Deutschlands heimliche Giganten: Zehn überraschende Hidden Champions und ihre Weltmarktführerschaft
von DerSchneider
Die deutsche Wirtschaft ist geprägt von einem Phänomen, das oft im Verborgenen wirkt: den sogenannten Hidden Champions. Diese Unternehmen sind in ihren Nischen Weltmarktführer, bleiben der breiten Öffentlichkeit jedoch meist unbekannt. Der Begriff, geprägt von dem Managementdenker Hermann Simon, beschreibt mittelständische Firmen, die mit spezialisierten Produkten globale Märkte dominieren, ohne ein öffentlich bekanntes Markenlogo zu führen. Ihre Stärke liegt nicht in Massenware, sondern in technologischer Tiefe, Präzision und Innovationskraft. Dieser Artikel beleuchtet zehn besonders überraschende deutsche Hidden Champions und ihre faszinierenden Geschichten.
Bevor wir uns jedoch im Detail verlieren, bietet die folgende Tabelle einen ersten Überblick über die hier porträtierten Firmen. Sie zeigt die Bandbreite dieser unsichtbaren Marktführer – von der Pfalz bis nach Baden-Württemberg, vom traditionsreichen Familienunternehmen bis zur milliardenschweren Aktiengesellschaft, die im Stillen die Welt versorgt.
| Unternehmen | Sitz | Überraschendes Produkt / Dienstleistung | Rechtsform | Jahresumsatz (aktuell) | Mitarbeiter | Gründungsjahr |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Wickert Maschinenbau | Landau (Pfalz) | Hochpräzise Pharmapressen für Impfstoff-Verschlussstopfen | GmbH | 46 Mio. € (2022) | 201 | 1901 |
| Mennekes | Kirchhundem (Sauerland) | Der Typ-2-Ladestecker für Elektroautos | GmbH & Co. KG | 300 Mio. € (2024) | 1.600 | 1935 |
| Symrise AG | Holzminden (Niedersachsen) | Duft- und Geschmacksstoffe | AG | 4,929 Mrd. € (2025) | 12.745 | 2003 (Fusion) |
| TENTE | Wermelskirchen | High-End-Rollen für Krankenhausbetten | GmbH & Co. KG | 263,5 Mio. € | 1.580 | 1923 |
| Baader Group | Lübeck | Maschinen zur Fischverarbeitung | SE | ca. 280 Mio. € | 1.600 | 1919 |
| Kässbohrer | Laupheim | „Pistenbullys“ – Pistenpräparierungsfahrzeuge | AG | ca. 193 Mio. € (2014) | ca. 500 | 1990 (Ausgliederung) |
| Herrenknecht AG | Schwanau (Baden-Württemberg) | Tunnelbohrmaschinen | AG | 1,205 Mrd. € (2022) | 5.033 | 1977 |
| BEKO TECHNOLOGIES | Neuss | Kondensatableiter für Druckluftsysteme | GmbH | 50–100 Mio. € | ca. 270 | 1982 |
| Vitronic | Wiesbaden | Bildverarbeitungssysteme für Blitzer und Qualitätskontrolle | GmbH | 260 Mio. € (2024) | 1.400 | 1984 |
| Anton Häring KG | Bubsheim (Baden-Württemberg) | Hochpräzise Drehteile für die Automobilindustrie | KG | 380 Mio. € (2023) | 4.000 | 1961 |
Quelle: Eigene Recherche der jeweiligen Unternehmen, Geschäftsberichte, „Die Deutsche Wirtschaft“ und Wikipedia. Bei Unternehmen ohne öffentliche aktuelle Zahlen (Stand 2024/2025) wird auf verfügbare ältere Jahresabschlüsse verwiesen.
🔧 Wickert Maschinenbau GmbH: Der Pharmaretter aus der Pfalz
Im pfälzischen Landau verbirgt sich ein Unternehmen, das im Verborgenen eine entscheidende Rolle im globalen Gesundheitswesen spielt: die Wickert Maschinenbau GmbH. Als Weltmarktführer für Reinraum- und Pharmapressen stellt das Unternehmen hochpräzise hydraulische Pressen her, mit denen unter Reinraumbedingungen Verschlussstopfen für Impfampullen und andere pharmazeutische Produkte gefertigt werden.
Während der Corona-Pandemie wurde die Bedeutung dieser unscheinbaren Komponenten schlagartig klar. Auf Wickert-Pressen werden die Gummistopfen gefertigt, die Impfstofffläschchen steril verschließen. Hans-Joachim Wickert, Geschäftsführer des Familienunternehmens in vierter Generation, erkannte: „Plötzlich wurde uns klar: Ohne unsere Pressen kann der Impfstoff nicht abgefüllt werden.“ Die Anforderungen sind enorm: Jeder Stopfen muss absolut partikelfrei sein, da selbst kleinste Verunreinigungen das Vakzin gefährden können. Die Toleranzen liegen im Mikrometerbereich – ein menschliches Haar ist etwa zehnmal dicker als die maximal erlaubte Partikelgröße.
Das 1901 gegründete Unternehmen erzielte zuletzt einen Umsatz von 46 Millionen Euro und beschäftigt 201 Mitarbeiter. Getragen wird die Firma von der Wickert-Stiftung, die Anteile der Inhaberfamilie hält. In der Pandemie zeigte Wickert bemerkenswerte Agilität: Die Lieferzeit der 45 Tonnen schweren Pressen wurde von zehn auf sechs Monate verkürzt, die ersten Anlagen wurden per Antonow-Frachtflugzeug zu den Kunden gebracht. Das Alleinstellungsmerkmal liegt in der Beherrschung einer extrem anspruchsvollen Technologie – der Fertigung von Präzisionspressen für Reinraumbedingungen mit höchsten Anforderungen an Sauberkeit und Maßhaltigkeit.
⚡ Mennekes Elektrotechnik GmbH & Co. KG: Der Sauerländer Stecker-König
Dass ein mittelständisches Familienunternehmen aus dem Sauerland den EU-weiten Ladestandard für Elektroautos prägt, klingt zunächst unwahrscheinlich – ist aber Realität. Die Mennekes Gruppe mit Sitz in Kirchhundem entwickelte den sogenannten Typ-2-Stecker, der seit 2014 per EU-Gesetz verbindlicher Ladestandard für Elektrofahrzeuge in ganz Europa ist.
Die Ursprünge des Unternehmens reichen ins Jahr 1935 zurück, als Aloys Mennekes einen Elektrohandwerksbetrieb gründete. Die Wende kam 2008, als Mennekes in die Elektromobilität einstieg und auf Basis von Anforderungen der RWE und Daimler ein geeignetes Ladesystem entwickelte. Die Ingenieure lösten ein zentrales Problem: Die Steckverbindung musste sich zehntausendfach stecken und ziehen lassen, ohne zu verschleißen. Die Lösung war der Typ-2-Stecker, der dank seiner asymmetrischen Form ein Verpolen unmöglich macht.
Heute erwirtschaftet Mennekes mit weltweit 1.600 Mitarbeitenden einen Umsatz von 300 Millionen Euro, wobei die E-Mobilität bereits mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmacht. Christopher Mennekes führt das Unternehmen in dritter Generation. Das besondere Alleinstellungsmerkmal: Mennekes hat sein Patent für die Steckerkonstruktion freigegeben, um eine flächendeckende Standardisierung zu ermöglichen – eine strategische Entscheidung, die dem Unternehmen letztlich eine globale Schlüsselposition sicherte. Mit Tochtergesellschaften in über 90 Ländern produziert Mennekes heute nicht nur Stecker, sondern komplette Ladesäulen, Wallboxen und Abrechnungssysteme.
👃 Symrise AG: Der weltweite Geruchssinn aus Holzminden
Symrise gehört zu den Giganten unter den Hidden Champions – das Unternehmen ist mit einem Jahresumsatz von knapp fünf Milliarden Euro einer der größten Duft- und Geschmacksstoffhersteller der Welt. Die Produkte der Symrise AG begegnen den Menschen täglich: in Zahnpasta, Shampoo, Waschmittel, Parfüm oder in verarbeiteten Lebensmitteln – meist ohne dass der Verbraucher davon weiß.
Die Aktiengesellschaft mit Sitz in Holzminden entstand 2003 aus der Fusion der Dragoco Gerberding & Co. AG und der Haarmann & Reimer GmbH, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Das Unternehmen beschäftigt rund 12.745 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 4.929 Millionen Euro bei einem organischen Wachstum von 2,8 Prozent. Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei beachtlichen 21,9 Prozent.
Das Alleinstellungsmerkmal von Symrise liegt in seiner riesigen Bibliothek von über 30.000 Duft- und Geschmacksstoffen und seiner enormen Forschungs- und Entwicklungskraft – allein 276 Millionen Euro investierte das Unternehmen 2025 in Forschung und Entwicklung. Damit ist Symrise in der Lage, für nahezu jede Anwendung eine maßgeschneiderte sensorische Lösung zu liefern. Der Konzern ist global aufgestellt, forciert seine „ONE Symrise“-Strategie und treibt die Transformation zu noch mehr Effizienz und Nachhaltigkeit voran.
⚙️ TENTE GmbH & Co. KG: Die sanfte Kraft hinter Krankenhausbetten
TENTE mit Sitz in Wermelskirchen ist der weltweit führende Hersteller von Rollen für den Medizin-, Industrie- und Objektbereich. Das über 100 Jahre alte Familienunternehmen entwickelt intelligente Mobilitätslösungen – eine unscheinbare, aber unverzichtbare Technologie, die überall dort zum Einsatz kommt, wo schwere Lasten bewegt werden müssen.
Gegründet 1923 im Ortsteil Tente der Stadt Wermelskirchen, begann die Firma mit dem Vertrieb von Kugelrollen für Schrankschiebetüren. Heute beschäftigt TENTE weltweit 1.580 Mitarbeiter an 30 Standorten und erwirtschaftet einen Umsatz von 263,5 Millionen Euro. Das Unternehmen ist in beiden Segmenten – Industrierollen und High-End-Mobilitätslösungen – Weltmarktführer.
Das Alleinstellungsmerkmal von TENTE liegt in der Perfektionierung einer scheinbar einfachen Technologie. Die Rollen müssen extremen Belastungen standhalten, höchsten Hygieneanforderungen (insbesondere im Medizinbereich) genügen und gleichzeitig leise, leichtgängig und langlebig sein. TENTE beherrscht die Kombination aus technischer Exzellenz und Design, setzt neue Maßstäbe in puncto Langlebigkeit und Umweltfreundlichkeit. Das Unternehmen ist mit seinen Lösungen auf fünf Kontinenten präsent und bietet Support vor Ort in den jeweiligen Landessprachen.
🐟 BAADER Global SE: Die Lübecker Fisch-Revolution
Jedes zweite Fischfilet, das in Europa in der Pfanne landet, wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Maschine der Baader Group aus Lübeck filetiert. Das 1919 gegründete Familienunternehmen ist Weltmarktführer für Fischverarbeitungsmaschinen und Anlagen zur Geflügel- und Fleischbearbeitung.
Schon vor über 100 Jahren revolutionierte das Unternehmen die Branche mit der ersten automatisierten Heringsköpf- und Filetiermaschine. Die Bedeutung dieser Erfindung kann kaum überschätzt werden: Vor Baader war das Filettieren von Fischen reine Handarbeit, heute geschieht es in Sekundenschnelle mit höchster Präzision. Die BAADER Global SE beschäftigt rund 1.600 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von geschätzt 280 Millionen Euro. Geführt wird das Unternehmen von Petra Baader und ihren Mitgeschäftsführern Torsten Krausen und André Knöll.
Das Alleinstellungsmerkmal liegt in der Beherrschung einer extrem komplexen Automatisierungsaufgabe. Die Maschinen müssen die empfindlichen Fischkörper schonend, aber dennoch effizient verarbeiten – eine technologische Herausforderung, die Baader seit über einem Jahrhundert erfolgreich meistert. Das Unternehmen ist in der globalen Fischereiindustrie der unangefochtene Technologieführer und zählt zu den wichtigsten Maschinenbauern Deutschlands.
❄️ Kässbohrer Geländefahrzeug AG: Der Pisten-Kaiser
Jeder Skifahrer kennt sie, aber kaum einer weiß, wo sie herkommen: die Pistenbullys, die die Skipisten präparieren. Sie kommen von der Kässbohrer Geländefahrzeug AG aus Laupheim – dem weltweit führenden Hersteller von Pistenpräparierungsfahrzeugen. Das Unternehmen hält einen Weltmarktanteil von über 50 Prozent und in einigen Regionen sogar zwischen 65 und 70 Prozent.
Die Geschichte des PistenBully begann 1969 bei den Ulmer Kässbohrer Fahrzeugwerken. Nach der Auflösung des Kässbohrer-Konzerns wurde dieser profitable Bereich Mitte der 1990er Jahre als eigenständige Aktiengesellschaft ausgegliedert. Von 1998 bis 2015 war das Unternehmen an der Börse notiert. Heute beschäftigt Kässbohrer rund 500 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von knapp 193 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2013/2014).
Das Alleinstellungsmerkmal liegt in der perfekten Beherrschung einer hochspezialisierten Nische. Pistenbullys müssen extremen Witterungsbedingungen standhalten, auf schwierigstem Gelände navigieren und gleichzeitig präzise die Schneedecke bearbeiten können. Kässbohrer hat diese Technologie über Jahrzehnte perfektioniert und ist mit den Marken PistenBully und BeachTech (Strandreinigungsgeräte) in beiden Segmenten Weltmarktführer.
🚇 Herrenknecht AG: Die Giganten unter der Erde
Die Herrenknecht AG aus Schwanau ist der weltweit führende Hersteller von Tunnelbohrmaschinen. Das 1977 gegründete Unternehmen zählt zu den wichtigsten deutschen Maschinenbauern und erzielte zuletzt einen Umsatz von 1,205 Milliarden Euro bei 5.033 Mitarbeitern.
Die riesigen Maschinen von Herrenknecht haben weltweit Meilensteine gesetzt – darunter den Gotthard-Basistunnel, den längsten Eisenbahntunnel der Welt. Herrenknecht ist Technologie- und Marktführer für maschinelle Tunnelvortriebstechnik und einer der wenigen Anbieter weltweit, der derart komplexe Megamaschinen konstruieren und fertigen kann. Das Unternehmen wird von Martin-Devid Herrenknecht geführt und zählt zu den größten Familienunternehmen Deutschlands (Rang 234 von 5.000).
Das Alleinstellungsmerkmal ist die Beherrschung einer Schlüsseltechnologie für die globale Verkehrsinfrastruktur. Ohne Tunnelbohrmaschinen von Herrenknecht wären viele der großen Infrastrukturprojekte des 21. Jahrhunderts – von U-Bahnen über Eisenbahntunnels bis hin zu Versorgungsleitungen – nicht realisierbar. Die Maschinen werden in höchster Präzision gefertigt und sind in der Lage, selbst unter schwierigsten geologischen Bedingungen zuverlässig zu arbeiten.
💨 BEKO TECHNOLOGIES GmbH: Der unsichtbare Effizienzexperte
BEKO TECHNOLOGIES aus Neuss ist ein Hidden Champion, der in nahezu jeder industriellen Produktionsstätte der Welt präsent ist – ohne dass dies jemandem bewusst wäre. Das Unternehmen ist Weltmarktführer für Kondensatableiter in Druckluftsystemen, eine unscheinbare, aber unverzichtbare Komponente.
Druckluft ist der „vierte Energieträger“ in der Industrie – neben Strom, Gas und Wasser. Sie treibt Maschinen, Werkzeuge und Förderanlagen an. Die dabei entstehenden Kondensate (Wasser, Öl) müssen zuverlässig abgeleitet werden, sonst drohen Schäden an den teuren Anlagen. BEKO TECHNOLOGIES entwickelt, produziert und vertreibt seit 1982 die weltweit führenden Systeme für diese Aufgabe.
Das Familienunternehmen beschäftigt rund 270 Mitarbeiter in Deutschland und erzielt einen Umsatz in der Größenordnung von 50 bis 100 Millionen Euro. Gegründet wurde es von Berthold Koch, der mit der Entwicklung des BEKOMAT den ersten elektronisch betriebenen und niveauregulierten Kondensatableiter präsentierte. Das Alleinstellungsmerkmal ist die Kombination aus hocheffizienter Technologie, Energieeinsparung und Umweltschutz. Die Systeme von BEKO verringern nicht nur den Energieverbrauch, sondern schonen auch die Umwelt – ein entscheidender Vorteil in Zeiten steigender Energiekosten und verschärfter Umweltauflagen. Heute verfügt das Unternehmen über sechs Fertigungsstätten weltweit und ein globales Vertriebsnetz.
👁️ Vitronic Dr.-Ing. Stein Bildverarbeitungssysteme GmbH: Das Auge der Technik
Die Vitronic Gruppe mit Sitz in Wiesbaden ist ein weltweit führender Innovationstreiber für industrielle Bildverarbeitung. Das 1984 von Dr. Norbert Stein gegründete Unternehmen entwickelt und produziert hochmoderne Kamera- und Sensorsysteme, die überall dort zum Einsatz kommen, wo Maschinen „sehen“ müssen – von der Qualitätskontrolle in der Automobilproduktion über die Logistikautomation bis hin zur Verkehrstechnik.
Vitronic ist vielen Autofahrern ein Begriff, ohne dass sie es wissen: Die Firma ist einer der führenden Hersteller von Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen – der sogenannten Blitzer. Die „Poliscan“-Systeme des Unternehmens sind auf Deutschlands Straßen allgegenwärtig. Aber auch in der Industrie ist Vitronic ein entscheidender Player: Die Systeme übernehmen die zuverlässige Erfassung von Sendungen in Logistikzentren und an Frachtflughäfen, sorgen für transparente Warenströme und optimieren Produktionsprozesse.
Vitronic beschäftigt rund 1.400 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2024 einen Umsatz von über 260 Millionen Euro. Das Unternehmen ist auf fünf Kontinenten in über 80 Ländern vertreten. Das Alleinstellungsmerkmal liegt in der Kombination aus langjähriger Erfahrung, technologischer Tiefe und dem breiten Anwendungsspektrum. Vitronic ist in der Lage, für nahezu jede bildbasierte Prüf- und Identifikationsaufgabe eine maßgeschneiderte Lösung zu liefern – von der pharmazeutischen Qualitätskontrolle über die Automobilfertigung bis hin zur öffentlichen Sicherheit.
🔩 Anton Häring KG: Das unsichtbare Rückgrat der Autoindustrie
In Bubsheim, einer kleinen Gemeinde im Landkreis Tuttlingen, sitzt ein Unternehmen, dessen Produkte in fast jedem Auto auf der Welt stecken: die Anton Häring KG. Das Familienunternehmen ist ein führender Hersteller von Präzisionsdrehteilen und Baugruppen für die Automobilindustrie.
„Häring-Technik steckt in fast jedem Fahrzeug“, sagt Marketingleiterin Ramona Leibold. Die Präzisionsteile des Unternehmens kommen in Einspritz-, Sensor-, Getriebe-, Brems- und Lenkungssystemen zum Einsatz – Komponenten, von deren Existenz der Autofahrer meist nichts weiß, die aber für die Funktion des Fahrzeugs unverzichtbar sind. Das 1961 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 4.000 Mitarbeiter weltweit und erzielte 2023 einen Umsatz von 380 Millionen Euro.
Das Alleinstellungsmerkmal von Anton Häring ist die Beherrschung der digitalisierten Großserienfertigung von Präzisionsteilen. Das Unternehmen hat seinen Maschinenpark als Smart Factory konzipiert und produziert täglich rund drei Millionen Präzisionsteile für Mittel- und Großserien. Anton Häring entwickelt und produziert nicht nur Lösungen für klassische Verbrennungsmotoren, sondern vor allem Hightech für neuartige Antriebe wie Hybrid- oder E-Mobility-Fahrzeuge. Mit Standorten in Polen, China und den USA ist das Unternehmen global aufgestellt und beliefert die gesamte internationale Automobilindustrie.
Fazit und Ausblick
Die hier porträtierten zehn Unternehmen sind nur eine kleine Auswahl der über 2.000 Hidden Champions, die Deutschland nach der Zählung von Hermann Simon hervorgebracht hat. Sie zeigen eindrucksvoll, dass deutsche Wirtschaftsstärke nicht allein von großen Konzernen wie Volkswagen, Siemens oder BASF getragen wird, sondern von einem breiten Fundament mittelständischer Weltmarktführer.
Die Erfolgsfaktoren dieser Unternehmen sind vielfältig: tiefes Technologieverständnis, Nähe zum Kunden, langfristige Orientierung, hohe Innovationskraft und eine ausgeprägte Exportorientierung. Viele von ihnen sind familiengeführt, was eine kontinuierliche Strategie über Generationen hinweg ermöglicht. Sie investieren überdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung, sichern sich dadurch technologische Vorsprünge und verteidigen ihre Marktführerschaft konsequent.
Die Herausforderungen für diese Hidden Champions sind jedoch gewaltig. Der internationale Wettbewerb – insbesondere aus China – wird härter. Lieferkettenprobleme, steigende Energiepreise und Fachkräftemangel setzen auch diese Unternehmen unter Druck. Zudem stehen viele von ihnen vor der Herausforderung der digitalen und nachhaltigen Transformation.
Dennoch: Die hier vorgestellten Unternehmen sind hervorragend positioniert, um auch in Zukunft ihre Weltmarktführerschaft zu behaupten. Sie sind flexibel, innovativ und global vernetzt – Eigenschaften, die im 21. Jahrhundert entscheidender sind denn je. Ihre Geschichten zeigen: Die Stärke der deutschen Wirtschaft liegt oft im Verborgenen. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.
Quellen
- Die Deutsche Wirtschaft: „Wickert Maschinenbau GmbH (Landau in der Pfalz) im Ranking der deutschen Top-Unternehmen“, 22. Oktober 2025
- Wickert Maschinenbau: „Corona-Impfstoffproduktion: Wickert“, Unternehmenswebsite
- Wickert Maschinenbau: „WICKERT Maschinenbau: Der südpfälzer Weltmarktführer ist weiter auf Wachstumskurs“, Pressemitteilung
- Wickert Maschinenbau: „Wickert Maschinenbau beliefert weltweit Zulieferer der Pharmaindustrie“, Pressemitteilung
- healthcare-innovation.ch: „Auftragsboom für Pharmapressen“, Interview mit Hans-Joachim Wickert
- Handelsblatt: „Wickert Maschinenbau: Hidden Champion macht Impfkampagne möglich“, 26. Mai 2021
- DIN-Magazin: „Typ-2-Stecker: Wie Mennekes den EU-Standard setzte“, Ausgabe 02-2025
- Deutschlandfunk: „Stecker-Hersteller Mennekes – Einer für alle E-Autos“, 26. Januar 2020
- HypoVereinsbank: „MENNEKES: Pionier der Mobilitätswende mit dem Typ-2-Stecker“, 22. Mai 2024
- Wikipedia: „Mennekes (Unternehmen)“
- Symrise AG: Unternehmensbericht 2025
- Symrise AG: „Symrise erzielt 2025 solides organisches Umsatzwachstum und verbessert Profitabilität deutlich“, 4. März 2026
- TENTE: „Über uns: Mobilitätslösungen seit 1923“, Unternehmenswebsite
- Die Deutsche Wirtschaft: „BAADER Global SE (Lübeck) im Ranking der deutschen Top-Unternehmen“, 22. Oktober 2025
- Wikipedia: „Kässbohrer Geländefahrzeug“
- Die Deutsche Wirtschaft: „Herrenknecht AG (Schwanau) im Ranking der deutschen Top-Unternehmen“, 12. Juni 2025
- wer-zu-wem.de: „Beko – BEKO TECHNOLOGIES GMBH“
- Die Deutsche Wirtschaft: „VITRONIC Dr.-Ing. Stein Bildverarbeitungssysteme GmbH (Wiesbaden) im Ranking der deutschen Top-Unternehmen“, 22. Oktober 2025
- VITRONIC: „Rekordumsatz zum Jubiläum des Technologieführers“, Pressemitteilung 2024
- Weltmarktführerindex: „Weltmarktführer nach Branchen: Anton Häring“
- Anton Häring KG: „Zahlen & Fakten“, Unternehmenswebsite
- Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Der Automobilzulieferer Häring aus Bubsheim ist ein Hidden Champion“, 6. März 2024
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