25 – Isolationswiderstandsmessung: Wann, wie, mit welcher Spannung?

Autor: DerSchneider

Einleitung: Das Megger ist der Detektiv für schleichende Fehler

Die Isolationswiderstandsmessung (früher „Megger“ nach dem Markennamen) deckt Isolationsverschlechterungen auf, bevor sie zu Kurzschlüssen oder RCD-Auslösungen führen. Die VDE 0100-600 schreibt sie für die Erstprüfung und für wiederkehrende Prüfungen vor.

Dieser Artikel erklärt die richtige Wahl der Prüfspannung, die Durchführung und die Interpretation der Messwerte.

1. Prüfspannungen nach VDE 0100-600

Nennspannung des Stromkreises (U_N)Prüfgleichspannung
SELV / PELV (≤ 50 V AC, ≤ 120 V DC)250 V
230 V / 400 V (bis 500 V AC)500 V
> 500 V AC (z. B. 690 V)1000 V

Praxistipp: Für die normale Hausinstallation (230/400 V) immer 500 V DC einstellen.

2. Grenzwerte für den Isolationswiderstand

StromkreisMindest-Isolationswiderstand (vereinfacht)
Endstromkreise (bis 32 A)≥ 1 MΩ (bei 500 V)
Verteilungsstromkreise≥ 1 MΩ (oft höher gefordert)
SELV/PELV≥ 0,25 MΩ (bei 250 V)

Die Norm sagt: Der Isolationswiderstand sollte nicht kleiner als 1 MΩ sein. In der Praxis sind Werte von 10–100 MΩ üblich. Werte unter 0,5 MΩ sind kritisch.

3. Durchführung – Schritt für Schritt

  1. Anlage spannungsfrei schalten (Hauptschalter aus, Sicherung ziehen).
  2. Alle Verbraucher abklemmen (Stecker ziehen, ggf. Verbraucher ausschalten – aber elektronische Geräte können durch die Prüfspannung zerstört werden, daher abklemmen!).
  3. Prüfspannung einstellen (500 V für 230/400 V).
  4. Messungen durchführen zwischen:
    • L + N gegen PE (gemeinsam)
    • L gegen N
    • Bei Drehstrom: L1, L2, L3 gegen PE (jeweils einzeln) und untereinander.
  5. Messwert ablesen (nach ausreichender Messzeit, ca. 5–10 Sekunden stabilisieren).

Wichtig: Überspannungsschutzgeräte (SPDs) müssen während der Messung abgeklemmt oder überbrückt werden, da sie sonst auslösen oder die Messung verfälschen.

4. Interpretation der Messwerte

MesswertBewertungMaßnahme
> 100 MΩsehr gut
10–100 MΩgut
1–10 MΩausreichend (aber Ursache prüfen: Feuchte? Alterung?)Beobachten
0,5–1 MΩgrenzwertigFehlersuche (Isolationsdefekt)
< 0,5 MΩnicht zulässigFehler beheben (Leitung austauschen, Klemmstelle reinigen)

5. Typische Fehler bei der Isolationsmessung

FehlerFolge
Verbraucher nicht abgeklemmtElektronik (Netzteile, Dimmer, Frequenzumrichter) wird durch 500 V zerstört
SPDs nicht überbrücktSPD löst aus oder misst sehr niedrigen Wert (fälschlicher Fehler)
Messung mit nasser Leitung (nach Regen)Zu niedriger Wert (Feuchte) – trocknen lassen
Messspannung falsch (250 V statt 500 V)Zu hoher Wert (Isolationsfehler wird nicht erkannt)
Nur zwischen L und N gemessen, nicht gegen PEFehler gegen PE (Erdschluss) wird nicht erkannt

6. Isolationsmessung bei wiederkehrenden Prüfungen

Die BetrSichV verlangt in bestimmten Fristen eine Isolationsmessung (je nach Gefährdungsbeurteilung). Oft genügt jedoch eine reduzierte Messung (z. B. nur zwischen L+ N gegen PE) – es sei denn, es gibt Anzeichen für Verschlechterung.

Checkliste für die Praxis

  • Ist die Anlage spannungsfrei (geprüft mit zweipoligem Spannungsprüfer)?
  • Sind alle Verbraucher und SPDs abgeklemmt (oder überbrückt)?
  • Ist die richtige Prüfspannung eingestellt (500 V für 230/400 V)?
  • Wurde zwischen L+N gegen PE, L gegen N und (bei Drehstrom) zwischen den Außenleitern gemessen?
  • Liegen die Messwerte über 1 MΩ?
  • Falls nicht: Wurde die Fehlerquelle lokalisiert (feuchte Leitung, defekte Isolierung)?

Fazit und Ausblick

Die Isolationswiderstandsmessung ist die einzige Messung, die die Qualität der Isolierung über die Zeit anzeigt. Wer sie vernachlässigt, riskiert spätere Kurzschlüsse oder RCD-Auslösungen.

Im nächsten Artikel (26) widmen wir uns dem RCD-Test: „RCD-Prüfung: Parameter, Auslösezeit, Auslösestrom“.

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