Moment, ich verbinde sie mit Biel.&#8220; Ihre H\u00e4nde greifen ein anderes Kabel, stecken es in ein anderes Loch. Dabei h\u00f6rt sie bereits den n\u00e4chsten Ruf, sieht das n\u00e4chste L\u00e4mpchen aufblinken. Unter ihrem Pult tritt sie unerm\u00fcdlich Pedale, um die Verbindungen zu stabilisieren. Sie wirkt wie eine Organistin in einer Kathedrale der Moderne, nur dass ihre Musik aus tausend gleichzeitigen Gespr\u00e4chen besteht. Die wenigsten Anrufer wissen, dass zwischen ihnen und ihrem Gegen\u00fcber nicht nur ein Draht lag, sondern ein Mensch. Eine junge Frau mit einem schwarzen Stirnband, die um 1916 mehrere Minuten brauchte, um ein Gespr\u00e4ch von Biel in den Berner Jura zu vermitteln. Und die genau in diesem Moment dachte: &#8222;Hoffentlich ist das heute nicht der Bestatter, der schon wieder seinen Konkurrenten erreichen will.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Mensch war die Telefonistin. Und ihre Geschichte ist eine von stiller Professionalit\u00e4t, unsichtbaren Nervenkost\u00fcmen und einem Ende, das ein amerikanischer Bestatter eingel\u00e4utet hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Mensch hinter der Buchse<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihren Namen kennen wir meist nicht. In den Archiven der Post- und Fernmeldeverwaltungen, die heute im Schweizerischen PTT-Archiv oder dem Museum f\u00fcr Kommunikation in Bern lagern, stapeln sich die Personalakten. Liest man sie, entsteht das Bild eines eigenen, weiblichen Kosmos. Die Telefonistin war fast immer jung, fast immer unverheiratet, fast immer \u00fcberdurchschnittlich gebildet f\u00fcr ihre Zeit&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Telefonistin_(Schweiz)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Anforderungen, die in den Stelleninseraten um 1900 standen, waren hoch. In den Aufnahmepr\u00fcfungen, von denen ich in den Personalakten im Bundesarchiv las, wurden nicht nur tadelloses Deutsch, sondern auch Kenntnisse in einer zweiten Landessprache und oft Englisch verlangt. Dazu kamen mathematische F\u00e4higkeiten, um die komplizierten, entfernungsabh\u00e4ngigen Gespr\u00e4chsgeb\u00fchren im Kopf zu berechnen. Vor allem aber brauchte es ein fotografisches Ged\u00e4chtnis f\u00fcr Geografie. Die Telefonnummern waren nicht nach Namen sortiert, sondern nach Ortschaften und Regionen. Wenn jemand in Bern den B\u00e4cker in Thun verlangte, musste Fr\u00e4ulein Borter nicht nur wissen, wo Thun lag, sondern auch, welcher Strang im gro\u00dfen B\u00fcndel hinter ihrem Pult nach Thun f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Telefon\u00e4mter erkundigten sich diskret beim Pfarrer oder Posthalter des Heimatdorfes nach dem Leumund der Bewerberin. Man suchte keine Intellektuellen, man suchte verl\u00e4ssliche, belastbare und vor allem diskrete junge Frauen. Einmal eingestellt, durchliefen sie eine einj\u00e4hrige Lehrzeit \u2013 ein Privileg, denn die &#8222;Lehrt\u00f6chter&#8220; erhielten bereits einen kleinen Lohn. Sie b\u00fcffelten ellenlange Dienstvorschriften (das Wort &#8222;Hallo&#8220; war strengstens verboten), \u00fcbten das melodische Wiederholen der Nummern und sa\u00dfen stundenweise neben einer erfahrenen Kollegin, bis die Abl\u00e4ufe in Fleisch und Blut \u00fcbergingen&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Benutzer:Mirwie\/Telefonistin\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Problem \u2013 Die wachsende Sintflut<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem war simpel: Es gab zu viele von uns. Das Telefonnetz wuchs exponentiell. Was um 1880 mit ein paar hundert Abonnenten in den gro\u00dfen St\u00e4dten begann, war um 1920 eine Sintflut. In einer Gro\u00dfstadtzentrale wie jener in der Berliner K\u00f6rnerstra\u00dfe, von der ein Foto im Archiv der Siemens-Stiftung existiert, sa\u00dfen Dutzende Frauen aneinandergereiht, jede f\u00fcr hunderte, teils tausende Leitungen zust\u00e4ndig&nbsp;<a href=\"https:\/\/lernarchiv.bildung.hessen.de\/anbieter\/siemens\/informatik\/siemensstiftung_102527\/siemensstiftung_102543.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die psychische und physische Belastung war enorm. In den Sto\u00dfzeiten musste eine Telefonistin bis zu 300 Gespr\u00e4che pro Stunde vermitteln. Dreihundert Mal den richtigen St\u00f6psel im Bruchteil einer Sekunde finden, dreihundert Mal freundlich sein, dreihundert Mal zuh\u00f6ren, dreihundert Mal den n\u00e4chsten Ruf annehmen, w\u00e4hrend das vorherige Gespr\u00e4ch noch nicht beendet war. Ein st\u00e4ndiges &#8222;Pardon, habe ich Sie unterbrochen?&#8220; geh\u00f6rte zum Alltag. In der zeitgen\u00f6ssischen Fachliteratur, etwa den VDI-Nachrichten der 20er-Jahre, wird immer wieder von &#8222;Telefonistinnenkrankheiten&#8220; berichtet \u2013 Nervenzusammenbr\u00fcche, Magengeschw\u00fcre, Taubheitsgef\u00fchle in den Fingern. Viele hielten nur wenige Jahre durch&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Benutzer:Mirwie\/Telefonistin\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kam die Nachtarbeit. W\u00e4hrend die Stadt schlief, sa\u00dfen ein oder zwei Frauen allein in der Zentrale und bewachten das Netz. Sie waren es, die die Weckrufe f\u00fcr die Fr\u00fchschicht in der Fabrik ausl\u00f6sten. Sie waren es vor allem, die die Notrufe entgegennahmen. Wenn es brannte, wenn ein Kind krank wurde, wenn ein Verbrechen geschah \u2013 die erste Stimme, die ein verzweifelter Mensch in der Dunkelheit h\u00f6rte, war die einer Telefonistin. Sie trug eine Verantwortung, die in keinem Dienstplan stand&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Telefonistin_(Schweiz)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Bau \u2013 Anatomie einer Schaltzentrale<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schauen wir uns diesen Arbeitsplatz genauer an. Das Herzst\u00fcck war das Klappenschrankpult. Eine senkrechte Wand aus schwarzem Hartgummi oder poliertem Holz, in die hunderte kleine, runde Metallbuchsen eingelassen waren. Jede Buchse war der Endpunkt einer Teilnehmerleitung. Dar\u00fcber befand sich ein ebenso kleines L\u00e4mpchen und eine Klappe mit einer Nummer. Nahm jemand den H\u00f6rer ab, fiel die Klappe mit einem h\u00f6rbaren &#8222;Klick&#8220; herunter, und das L\u00e4mpchen leuchtete auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Klappenfeld lag die horizontale Arbeitsfl\u00e4che, best\u00fcckt mit Dutzenden von Schnurpaaren \u2013 den &#8222;St\u00f6pseln&#8220;. Die St\u00f6psel waren konisch geformt und an einem flexiblen, geflochtenen Kabel befestigt. Der Ablauf: L\u00e4mpchen leuchtet, Klappe f\u00e4llt. Die Telefonistin steckt den Schnur-St\u00f6psel in die zugeh\u00f6rige Buchse. Ein Schalter unter ihrem Pult (oft mit dem Fu\u00df bet\u00e4tigt) verbindet sie mit dem Anrufer. &#8222;Hier Amt, was beliebt?&#8220; Der Anrufer nennt die Nummer. Die Telefonistin greift zum zweiten St\u00f6psel desselben Schnurpaares und sucht die Buchse des gew\u00fcnschten Teilnehmers. Bevor sie einsteckt, pr\u00fcft sie mit einer Taste, ob die Leitung frei ist (kein Besetztzeichen). Ist sie frei, steckt sie den zweiten St\u00f6psel ein. Klingelstrom wird ausgel\u00f6st, der andere Apparat schellt. Sobald der Teilnehmer abhebt, erlischt ein weiteres L\u00e4mpchen, die Telefonistin schaltet sich mit einem Fu\u00dftritt aus der Leitung, und das Gespr\u00e4ch kann beginnen. Ein drittes L\u00e4mpchen signalisiert ihr sp\u00e4ter das Ende des Gespr\u00e4chs, sie zieht beide St\u00f6psel, und die Leitung ist wieder frei&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Telefonistin_(Schweiz)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Benutzer:Mirwie\/Telefonistin\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das klingt simpel. Aber stellen Sie sich vor, Sie haben drei, vier, f\u00fcnf solcher Gespr\u00e4che gleichzeitig in der Vermittlung, alle in unterschiedlichen Phasen. Sie m\u00fcssen im Kopf behalten, welches Gespr\u00e4ch gerade beginnt, welches endet. Sie m\u00fcssen in einer st\u00e4dtischen Zentrale mit Tausenden von Buchsen den richtigen Anschluss in Sekundenbruchteilen finden. Die M\u00e4dchen vom Amt entwickelten daf\u00fcr ein fast mythisches r\u00e4umliches Ged\u00e4chtnis und eine Handfertigkeit, die Klavierspielern alle Ehre gemacht h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Herzst\u00fcck \u2013 Der St\u00f6psel, der einen Bestatter ruinierte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und doch, so pr\u00e4zise dieses System war, es hatte eine Schwachstelle: die Vermittlerin war nur ein Mensch. Sie konnte Fehler machen, sie konnte jemanden vergessen \u2013 und sie konnte, so der Verdacht, absichtlich die falsche Verbindung stecken. Genau hier setzt die Legende von Almon Brown Strowger an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Strowger war Bestatter in Kansas City. Um 1890 bemerkte er, dass sein Gesch\u00e4ft merkw\u00fcrdig schlecht lief. Immer wenn jemand starb und telefonisch einen Besteller suchte, landete der Auftrag angeblich bei seinem Konkurrenten. Strowger war \u00fcberzeugt, dass die Telefonistinnen am Ort, vielleicht die Frau seines Rivalen oder einfach nur bestechlich, die Anrufe bewusst falsch verbanden. Ob das stimmt, ist nicht \u00fcberliefert. Aber Strowger handelte. Als T\u00fcftler und Erfinder begann er, an einer Maschine zu arbeiten, die die Telefonistin \u00fcberfl\u00fcssig machen sollte. Eine Maschine, die nicht neidisch war, nicht m\u00fcde und nicht bestechlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner Werkstatt, so erz\u00e4hlt man sich, nahm er eine runde Kragenschachtel, ein paar Bleistifte \u2013 oder, wie eine andere Version des im Museum f\u00fcr Kommunikation in Bern aufbewahrten Patents besagt, Stricknadeln \u2013 und begann zu konstruieren. Das Prinzip war genial einfach: Ein beweglicher Kontaktarm (der &#8222;W\u00e4hler&#8220;) sollte \u00fcber eine von Impulsen gesteuerte Mechanik auf einer runden Anordnung von Kontakten die gew\u00fcnschte Nummer selbst finden. Der Anrufer musste dazu nur eine Taste dr\u00fccken, sp\u00e4ter eine Scheibe drehen, um die n\u00f6tigen Impulse zu senden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mfk.ch\/austauschen\/blog\/wie-die-waehlscheibe-aufs-telefon-kam-oder-die-telefonzentralen-des-museums-fuer-kommunikation?tx_pwcomments_new%5baction%5d=new&amp;tx_pwcomments_new%5bcommentToReplyTo%5d=196&amp;tx_pwcomments_new%5bcontroller%5d=Comment\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 10. M\u00e4rz 1891 erhielt Strowger das US-Patent Nr. 447.918 f\u00fcr ein &#8222;automatic telephone exchange&#8220;. Sein Hebdrehw\u00e4hler, wie die Technik sp\u00e4ter genannt wurde, war geboren. Es war der Anfang vom Ende des &#8222;Fr\u00e4uleins vom Amt&#8220;. Strowger hatte aus Wut und Gesch\u00e4ftssinn nicht weniger erfunden als die erste praktikable Automatisierung eines menschlichen Dienstleistungsberufs. Die Maschine, die den Menschen ersetzte, war ein Kind menschlichen Misstrauens.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Ende \u2013 Das letzte Klick<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch so schnell, wie Strowger es sich erhofft haben mochte, ging es nicht. Die ersten automatischen Zentralen wurden ab den 1910er-Jahren installiert, in der Schweiz zum Beispiel ab 1923 in Lausanne. Sie waren teuer und komplex. Auf dem Land, wo die Telefonistin oft noch den Posthalter spielte und nicht ausgelastet war, rechneten sie sich schneller. In den St\u00e4dten dauerte es.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Telefonistinnen verschwanden nicht \u00fcber Nacht. Sie wurden umgeschult, \u00fcbernahmen neue Aufgaben. Sie vermittelten nun die Auslandsgespr\u00e4che, die zu komplex f\u00fcr die Automatik waren. Sie sa\u00dfen an den Auskunftspl\u00e4tzen. Sie blieben die menschliche Schnittstelle, wenn die Maschine versagte. Die Schweizer PTT war sogar weltweit f\u00fchrend mit ihren modernen digitalen Handvermittlungspl\u00e4tzen noch in den 80er- und 90er-Jahren, wo hunderte von Beamtinnen in Z\u00fcrich und Genf einen sekretariats\u00e4hnlichen Service f\u00fcr Diplomatie und Industrie anboten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mfk.ch\/austauschen\/blog\/wie-die-waehlscheibe-aufs-telefon-kam-oder-die-telefonzentralen-des-museums-fuer-kommunikation?tx_pwcomments_new%5baction%5d=new&amp;tx_pwcomments_new%5bcommentToReplyTo%5d=196&amp;tx_pwcomments_new%5bcontroller%5d=Comment\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Ein letztes Aufb\u00e4umen vor der finalen Digitalisierung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch 1959 war es in der Schweiz so weit: Die letzte manuelle Zentrale wurde auf automatischen Betrieb umgestellt. Die Schweiz war eines der ersten L\u00e4nder mit einem vollst\u00e4ndig automatisierten Telefonnetz. Ein Triumph der Technik. Eine Pioniertat, wie die PTT stolz verk\u00fcndete.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Epilog \u2013 Was bleibt?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bleibt, ist das Ger\u00e4usch. Das Klicken der Klappen, das Surren der ersten W\u00e4hler, das ged\u00e4mpfte Stimmengewirr in den hellh\u00f6rigen Zentralen. Und es bleibt die ambivalente Erinnerung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das &#8222;Fr\u00e4ulein vom Amt&#8220; war eine der ersten gro\u00dfen Berufsgruppen, die von der Automatisierung verdr\u00e4ngt wurden. Strowgers Erfindung war effizienter, billiger und \u2013 zumindest technisch \u2013 fehlerfreier. Aber sie war auch anonymer. Der Bestatter hatte sein Misstrauen in die Maschine gegossen, aber was er bekam, war eine Welt ohne die &#8222;Klingelfee&#8220;, von der Robert Stolz 1919 so sehns\u00fcchtig sang. Eine Welt, in der niemand mehr die vertraute Stimme hatte, die man in der Einsamkeit der Nacht erreichen konnte. Das Gespr\u00e4chsgeheimnis war gewahrt \u2013 niemand lauschte mehr, offiziell \u2013, aber auch die menschliche W\u00e4rme, das kleine &#8222;Einen sch\u00f6nen Gru\u00df ausrichten, soll ich?&#8220;, war verschwunden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mfk.ch\/austauschen\/blog\/wie-die-waehlscheibe-aufs-telefon-kam-oder-die-telefonzentralen-des-museums-fuer-kommunikation?tx_pwcomments_new%5baction%5d=new&amp;tx_pwcomments_new%5bcommentToReplyTo%5d=196&amp;tx_pwcomments_new%5bcontroller%5d=Comment\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute, wo wir mit unseren Smartphones in der Hand durch die Welt laufen und keiner menschlichen Stimme mehr bed\u00fcrfen, um eine Verbindung herzustellen, sollten wir uns manchmal an Fr\u00e4ulein Borter erinnern. An ihre ruhigen H\u00e4nde, die aus einem Meer von L\u00f6chern den richtigen Weg fanden. An ihre Geduld mit ungeduldigen Anrufern. An ihre Verantwortung in der Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Technik hat gesiegt. Die Maschine ist schneller. Aber die Geschichten, die sie h\u00f6rte, die Geheimnisse, die sie bewahrte, die Einsamkeit, die sie f\u00fcr einen Moment vertrieb \u2013 das hat sie mitgenommen, als sie zum letzten Mal den St\u00f6psel zog. Und manchmal, wenn die automatische Ansage mich im Kreis schickt, w\u00fcnsche ich sie mir zur\u00fcck. Die eine, echte Stimme, die sagt: &#8222;Einen Moment, ich verbinde Sie.&#8220;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, du s\u00fc\u00dfe Klingelfee \u2013 Vom Sterben einer Stimme Bern, 1916. Eine Telefonzentrale im Fernamt.&nbsp;Der Raum ist hoch, die Fenster sind geschlossen, damit der L\u00e4rm der Stra\u00dfe drau\u00dfen bleibt. Aber drinnen ist es nie still. Ein leises, stetiges Klickern und Surren erf\u00fcllt die Luft, vermischt mit dem Fl\u00fcstern von Frauenstimmen. 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