22 – Dokumentation und Beschriftung: Was vorgeschrieben ist und was sich bewährt
Autor: DerSchneider
Einleitung: Wer nicht schreibt, bleibt haftbar
Eine elektrische Anlage ohne Dokumentation ist wie ein Buch ohne Seitenzahlen. Im Schadensfall oder bei Wartung ist nicht nachvollziehbar, wer was wann geprüft hat. Die VDE 0100-600 schreibt eine umfassende Dokumentation der Erstprüfung vor, und die BetrSichV verlangt ein Prüfbuch für wiederkehrende Prüfungen.
Dieser Artikel erklärt, welche Unterlagen zwingend erforderlich sind, wie Beschriftungen aussehen müssen und welche Dokumentationspraxis sich im Alltag bewährt hat.
1. Zwingend erforderliche Dokumente nach VDE 0100-600
Nach der Erstprüfung muss der Errichter dem Betreiber übergeben:
- Prüfprotokoll (mit Messwerten, Besichtigungsergebnissen, Funktionsprüfung)
- Bestandspläne (Stromlaufplan, Übersichtsschaltplan, Lageplan der Betriebsmittel)
- Betriebsanleitungen für sicherheitsrelevante Geräte (z. B. RCDs, USV)
- Nachweise über verwendete Betriebsmittel (z. B. CE-Kennzeichnung, Konformitätserklärungen)
Ohne diese Dokumente gilt die Anlage als nicht normgerecht errichtet.
2. Das Prüfbuch (für wiederkehrende Prüfungen)
Nach BetrSichV muss der Betreiber ein Prüfbuch (elektronisch oder Papier) führen mit:
- Datum jeder Prüfung
- Name des Prüfers (Elektrofachkraft)
- Prüfergebnisse (Messwerte, Mängel)
- Datum der nächsten fälligen Prüfung
- Maßnahmen zur Mängelbeseitigung
Praxistipp: Verwenden Sie ein digitales Prüfbuch (z. B. Tablet mit App). Das erleichtert die Suche nach historischen Werten.
3. Beschriftung von Verteilern und Stromkreisen
Die VDE 0100-600 fordert eine eindeutige Kennzeichnung:
- Jeder Verteiler muss eine Bezeichnung haben (z. B. „UV-Keller“).
- Jeder Stromkreis (LS, RCD) im Verteiler muss beschriftet sein (z. B. „Steckdosen Bad“, „Licht Flur“).
- Abzweigdosen, Unterputzdosen müssen nicht zwingend beschriftet sein, aber empfohlen (z. B. mit Kreiszahl).
Bewährte Praxis: Verwenden Sie einen Beschriftungsdrucker (z. B. Brother P-Touch) mit dauerhafter Folie. Handschriftliche Zettel sind nicht akzeptabel (verblassen, fallen ab).
4. Pläne – Welche und in welcher Tiefe?
- Übersichtsschaltplan (Einlinienplan) zeigt alle Verteiler, Hauptleitungen, Schutzgeräte.
- Stromlaufplan (detailliert) für komplexe Anlagen (Steuerungen, Notbeleuchtung).
- Lageplan (Grundriss mit Steckdosen, Leuchten, Leitungswegen) – nicht zwingend, aber sehr hilfreich für Wartung.
Format: Papierausgabe im Verteiler (laminiert) plus digitale Version (PDF).
5. Typische Fehler bei Dokumentation und Beschriftung
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Keine Beschriftung der LS im Verteiler | Bei Fehler muss geraten werden, welcher LS auszuschalten ist → Zeitverlust, Gefahr |
| Prüfprotokoll ohne Messwerte (nur „ok“) | Bei späterem Schaden kein Nachweis, dass tatsächlich gemessen wurde |
| Pläne nicht aktuell (nach Änderungen nicht angepasst) | Nächster Elektriker arbeitet mit falschen Plänen → Fehler |
| Handschriftliche Zettel, die nach 2 Jahren unlesbar sind | Keine gültige Beschriftung |
Checkliste für die Praxis
- Ist jedes Verteilergerät (LS, RCD) dauerhaft beschriftet?
- Liegt ein Prüfprotokoll der Erstprüfung mit Messwerten vor?
- Wird ein Prüfbuch für wiederkehrende Prüfungen geführt?
- Sind Übersichtspläne vorhanden und aktuell?
- Ist die Dokumentation für den Betreiber zugänglich (nicht im verschlossenen Schrank des Errichters)?
Fazit und Ausblick
Dokumentation ist kein Bürokratiemonster, sondern eine Investition in Sicherheit und Haftungsvermeidung. Eine klare Beschriftung spart bei Fehlern wertvolle Minuten.
Im nächsten Artikel (23) tauchen wir in die Prüftechnik ein: „Prüfgeräte im Überblick: Was muss ein Installationsprüfgerät können?“
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