37 – Prüfung ortsveränderlicher Betriebsmittel: DGUV V3 im Detail
Autor: DerSchneider
Einleitung: Die Prüfung der Stecker- und Verlängerungsleitungen
Ortsveränderliche Betriebsmittel – Bohrmaschinen, Verlängerungsleitungen, Kaffeemaschinen – unterliegen nicht der VDE 0100 (die gilt für die ortsfeste Installation), sondern der DGUV V3 (bisher BGV A3) und der DIN VDE 0701-0702 (Prüfung nach Instandsetzung, Änderung oder Wiederholungsprüfung).
Dieser Artikel klärt, wer prüfen muss, wie oft, was gemessen wird und welche Dokumentation erforderlich ist.
1. Rechtsgrundlagen
- DGUV Vorschrift 3 (Unfallverhütungsvorschrift „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“)
- BetrSichV (§10, §14)
- DIN VDE 0701-0702 (Prüffristen, Messverfahren)
Die DGUV V3 gilt für alle Betriebsmittel, die im Rahmen der beruflichen Tätigkeit verwendet werden (auch private Geräte, wenn sie auf Baustellen eingesetzt werden).
2. Prüffristen (Richtwerte nach DGUV V3 / VDE 0702)
| Betriebsmittelart | Prüffrist |
|---|---|
| Bürogeräte (Computer, Drucker, Kaffeemaschine) | 2 Jahre |
| Handwerkzeuge (Bohrmaschine, Flex) | 6 Monate – 1 Jahr (je nach Beanspruchung) |
| Verlängerungsleitungen (auf Baustellen) | 3–6 Monate |
| Ortsfeste Geräte (z. B. Drucker in Werkstatt) | 2 Jahre |
| Medizingeräte (nicht implantierbar) | Jährlich |
Praxistipp: Die Gefährdungsbeurteilung kann kürzere Fristen fordern. In Nassbereichen (Bau) sind 3 Monate üblich.
3. Prüfumfang nach VDE 0701-0702
| Prüfung | Beschreibung | Messgerät |
|---|---|---|
| Besichtigung | Kabel auf Beschädigung, Stecker auf Verformung, Gehäuse auf Risse | – |
| Schutzleiterwiderstand (bei Schutzklasse I) | Zwischen Stecker-PE und berührbaren Metallteilen | Milliohmmeter |
| Isolationswiderstand (bei Schutzklasse I und II) | Zwischen aktiven Teilen und berührbaren Teilen (500 V DC) | Isolationsmessgerät |
| Schutzleiterstrom (Ableitstrom) | Bei Geräten mit Filter (z. B. Computer) | Stromzange (mA) |
| Funktionsprüfung | Gerät einschalten, alle Funktionen testen | – |
Besonderheit bei Schutzklasse II (doppelt isoliert, kein Schutzleiter): Nur Isolationswiderstand und Ableitstrom (Berührungsstrom) werden gemessen.
4. Wer darf prüfen?
- Elektrofachkraft (EFK) – darf alle Prüfungen durchführen.
- Elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) – darf unter Aufsicht einer EFK besichtigen und einfache Messungen durchführen.
- Befähigte Person – zusätzliche Qualifikation für wiederkehrende Prüfungen nach BetrSichV (nicht zwingend, aber oft gefordert).
Praxistipp: In vielen Betrieben wird die Prüfung von externen Dienstleistern durchgeführt (z. B. TÜV, DEKRA). Das ist teuer, aber haftungssicher.
5. Dokumentation (Prüfbuch für ortsveränderliche Geräte)
Jedes geprüfte Gerät muss eine Prüfplakette erhalten (Jahr, Monat, Prüferkennzeichen). Zusätzlich ist ein Prüfprotokoll zu führen mit:
- Gerätebezeichnung (Inventarnummer)
- Prüfdatum
- Prüfergebnisse (Messwerte)
- Nächste Prüffrist
Elektronische Prüfbücher sind erlaubt und empfohlen.
6. Typische Fehler bei der DGUV-V3-Prüfung
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Nur Sichtprüfung ohne Messungen | Verborgene Isolationsfehler werden nicht erkannt |
| Verwendung eines einfachen Durchgangsprüfers statt Milliohmmeter | Schutzleiterwiderstand zu ungenau (Grenzwert 0,3 Ω) |
| Keine Prüfplakette (nur Protokoll) | Im Einsatz nicht erkennbar, ob Gerät geprüft ist |
| Fristen überschritten (z. B. 2 Jahre statt 1 Jahr) | Bei Unfall: Verstoß gegen DGUV V3 |
Checkliste für die Praxis
- Ist eine Gefährdungsbeurteilung vorhanden, die die Prüffristen festlegt?
- Werden alle ortsveränderlichen Geräte (auch private, wenn auf Baustelle) geprüft?
- Ist das Prüfgerät für VDE 0701-0702 geeignet (Milliohmmeter, Isolationsmessung 500 V)?
- Haben geprüfte Geräte eine aktuelle Prüfplakette?
- Wird ein Prüfbuch (digital oder Papier) geführt?
Fazit und Ausblick
Die DGUV V3 ist kein Papierkrieg, sondern ein wichtiger Baustein der Arbeitssicherheit. Besonders Verlängerungsleitungen auf Baustellen sind häufige Fehlerquellen – hier sind kurze Prüffristen (3–6 Monate) entscheidend.
Im nächsten Artikel (38) widmen wir uns der persönlichen Sicherheit: „Arbeitssicherheit für Elektrofachkräfte: Die fünf Sicherheitsregeln in der Praxis“.
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