{"id":854,"date":"2026-03-04T10:09:23","date_gmt":"2026-03-04T09:09:23","guid":{"rendered":"https:\/\/iobseu-xejul.wordpress.com\/?p=854"},"modified":"2026-03-04T10:09:23","modified_gmt":"2026-03-04T09:09:23","slug":"der-funke-der-das-netz-entzundete-wie-marc-andreessen-und-der-ncsa-mosaic-die-welt-fur-immer-veranderten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-funke-der-das-netz-entzundete-wie-marc-andreessen-und-der-ncsa-mosaic-die-welt-fur-immer-veranderten\/","title":{"rendered":"Der Funke, der das Netz entz\u00fcndete: Wie Marc Andreessen und der NCSA Mosaic die Welt f\u00fcr immer ver\u00e4nderten"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Urbana-Champaign, Illinois, Herbst 1992.<\/strong>&nbsp;Drau\u00dfen weht der Wind \u00fcber die endlosen Maisfelder des Mittleren Westens. Drinnen, in einem stickigen Computerlabor der University of Illinois, riecht es nach verbrannter Elektronik, kalter Pizza und dem besonderen Ozon-Geruch, den Dutzende von Monitoren verstr\u00f6men, wenn sie Tag und Nacht laufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein 21-j\u00e4hriger Student namens Marc Andreessen sitzt vor einer Unix-Workstation. Eigentlich ist er nur zum Job da, tippt Code f\u00fcr 6,85 Dollar die Stunde, um sein Studium zu finanzieren. Aber in Wirklichkeit ist er l\u00e4ngst woanders. Zusammen mit seinem Kollegen Eric Bina, einem stillen Genie, das lieber codet als redet, bastelt er an einer Idee, die so verr\u00fcckt ist, dass sie nur hier in der abgeschotteten Welt des&nbsp;<strong>National Center for Supercomputing Applications (NCSA)<\/strong>&nbsp;entstehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee? Das Internet, damals noch eine staubige Ansammlung von Texten und Servern, die man mit kryptischen Befehlen durchforsten musste, sollte bunt werden. Es sollte Bilder zeigen. Es sollte sich anf\u00fchlen wie ein Buch, das man durchbl\u00e4ttert, nicht wie ein Terminal, das man befehligt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was in diesen N\u00e4chten am NCSA entsteht, wird kein simples Programm sein. Es wird ein&nbsp;<strong>Z\u00fcndfunke sein, der eine Kettenreaktion ausl\u00f6st, die wir bis heute sp\u00fcren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Der Prolog \u2013 Die Geburt des Mosaiks aus dem Geist der Ungeduld<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stell dir vor, du willst ins Internet, so um 1992. Du tippst etwas ein, es erscheint Text. Du willst ein Bild sehen? Pech. Das Bild \u00f6ffnet sich in einem separaten Fenster, falls \u00fcberhaupt. Du willst zu einer anderen Seite? Du musst die kryptische Adresse auswendig kennen und m\u00fchsam eintippen. Es gab kein \u201eZur\u00fcck\u201c, kein \u201eVor\u201c, keine Lesezeichen. Es war, als m\u00fcsstest du dir den Weg durch eine riesige, graue Bibliothek nur anhand von Zahlen auf Zetteln merken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tim Berners-Lee hatte zwar am CERN das World Wide Web erfunden \u2013 die Idee, Dokumente \u00fcber Links miteinander zu verbinden \u2013, aber die Werkzeuge, um es zu benutzen, waren primitiv. Sie waren f\u00fcr Wissenschaftler gemacht, nicht f\u00fcr Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreessen, der sich als Kind BASIC beigebracht hatte, um eigene Spiele zu programmieren, und der sp\u00e4ter in Iowa aufwuchs, hasste diese Umst\u00e4ndlichkeit. Er war nicht der geduldige Theoretiker. Er war der Typ, der etwas baute, weil es ihn st\u00f6rte, dass es nicht da war. Am NCSA hatte er die Ressourcen: hochmoderne Rechner, eine schnelle Internetanbindung und vor allem: Freiraum.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Akten des NCSA, die heute im Universit\u00e4tsarchiv von Illinois liegen, findet sich kein Auftrag f\u00fcr ein neues Browser-Konzept. Es gab keinen Projektplan, kein Budget. Wie Andreessen sp\u00e4ter in einem Interview sagte: \u201eDie meisten interessanten Dinge dort sind passiert, weil ein oder zwei Leute dachten, etwas sei interessant \u2013 und dann machten sie es einfach.\u201c&nbsp;<a href=\"http:\/\/trstest.kepu.cn\/gb\/technology\/telecom\/network\/net768.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also machten sie es. Andreessen und Bina verbarrikadierten sich quasi f\u00fcr zwei Monate. Sie programmierten wie besessen. Bina k\u00fcmmerte sich um die Darstellung der Grafiken, Andreessen um das Gesamtkonzept und die Bedienung. Das Ziel war simpel und revolution\u00e4r zugleich:&nbsp;<strong>Eine Oberfl\u00e4che, die so einfach ist, dass meine Mutter sie benutzen kann.<\/strong>&nbsp;Punkt. Klick. Bild. Fertig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Der Mensch \u2013 Der Student und sein Team<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marc Andreessen war zu dieser Zeit kein erfahrener Ingenieur. Er war ein Student mit einer gl\u00fchenden Neugier und dem Selbstbewusstsein der Jugend. Er war der Frontmann, der Vision\u00e4r, der die Richtung vorgab. Aber hinter ihm stand ein Team von Gleichgesinnten, die das Handwerk erledigten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da war&nbsp;<strong>Eric Bina<\/strong>, der die erste Version des Browsers ma\u00dfgeblich mitschrieb \u2013 ein Code-Gourmet, f\u00fcr den Effizienz und Eleganz keine Fremdw\u00f6rter waren.&nbsp;<strong>Aleks Totic<\/strong>&nbsp;k\u00fcmmerte sich um den Macintosh,&nbsp;<strong>Jon Mittelhauser<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Chris Wilson<\/strong>&nbsp;portierten das Ganze nach Microsoft Windows \u2013 eine Herkulesaufgabe, denn die Plattformen waren v\u00f6llig verschieden.&nbsp;<strong>Rob McCool<\/strong>&nbsp;k\u00fcmmerte sich um die Server-Seite, die HTTP-Entwicklung, damit der Browser auch wusste, wie er mit den Daten umgehen musste. Und dann war da noch&nbsp;<strong>Chris Houck<\/strong>, dessen offizielle Aufgabe unklar war, der aber, wie er sp\u00e4ter trocken bemerkte, \u201ealle bei Laune hielt mit n\u00e4chtlichen Kaffee- und Bierhol-Touren\u201c.&nbsp;<a href=\"https:\/\/cs.stanford.edu\/people\/eroberts\/courses\/soco\/projects\/internet\/netscape.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie waren jung, unterbezahlt und \u00fcberarbeitet. Aber sie waren Teil von etwas. Sie erfanden das Rad nicht neu, sie gaben ihm Gummireifen, eine Klingel und eine hellrote Lackierung. Sie machten aus einem Werkzeug ein Erlebnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Name des Kindes? Mosaic. Er entstand in einer Brainstorming-Runde und sollte symbolisieren, dass das Web ein einziges Bild ist, zusammengesetzt aus vielen Teilen \u2013 verschiedenen Protokollen, verschiedenen Plattformen, Text und Grafik.&nbsp;<a href=\"https:\/\/cs.stanford.edu\/people\/eroberts\/courses\/soco\/projects\/internet\/netscape.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Das Problem \u2013 Warum die Welt kein graues Terminal wollte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das technische Problem war eigentlich ein menschliches. Die existierenden Browser wie&nbsp;<strong>Lynx<\/strong>&nbsp;waren textbasiert. Sie funktionierten hervorragend, wenn man nur Informationen wollte. Aber sie konnten nicht begeistern. Sie konnten keine Geschichten erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem war die Trennung von Text und Bild. In der damaligen Vorstellung war das eine ein Dokument, das andere eine Grafikdatei. Wer beides zusammen sehen wollte, musste zwei Programme starten. Das war, als m\u00fcsste man f\u00fcr jedes Kapitel eines Buches einen eigenen Belegschein ausf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gro\u00dfe H\u00fcrde war, dem Computer beizubringen, dass er ein Bild nicht als separate Datei, sondern als Teil einer Seite behandeln sollte. Dass er es dort anzeigen musste, wo der Text eine L\u00fccke lie\u00df. Dass der Nutzer mit einem Klick auf das Bild irgendwohin springen konnte. Das klingt heute trivial. 1992 war es eine wilde Idee.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kam: Das Internet wuchs explosionsartig, aber es war unsichtbar. Nur Eingeweihte fanden den Zugang. Die eigentliche Aufgabe war nicht, eine neue Technik zu erfinden, sondern eine bestehende zu verkleiden.&nbsp;<strong>Eine Mensch-Maschine-Schnittstelle zu bauen, die keine Angst machte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Der Bau \u2013 Wie man eine Lawine lostritt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Code, den Andreessen und Bina schrieben, war f\u00fcr Unix-Systeme. Im Januar 1993 war eine erste Version fertig. Und dann taten sie etwas, das die Regeln des Spiels f\u00fcr immer ver\u00e4ndern sollte: Sie verschenkten es. Das NCSA stellte Mosaic als Freeware ins Netz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die NCSA-Server, damals noch Rechner, die f\u00fcr Hochleistungsrechnen ausgelegt waren und nicht f\u00fcr Massen-Downloads, brachen am ersten Tag zusammen.&nbsp;<a href=\"https:\/\/cs.stanford.edu\/people\/eroberts\/courses\/soco\/projects\/internet\/netscape.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Die Nachfrage war so enorm, dass die Verantwortlichen fassungslos vor den abst\u00fcrzenden Maschinen standen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was war passiert? Mosaic war der erste Browser, der Text und Grafiken&nbsp;<strong>nahtlos auf einer Seite integrierte<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.foxnews.com\/tech\/ncsa-mosaic-the-first-real-web-browser-turns-20.print\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er hatte eine klare, einfache Oberfl\u00e4che mit&nbsp;<strong>Lesezeichen (Bookmarks)<\/strong>&nbsp;, einem&nbsp;<strong>\u201eZur\u00fcck\u201c-Button<\/strong>&nbsp;und einer&nbsp;<strong>\u201eHome\u201c-Taste<\/strong>. Man musste keine Befehle mehr lernen. Man klickte einfach auf unterstrichene W\u00f6rter \u2013 und landete auf einer neuen Seite.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Programmierer hatten zudem clevere Details eingebaut. Sie sorgten daf\u00fcr, dass der Browser auf allen g\u00e4ngigen Systemen gleich aussah und sich gleich anf\u00fchlte \u2013 ob auf dem Mac, dem PC oder der Unix-Workstation. Das schuf Vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Innerhalb weniger Monate wurden \u00fcber eine Million Kopien heruntergeladen&nbsp;<a href=\"https:\/\/cs.stanford.edu\/people\/eroberts\/courses\/soco\/projects\/internet\/netscape.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Ein Jahr zuvor hatte das Web kaum eine Rolle gespielt. Jetzt sch\u00e4tzte man das j\u00e4hrliche Wachstum des Web-Traffics auf unglaubliche&nbsp;<strong>342.000 Prozent<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/cs.stanford.edu\/people\/eroberts\/courses\/soco\/projects\/internet\/netscape.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Zahl der kommerziellen Websites stieg von 50 Anfang 1993 auf \u00fcber 10.000 Ende des Jahres. Mosaic war nicht nur ein Browser. Es war der&nbsp;<strong>T\u00fcr\u00f6ffner f\u00fcr das moderne Internet<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Das Herzst\u00fcck \u2013 Die eine Idee: Das Bild im Text<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was war der entscheidende Mechanismus? Es war nicht eine neue Formel, kein neu erfundenes Protokoll. Es war eine kleine, fast unscheinbare Entscheidung im Code: das&nbsp;<strong><code>&lt;IMG&gt;<\/code>-Tag<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist es selbstverst\u00e4ndlich, aber damals war es die Bombe. Das&nbsp;<code>&lt;IMG&gt;<\/code>-Tag (f\u00fcr Image) erlaubte es, ein Bild direkt in den Flie\u00dftext einzubetten, ohne dass ein externes Programm starten musste. Technisch gesehen war es eine simple Erweiterung von HTML, der Sprache, in der Webseiten geschrieben werden. Aber in seiner Wirkung war es eine kulturelle Revolution.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pl\u00f6tzlich konnte eine Zeitung eine Fotografie direkt neben dem Artikel zeigen. Ein Unternehmen konnte sein Logo auf die Seite setzen. Ein Hobby-Koch konnte ein Bild seines Kuchens unter das Rezept stellen. Das Web wurde bunt, lebendig und vor allem:&nbsp;<strong>intuitiv verst\u00e4ndlich<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vergleiche es mit dem Unterschied zwischen einem Telefonbuch (nur Text) und einer illustrierten Zeitschrift. Mosaic machte aus dem grauen Telefonbuch die erste Ausgabe der&nbsp;<strong>&#8222;National Geographic&#8220;<\/strong>&nbsp;des Internets. Das war das Geniale: nicht die Technik an sich, sondern die Entscheidung, die Technik dem Menschen dienlich zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Das Ende \u2013 Triumph, Trennung und die Geburt einer Legende<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch der Erfolg hatte seinen Preis. Die Leitung des NCSA war begeistert vom Ruhm, der auf das Zentrum fiel. Sie gaben Pressemitteilungen heraus, feierten den Erfolg. Aber sie verga\u00dfen dabei die jungen M\u00e4nner, die n\u00e4chtelang daf\u00fcr geb\u00fcffelt hatten. Die Studenten f\u00fchlten sich unterbezahlt, \u00fcberarbeitet und vor allem: nicht wertgesch\u00e4tzt&nbsp;<a href=\"https:\/\/cs.stanford.edu\/people\/eroberts\/courses\/soco\/projects\/internet\/netscape.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reibung wuchs. In diese brodelnde Stimmung hinein trat ein Mann, der die Zeichen der Zeit erkannte:&nbsp;<strong>Jim Clark<\/strong>. Clark hatte Silicon Graphics, ein Milliarden-Unternehmen, gegr\u00fcndet und verlassen und suchte nach einer neuen Idee. Ein Kollege zeigte ihm Mosaic. Clark war sofort infiziert. Er suchte die Adresse des jungen Studenten, kontaktierte Andreessen und traf ihn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Begegnung war wie ein Kurzschluss. Der erfahrene Unternehmer und der geniale, ungest\u00fcme Student verstanden sich sofort. Clark sagte den legend\u00e4ren Satz:&nbsp;<strong>\u201e\u00dcberleg dir, was wir tun k\u00f6nnten \u2013 ich finanziere es.\u201c<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/cs.stanford.edu\/people\/eroberts\/courses\/soco\/projects\/internet\/netscape.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Andreessen war das der Rettungsanker. Im April 1994 gr\u00fcndeten sie die&nbsp;<strong>Mosaic Communications Corporation<\/strong>. Andreessen schickte eine E-Mail an seine alten Kollegen: \u201eHier tut sich was. Haltet euch bereit.\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/cs.stanford.edu\/people\/eroberts\/courses\/soco\/projects\/internet\/netscape.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Der Kern des Mosaic-Teams verlie\u00df das NCSA und zog nach Kalifornien, um ein neues, besseres, schnelleres Programm zu schreiben \u2013 den&nbsp;<strong>\u201eMosaic-Killer\u201c<\/strong>, den sie intern&nbsp;<strong>\u201eMozilla\u201c<\/strong>&nbsp;tauften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Universit\u00e4t von Illinois war nicht begeistert. Sie hielt die Rechte am Namen \u201eMosaic\u201c und verklagte das junge Unternehmen. Im Vergleich zahlte Clark drei Millionen Dollar oder 50.000 Aktien an. Die Universit\u00e4t entschied sich f\u00fcr das Bargeld und verlor dadurch ein Verm\u00f6gen, als die Firma sp\u00e4ter an die B\u00f6rse ging&nbsp;<a href=\"https:\/\/cs.stanford.edu\/people\/eroberts\/courses\/soco\/projects\/internet\/netscape.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Firma nannte sich in&nbsp;<strong>Netscape Communications<\/strong>&nbsp;um und ihr Browser hie\u00df fortan&nbsp;<strong>Netscape Navigator<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Oktober 1994 erschien Navigator. Er war schneller, robuster und sicherer als Mosaic. Er eroberte innerhalb k\u00fcrzester Zeit \u00fcber 70 Prozent des Marktes&nbsp;<a href=\"https:\/\/cs.stanford.edu\/people\/eroberts\/courses\/soco\/projects\/internet\/netscape.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Am&nbsp;<strong>9. August 1995<\/strong>&nbsp;ging Netscape an die B\u00f6rse. Es war der spektakul\u00e4rste B\u00f6rsengang des Jahrzehnts. Die Aktie schoss in die H\u00f6he, \u00fcber Nacht wurden die Gr\u00fcnder zu Million\u00e4ren. Marc Andreessen, gerade mal 24 Jahre alt, stand auf dem Cover des Time Magazine&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.computinghistory.org.uk\/det\/1789\/Marc-Andreessen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Student, der ein Jahr zuvor noch f\u00fcr 6,85 Dollar Code getippt hatte, war jetzt das Gesicht des digitalen Zeitalters.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7. Der Epilog \u2013 Was bleibt vom Funken?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte von Netscape endete bekanntlich tragisch. Microsoft erkannte die Bedrohung, entwickelte den Internet Explorer und nutzte sein Monopol bei Betriebssystemen, um den Konkurrenten zu erdr\u00fccken. In einem erbitterten Krieg, der als erster Browserkrieg in die Geschichte einging, verlor Netscape fast seinen gesamten Marktanteil&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/money\/Netscape-Communications-Corp\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das ist nur die halbe Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Quellcode von Netscape wurde 1998 unter dem Namen&nbsp;<strong>Mozilla<\/strong>&nbsp;der \u00d6ffentlichkeit freigegeben \u2013 eine der gr\u00f6\u00dften und folgenreichsten Open-Source-Aktionen der Geschichte. Aus diesem Code entstand Jahre sp\u00e4ter ein neuer Browser, der die n\u00e4chste Revolution anf\u00fchren sollte:&nbsp;<strong>Firefox<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bleibt von der Geschichte um Marc Andreessen und den NCSA Mosaic?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es bleibt die Erkenntnis, dass die gr\u00f6\u00dften technischen Umw\u00e4lzungen selten in den Laboren der Gro\u00dfkonzerne entstehen, sondern oft dort, wo ein neugieriger Geist auf eine freie Umgebung trifft. Dass ein junger Student mit einer simplen Idee \u2013 \u201eDas muss doch einfacher gehen\u201c \u2013 eine ganze Industrie aus den Angeln heben kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und es bleibt das Bild dieser verrauchten Werkstatt in Illinois. Der Geruch von L\u00f6tzinn und vergessener Pizzakartons. Das Fiepen der Monitore. Und zwei junge M\u00e4nner, die nicht wussten, dass sie gerade dabei waren, die Welt zu ver\u00e4ndern \u2013 sie wollten nur, dass es endlich mal richtig funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Maschine, der Browser, der Code \u2013 das waren nur die Buchstaben. Die Geschichte, das ist der Mensch, der nachts nicht schlafen konnte, weil er wusste, dass es besser gehen muss. Der Funke, der das Netz entz\u00fcndete, war kein Algorithmus. Es war die Ungeduld eines jungen T\u00fcftlers aus Iowa.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urbana-Champaign, Illinois, Herbst 1992.&nbsp;Drau\u00dfen weht der Wind \u00fcber die endlosen Maisfelder des Mittleren Westens. Drinnen, in einem stickigen Computerlabor der University of Illinois, riecht es nach verbrannter Elektronik, kalter Pizza und dem besonderen Ozon-Geruch, den Dutzende von Monitoren verstr\u00f6men, wenn sie Tag und Nacht laufen. Ein 21-j\u00e4hriger Student namens Marc Andreessen sitzt vor einer Unix-Workstation. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,27,36],"tags":[],"class_list":["post-854","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-dem-bauch-heraus","category-personlichkeiten","category-technologiegeschichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/854","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=854"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/854\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=854"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=854"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=854"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}