Die Evolution der Zapfanlagen: Eine umfassende Chronik von den Anfängen bis zur Hightech-Zukunft

Einleitung

Zapfanlagen sind aus der Gastronomie, von Volksfesten und aus der Systemgastronomie nicht mehr wegzudenken. Ob frisch gezapftes Bier, eiskalte Cola oder innovative Nitro-Kaffee-Kreationen – die Technik hinter dem perfekten Ausschank hat eine ebenso lange wie faszinierende Entwicklungsgeschichte. Diese Reise führt von einfachen hölzernen Bierfässern über die Erfindung der Druckfass-Systeme bis hin zu hochkomplexen, vernetzten Postmix-Anlagen, die Dutzende Getränkesorten aus wenigen Grundzutaten mixen können.

Dieser Artikel beleuchtet die vollständige Entwicklung der Zapfanlagen mit besonderem Blick auf die technischen Meilensteine, die bahnbrechenden Innovationen und die Unternehmen, die diese Branche geprägt haben. Im Zentrum stehen dabei die beiden grundlegenden Systeme: Premix (das fertig gemischte Getränk im Fass) und Postmix (die Mischung erst an der Zapfstelle). Darüber hinaus werden detailliert die Kühltechniken, Ventiltechnologien und die wichtigsten Hersteller vorgestellt.


Teil 1: Die Pioniere – Vom Holzfass zur ersten Zapfanlage

Die Anfänge: Bierausschank vor der Industrialisierung

Bevor es mechanische Zapfanlagen gab, wurde Bier direkt aus dem Fass entnommen – entweder durch einfaches Öffnen des Spunds (Verschluss) oder mit Hilfe von hölzernen Hähnen. Diese Methode war einfach, aber mit erheblichen Nachteilen verbunden: Das Bier kam mit Sauerstoff in Kontakt, verlor schnell seine Kohlensäure und war nur begrenzt haltbar. Zudem mussten die Fässer erhöht gelagert werden, damit das Bier von alleine herausfließen konnte – der reine Schwerkraftausschank.

1785: Joseph Bramahs Bierpumpe

Ein erster technologischer Durchbruch gelang dem englischen Erfinder Joseph Bramah. Er entwickelte 1785 eine Bierpumpe, die erstmals mechanische Prinzipien nutzte, um Bier aus dem Fass zu fördern. Dies war der Vorläufer aller späteren Zapfanlagen.

1791: Die erste echte Zapfanlage in London

Im Londoner Pub „The Carlton“ wurde 1791 die erste echte mechanische Zapfanlage installiert. Das System nutzte ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von Pumpen und Leitungen, um Bier aus den Kellern in die Schankräume zu befördern. Dies war revolutionär: Bier musste nicht mehr mühsam in Fässern nach oben getragen werden, sondern stand auf Knopfdruck zur Verfügung.

1870er Jahre: Die Erfindung des Druckfasses

Die Erfindung des Druckfasses durch Michael Faßbinder in den 1870er Jahren markierte einen weiteren Meilenstein. Erstmals wurde Kohlensäure nicht nur als natürliches Nebenprodukt der Gärung, sondern gezielt als Förder- und Konservierungsmittel eingesetzt. Das Bier konnte nun über längere Zeit frisch gehalten werden, ohne an Qualität zu verlieren.


Teil 2: Cornelius – Die Geburtsstunde der modernen Zapfanlage

1931: Die Gründung einer Legende

Die Geschichte des Unternehmens, das wie kein zweites mit der Entwicklung moderner Zapfanlagen verbunden ist, beginnt 1931. In diesem Jahr gründeten Dick Cornelius und sein Vater N.F. Cornelius Sr. ein Unternehmen, das die Getränkebranche für immer verändern sollte . Die Cornelius Inc. widmete sich zunächst der Herstellung und dem Verkauf von Fassbieranlagen – ein Geschäft, das in der Prohibitionszeit in den USA (1920-1933) nicht einfacher wurde, aber dennoch Perspektiven bot.

1935: Offizielle Gründung der Cornelius Inc.

1935 erfolgte die offizielle Gründung der Cornelius Inc. . Die ersten Jahre waren geprägt von der Perfektionierung der Bierausschanktechnik. Doch dann kam der Zweite Weltkrieg.

1940er Jahre: Kriegswirtschaft und technologische Sprünge

Während des Zweiten Weltkriegs stellte Cornelius seine Fertigungskapazitäten auf die Rüstungsindustrie um. Das Unternehmen spezialisierte sich auf die Herstellung von luftgestützten Hochdruck-Pneumatikkompressoren und dem zugehörigen Zubehör für Militärflugzeuge . Diese Erfahrung mit Hochdrucksystemen und Pneumatik sollte sich nach dem Krieg als unschätzbar wertvoll erweisen – das Wissen floss direkt in die Entwicklung neuer Zapfsysteme ein.

1955: Einführung des ersten Premix-Systems

Ein historischer Meilenstein gelang Cornelius 1955 mit der Einführung der ersten Premix-Systeme für die Ausgabe von Erfrischungsgetränken . Damit war die Geburtsstunde der modernen Softdrink-Zapfanlage gekommen. Das Prinzip: Ein fertig gemischtes Getränk (daher „Premix“ – vorab gemischt) wurde in Drucktanks abgefüllt und mit Hilfe von Kohlensäure aus dem Tank gedrückt.

1957: Komplettes Portfolio

Bereits zwei Jahre später, 1957, verfügte Cornelius über das umfassendste Sortiment an Premix-Equipment in der Branche . Komplette Zapfanlagen, CO2-Regler und Kühlplatten-Geräte gehörten nun zum Portfolio. Der Grundstein für die globale Dominanz war gelegt.

1960-1968: Die Internationalisierung

In den Jahren 1960 bis 1968 wurde Cornelius global. Das Unternehmen gründete Produktionsniederlassungen, Vertriebs- und Service-Support in Kanada, Asien, Südamerika und Australien . 1962 überschritt der Umsatz mit Softdrink-Geräten die 10-Millionen-Dollar-Marke – ein beeindruckender Erfolg für ein Unternehmen, das dreißig Jahre zuvor als kleiner Familienbetrieb gestartet war .


Teil 3: Die Geburt des Postmix-Systems

1964: Der Soda Circuit

Die nächste Revolution ließ nicht lange auf sich warten. 1964 führte Cornelius den Postmix-Spender Soda Circuit ein . Das System bestand aus einer zentralen Fernkühleinheit und einer isolierten Mehrfach-Zufuhrleitung, die durch rückgeführtes kaltes kohlensäurehaltiges Wasser gekühlt wurde. Dies war die Geburtsstunde des modernen Postmix-Ausschanks, bei dem Sirup und Wasser erst an der Zapfstelle gemischt werden.

1967: Die Erfindung der Slush-Maschine

1967 stellte Cornelius eine Reihe von Postmix-Spendern für halbgefrorene kohlensäurehaltige Getränke vor – die Geburtsstunde der „Slushys“ . Diese Geräte konnten nicht nur das Erfrischungsgetränk mischen, sondern auch die Temperatur des Getränks unter Beibehaltung der Kohlensäure auf unter 30 Grad Fahrenheit (ca. -1°C) senken. Ein völlig neues Produktsegment war entstanden.

1969: Der Siegeszug des Postmix

Bereits 1969 waren 80 % aller in Betrieb befindlichen kohlensäurehaltigen Getränkespender Postmixer . Der Grund lag auf der Hand: Durch Postmix-Systeme konnte ein Getränk zu deutlich geringeren Kosten ausgegeben werden als durch Premix-Anlagen, da die Kosten für die Handhabung und den Transport großer Wassermengen entfielen.


Teil 4: Premix und Postmix – Die beiden Welten im Detail

Um die technologische Entwicklung zu verstehen, ist ein tiefgehender Blick auf die beiden grundlegenden Systeme unerlässlich.

4.1 Premix: Das fertig gemischte Getränk

Definition und Prinzip

Premix (auch pre-mix) bezeichnet eine Methode zum Ausschank von – üblicherweise kohlensäurehaltigen – Erfrischungsgetränken, bei der ein trinkfertiges Produkt zum Einsatz kommt . Das Getränk ist bereits mit Kohlensäure versetzt und identisch mit dem Getränk der gleichen Marke, das in Flaschen oder Dosen verkauft wird .

Die Gebinde: Cornelius-Kegs und regionale Unterschiede

Die Getränkepackungen sind in der Regel Stahlbehälter mit einem Fassungsvermögen von 9/10 oder 18/20 Litern . Es gibt jedoch regionale Unterschiede:

  • Deutschland: 9-Liter- bzw. 18-Liter-Stahlbehälter
  • Rhein-Main-Gebiet und Schweiz: 10-Liter- bzw. 20-Liter-Behälter 

Diese Behälter sind als Cornelius-Kegs (oder kurz „Corny Kegs“) bekannt – ein Name, der bis heute für die typischen Edelstahl-Druckfässer verwendet wird .

Die Technik des Premix-Ausschanks

Der Softdrink wird über eine Schankanlage ausgegeben, die ihn auf optimale Trinktemperatur kühlt. Die Kohlensäure dient hier nicht der Karbonisierung, sondern nur als Förderdruck, um das Getränk aus dem Behälter zu bekommen . Spezielle Zapfhähne verhindern übermäßige Schaumbildung.

Einsatzgebiete

Ein Premixsystem eignet sich besonders für Betriebe mit geringerem Volumen:

  • Kleine Gastronomiebetriebe
  • Imbissstände
  • Catering-Events ohne festen Wasseranschluss
  • Einsatzbereiche zwischen 25 und 100 Hektolitern Jahresverbrauch 

Vorteile von Premix

  • Einfache Handhabung: Keine Mischtechnik erforderlich
  • Konstanter Geschmack: Identisch mit Flaschen- oder Dosenware
  • Flexibel einsetzbar: Unabhängig vom örtlichen Trinkwasser
  • Keine aufwendige Reinigung: Weniger Komponenten als bei Postmix

Nachteile von Premix

  • Höhere Kosten pro Getränk: Da das Wasser mit transportiert wird
  • Größerer Lagerbedarf: Voluminöse Fertiggetränke
  • Logistikaufwand: Transport des Wassers überflüssigerweise

4.2 Postmix: Die Mischung an der Zapfstelle

Definition und Prinzip

Postmix (auch post-mix) bezeichnet eine Methode zum Ausschank, bei der das Getränk erst an der Zapfstelle aus seinen Grundzutaten gemischt wird . Gekühltes Leitungswasser wird mit oder ohne CO2 mit Aromen (Sirup) gemischt. Der Name leitet sich ab vom englischen „post“ (nach) und „mix“ (mischen) – also das Mischen erst im Nachhinein .

Die Sirupe: Bag-in-Box als Standard

Bei Postmixsystemen kommen spezielle Getränkesirupe zum Einsatz, die meist in Bag-in-Box-Verpackungen (Beutel im Karton) oder Mehrweggebinden ausgeliefert werden . Diese Sirupe sind hochkonzentriert und werden vor dem Servieren im richtigen Verhältnis mit Wasser vermischt. Das Mischungsverhältnis variiert je nach Getränk und Hersteller zwischen 1:4 und 1:16 .

Die Wasseraufbereitung: Der Schlüssel zur Qualität

Ein entscheidender Faktor für die Qualität von Postmix-Getränken ist die Wasseraufbereitung. Da das Wasser aus dem öffentlichen Netz kommt, muss es :

  • Gefiltert werden (Entfernung von Partikeln)
  • Geschmacksneutralisiert werden (Entfernung von Chlor und anderen Geschmacksstoffen)
  • Gekühlt werden
  • Je nach Getränk mit Kohlensäure versetzt werden

Die Mischtechnik: Dosierpumpen und Wasserstrahlmischer

Die Vermischung von Sirup und Wasser erfolgt in der Regel über :

  • Elektromagnetische Dosierpumpen: Präzise Dosierung durch elektronische Steuerung
  • Wasserstrahlzumischer: Nutzen den Wasserdruck zur Sirupansaugung (Venturi-Prinzip)

Moderne Systeme arbeiten mit Durchflussmessern und elektronischen Ventilen, die eine exakte Dosierung unabhängig von Druckschwankungen ermöglichen.

Die Zapfstellen: Von der Säule bis zur Bargun

Postmix-Getränke können über verschiedene Zapfstellen ausgegeben werden :

Säulen-Dispenser (Tower):

  • Für den Selbstbedienungsbereich (z.B. in Hotels mit All-Inclusive oder Kantinen)
  • Mehrere Zapfköpfe für verschiedene Geschmacksrichtungen
  • Oft mit Eiswürfelspendern kombiniert

Barguns (auch Sodapistolen):

  • In der Hand des Bar- oder Kellnerpersonals
  • Alle Sirupleitungen sind im Schlauch gebündelt
  • Mehrere Tasten für verschiedene Getränke
  • Ideal für hohen Durchsatz in Clubs und Restaurants

Die Durchflussleistung

Die Leistungsfähigkeit von Postmix-Systemen wird in Millilitern pro Sekunde gemessen. Typische Werte liegen zwischen 6 und 15 ml pro Sekunde, was einem Stundenausstoß von 21 bis 54 Litern fertigem Getränk entspricht .

4.3 Die Wirtschaftlichkeitsgrenze

Ein entscheidender Faktor bei der Wahl zwischen Premix und Postmix ist die Wirtschaftlichkeit. Die Faustregel lautet :

  • Bis 100 Hektoliter Jahresverbrauch: Premix-System sinnvoll
  • Ab 100 Hektolitern Jahresverbrauch: Postmix-System rentiert sich

Der Grund liegt in den unterschiedlichen Kostenstrukturen: Während Premix geringere Anschaffungs- und Wartungskosten, aber höhere Getränkekosten hat, ist es bei Postmix genau umgekehrt.

4.4 Systemvergleich im Überblick

KriteriumPremixPostmix
ProduktFertig gemischtes GetränkSirup-Konzentrat
WasserIm Gebinde enthaltenAus Leitung (gefiltert)
LagerbedarfHoch (Wasser wird mitgelagert)Gering (nur Sirup)
AnschaffungskostenNiedrigerHöher
WartungsaufwandGeringHöher (Diffuser und Mischer müssen täglich gereinigt werden) 
GetränkekostenHöherNiedriger
GeschmackKonstant, markenidentischAbhängig von lokaler Wasserqualität 
Idealer EinsatzKleine Betriebe, Events ohne WasseranschlussGroße Betriebe, Fast-Food, hoher Durchsatz

Teil 5: Die Kühltechnik – Das Herz jeder Zapfanlage

Die Kühlung ist neben der Druckregulierung die wichtigste Funktion jeder Zapfanlage. Hier haben sich im Laufe der Jahrzehnte verschiedene Technologien entwickelt.

5.1 Grundlagen der Getränkekühlung

Die optimale Trinktemperatur variiert je nach Getränk:

  • Bier: 6-8°C (je nach Sorte)
  • Softdrinks: 4-6°C
  • Wasser: 8-12°C

Um diese Temperaturen zu erreichen, müssen die Getränke entweder im Vorratstank oder auf dem Weg zur Zapfstelle gekühlt werden.

5.2 Trockenkühlung (Dry Cooling)

Bei der Trockenkühlung wird ein Aluminiumblock als Kältespeicher und -überträger eingesetzt .

Funktionsprinzip

  • Im Aluminiumblock sind sowohl die Getränkeleitungen als auch die Kühlleitungen eingegossen
  • Der Block wird durch das Kühlaggregat auf die gewünschte Temperatur gebracht
  • Die Wärme wird von den Getränkeleitungen an den Aluminiumblock abgegeben

Eigenschaften der Trockenkühlung

  • Kompakte Bauweise: Ideal für platzsparende Geräte
  • Schnelle Reaktionszeit: Temperaturänderungen wirken sich schnell aus
  • Geringere Kältereserve: Bei Zapfspitzen kann die Temperatur ansteigen
  • Weniger anfällig für Verkalkung: Kein Wasser im Kühlsystem

5.3 Nasskühlung (Wet Cooling) mit Eisbank-Technologie

Die Nasskühlung ist die leistungsfähigere Technologie für hohe Zapfleistungen .

Funktionsprinzip

  • Ein Wasserbad dient als Kältespeicher
  • Die Getränkeleitungen verlaufen durch dieses Wasserbad
  • Das Kühlaggregat kühlt das Wasserbad und kann dabei Eis produzieren
  • Dieses Eis dient als thermischer Pufferspeicher

Die Eisbank-Technologie im Detail

Der entscheidende Vorteil der Nasskühlung ist die Möglichkeit, eine Eisbank (ice bank) aufzubauen :

  • In verbrauchsarmen Zeiten gefriert das Wasser um die Kühlschlangen herum zu Eis
  • Bei Zapfspitzen schmilzt dieses Eis langsam wieder
  • Die Temperatur des Kühlbads bleibt während des gesamten Schmelzvorgangs konstant bei 0°C
  • Dadurch können auch extreme Zapfspitzen (z.B. in der Halbzeitpause eines Fußballspiels) abgefedert werden

Vorteile der Eisbank-Technologie

  • Konstante Temperatur auch bei Spitzenlast
  • Geringere Kälteleistung des Aggregats ausreichend (da Eis als Puffer dient)
  • Energieeffizienter im Dauerbetrieb
  • Ideal für hohe Durchsatzraten

5.4 Durchlaufkühler (Inline-Kühler)

Eine Sonderform der Kühlung sind Durchlaufkühler, die das Getränk erst unmittelbar vor dem Zapfen auf Temperatur bringen.

Funktionsprinzip

  • Das Getränk fließt durch einen Wärmetauscher
  • Ein Kältemittel (bei Kompressorkühlung) oder kaltes Wasser (bei Wasserkühlung) entzieht dem Getränk die Wärme
  • Keine Bevorratung von gekühltem Getränk

Eigenschaften der Durchlaufkühlung

  • Hygienischer: Kein stehendes, gekühltes Wasser
  • Platzsparend: Keine großen Kühltanks erforderlich
  • Geringere Kältereserve: Geeignet für gleichmäßigen, nicht zu hohen Durchsatz
  • Schnelle Reaktionszeit: Ideal für wechselnde Getränke

5.5 Fernkühlsysteme (Remote Cooling)

Bei großen Gastronomiebetrieben mit mehreren Ausschankstellen (z.B. Stadien, Festzelte) werden oft Fernkühlsysteme eingesetzt.

Funktionsprinzip

  • Eine zentrale Kühleinheit (oft mit Eisbank) kühlt ein Kälteträgermedium (meist Wasser-Glykol-Gemisch)
  • Dieses Kältemedium wird durch isolierte Leitungen zu den einzelnen Zapfstellen gepumpt
  • An den Zapfstellen befinden sich Wärmetauscher, die die Getränke auf Temperatur bringen

Der historische Vorläufer: Soda Circuit (1964)

Das erste derartige System war der von Cornelius 1964 eingeführte Soda Circuit – eine zentrale Fernkühleinheit mit isolierten Mehrfach-Zufuhrleitungen, gekühlt durch rückgeführtes kaltes kohlensäurehaltiges Wasser .


Teil 6: Ventiltechnik – Präzision am Zapfhahn

Die Ventiltechnik hat einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität des ausgeschenkten Getränks.

6.1 Druckkompensierende Ventile

Bei Premix-Anlagen kommen oft druckkompensierende Ventile zum Einsatz. Sie sorgen dafür, dass der Durchfluss unabhängig vom Druck im System konstant bleibt .

6.2 Elektronische Ventile

Mit der zunehmenden Digitalisierung hielten auch elektronische Ventile Einzug in die Zapftechnik.

1980: Der Zesto – erster elektronischer Postmix-Spender

1980 führte Cornelius den Zesto ein – den ersten elektronischen Postmix-Spender . Der elektronische Touch-Schalter ermöglichte die Ausgabe von sechs Geschmacksrichtungen in drei verschiedenen Größen. Dies war der Beginn der elektronischen Steuerung in der Zapftechnik.

Moderne Mehrfachventile

Aktuelle High-End-Systeme nutzen Mehrfachventile, die bis zu 20 verschiedene Geschmacksrichtungen aus einer einzigen Ventileinheit ausgeben können. Die 2019 von Cornelius eingeführten Prism Valve und Lit Valve sind Beispiele für diese Generation von Präzisionsventilen .

6.3 Die Entwicklung der Slush-Ventile

Eine besondere Herausforderung stellen halbgefrorene Getränke (Slush) dar. Hier müssen die Ventile so konstruiert sein, dass sie die Eiskristalle passieren lassen, ohne zu verstopfen, und gleichzeitig die Kohlensäure im Getränk halten. Cornelius‘ System von 1967 war der Pionier auf diesem Gebiet .

6.4 Moderne Innovation: Das IDC-Pro (2015)

2015 brachte Cornelius den IDC-Pro auf den Markt – einen revolutionären neuen interaktiven Postmix-Eisgetränkespender . Ausgestattet mit:

  • Dual-Touchscreen als Benutzeroberfläche
  • Integriertem Diagnoseservice
  • Multi-Geschmacksventilen mit 20 Marken und 8 Geschmacksrichtungen

Teil 7: Die großen Hersteller im Überblick

7.1 Cornelius (heute IMI Cornelius / Marmon Group)

Gründung: 1931 von Dick Cornelius und N.F. Cornelius Sr.

Meilensteine:

  • 1935: Offizielle Gründung Cornelius Inc.
  • 1940er: Produktion von Hochdruck-Pneumatikkompressoren für Militärflugzeuge
  • 1955: Erstes Premix-System für Erfrischungsgetränke
  • 1957: Umfassendstes Premix-Portfolio der Branche
  • 1964: Einführung des Postmix-Spenders Soda Circuit
  • 1967: Erste Slush-Maschine
  • 1980: Erster elektronischer Postmix-Spender (Zesto)

Eigentümergeschichte:

  • 1982: Übernahme durch IMI
  • 2014: Übernahme durch die Marmon Group (100%ige Tochter von Berkshire Hathaway, Warren Buffett) 

Aktuelle Innovationen:

  • 2008: Viper FCB-Plattform
  • 2015: Viper Elite
  • 2015: IDC-Pro (interaktiver Postmix-Eisgetränkespender)
  • 2017: Cornelius Digital Management System (DMS)
  • 2017: QSP (Drive-Through-Effizienz)
  • 2019: NitroPro™ Mini (Nitrokaltgetränkespender)
  • 2019: Prism Valve und Lit Valve

7.2 Postmix AG (Schweiz)

Gründung: Vor über 60 Jahren

Spezialität: Komplettanbieter für Offenausschank-Lösungen in der Schweiz

Portfolio: 

  • Postmix-Anlagen
  • Tafelwasseranlagen
  • Premix-Anlagen
  • Bierzapfanlagen

Besonderheiten:

  • Eigene Produktion
  • Innovative Getränkelösungen
  • Schweizweiter 24/7-Service
  • Nachhaltige Getränkekonzepte

7.3 Weitere bedeutende Hersteller

HerstellerSpezialitätBesonderheiten
Lancer (USA)Postmix-Systeme, SodapistolenGlobaler Player, stark in Fast-Food-Ketten
Bunn (USA)Heißgetränke, KaltgetränkeBreites Portfolio, auch Filterkaffeemaschinen
Manitowoc (USA)Eiswürfelmaschinen, GetränketechnikHeute Teil von Welbilt
Carbotek (Deutschland)Getränketechnik, CO2-AnlagenDeutscher Spezialist
Celli (Italien)Bierzapfanlagen, WeinkühlungItalienische Tradition

Teil 8: Die digitale Revolution – Vernetzte Zapfsysteme

8.1 Cornelius Digital Management System (DMS) 2017

Mit dem Cornelius Digital Management System (DMS) hielt 2017 die vollständige Vernetzung Einzug in die Welt der Zapfanlagen . Das System ist eine einfache, benutzerfreundliche Lösung zur Überwachung von Gastronomiebetrieben und bietet Werkzeuge für schnelles Wachstum.

Funktionen moderner vernetzter Systeme

  • Fernüberwachung aller Zapfstellen
  • Automatische Verbrauchserfassung und Bestellwesen
  • Frühwarnsystem bei technischen Problemen
  • Optimierung der Reinigungszyklen
  • Analyse von Verbrauchsmustern und Umsatzdaten

8.2 Drive-Through-Optimierung (QSP 2017)

Eine spezielle Anwendung digitaler Technologie ist das 2017 eingeführte QSP-System von Cornelius zur Unterstützung der Drive-Through-Effizienz . In Zeiten von immer schneller werdenden Fast-Food-Betrieben ist jede Sekunde, die an der Ausgabestelle eingespart wird, bares Geld wert.

8.3 Intelligente Wartung

Moderne Systeme melden Wartungsbedarf selbstständig:

  • Reinigungsintervalle werden überwacht
  • Filterwechsel werden angekündigt
  • CO2-Flaschenstand wird fernüberwacht
  • Technische Störungen werden vorab diagnostiziert

Teil 9: Neue Trends – Nitro und Kaltbrühe

9.1 Nitro-Kaffee: Der Trend aus den USA

Eine der spannendsten Innovationen der letzten Jahre ist Nitro-Kaffee. Dabei wird kalt gebrühter Kaffee (Cold Brew) mit Stickstoff (N2) versetzt und über spezielle Zapfanlagen ausgegeben.

Das Phänomen

  • Stickstoff bildet feinere Bläschen als Kohlensäure
  • Es entsteht eine cremige, samtige Textur (ähnlich wie bei Guinness-Bier)
  • Der Kaffee wird ohne Milch „cremig“
  • Angenehm süßer Geschmack ohne Bitterkeit

2019: Cornelius NitroPro™ Mini

2019 brachte Cornelius den NitroPro™ Mini auf den Markt – einen einfach zu bedienenden Getränkespender, der unbegrenzt trendigen Nitro-Aufguss ohne kostspielige Zusatzgeräte liefert . Einfach einstecken und das cremige Mundgefühl mit ausgewogenerem Geschmack von Nitro und kalt gebrühtem Kaffee genießen.

9.2 Kombination mit Postmix

Die Nitro-Technologie lässt sich nahtlos in bestehende Postmix-Systeme integrieren. Damit können Gastronomen ihren Kunden neben klassischen Softdrinks auch trendige Nitro-Getränke anbieten, ohne komplett neue Infrastruktur aufbauen zu müssen.


Teil 10: Technische Komponenten im Überblick

10.1 CO2-Versorgung

Die Kohlensäureversorgung ist das Rückgrat jeder Zapfanlage. Sie besteht aus:

  • CO2-Flasche (Druckgasbehälter, typisch 6-50 kg)
  • Druckminderer (Reduzierung auf Arbeitsdruck, ca. 4-5 bar)
  • Sicherheitseinrichtungen (Überdruckventile)
  • Leitungen (meist Kupfer oder Edelstahl)

10.2 Wasseraufbereitung für Postmix

Die Wasserqualität ist entscheidend für den Geschmack. Eine typische Postmix-Wasseraufbereitung umfasst:

  • Partikelfilter (Entfernung von Schwebstoffen)
  • Aktivkohlefilter (Entfernung von Chlor und Gerüchen)
  • Enthärtungsanlage (optional, bei hartem Wasser)
  • UV-Entkeimung (optional, bei hohen Hygieneanforderungen)

10.3 Sirup-Fördersysteme

Der Transport des Sirups vom Gebinde zur Zapfstelle erfolgt durch:

  • Druckbeaufschlagung des Bag-in-Box (durch CO2 oder Luft)
  • Elektrische Förderpumpen (bei größeren Entfernungen)
  • Schwerkraft (bei Anordnung oberhalb der Zapfstelle)

10.4 Misch- und Dosiertechnik

Die präzise Mischung von Sirup und Wasser erfolgt durch:

  • Durchflussmesser (elektronische Erfassung von Sirup und Wasser)
  • Dosierpumpen (exakte Förderung des Sirups)
  • Statische Mischer (homogene Vermischung)
  • Diffusoren (in der Zapfstelle, letzte Durchmischung)

Teil 11: Die wichtigsten Hersteller im Detail

HerstellerGründungSpezialitätIkonische ProdukteBesonderheit
Cornelius (Marmon Group)1931KomplettanbieterErste Premix-Anlage (1955), Zesto (1980), IDC-Pro (2015), NitroPro (2019)Pionier der Branche, seit 2014 bei Berkshire Hathaway
Postmix AGca. 1960Postmix-, Premix-, Bier-AnlagenIndividuelle Lösungen für CH-MarktEigene Produktion, 24/7-Service
Lancer1967Postmix-SystemeSodapistolen, DispenserWeltmarktführer bei Fast-Food-Ketten
Bunn1957Heiß- und KaltgetränkeBunn-O-Matic, Postmix-DispenserBreites Portfolio
Cellini1960erBierzapfanlagenBierkühlung, WeinkühlungItalienische Tradition

Teil 12: Wirtschaftliche Bedeutung und Marktzahlen

12.1 Verbreitung in der Gastronomie

Zapfanlagen sind aus der modernen Gastronomie nicht wegzudenken:

  • Fast-Food-Restaurants: Nahezu 100% der kohlensäurehaltigen Getränke werden über Postmix ausgegeben
  • Hotels: Buffetbereiche mit Selbstbedienungs-Dispensern
  • Bars und Clubs: Sodapistolen als Standard
  • Catering und Events: Mobile Premix-Lösungen

12.2 Wirtschaftlichkeitsrechnung Postmix vs. Flaschenware

Ein Vergleich zeigt die enorme Wirtschaftlichkeit von Postmix-Systemen:

  • Flaschenware: Hohe Transportkosten, Pfandlogistik, Platzbedarf
  • Postmix: Nur Sirup wird transportiert (1 Teil Sirup + 5-10 Teile Wasser)
  • Einsparung: Bis zu 80% der Transportkosten und Lagerfläche

12.3 Der deutsche Markt

Für Deutschland liegen folgende Daten vor:

  • Bierausschank: Über 80% des in der Gastronomie ausgeschenkten Bieres stammt aus Zapfanlagen
  • Softdrink-Ausschank: In der Systemgastronomie dominiert Postmix mit >90% Marktanteil
  • Wachstumsmarkt: Nitro-Getränke mit jährlichen Wachstumsraten von über 20%

Teil 13: Ausblick – Die Zukunft der Zapfanlagen

13.1 Vollständige Vernetzung

Die Zukunft gehört vollvernetzten Systemen. Cornelius DMS ist erst der Anfang. Künftig werden Zapfanlagen:

  • Automatisch Nachbestellungen auslösen
  • Wartungstermine eigenständig vereinbaren
  • Verbrauchsdaten in Echtzeit an die Zentrale melden
  • Umsatz- und Beliebtheitsanalysen erstellen

13.2 Personalisierung

Moderne Touchscreen-Systeme wie der IDC-Pro ermöglichen bereits heute eine Personalisierung. Künftig werden Zapfanlagen:

  • Individuelle Getränkemischungen ermöglichen
  • Gesundheitsdaten (Zuckergehalt) anzeigen
  • Kundenprofile erkennen und bevorzugte Getränke vorschlagen

13.3 Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor:

  • Energieeffiziente Kühlsysteme mit natürlichen Kältemitteln
  • Reduzierung von Plastikmüll durch Mehrwegsysteme
  • CO2-neutrale Betriebskonzepte
  • Wassersparende Technologien

13.4 Neue Getränkekategorien

Die Produktvielfalt wird weiter zunehmen:

  • Hard Seltzer (alkoholische Sprudelwasser)
  • Kombucha vom Fass
  • Functional Beverages (mit Vitaminen, Mineralstoffen)
  • Pflanzenbasierte Milchalternativen aus dem Dispenser

Schlussbetrachtung

Die Reise von den einfachen Holzfässern des 18. Jahrhunderts über die ersten Druckfässer bis hin zu den hochkomplexen, vernetzten Postmix-Systemen von heute ist eine Geschichte des menschlichen Erfindungsgeistes und des unermüdlichen Strebens nach besserer Qualität, höherer Effizienz und größerem Komfort.

Unternehmen wie Cornelius haben diese Entwicklung maßgeblich geprägt – von der Gründung 1931 über die Einführung des ersten Premix-Systems 1955 bis hin zum digital vernetzten IDC-Pro und dem innovativen NitroPro. Die Übernahme durch die Marmon Group (Berkshire Hathaway) zeigt, dass Zapfanlagen auch heute noch ein hochprofitables und zukunftsträchtiges Geschäft sind.

Die beiden grundlegenden Systeme – Premix und Postmix – haben sich als optimale Lösungen für unterschiedliche Anwendungsfälle etabliert. Während Premix mit seiner Einfachheit und Flexibilität punktet, überzeugt Postmix durch Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Die Entscheidung zwischen beiden hängt vom jeweiligen Einsatzbereich, dem zu erwartenden Volumen und den vorhandenen Anschlussmöglichkeiten ab.

Die technologischen Innovationen sind beeindruckend: Von der Eisbank-Kühltechnologie, die extreme Zapfspitzen abfedert, über präzise elektronische Ventile bis hin zu vollvernetzten Managementsystemen – die Branche entwickelt sich rasant weiter.

Und mit Trends wie Nitro-Kaffee entstehen völlig neue Produktkategorien, die das Potenzial haben, die Getränkelandschaft nachhaltig zu verändern. Eines ist sicher: Die Zukunft des Getränkeausschanks wird vernetzt, nachhaltig und innovativ sein – und die hier vorgestellten Technologien und Unternehmen werden diese Zukunft maßgeblich gestalten.


Quellenverzeichnis

  1. Cornelius EMEA: Our History – Unternehmenschronik 1931-2019 
  2. Wikipedia: Postmix – Definition und technische Beschreibung 
  3. Wikipedia: Premix – Definition und regionale Unterschiede 
  4. Yumda: Premix – Fachlexikon-Eintrag 
  5. Postmix AG: Unternehmenswebsite – Über 60 Jahre Erfahrung 
  6. Kurzy.cz: Postmix – Technische Beschreibung der Kühlsysteme (Trocken-/Nasskühlung) 
  7. HMDrinks.pl: Premix czy Postmix – Detaillierter Systemvergleich (polnisch) 
  8. IPFS: Premix and postmix – Englische Systembeschreibung 
  9. Mark Pendergrast: For God, Country and Coca-Cola, New York, 1993 

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