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SmartLA 2028: Eine kritische Betrachtung der digitalen Stadtvision

Autor: DerSchneider


Einleitung

Im Dezember 2020 veröffentlichte die Stadt Los Angeles unter der Federführung ihres Chief Information Officers Ted Ross die Smart-City-Strategie „SmartLA 2028“ – ein Dokument, das die Transformation der zweitgrößten Stadt der USA bis zu den Olympischen Sommerspielen 2028 skizziert. Die Vision: eine „hochgradig digitale und vernetzte Stadt“, in der Technologie die Lebensqualität von 4 Millionen Einwohnern, einer halben Million Unternehmen und 50 Millionen jährlichen Besuchern verbessern soll.

Doch hinter der glänzenden Fassade von 5G-Netzen, intelligenten Straßenlaternen und KI-gestützten Dienstleistungen offenbart das Strategiepapier eine Reihe von Widersprüchen, ethischen Problemen und strukturellen Schwächen. Die vorliegende Analyse nimmt die zentralen Versprechungen von SmartLA 2028 kritisch unter die Lupe, beleuchtet die tatsächlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung und fragt nach den wahren Nutznießern dieser digitalen Transformation.


Die erklärten Ziele: Eine Stadt der Zukunft

Das Strategiepapier formuliert fünf zentrale Säulen der Smart-City-Entwicklung:

Infrastruktur: Ausbau von 5G, Glasfaser, IoT-Sensoren und intelligenter Beleuchtung. Bereits 2018 wurde Los Angeles zur ersten großen US-Stadt mit 5G erklärt, mit über 2.500 Zugangspunkten innerhalb von zwei Jahren.

Daten-Tools & -Praktiken: Etablierung offener Datenplattformen und datengesteuerter Entscheidungsfindung, etwa beim CompStat-Programm der Polizei oder bei der CleanStreets-Initiative zur Straßenreinigung.

Digitale Dienstleistungen: Ausbau von MyLA311, ShakeAlertLA und weiteren Anwendungen, die den Bürgern den Zugang zu städtischen Dienstleistungen erleichtern sollen.

Konnektivität & Digitale Inklusion: Bekämpfung der digitalen Kluft durch Programme wie Tech2Go und OurCycleLA.

Governance: Koordination der Smart-City-Aktivitäten über verschiedene Ämter und Ausschüsse hinweg.

Das Papier betont dabei stets die ethische Verantwortung und die Notwendigkeit, Technologie „zum Wohle der Menschen“ einzusetzen. Es verspricht eine Verbesserung der Lebensqualität, mehr Nachhaltigkeit und eine inklusivere Gesellschaft.


Die dunkle Seite der Vernetzung: Überwachung als Geschäftsmodell

Der wohl gravierendste Widerspruch von SmartLA 2028 findet sich im Spannungsfeld zwischen behaupteter Ethik und tatsächlicher Praxis. Die Stadt betont, sie wolle „die City vor rassistischen oder geografischen Ungleichheiten und negativen sozialen Folgen für die Öffentlichkeit“ schützen – und implementiert gleichzeitig Technologien, die genau diese Risiken exponentiell verstärken.

Die Flock-Kameras: Massenüberwachung im öffentlichen Raum

Ein besonders aktuelles Beispiel ist der Einsatz von Flock-Safety-Kameras im L.A. State Historic Park in Chinatown. Diese mit Solarenergie betriebenen Kameras sind automatische Kennzeichenleser (ALPR), die von einer privaten Überwachungsfirma betrieben werden, die mit Tausenden von Polizeibehörden und Städten in den USA zusammenarbeitet. Die Kameras wurden Ende 2024 installiert – offiziell zur Abschreckung von Diebstahl und Vandalismus.

Die Kritik an diesen Systemen ist massiv: Die Bürgerrechtsorganisation ACLU warnt, dass das Problem der Massenüberwachung darin bestehe, dass sie „sich immer über die ursprünglich gerechtfertigten Anwendungen hinaus ausdehnt“. Die gesammelten Daten werden mit „lokalen und staatlichen Strafverfolgungsbehörden in Kalifornien“ geteilt. Besonders brisant: Forscher haben herausgefunden, dass die Einwanderungsbehörde ICE zwar keinen direkten Vertrag mit Flock hat, aber über Anfragen an lokale Polizeibehörden Zugang zu den Kennzeichendaten erhalten kann. Für Einwanderer und Minderheiten in Los Angeles bedeutet dies eine zusätzliche, unsichtbare Bedrohung.

Die Lücke in der Datenschutz-Gesetzgebung

Die Stadt hat in den letzten Jahren die rechtlichen Hürden für digitale Werbung und Datensammlung im öffentlichen Raum systematisch gesenkt. Eine Änderung des städtischen Gesetzeskodex (Municipal Code) im Herbst erweiterte die Definition von Außenwerbung und erlaubte eine Flut digitaler Werbeanzeigen, die Bürger auf den Straßen verfolgen. Vor dieser Änderung erforderte die Genehmigung von Außenwerbung 16 Schritte – heute hat die Behörde für öffentliche Arbeiten (Board of Public Works) die alleinige Genehmigungsbefugnis.

Die Konsequenz: Unternehmen können nun praktisch überall digitale Werbetafeln aufstellen, ohne Größen- oder Standortbeschränkungen. Diese Anzeigen greifen auf Mobiltelefon-Standortdaten zu und liefern wertvolle Einblicke – etwa wohin jemand geht, nachdem er eine Werbung gesehen hat.

Für die Bevölkerung bedeutet dies: Jeder Schritt auf öffentlichen Gehwegen kann zur Ware werden. Die Privatsphäre wird nicht nur ausgehöhlt, sondern systematisch kommerzialisiert – und das mit Billigung der Stadtregierung.


Die IKE-Kioske: Ein Fall von „Backroom-Dealing“

Ein Paradebeispiel für die Intransparenz und die mutmaßlichen Motive hinter SmartLA 2028 ist der Vertrag mit IKE Smart City zur Installation von 300 bis 500 interaktiven Digital-Kiosken auf den Gehwegen von Los Angeles.

Die Fakten zum Vertrag

AspektDetails
Anzahl Kioske300–500
Höhe8 Fuß (ca. 2,4 Meter)
BetreiberIKE Smart City (Tochter von Orange Barrel Media)
Lobbying-BeginnSeit 2017
ZweckTouristeninformation + Werbeflächen
VertragsartKein offenes Ausschreibungsverfahren (RFP)

Die Kritikpunkte im Detail

Bürger und Bürgerinitiativen haben eine Reihe schwerwiegender Mängel dokumentiert:

  1. Keine Umweltverträglichkeitsprüfung (CEQA-Review)
  2. Keine Finanzanalyse durch die zuständigen Ämter (CLA/CAO)
  3. Kein Wettbewerbsverfahren – kein RFP ausgeschrieben
  4. Unangemessene Berufung auf ein RFP aus Houston, Texas
  5. Keine Prüfung der Verkehrssicherheit – mögliche Ablenkung von Autofahrern
  6. Umgehung der Stadtplanungskommission – Verstoß gegen die Stadtcharta
  7. Datenschutzverletzungen – Erfassung von Daten aller Passanten

Der Verdacht auf Interessenkonflikte

Besonders brisant: Ein Stadtratsmitglied, das hinter der Vertragsbeschleunigung steht, war zuvor Lobbyist für IKE. Die Bürgerinitiative CityWatchLA spricht von einem „kalkulierten, politisch befleckten Versuch, noch mehr von unserem kostbaren öffentlichen Gehweg mit kommerziellen Werbestrukturen zu beanspruchen“.

Die Befürworter des Projekts – das Bürgermeisteramt, Tourismus-Interessen und die Stadtratsführung – haben bewusst jede öffentliche Beteiligung vermieden. Es gab „KEINE Mitteilung, KEINE Öffentlichkeitsarbeit, KEINE Transparenz und KEINE Möglichkeit für eine sinnvolle öffentliche Beteiligung“. Wichtige Dokumente, die ursprünglich im städtischen Ratsdateisystem veröffentlicht wurden, sind nicht mehr öffentlich zugänglich.

Die mutmaßlichen Motive

Die Frage drängt sich auf: Warum wird dieses Projekt so schnell durchgepeitscht? CityWatchLA vermutet, dass die Aussicht auf Werbeeinnahmen eine zentrale Rolle spielt – und möglicherweise Versprechen an Olympia-Sponsoren. Die Kioske sind nicht primär Informationssäulen für Touristen, sondern in erster Linie Werbeflächen, die, wenn sie nicht interaktiv genutzt werden, Werbebotschaften ausstrahlen.

Die Verbraucherschutzorganisation Consumer Watchdog warnt: „Diese digitalen Werbeanzeigen werfen nicht nur ernsthafte Datenschutzbedenken auf, sondern scheinen auch gegen Landesgesetze zu verstoßen“. Der 20-Jahres-Vertrag über 232 Millionen Dollar mit Tranzito-Vector für Werbung an Bushaltestellen erlaubt ausdrücklich die Monetarisierung der gesammelten Daten.


Die digitale Kluft: Versprechen und Wirklichkeit

Ein zentrales Anliegen von SmartLA 2028 ist die Bekämpfung der digitalen Kluft. Das Papier räumt ein, dass in einigen Stadtteilen – South LA, Watts, Pacoima – die Internetzugangsraten sogar rückläufig sind. Die Programme Tech2Go und OurCycleLA sollen Abhilfe schaffen, indem sie Leihgeräte und aufbereitete Computer an bedürftige Familien verteilen.

Das Versprechen

  • Tech2Go-Kioske bringen kostenlose Laptops, Tablets und mobile Hotspots zu bedürftigen Angelenos
  • OurCycleLA recycelt alte Stadtcomputer und verteilt sie mit drei Jahren kostenlosem Internetzugang an Familien in Not
  • Über 5.000 Geräte wurden bereits verteilt, über 1.000 Familien erhielten digitale Grundbildung

Die Realität

Doch die Strategie offenbart an dieser Stelle ein bezeichnendes Versagen: Sie beklagt das Fehlen einer „gemeinsamen Definition von Digital Inclusion“ und einheitlicher Leistungsindikatoren – und überlässt die Koordination der Maßnahmen einem freiwilligen Arbeitskreis mehrerer Ämter. Ein formelles „Connectivity & Digital Inclusion Division“ mit eigenem Budget und Personal existiert nicht.

Die Ironie ist offensichtlich: Während die Stadt Milliarden in 5G-Infrastruktur und intelligente Straßenlaternen investiert, wird die Bekämpfung der digitalen Kluft als freiwillige Zusatzaufgabe behandelt. Die im Dokument selbst eingeräumte Herausforderung – dass „5G-Cellularzugang unbeabsichtigt wohlhabendere Viertel bevorzugen und die digitale Kluft weiter vertiefen könnte“ – wird nicht mit konkreten Gegenmaßnahmen beantwortet.

Die Auswirkungen auf die Bevölkerung

Für die betroffenen Gemeinschaften hat dies konkrete, lebensverändernde Konsequenzen:

  • Bildung: Kinder ohne Internetzugang können nicht am Fernunterricht teilnehmen und fallen im Wettbewerb zurück
  • Arbeit: Die Suche nach und Bewerbung auf hochwertige Arbeitsplätze ist ohne Online-Zugang kaum noch möglich
  • Wirtschaft: Kleinstunternehmen ohne Webpräsenz können nicht mit größeren Konkurrenten mithalten
  • Teilhabe: Der Zugang zu städtischen Dienstleistungen und politischer Partizipation setzt zunehmend digitale Kompetenz voraus

Die Strategie selbst räumt ein, dass „einkommensschwache Bevölkerungsgruppen anfälliger für Probleme im Zusammenhang mit der digitalen Kluft sind, die oft auf begrenzte Fähigkeiten oder einen Mangel an zugänglichen technologischen Ressourcen zurückzuführen sind“.


Die wahren Nutznießer: Konzerne und Veranstaltungen

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Adressaten von SmartLA 2028. Das Papier spricht zwar von „Einwohnern, Unternehmen und Besuchern“, doch die konkreten Maßnahmen verraten eine andere Prioritätensetzung.

Die Olympischen Spiele als Taktgeber

Die Olympischen Spiele 2028 sind der eigentliche Taktgeber. Die Strategie beschreibt ausführlich die „transformative digitale olympische Erfahrung“ für Besucher – von renovierten LAX-Terminals über mehrsprachige elektronische Wegweiser bis hin zu Smartphone-gesteuerten Hotel- und Veranstaltungsbuchungen.

Die Kritik ist deutlich: Der Plan drehe sich um die Olympischen Spiele, statt sich auf die Bedürfnisse der Einwohner zu konzentrieren – und diese Spiele werden die Stadt bereits auf geschätzte 7 Milliarden Dollar kosten. Besorgte Bürger weisen darauf hin, dass die Olympischen Spiele 2028 als „No-Build“-Spiele beworben wurden, der Mangel an Fortschritt der Organisatoren nun aber als Ausrede diene, um Stadtverordnungen zu umgehen und Gemeinden zu übergehen.

Die Technologiekonzerne als Nutznießer

Die eigentlichen Nutznießer der Smart-City-Transformation sind denn auch nicht die Bürger, sondern die Technologiekonzerne. Das Papier preist Partnerschaften mit Amazon Alexa, Apple Siri und Google Home an – Unternehmen, deren Geschäftsmodelle auf der Sammlung und Verwertung persönlicher Daten beruhen. Die Integration von MyLA311 in diese Plattformen bedeutet nichts anderes, als dass private Konzerne Zugang zu den sensibelsten Interaktionen zwischen Bürgern und ihrer Stadtverwaltung erhalten.


Die Kosten des Fortschritts: Wer bezahlt?

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Finanzierung. Das SmartLA-2028-Dokument nennt keine Gesamtkosten. Es erwähnt lediglich Einsparungen – etwa 3 Millionen Dollar jährlich durch LED-Umrüstung von Straßenlaternen – und einen „Innovation Fund“ von bis zu 1 Million Dollar pro Jahr für Pilotprojekte.

Doch die tatsächlichen Investitionen sind gigantisch: Allein das Landside Modernization Project (LAMP) am LAX-Flughafen umfasst 5,5 Milliarden Dollar. Die 5G-Infrastruktur, die IoT-Sensoren, die Glasfasernetze – all dies wird letztlich von den Steuerzahlern finanziert, während die Erträge in Form von Daten und Werbeeinnahmen bei den Technologiekonzernen landen.

Die geplanten „SmartLA Kiosks“ im öffentlichen Raum sind ein Paradebeispiel für diese problematische Dynamik: Sie werden als öffentliche Dienstleistung deklariert, sind aber in Wahrheit Werbeflächen, die Daten sammeln – und das ohne Umweltprüfung, ohne Finanzanalyse und ohne transparentes Vergabeverfahren.


Widersprüche im eigenen Dokument

Das SmartLA-2028-Strategiepapier ist reich an internen Widersprüchen. Einige der auffälligsten:

VersprechenTatsächliche Herausforderung (laut Dokument)Realität
„Ethisch“ und „sicher“Keine verbindlichen Datenschutzstandards; Gesichtserkennung kann zur Diskriminierung eingesetzt werdenVerträge mit Flock Safety und IKE Smart City ohne Datenschutzprüfung
„Digitale Inklusion“Kein eigenes Budget, keine eigene Abteilung, keine klaren KPIsFreiwillige Arbeitsgruppen statt verbindlicher Strukturen
„Verbesserte Lebensqualität“Fokus auf Olympia-Besucher, nicht auf EinwohnerMillionen für Touristen-Infrastruktur, kaum Mittel für digitale Grundversorgung
„Transparenz“Keine Angabe der Gesamtkosten; intransparente VergabeprozesseIKE-Vertrag ohne RFP, Dokumente aus dem Ratsdateisystem entfernt
„Zusammenarbeit“Freiwillige Koordination ohne verbindliche StrukturenKein zentrales Smart-City-Budget, keine koordinierende Behörde

Besonders bemerkenswert: Die Stadt räumt ein, dass „die Amerikaner zunehmend besorgt über die Privatsphäre im Internet und die negativen Auswirkungen neuer Technologien sind“ – und plant dennoch keine verbindlichen Schutzmaßnahmen, sondern lediglich die Veröffentlichung eines unverbindlichen „Digital Code of Ethics“ bis 2021.


Die unbequeme Wahrheit: Was wirklich hinter SmartLA 2028 steckt

Die vorliegende Analyse legt nahe, dass SmartLA 2028 weniger eine altruistische Vision für eine bessere Stadt ist als vielmehr ein Vehikel für mehrere, miteinander verwobene Interessen:

1. Kommerzialisierung des öffentlichen Raums
Die Stadt verscherbelt Schritt für Schritt ihre Gehwege an Werbe- und Technologiekonzerne. Die IKE-Kioske sind keine Informationssäulen, sondern datensammelnde Werbeflächen. Die Änderung des Municipal Code hat die rechtlichen Hürden für diese Kommerzialisierung systematisch gesenkt.

2. Überwachung als Dienstleistung
Unter dem Deckmantel der „Sicherheit“ werden immer mehr Überwachungssysteme installiert – von Kennzeichenlesern bis zu Kameras in Straßenlaternen. Die ACLU warnt zu Recht: Massenüberwachung dehnt sich immer über ihre ursprüngliche Rechtfertigung hinaus aus.

3. Olympische Spiele als Rechtfertigung
Die Olympischen Spiele 2028 dienen als willkommene Begründung für massive Investitionen in Infrastruktur, die in Wahrheit den Technologiekonzernen und Werbetreibenden zugutekommt. Die Bewohner der betroffenen Viertel werden dabei übergangen.

4. Daten als neue Währung
Die Stadt erhebt und teilt Unmengen von Bürgerdaten – von Standortdaten über Kennzeichen bis hin zu Interaktionsdaten mit digitalen Kiosken. Die Bürger haben keine Kontrolle darüber, was mit diesen Daten geschieht.

5. Entmündigung der Bevölkerung
Durch intransparente Verfahren, fehlende öffentliche Beteiligung und die Umgehung demokratischer Gremien wird die Bevölkerung systematisch von Entscheidungen ausgeschlossen, die ihren Alltag fundamental verändern.


Fazit: Smarte Stadt, dumme Bürger?

SmartLA 2028 ist kein böswilliger Plan, aber ein naiver und gefährlicher. Er verwechselt technologische Machbarkeit mit gesellschaftlichem Fortschritt und setzt auf eine Art technokratischen Lösungsoptimismus, der die eigentlichen Probleme der Stadt – soziale Ungleichheit, Wohnungskrise, Klimawandel – nicht adressiert, sondern lediglich mit digitalen Pflastern überdeckt.

Die Stadt verspricht „effiziente und ethische“ Nutzung von Technologie, schafft aber weder die rechtlichen noch die institutionellen Voraussetzungen dafür. Sie spricht von „Inklusion“, während sie die digitale Kluft als freiwillige Zusatzaufgabe behandelt. Sie wirbt mit „Transparenz“ und treibt gleichzeitig intransparente Millionenverträge durch.

Die eigentliche Frage von SmartLA 2028 lautet nicht, ob die Stadt bis 2028 über 5G und IoT-Sensoren verfügen wird – das wird sie. Die Frage ist, wem diese Technologie dient: den Bewohnern von Los Angeles oder den Konzernen, die ihre Daten sammeln; der Allgemeinheit oder einer kleinen Elite, die über die Infrastruktur der Stadt Kontrolle ausübt.

Solange diese Frage unbeantwortet bleibt, ist SmartLA 2028 weniger eine Strategie für eine „smartere“ Stadt als vielmehr ein Dokument über die fortschreitende Entmündigung der Bürger im Namen des technologischen Fortschritts.


Quellen

  • City of Los Angeles, Information Technology Agency: SmartLA 2028 – Smart City Strategy, Dezember 2020
  • ACLU: Flock Roundup – The Expansion of a Surveillance Company, Jay Stanley
  • ACLU: How to Stop ‘Smart Cities’ From Becoming ‘Surveillance Cities’, September 2018
  • Electronic Frontier Foundation: Unchecked Smart Cities are Surveillance Cities, März 2020
  • Business Insider: America’s cities are crumbling, and all politicians can focus on are absurd ’smart-city‘ plans, Juli 2021
  • CityWatchLA: Backroom Deal Poised to Deliver Hundreds of Digital Ad Kiosks to LA’s Sidewalks
  • Consumer Watchdog: City of LA Must Stop Approving Digital Ad Contracts That Violate Privacy Laws
  • LAist: License plate readers spark privacy concerns at LA State Historic Park in Chinatown
  • Inside The Games: Concerns grow over LA28 protections for locals
  • Los Angeles City Clerk: Öffentliche Stellungnahmen zum IKE Smart City Kiosk-Vertrag (CF 22-1154)
  • Politifact: Faktcheck zu SmartLA-2028-Verschwörungstheorien

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