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Der Olivetti M10 – Der erste Laptop für die Westentasche

Im Jahr 1983, einer Zeit, in der Computer noch meist sperrige, klobige Kästen waren, die einen eigenen Schreibtisch und eine feste Stromversorgung benötigten, wagte Olivetti einen mutigen Schritt. Mit dem M10 präsentierte das italienische Unternehmen einen tragbaren Computer, der kaum größer als ein dickes Buch war und mit simplen Batterien betrieben wurde. Was den M10 damals ausmachte, welche technischen Daten ihn antrieben und warum er bis heute als Meilenstein der Technikgeschichte gilt, soll dieser Artikel differenziert beleuchten.

Ein Laptop aus Ivrea mit japanischem Herz

Auf den ersten Blick scheint der Olivetti M10 ein reines Produkt italienischer Ingenieurskunst zu sein – schließlich trägt er den prestigeträchtigen Namen des renommierten Herstellers aus Ivrea. Die Realität ist jedoch komplexer und typisch für die globale Zusammenarbeit der 1980er-Jahre: Olivetti erwarb eine Lizenz für eine innovative Plattform des japanischen Unternehmens Kyocera . Dieses hatte 1983 den Kyotronic KC-85 als eines der ersten Notebooks im modernen Sinne auf den Markt gebracht. Neben Olivetti sicherten sich auch Tandy (als TRS-80 Model 100) und NEC (als PC-8201A) die Rechte an dieser vielversprechenden Architektur .

Technische Daten: Was steckte im Olivetti M10?

Das Herzstück des M10 war der CMOS-Prozessor OKI 80C85, der mit einer Taktfrequenz von 2,4 bis 3 MHz arbeitete . Diese auf 8-Bit-Architektur basierende CPU war energieeffizient, was für den portablen Einsatz entscheidend war. Der Arbeitsspeicher (RAM) war mit 8 Kilobyte zunächst knapp bemessen, ließ sich aber in 8-KB-Schritten auf maximal 32 KB erweitern . Der Festwertspeicher (ROM) umfasste 32 KB und beherbergte das Betriebssystem sowie die integrierte Software .

Die wichtigsten technischen Daten im Überblick

KomponenteSpezifikation
ProzessorOKI 80C85 (CMOS, 8-Bit), 2,4 – 3 MHz 
RAM8 KB, erweiterbar auf 32 KB 
ROM32 KB 
DisplayMonochromes LCD, 8 Zeilen à 40 Zeichen (240 x 64 Pixel Grafik) 
Tastatur94 Tasten (u.a. QWERTZ/QWERTY), 8 programmierbare Funktionstasten 
SchnittstellenSeriell (RS-232C), Parallel (Centronics), Tape, BCR (Barcode), Systembus 
Stromversorgung4x AA-Batterien (ca. 20 Std.) oder Netzteil, Puffer-Akku für RAM 
GewichtCa. 1,7 kg 
Preis (1983)Ca. 800 USD (8 KB-Modell) 

Die Anzeige erfolgte über ein damals neuartiges, beleuchtungsfreies Flüssigkristalldisplay (LCD) . Es zeigte 8 Zeilen mit je 40 Zeichen an und war das Alleinstellungsmerkmal des M10: Es konnte in einem steilen Winkel aufgestellt werden, was die Ablesbarkeit gegenüber den flachen Displays der Tandy- und NEC-Schwestermodelle erheblich verbesserte . Für die Datenspeicherung stand keine Festplatte zur Verfügung – stattdessen wurde auf Cassettenrecorder oder den nichtflüchtigen RAM zurückgegriffen .

Software aus einer Hand

Olivetti stattete den M10 mit einer umfangreichen, fest im ROM integrierten Software aus. Die Nutzer konnten sofort loslegen, ohne erst ein Betriebssystem laden zu müssen:

  • TEXT: Ein einfaches Textverarbeitungsprogramm .
  • ADDRS: Ein Adress- und Telefonbuch .
  • SCHEDL: Ein Terminplaner und Notizbuch .
  • TELCOM: Ein Programm für die Datenübertragung, etwa über einen Akustikkoppler .
  • BASIC: Ein erweiterter BASIC-Interpreter von Microsoft, der zum Programmieren und zur Systemsteuerung diente .

Ein Werkzeug für unterwegs – und seine Grenzen

Der M10 war in erster Linie ein Werkzeug für Berufstätige, die viel unterwegs waren. Journalisten, Außendienstmitarbeiter und Redakteure schätzten seine Robustheit, das hervorragende Tastaturgefühl und die Unabhängigkeit vom Stromnetz . So berichtete die Ärzte Zeitung, wie ihre Redakteure auf Pressekonferenzen und Kongressen ihre Artikel direkt auf dem M10 verfassten und diese mit einem Akustikkoppler über die Telefonleitung an die Redaktion übermittelten . Die Datenübertragungsrate von 300 Baud war selbst für damalige Verhältnisse gemächlich, doch sie funktionierte im Prinzip sogar aus einer Telefonzelle heraus .

Im Vergleich zu den schweren, oft als „luggable“ bezeichneten Konkurrenten wie dem Osborne 1 oder dem Commodore SX-64, die um die 10 bis 25 Pfund wogen, war der M10 ein Leichtgewicht . Der Preis für diese Mobilität war jedoch eine geringe Rechenleistung und vor allem der winzige Speicher, der nur für wenige Artikel oder überschaubare BASIC-Programme ausreichte .

Fazit und Ausblick: Ein Stück Technikgeschichte

Der Olivetti M10 war 1983 ein visionäres Produkt, das die Idee eines wirklich mobilen, sofort einsatzbereiten Personal Computers populär machte. Er war kein Hochleistungsrechner, aber er war ein durchdachtes, robustes Werkzeug, das genau dort seine Stärken ausspielte, wo es auf Unabhängigkeit und Zuverlässigkeit ankam . Sein größtes Vermächtnis ist das Design-Prinzip des Notebooks, das er mit anderen Kyocera-Derivaten wie dem Tandy Model 100 teilte, jedoch durch sein ergonomisches Display und das italienische Styling hervorstach . Der M10 ebnete den Weg für eine neue Geräteklasse und zeigt, dass technologischer Fortschritt nicht immer an der Spitze der Leistungskurve stattfinden muss, sondern oft im Finden des richtigen Gleichgewichts zwischen Mobilität, Energieeffizienz und Nutzerfreundlichkeit liegt.

Quellen:

  1. Museo Nazionale Scienza e Tecnologia Leonardo da Vinci: Personal computer portatile – Olivetti M10. 
  2. Carleton University, School of Computer Science: Olivetti M10. 
  3. Original-Prospekt: Olivetti M10 Hardware-Informationen. 
  4. Wikipedia (italienisch): Olivetti M10. 
  5. Ärzte Zeitung: Mit Akustikkoppler und M10 auf PKs. 
  6. Museo Nazionale Scienza e Tecnologia: PC Olivetti M10. 
  7. Personal Computer News, 21. Januar 1984: Take-Away Micros. 
  8. Museo de Informática de la República Argentina: OLIVETTI – M10. 

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