{"id":862,"date":"2026-03-04T10:09:23","date_gmt":"2026-03-04T09:09:23","guid":{"rendered":"https:\/\/iobseu-xejul.wordpress.com\/?p=862"},"modified":"2026-03-04T10:09:23","modified_gmt":"2026-03-04T09:09:23","slug":"der-mann-der-die-kaseglocke-baute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-mann-der-die-kaseglocke-baute\/","title":{"rendered":"Der Mann, der die K\u00e4seglocke baute"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Edwin Koenemann und das Rundhaus am Weyerberg<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Der Prolog \u2013 Eine Kuppel im Wald<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Worpswede 1926. Ein Waldst\u00fcck am Weyerberg, irgendwo zwischen den Birken und Kiefern, die nach Regen riechen und nach Moor. Ein Mann steht auf einer Lichtung und betrachtet ein Gerippe aus Holz. Es biegt sich, rund wie eine aufgespannte Halbkugel, fremd in dieser Landschaft aus roten Backsteinh\u00f6fen und reetgedeckten Katen. Die Nachbarn, die K\u00fcnstler vom Barkenhoff, die Malerinnen und T\u00f6pfer, sie nennen es l\u00e4ngst hinter vorgehaltener Hand das \u201eIglu\u201c, den \u201el\u00e4cherlichen Bienenkorb\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.douban.com\/note\/606593856\/?type=like#sep&amp;_i=8935609bbxJ4Rb\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Aber der Mann, Edwin Koenemann, h\u00f6rt nur das Knarzen der Bohlen, die sich unter seinem Gewicht f\u00fcgen, und denkt: Das wird mein Zuhause. Dass dieser Bau einmal als eines der wichtigsten expressionistischen Baudenkm\u00e4ler Norddeutschlands gelten w\u00fcrde \u2013 und dass er es nicht selbst erfunden hat \u2013, das ahnt an diesem Morgen niemand. Nicht einmal der Architekt, der in Berlin gerade an seinen Siedlungen zeichnet, hat eine Ahnung, dass sein Entwurf hier, tausend Kilometer entfernt, pl\u00f6tzlich Fleisch wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Der Mensch \u2013 Der ewige Au\u00dfenseiter<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer baut so ein Haus? Kein reicher Bauherr, kein etablierter Architekt. Sondern ein Gescheiterter. Edwin Koenemann, Jahrgang 1883, kommt aus Bonn, aus einer Textilfabrikantenfamilie. Er soll Ingenieur werden, studiert in Ilmenau, macht eine Kaufmannsausbildung in Bremen. Aber dann passiert etwas, das ihn aus der Bahn wirft: 1903 ein Sportunfall, doppelter Sch\u00e4delbruch. Die \u00c4rzte trepanieren, bohren ein Loch in seinen Sch\u00e4del \u2013 eine Tortur, von der er sich nie ganz erholt&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Edwin_Koenemann\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Malerei zieht ihn an, die Literatur. Er schreibt Gedichte, seitenlang, manchmal gut, oft zu viel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1908 zieht er nach Worpswede, dem Sehnsuchtsort der K\u00fcnstler. Aber das Talent zum Maler? Fehlanzeige. Er nimmt Unterricht bei Georg Tappert, aber es reicht nicht&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Edwin_Koenemann\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er wird Gebrauchsgrafiker, entwirft Werbung f\u00fcr ein Bremer Kaufhaus. Dann kommt der Krieg, die Musterung, die ihn f\u00fcr untauglich erkl\u00e4rt \u2013 und die Jahre in Heilanstalten. Koenemann ist der Mann, der immer danebensteht. Kein richtiger K\u00fcnstler, aber auch kein B\u00fcrger. Er lebt in einer einfachen Waldh\u00fctte, die er 1915 gekauft hat, f\u00fchrt Touristen durchs Teufelsmoor und erz\u00e4hlt ihnen Geschichten \u00fcber die gro\u00dfen Maler. Die K\u00fcnstlerkolonie spottet: \u201eDer Moorl\u00e4ufer\u201c nennen sie ihn&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Edwin_Koenemann\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.douban.com\/note\/606593856\/?type=like#sep&amp;_i=8935609bbxJ4Rb\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er ist der erste G\u00e4stef\u00fchrer Worpswedes \u2013 aber eben nicht einer von ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann ist da noch die Liebe. Frieda Rogge, seine erste Frau, zerbricht an der Enge, landet in der Psychiatrie, die Ehe wird geschieden. Dann Grete Barleben, die zu ihm zieht, aber die beiden haben kaum Geld. Koenemann verkauft ihr sogar sein eigenes Grundst\u00fcck, um an die staatliche Unterst\u00fctzung zu kommen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.douban.com\/note\/606593856\/?type=like#sep&amp;_i=8935609bbxJ4Rb\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Zwei Au\u00dfenseiter, die in einer morschen Holzh\u00fctte hausen. Und die sich doch etwas Eigenes schaffen wollen. Ein Haus. Ein Zuhause. Einen Ort, der zeigt: Wir sind da.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Das Problem \u2013 Kein Geld, aber ein Traum<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem ist simpel: Koenemann hat kein Geld. Und trotzdem will er bauen. Nicht irgendeinen Kasten mit Satteldach, wie sie \u00fcberall stehen. Sondern etwas, das aus der Reihe tanzt. Etwas, das zu ihm passt \u2013 oder zu dem Bild, das er von sich haben will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1925 bl\u00e4ttert er in einer Zeitschrift. Sie hei\u00dft \u201eFr\u00fchlicht\u201c, herausgegeben von einem gewissen Bruno Taut, einem Berliner Architekten, der von Glas und Stahl tr\u00e4umt, von farbigen Siedlungen und expressionistischen Fantasien. In diesem Heft findet Koenemann eine Zeichnung: ein Rundhaus, Kuppelform, einfach in der Konstruktion, radikal in der Form. Taut hatte es 1921 f\u00fcr eine Ausstellung in Magdeburg entworfen, aber gebaut wurde es nie. Zu gewagt, zu seltsam, zu teuer f\u00fcr die Stadt&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.monumente-online.de\/de\/ausgaben\/2006\/5\/kuenstlerkolonie-worpswede.php?cmpscreen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/staleke.de\/Ausgaben\/Staleke-201\/files\/basic-html\/page28.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Aber f\u00fcr Koenemann ist es die L\u00f6sung. Taut schreibt dazu: \u201eDie runde Form spart Au\u00dfenwand und damit Geld. Sie vermeidet dunkle Ecken. Sie gibt Geborgenheit.\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.douban.com\/note\/606593856\/?type=like#sep&amp;_i=8935609bbxJ4Rb\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist es. Koenemann erkennt seine Chance. Er nimmt die Zeichnungen, so grob sie sind, und macht sich an die Arbeit. Wer fragt schon nach dem Urheber, wenn der Traum greifbar nah ist?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Der Bau \u2013 Aus der Not geboren<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Januar 1926 beginnen die Arbeiten. Vier Monate sp\u00e4ter, im Mai, steht das Haus&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.douban.com\/note\/606593856\/?type=like#sep&amp;_i=8935609bbxJ4Rb\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Unglaublich schnell. Aber wenn man genauer hinschaut, sieht man, warum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Fundament ist Beton, aber der Rest? Holz, soweit das Auge reicht. Ein Ger\u00fcst aus gebogenen Bohlen, die sich zu einer Kuppel f\u00fcgen. Die Au\u00dfenhaut: keine Ziegel, kein Putz, sondern geteerte Pappe. Sp\u00e4ter wird es Dachpappe sein, die Koenemann sich irgendwie besorgt&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Worpsweder_K%C3%A4seglocke\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die D\u00e4mmung: Sand, einfach in die Hohlr\u00e4ume gef\u00fcllt \u2013 billig, aber schwer und klitschig, wenn Feuchtigkeit reinkommt&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.douban.com\/note\/606593856\/?type=like#sep&amp;_i=8935609bbxJ4Rb\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Fenster? Nicht rechteckig wie bei Taut, sondern dreieckig, weil das leichter in die Rundung passt&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Worpsweder_K%C3%A4seglocke\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Haus hat zehn Meter Durchmesser, 132 Quadratmeter Fl\u00e4che auf zwei Etagen&nbsp;<a href=\"https:\/\/kulturerbe.niedersachsen.de\/kultureinrichtung\/isil_DE-MUS-745515\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Worpsweder_K%C3%A4seglocke\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In der Mitte ein gemauerter Schornstein, der die ganze Konstruktion zusammenh\u00e4lt. Um ihn herum windet sich eine Treppe wie ein Schneckenhaus. Jeder Winkel wird ausgenutzt. Nischen werden zu Regalen, Schiebet\u00fcren trennen die R\u00e4ume, die K\u00fcche kriegt ihr Wasser \u00fcber eine Zisterne \u2013 Regenwasser, versteht sich, gesammelt von der runden Kuppel&nbsp;<a href=\"https:\/\/kulturerbe.niedersachsen.de\/kultureinrichtung\/isil_DE-MUS-745515\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Edwin_Koenemann\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist nicht luxuri\u00f6s. Es ist nicht einmal solide im heutigen Sinne. Es ist gebaut von einem Mann, der keine Ahnung vom Zimmererhandwerk hat, aber einen guten Handwerker fand, der die Tautschen Pl\u00e4ne lesen konnte&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Worpsweder_K%C3%A4seglocke\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es ist gebaut aus Verzweiflung und Trotz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und es hat Seele. Der Ofen im Erdgeschoss ist das Herzst\u00fcck. Koenemann baut ihn aus Fehlbr\u00e4nden, aus Klinkern, die die Ziegeleien kostenlos abgeben, weil sie verzogen oder gesprungen sind. Er setzt sie zu einem expressionistischen Monstrum zusammen, mit Nischen: auf der einen Seite Platz f\u00fcr die F\u00fc\u00dfe des Mannes im Schaukelstuhl, auf der anderen eine Nische f\u00fcr die Katze&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.monumente-online.de\/de\/ausgaben\/2006\/5\/kuenstlerkolonie-worpswede.php?cmpscreen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Wer so einen Ofen baut, der liebt sein Haus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Das Herzst\u00fcck \u2013 Die geklauten Linien<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Geniale an der K\u00e4seglocke ist nicht die Erfindung. Die Erfindung stammt von Bruno Taut. Das Geniale ist die Aneignung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tauts Entwurf war eine Utopie. Ein Ideal. Ein Gedankenspiel f\u00fcr eine Zeitschrift. Koenemann macht daraus Wirklichkeit. Und dabei ver\u00e4ndert er es. Taut hatte in seiner Zeichnung eine Art \u201eWohnmaschine\u201c entworfen, flie\u00dfende R\u00e4ume, flexible Grundrisse, die W\u00e4nde sollten sich aufl\u00f6sen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.douban.com\/note\/606593856\/?type=like#sep&amp;_i=8935609bbxJ4Rb\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Koenemann baut das Gegenteil: Er teilt, er grenzt ab, er schafft zw\u00f6lf kleine Kammern, jedes Eckchen wird Raum&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Worpsweder_K%C3%A4seglocke\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Aus der Utopie wird ein Puzzle aus Nischen und Winkeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grundriss, den Koenemann realisiert, ist nicht der von Taut. Er ist pragmatischer. Im Erdgeschoss: Wohnzimmer am Ofen, Schlafzimmer daneben, eine winzige Toilette, eine K\u00fcche. Oben: Atelier, G\u00e4stekammer, Abstellraum. Alles f\u00fcgt sich in den Kreis, aber es ist nicht Tauts Vision von der schwebenden Leichtigkeit. Es ist Koenemanns Notwendigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau das macht es so besonders. Die K\u00e4seglocke ist kein reiner Taut. Sie ist Taut gefiltert durch Koenemann. Durch einen Mann, der nicht zeichnen, aber tr\u00e4umen konnte. Der nicht bauen, aber anpacken konnte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6. Das Ende \u2013 Der Schwindel fliegt auf<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Koenemann lebt in seinem Haus. Er zeigt es Besuchern, verlangt Eintritt, sammelt kunstgewerbliche St\u00fccke, f\u00fcllt die Regale mit Keramik und Skurrilit\u00e4ten&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Worpsweder_K%C3%A4seglocke\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er nennt es \u201eGlockenhaus\u201c, aber die Worpsweder sagen weiterhin K\u00e4seglocke. Es bleibt ein Spottname.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann Ende der zwanziger Jahre kommt Bruno Taut selbst nach Worpswede. Er besucht den Gartengestalter Leberecht Migge, der direkt neben Koenemann wohnt. Er muss das Haus gesehen haben. Er muss gewusst haben: Das ist mein Entwurf. Aber er sagt nichts. Kein Brief, keine Klage, keine Notiz. Vielleicht l\u00e4chelt er nur. Vielleicht freut er sich, dass seine Utopie endlich gebaut wurde \u2013 wenn auch von einem Plagiator&nbsp;<a href=\"http:\/\/stadt-land-erleben.de\/worpswede\/s10.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Worpsweder_K%C3%A4seglocke\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Koenemann schweigt auch. Er gibt sich zeit seines Lebens als der Erfinder. Er stirbt 1960, ein Au\u00dfenseiter bis zuletzt. Seine dritte Frau Editha, die er sp\u00e4t heiratet und die etwas Geld mitbringt, wohnt bis 1992 allein in der Kuppel&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.monumente-online.de\/de\/ausgaben\/2006\/5\/kuenstlerkolonie-worpswede.php?cmpscreen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Edwin_Koenemann\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann, in den achtziger Jahren, findet ein Kunsthistoriker die alten \u201eFr\u00fchlicht\u201c-Hefte. Und pl\u00f6tzlich ist klar: Die K\u00e4seglocke ist ein Taut. Ein gebauter Taut. Der einzige dieser Art&nbsp;<a href=\"https:\/\/staleke.de\/Ausgaben\/Staleke-201\/files\/basic-html\/page28.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u201eFreunde Worpswedes\u201c kaufen das bauf\u00e4llige Haus 1994 f\u00fcr 150.000 Mark aus dem Nachlass&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Worpsweder_K%C3%A4seglocke\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sie sanieren es sechs Jahre lang. Die alte Dachpappe wird ersetzt durch gr\u00fcne Bitumenbahnen, die extra aus Kanada kommen m\u00fcssen&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Worpsweder_K%C3%A4seglocke\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Sand in den W\u00e4nden wird durch Bl\u00e4hton ersetzt. Die Farben werden freigelegt, die T\u00fcrgriffe rekonstruiert. 2001 \u00f6ffnet die K\u00e4seglocke als Museum&nbsp;<a href=\"https:\/\/kulturerbe.niedersachsen.de\/kultureinrichtung\/isil_DE-MUS-745515\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Worpsweder_K%C3%A4seglocke\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7. Der Epilog \u2013 Was bleibt?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute steht sie da, die K\u00e4seglocke, mitten im Wald an der Lindenallee. Friedlich, bunt, ein bisschen verr\u00fcckt. Die Kiefern rauschen, die Wanderer kommen, zahlen Eintritt und staunen \u00fcber den Ofen mit der Katzennische.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und was lernen wir daraus? Dass wir unsere Helden oft verwechseln. Dass der Ruhm manchmal den Falschen trifft \u2013 und manchmal den Richtigen erst sp\u00e4t. Edwin Koenemann war kein gro\u00dfer Architekt. Er war kein gro\u00dfer K\u00fcnstler. Aber er war einer, der sich weigerte, aufzugeben. Der aus einer Zeitschrift ein Zuhause baute. Der aus Fehlbr\u00e4nden einen Ofen setzte, der noch heute w\u00e4rmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die K\u00e4seglocke ist ein Denkmal \u2013 aber nicht nur f\u00fcr Bruno Taut. Sondern auch f\u00fcr den Moorl\u00e4ufer, den Tr\u00e4umer, den Mann, der im Wald eine Kuppel baute, weil er nirgendwo sonst hineinpasste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wenn du heute durch Worpswede l\u00e4ufst, riechst du das Moor, siehst die roten Ziegel \u2013 und pl\u00f6tzlich blitzt zwischen den St\u00e4mmen diese runde, fremde Form auf. Die K\u00e4seglocke. Sie steht noch. Und sie erinnert uns daran, dass die besten Ideen oft die sind, die sich jemand nimmt, weil er sie braucht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong>&nbsp;Die Spuren dieses Baus finden sich verstreut: in der Zeitschrift \u201eFr\u00fchlicht\u201c von 1921, die Koenemann durch Zufall in die H\u00e4nde fiel&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.douban.com\/note\/606593856\/?type=like#sep&amp;_i=8935609bbxJ4Rb\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Worpsweder_K%C3%A4seglocke\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Im Nachlass, den seine Witwe 1993 dem Verein \u00fcbergab&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.monumente-online.de\/de\/ausgaben\/2006\/5\/kuenstlerkolonie-worpswede.php?cmpscreen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In den Sanierungsakten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die \u00fcber 50.000 Euro zuschoss&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.monumente-online.de\/de\/ausgaben\/2006\/5\/kuenstlerkolonie-worpswede.php?cmpscreen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Und nat\u00fcrlich im Haus selbst: in jeder Nische, in jedem Winkel, in der Nische f\u00fcr die Katze neben dem Ofen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Edwin Koenemann und das Rundhaus am Weyerberg 1. Der Prolog \u2013 Eine Kuppel im Wald Worpswede 1926. Ein Waldst\u00fcck am Weyerberg, irgendwo zwischen den Birken und Kiefern, die nach Regen riechen und nach Moor. Ein Mann steht auf einer Lichtung und betrachtet ein Gerippe aus Holz. Es biegt sich, rund wie eine aufgespannte Halbkugel, fremd [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,27],"tags":[],"class_list":["post-862","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-dem-bauch-heraus","category-personlichkeiten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=862"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/862\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}