{"id":944,"date":"2026-03-04T10:09:19","date_gmt":"2026-03-04T09:09:19","guid":{"rendered":"https:\/\/iobseu-xejul.wordpress.com\/?p=944"},"modified":"2026-03-04T10:09:19","modified_gmt":"2026-03-04T09:09:19","slug":"die-geburt-einer-revolution-vier-studenten-erfinden-das-chatten-neu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-geburt-einer-revolution-vier-studenten-erfinden-das-chatten-neu\/","title":{"rendered":"Die Geburt einer Revolution: Vier Studenten erfinden das Chatten neu"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte von ICQ beginnt nicht in einem Silicon Valley-Startup, sondern in einem kleinen B\u00fcro in Tel Aviv, Israel. Im Sommer 1996 t\u00fcftelten f\u00fcnf junge M\u00e4nner an einer Idee, die die Welt ver\u00e4ndern sollte: Yair Goldfinger, Sefi Vigiser, Amnon Amir, Arik Vardi und dessen Vater Yossi Vardi&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Licq\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sie waren Mitte zwanzig, arbeitslos und fragten sich, was sie mit ihrem Leben anfangen sollten. \u201eWas sollten wir tun? Warten, bis uns jemand einstellt, oder selbst etwas unternehmen?\u201c, erinnert sich Yair Goldfinger an die Anf\u00e4nge&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort war eine Software, die sie \u201eICQ\u201c tauften \u2013 ein kluges Wortspiel, das wie der englische Satz \u201eI Seek You\u201c (\u201eIch suche dich\u201c) klingt&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/baike.baidu.com\/item\/%E7%BD%91%E7%BB%9C%E5%AF%BB%E5%91%BC%E6%9C%BA\/5734489?fromModule=lemma_inlink\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.cna.com.tw\/news\/ait\/202405250201.aspx?utm_medium=app&amp;utm_source=cna.app&amp;utm_campaign=inapp_share\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Idee war ebenso einfach wie revolution\u00e4r: Bisher war das Internet ein Ort des passiven Konsums oder der asynchronen Kommunikation per E-Mail. Man schrieb eine Nachricht, schickte sie ab und wartete \u2013 manchmal Stunden oder Tage \u2013 auf eine Antwort. ICQ \u00e4nderte alles. Es schuf einen digitalen Raum, in dem man sehen konnte, wer gerade&nbsp;<em>da<\/em>&nbsp;war. Ein Freundesliste, ein Status (Online\/Abwesend), ein einfaches Textfenster \u2013 und die Unterhaltung konnte in Echtzeit stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 15. November 1996 war es so weit: Die erste Version von ICQ ging online&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Licq\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Gesch\u00e4ftsmodell? Es gab keins. Die Software war kostenlos, die Vermarktung gleich null. Man vertraute auf die Kraft der Mundpropaganda. Und siehe da: Das Konzept ging viral \u2013 lange bevor es diesen Begriff \u00fcberhaupt gab. ICQ verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Zuerst in den Tech-Szenen, dann in den Jugendzimmern weltweit.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Der kometenhafte Aufstieg und die goldene \u00c4ra<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Erfolg war atemberaubend. Schon sieben Monate nach dem Start knackte ICQ die Marke von einer Million Nutzer&nbsp;<a href=\"https:\/\/nfpeople.infzm.com\/article\/12963\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. 1998, als der Dienst f\u00fcr die damals unfassbare Summe von 407 Millionen Dollar an den US-Medienriesen America Online (AOL) verkauft wurde, waren es bereits \u00fcber 10 Millionen&nbsp;<a href=\"https:\/\/g.pconline.com.cn\/x\/1764\/17647468.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/nfpeople.infzm.com\/article\/12963\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Zu seinem absoluten H\u00f6hepunkt um das Jahr 2001 herum hatte ICQ mehr als 100 Millionen registrierte Accounts \u2013 und das zu einer Zeit, als die gesamte Weltbev\u00f6lkerung online gerade einmal 400 Millionen Menschen z\u00e4hlte&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Licq\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/g.pconline.com.cn\/x\/1764\/17647468.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In einigen Regionen, wie dem deutschsprachigen Raum, war ICQ der unangefochtene K\u00f6nig der Chatprogramme, lange bevor MSN Messenger oder gar WhatsApp auch nur eine Fu\u00dfnote der Geschichte waren&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/icq-und-msn-so-war-flirten-aeh-chatten-im-jahr-2005-a-00000000-0003-0001-0000-000000167448\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.watson.ch\/digital\/retro\/169527382-icq-macht-nach-fast-30-jahren-dicht\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Universum der UIN: Vom Statussymbol zum Schwarzmarkthandel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Herzst\u00fcck von ICQ war die&nbsp;<strong>UIN (Unique Identification Number)<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Licq\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Bei der Registrierung erhielt man keine Frei w\u00e4hlbaren Benutzernamen, sondern eine fortlaufende Nummer, beginnend bei 100.000. Diese Nummer wurde zu einem integralen Bestandteil der eigenen digitalen Identit\u00e4t. Generationen von Jugendlichen k\u00f6nnen ihre ICQ-Nummer noch heute auswendig aufsagen \u2013 eine Gehirnzelle, die f\u00fcr immer mit sinnlosen, aber wertvollen Daten belegt ist&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/icq-und-msn-so-war-flirten-aeh-chatten-im-jahr-2005-a-00000000-0003-0001-0000-000000167448\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wie bei allen begehrten Dingen im Leben entwickelte sich auch hier eine \u00d6konomie der Knappheit. Je k\u00fcrzer die Nummer, desto \u00e4lter und exklusiver der Account. Sechsstellige UINs waren bereits selten und begehrt. F\u00fcnfstellige Nummern? Die waren praktisch mythischer Status und wurden angeblich nur an Entwickler vergeben&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Im Internet bl\u00fchte ein reger Schwarzmarkt. F\u00fcr eine begehrte kurze Nummer wurden auf Online-Auktionsplattformen schnell mehrere Hundert Euro gezahlt&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In Russland, wo ICQ noch lange nach seinem Niedergang im Westen popul\u00e4r blieb, kostete eine sechsstellige UIN im Jahr 2010 umgerechnet 300-400 Euro&nbsp;<a href=\"https:\/\/g.pconline.com.cn\/x\/1764\/17647468.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Nachfrage f\u00fchrte zu einer dunklen Bl\u00fcte: dem UIN-Diebstahl. Mit Phishing-Attacken oder Brute-Force-Methoden machten Kriminelle Jagd auf wertvolle Nummern. Mirabilis reagierte 1999 mit einer Verbesserung des Passwort-Wiederherstellungssystems, das bis heute gespeicherte, zur\u00fcckliegende E-Mail-Adressen nutzte, um gestohlene Accounts zur\u00fcckzuholen. Das f\u00fchrte zu einem perfiden Katz-und-Maus-Spiel: Ein Dieb stahl eine Nummer, der rechtm\u00e4\u00dfige Besitzer forderte sie zur\u00fcck \u2013 und ahnungslose K\u00e4ufer, die eine \u201eg\u00fcnstige\u201c UIN ersteigert hatten, standen pl\u00f6tzlich mit einem wertlosen Account da&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Hardware der Gef\u00fchle: Zwischen Modem-Ger\u00e4uschen und Standrechnern<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ICQ war mehr als nur Software; es war ein soziokulturelles Ph\u00e4nomen, das fest in den Alltag der fr\u00fchen 2000er eingewebt war. Wer ICQ nutzte, erinnert sich an das Ritual: nach Hause kommen, den schweren Rechner mit Windows 2000 anschmei\u00dfen, das Modem anwerfen. Das markersch\u00fctternde Kreischen und Knarzen, mit dem sich die 56k-Modem-Verbindung aufbaute, war die Ouvert\u00fcre zum digitalen Abend&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/icq-und-msn-so-war-flirten-aeh-chatten-im-jahr-2005-a-00000000-0003-0001-0000-000000167448\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann, endlich online, ging das Warten los. Das Herzklopfen, wenn der Name des Schwarms in der Kontaktliste auftauchte, gefolgt von der orthografischen H\u00f6chstleistung: \u201eHy, wie gez?\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/icq-und-msn-so-war-flirten-aeh-chatten-im-jahr-2005-a-00000000-0003-0001-0000-000000167448\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es war die Geburtsstunde einer neuen Jugendsprache, voller Abk\u00fcrzungen wie&nbsp;<strong>&#8222;HDGDL&#8220;<\/strong>&nbsp;(Hab dich ganz doll lieb),&nbsp;<strong>&#8222;AFK&#8220;<\/strong>&nbsp;(Away from Keyboard) oder dem Status&nbsp;<strong>&#8222;am HA machen. Nicht nervn&#8220;<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/icq-und-msn-so-war-flirten-aeh-chatten-im-jahr-2005-a-00000000-0003-0001-0000-000000167448\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die ber\u00fchmte gr\u00fcne Blume im System-Tray wurde gelb, wenn man abwesend war, und rot, wenn man offline ging. Man konnte sich unsichtbar schalten (&#8222;Invisible-Modus&#8220;), um ungest\u00f6rt zu beobachten \u2013 eine Kunst, die sp\u00e4ter von Facebook und WhatsApp perfektioniert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann war da der Sound. Dieses unverwechselbare&nbsp;<strong>\u201eOh-Oh!\u201c<\/strong>, das den Eingang einer neuen Nachricht ank\u00fcndigte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.stern.de\/digital\/icq--kult-messenger-wird-nach-27-jahren-endgueltig-abgeschaltet-34740630.html?utm_campaign=alle-nachrichten\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.watson.ch\/digital\/retro\/169527382-icq-macht-nach-fast-30-jahren-dicht\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. F\u00fcr die einen war es der sch\u00f6nste Klang der Welt, f\u00fcr die anderen, meist die Eltern, das Signal, dass die Telefonrechnung wieder in schwindelerregende H\u00f6hen schnellen w\u00fcrde. Denn wer chatte, blockierte die Telefonleitung \u2013 ein Familienkonflikt, der damals in Tausenden Haushalten Standard war.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Der lange Schatten des Niedergangs<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz seiner Pionierrolle und anf\u00e4nglichen Dominanz gelang es ICQ nicht, seinen Thron zu sichern. Der Niedergang war ein langsamer, schmerzhafter Prozess, eine klassische Geschichte von verpassten Chancen und ignorierten Trends.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der S\u00fcndenfall: AOL und die Kommerzialisierung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der \u00dcbernahme durch AOL im Jahr 1998 begann das Ungemach. Was als schlankes, geniales Werkzeug begann, wurde nach und nach mit immer mehr Funktionen vollgestopft. AOL versuchte, den kostenlosen Dienst zu monetarisieren, und \u00fcbers\u00e4te die Software mit Werbung&nbsp;<a href=\"https:\/\/g.pconline.com.cn\/x\/1764\/17647468.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die einst so schlanke Anwendung wurde aufgebl\u00e4ht, langsamer und un\u00fcbersichtlicher. Viele Nutzer empfanden dies als Ausverkauf ihrer geliebten Plattform&nbsp;<a href=\"https:\/\/g.pconline.com.cn\/x\/1764\/17647468.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Kopierer wird zum K\u00f6nig: Der Aufstieg von QQ in China<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend ICQ im Westen gegen Konkurrenten wie MSN Messenger und AIM k\u00e4mpfte, machte ihm im Osten ein Nachahmer den Rang ab, der es besser verstand, den lokalen Markt zu bedienen. 1999 brachte der chinesische Unternehmer Ma Huateng (Pony Ma) einen Klon namens&nbsp;<strong>OICQ (Open ICQ)<\/strong>&nbsp;auf den Markt&nbsp;<a href=\"https:\/\/baike.baidu.com\/item\/%E7%BD%91%E7%BB%9C%E5%AF%BB%E5%91%BC%E6%9C%BA\/5734489?fromModule=lemma_inlink\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/g.pconline.com.cn\/x\/1764\/17647468.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/nfpeople.infzm.com\/article\/12963\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die \u00c4hnlichkeit war verbl\u00fcffend, aber Ma hatte verstanden, was ICQ \u00fcbersah.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In China, wo die Menschen oft in Internetcaf\u00e9s unterwegs waren und keine eigenen Computer besa\u00dfen, war es ein riesiges Problem, dass ICQ die Chatverl\u00e4ufe nur lokal auf der Festplatte speicherte. OICQ (sp\u00e4ter in&nbsp;<strong>QQ<\/strong>&nbsp;umbenannt, nachdem AOL 2000 erfolgreich wegen Markenrechtsverletzung geklagt hatte) speicherte alles auf seinen Servern. Die Verl\u00e4ufe waren immer und \u00fcberall abrufbar&nbsp;<a href=\"https:\/\/g.pconline.com.cn\/x\/1764\/17647468.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/nfpeople.infzm.com\/article\/12963\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Zudem war QQ sofort auf Chinesisch verf\u00fcgbar und nahm sich der lokalen Gegebenheiten an, wie der Unterscheidung zwischen dem teuren 163-Netz und dem g\u00fcnstigeren 169-Netz f\u00fcr den Internetzugang&nbsp;<a href=\"https:\/\/nfpeople.infzm.com\/article\/12963\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. W\u00e4hrend ICQ also in der Bedeutungslosigkeit versank, wuchs QQ zu einem Giganten heran, der heute noch mit Hunderten Millionen Nutzern den Markt dominiert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Wende zum Mobilen \u2013 zu sp\u00e4t und zu halbherzig<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der n\u00e4chste Megatrend, den ICQ verschlief, war das mobile Internet und die Smartphone-Revolution. Zwar gab es erste mobile Versionen \u2013 2009 f\u00fcr das iPhone, 2010 f\u00fcr Android&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;\u2013, aber der gro\u00dfe Wurf blieb aus. Als WhatsApp, Line und Co. mit ihren einfachen, mobilen und immer-online Konzepten den Markt eroberten, wirkte ICQ wie ein Relikt aus der PC-\u00c4ra. Die Nutzerzahlen brachen ein: von \u00fcber 100 Millionen aktiven Nutzern zu Beginn des Jahrtausends auf 42 Millionen im Jahr 2010 und nur noch 11 Millionen im Jahr 2013&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.cna.com.tw\/news\/ait\/202405250201.aspx?utm_medium=app&amp;utm_source=cna.app&amp;utm_campaign=inapp_share\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Die russische Renaissance und das endg\u00fcltige Ende<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2010 war das Jahr der zweiten gro\u00dfen Z\u00e4sur. AOL, selbst in Schwierigkeiten, verkaufte ICQ f\u00fcr nur noch 187,5 Millionen Dollar an die russische Investmentfirma Digital Sky Technologies (DST), die sp\u00e4tere&nbsp;<a href=\"https:\/\/mail.ru\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mail.ru<\/a>&nbsp;Group (heute VK)&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Licq\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.cna.com.tw\/news\/ait\/202405250201.aspx?utm_medium=app&amp;utm_source=cna.app&amp;utm_campaign=inapp_share\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Kaufpreis war weniger als die H\u00e4lfte dessen, was AOL zw\u00f6lf Jahre zuvor bezahlt hatte \u2013 ein klares Zeichen f\u00fcr den Wertverfall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter russischer F\u00fchrung erlebte ICQ eine Art Sp\u00e4tfr\u00fchling. In Russland und den GUS-Staaten war der Dienst nie ganz so unbeliebt gewesen wie im Westen. 2010 kamen etwa 1850 von 4200 aktiven Nutzern aus Russland&nbsp;<a href=\"https:\/\/g.pconline.com.cn\/x\/1764\/17647468.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die neuen Eigent\u00fcmer investierten in die Technologie. 2014 war ICQ sogar der erste Messenger weltweit, der&nbsp;<strong>Ende-zu-Ende-Verschl\u00fcsselung f\u00fcr Sprach- und Videoanrufe<\/strong>&nbsp;einf\u00fchrte&nbsp;<a href=\"https:\/\/nfpeople.infzm.com\/article\/12963\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. 2020 wurde ein umfassendes Redesign unter dem Namen&nbsp;<strong>&#8222;ICQ New&#8220;<\/strong>&nbsp;gestartet, das moderne Features wie Channels, Bots und Gruppenchats f\u00fcr bis zu 25.000 Teilnehmer bot&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Licq\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Ein letztes Aufflackern gab es im Januar 2021, als nach einem umstrittenen Privacy-Update von WhatsApp viele Nutzer in Hongkong zu ICQ wechselten und die Download-Zahlen dort explosionsartig anstiegen&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Licq\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch es war zu wenig und zu sp\u00e4t. Der Dienst blieb ein Nischenprodukt, getragen von Nostalgikern und einer treuen russischen Community. Am 24. Mai 2024 gab der Betreiber VK auf der ICQ-Website bekannt, dass der Dienst zum&nbsp;<strong>26. Juni 2024 endg\u00fcltig eingestellt<\/strong>&nbsp;wird&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Licq\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.cna.com.tw\/news\/ait\/202405250201.aspx?utm_medium=app&amp;utm_source=cna.app&amp;utm_campaign=inapp_share\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Nutzer wurden aufgefordert, auf den VK Messenger oder VK WorkSpace zu migrieren&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Licq\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/nfpeople.infzm.com\/article\/12963\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Als letzten Gru\u00df zeigte die Webseite ein Bild, das an eine Zauberw\u00fcrfel- bzw. Rubik&#8217;s W\u00fcrfel-\u00e4hnliche Anordnung erinnerte \u2013 ein letztes R\u00e4tsel, eine letzte Hommage an die fr\u00fchen Tage des Internets&nbsp;<a href=\"https:\/\/g.pconline.com.cn\/x\/1764\/17647468.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 26. Juni 2024, nach mehr als 27 Jahren, verstummte das letzte \u201eOh-Oh!\u201c f\u00fcr immer.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Ein Verm\u00e4chtnis aus Bits und Bl\u00fcten<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ICQ ist tot, lang lebe ICQ! Denn das Verm\u00e4chtnis des Ur-Messengers ist allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Der Blaupause:<\/strong>\u00a0Jede moderne Messenger-App \u2013 von WhatsApp \u00fcber Telegram bis hin zu Signal \u2013 basiert auf den Grundkonzepten, die ICQ einf\u00fchrte: die Kontaktliste mit Online-Status, das 1:1-Chat-Fenster, der Offline-Modus, die Datei\u00fcbertragung\u00a0<a href=\"https:\/\/nfpeople.infzm.com\/article\/12963\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Erfindung der digitalen Identit\u00e4t:<\/strong>\u00a0Die UIN war der Vorl\u00e4ufer aller digitalen Profile. Sie lehrte uns, dass wir im Netz eine Nummer, ein Name, eine Identit\u00e4t haben k\u00f6nnen, die losgel\u00f6st von unserem physischen Ich ist.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Der Sound einer Generation:<\/strong>\u00a0Das \u201eOh-Oh!\u201c ist mehr als ein Klingelton. Es ist ein akustisches Symbol f\u00fcr eine Zeit des Aufbruchs, der Neugier und der ersten zarten digitalen Gehversuche. Es ist der Soundtrack der Jugend einer ganzen Generation.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende bleibt ein wehm\u00fctiges Gef\u00fchl. ICQ war der Pionier, der das Tor zu einer neuen Welt aufstie\u00df, aber dann nicht schnell genug durchschreiten konnte. Es wurde von schnelleren, agileren Nachfolgern \u00fcberholt, die auf den von ihm gebauten Stra\u00dfen fuhren. Doch ohne diesen mutigen Schritt ins Ungewisse, ohne die vier israelischen Studenten, die 1996 einfach etwas \u201etun\u201c wollten, s\u00e4he unsere vernetzte Welt heute anders aus. Ruhe sanft, gr\u00fcne Blume. Du wirst nie vergessen werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellenverzeichnis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die in diesem Artikel verwendeten Informationen stammen aus einer Vielzahl von \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Quellen, darunter:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Wikipedia (Deutsch):<\/strong>\u00a0ICQ \u2013 Umfassender Artikel zur Geschichte, Technik und Kritik an ICQ.\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICQ#Kritik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Spiegel \/ Bento:<\/strong>\u00a0&#8222;Kommst du sp\u00e4ter on?&#8220; \u2013 Ein nostalgischer Artikel \u00fcber die soziale und kulturelle Nutzung von ICQ und MSN Messenger im Jahr 2005.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/icq-und-msn-so-war-flirten-aeh-chatten-im-jahr-2005-a-00000000-0003-0001-0000-000000167448\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Baidu Baike (\u767e\u5ea6\u767e\u79d1):<\/strong>\u00a0\u7f51\u7edc\u5bfb\u547c\u673a \u2013 Chinesischer Lexikoneintrag, der die Geschichte von ICQ und seine Bedeutung f\u00fcr die Entwicklung chinesischer Klone wie OICQ (QQ) beleuchtet.\u00a0<a href=\"https:\/\/baike.baidu.com\/item\/%E7%BD%91%E7%BB%9C%E5%AF%BB%E5%91%BC%E6%9C%BA\/5734489?fromModule=lemma_inlink\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wikipedia (Englisch):<\/strong>\u00a0ICQ \u2013 Der englischsprachige Wikipedia-Artikel mit detaillierten Informationen zur Produkthistorie, UINs und der \u00dcbernahme durch\u00a0<a href=\"https:\/\/mail.ru\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mail.Ru<\/a>.\u00a0<a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Licq\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>PConline (\u592a\u5e73\u6d0b\u79d1\u6280):<\/strong>\u00a0&#8222;\u786c\u6491\u4e8628\u5e74\u7684ICQ\uff0c\u7ec8\u4e8e\u8fd8\u662f\u4e0d\u884c\u4e86\u3002&#8220; \u2013 Ein chinesischer Nachrichtenartikel, der den Niedergang von ICQ analysiert und die Marktdynamik in China beschreibt.\u00a0<a href=\"https:\/\/g.pconline.com.cn\/x\/1764\/17647468.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Central News Agency (\u4e2d\u592e\u793e, Taiwan):<\/strong>\u00a0&#8222;\u5143\u7956\u7d1a\u901a\u8a0a\u8edf\u9ad4ICQ 6\/26\u7d42\u6b62\u670d\u52d9&#8220; \u2013 Meldung der taiwanesischen Nachrichtenagentur \u00fcber die Einstellung von ICQ.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.cna.com.tw\/news\/ait\/202405250201.aspx?utm_medium=app&amp;utm_source=cna.app&amp;utm_campaign=inapp_share\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Stern:<\/strong>\u00a0&#8222;Schluss mit &#8218;Oh-Oh!&#8216;: ICQ wird nach 27 Jahren dichtgemacht&#8220; \u2013 Deutscher Nachrichtenartikel \u00fcber das Ende von ICQ.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.stern.de\/digital\/icq--kult-messenger-wird-nach-27-jahren-endgueltig-abgeschaltet-34740630.html?utm_campaign=alle-nachrichten\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kepu China (\u79d1\u666e\u4e2d\u56fd):<\/strong>\u00a0\u7f51\u7edc\u5bfb\u547c\u673a \u2013 Ein weiterer chinesischer Wissenschaftsartikel, der die Funktionen und die fr\u00fche Konkurrenz im chinesischen Markt (PICQ, NetSprite) beschreibt.\u00a0<a href=\"https:\/\/cloud.kepuchina.cn\/newSearch\/imgText?from=1&amp;id=6974135956504182784&amp;is_self=2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Southern People Weekly (\u5357\u65b9\u4eba\u7269\u5468\u520a):<\/strong>\u00a0&#8222;ICQ\u5c06\u7ed3\u675f\u8fd0\u8425\uff0c\u53c8\u4e00\u4e2a\u9752\u6625\u8bb0\u5fc6\u901d\u53bb&#8220; \u2013 Ein ausf\u00fchrlicher chinesischer Artikel, der tief in die Gr\u00fcnde f\u00fcr ICQs Scheitern in China eintaucht und die Rolle von QQ hervorhebt.\u00a0<a href=\"https:\/\/nfpeople.infzm.com\/article\/12963\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Watson:<\/strong>\u00a0&#8222;\u00abOh, Oh!\u00bb \u2013 ICQ-Messenger macht nach fast 30 Jahren dicht&#8220; \u2013 Schweizer Nachrichtenportal mit Fokus auf Nostalgie und den typischen ICQ-Sound.\u00a0<\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte von ICQ beginnt nicht in einem Silicon Valley-Startup, sondern in einem kleinen B\u00fcro in Tel Aviv, Israel. Im Sommer 1996 t\u00fcftelten f\u00fcnf junge M\u00e4nner an einer Idee, die die Welt ver\u00e4ndern sollte: Yair Goldfinger, Sefi Vigiser, Amnon Amir, Arik Vardi und dessen Vater Yossi Vardi&nbsp;. 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