26 – RCD-Prüfung: Parameter, Auslösezeit, Auslösestrom

Autor: DerSchneider

Einleitung: Mehr als nur der Prüftasten-Klick

Die Prüftaste auf dem RCD testet nur die Mechanik, nicht die elektrischen Parameter. Eine echte RCD-Prüfung nach VDE 0100-600 und VDE 0105-100 umfasst die Messung der Auslösezeit bei verschiedenen Fehlerströmen und die Bestimmung des Auslösestroms (Rampe).

Dieser Artikel erklärt die Messverfahren, die geforderten Grenzwerte und die typischen Fallstricke.

1. Die drei wesentlichen RCD-Prüfungen

PrüfungBeschreibungGrenzwert
Auslösezeit bei 1× IΔnRCD wird mit Nennfehlerstrom beaufschlagt (z. B. 30 mA). Gemessen wird die Zeit bis zur Abschaltung.≤ 300 ms (für allgemeine RCDs)
Auslösezeit bei 5× IΔnMit fünffachem Nennfehlerstrom (z. B. 150 mA). Simuliert einen harten Fehler.≤ 40 ms (für allgemeine RCDs)
Auslösestrom (Rampe)Fehlerstrom wird langsam von 0 auf ca. 1,5× IΔn erhöht. Gemessen wird der Strom, bei dem der RCD auslöst.Auslösung zwischen 0,5× IΔn und 1× IΔn (oft zwischen 0,6–0,9× IΔn)

2. Auslösezeit bei 1× IΔn – Das Standardverfahren

Durchführung:

  • RCD-Prüfgerät an eine Steckdose im zu prüfenden Stromkreis anschließen.
  • Prüfstrom auf 1× IΔn einstellen (z. B. 30 mA).
  • Messung starten. Das Gerät simuliert einen Fehlerstrom zwischen L und PE.
  • Die Zeit bis zum Abschalten wird gemessen.

Grenzwerte nach VDE 0100-600:

  • Allgemeine RCDs (Typ A, F, AC): ≤ 300 ms
  • Selektive RCDs (Typ S): ≤ 500 ms (bei 1× IΔn) – bzw. 40–500 ms je nach Hersteller

Besonderheit: Die Messung sollte sowohl bei 0° als auch bei 180° Phasenlage des Fehlerstroms durchgeführt werden (manche RCDs reagieren unterschiedlich).

3. Auslösezeit bei 5× IΔn – Prüfung des schnellen Abschaltens

Bei einem schweren Fehler (z. B. Körperschluss mit niederohmiger Verbindung) kann der Fehlerstrom deutlich über IΔn liegen. Die Norm verlangt deshalb eine Messung mit 5× IΔn.

Durchführung:

  • Gleiche Vorbereitung wie oben.
  • Prüfstrom auf 5× IΔn einstellen (z. B. 150 mA).
  • Messung starten.

Grenzwert: ≤ 40 ms (für allgemeine RCDs).

Praxistipp: Bei selektiven RCDs (Typ S) wird die 5×-Messung nicht gefordert (oder mit anderem Grenzwert).

4. Auslösestrom (Rampe) – Wie empfindlich ist der RCD?

Die Rampenmessung ist wichtig, um festzustellen, ob der RCD bereits bei zu geringem Fehlerstrom auslöst (z. B. 10 mA bei einem 30-mA-RCD – das wäre zu empfindlich) oder erst zu spät (z. B. > 30 mA).

Durchführung:

  • Das Prüfgerät erhöht den Fehlerstrom in kleinen Schritten (z. B. 0,5 mA pro Schritt).
  • Sobald der RCD auslöst, wird der Stromwert gespeichert.

Grenzwerte nach Norm:

  • Kein Auslösen unter 0,5× IΔn (z. B. 15 mA bei 30 mA)
  • Auslösen bei ≤ 1× IΔn (30 mA)

In der Praxis liegen die Werte meist zwischen 18 und 28 mA.

5. Prüfung von RCD-Typ B (mit Gleichfehlerstromerkennung)

Für Typ B (benötigt bei Wallboxen, PV-Anlagen) reicht ein normaler RCD-Prüfer oft nicht aus. Diese Geräte können meist keine glatten Gleichfehlerströme erzeugen.

Lösung:

  • Spezieller RCD-Prüfer für Typ B (teuer)
  • Oder Herstellerangabe: Der Wechselrichter/Wallbox hat eine integrierte DC-Erkennung, die den RCD-Typ A unterstützt – dann entfällt die Typ-B-Prüfung.

6. Typische Fehler bei der RCD-Prüfung

FehlerFolge
Nur Prüftaste gedrückt, keine MessungMechanik ok, aber Auslösezeit nicht geprüft – RCD könnte zu langsam sein
Messung nur bei 1× IΔn, nicht bei 5× IΔnSchnelle Auslösung bei harten Fehlern nicht nachgewiesen
Rampenmessung nicht durchgeführtZu frühes oder zu spätes Auslösen wird nicht erkannt
Prüfung bei falscher Phasenlage (nur 0°)Bei manchen RCDs (elektronische) kann die Auslösezeit bei 180° deutlich abweichen
RCD nach dem Einschalten der Anlage sofort prüfen (ohne Vorlast)Einige RCDs benötigen eine Grundlast (z. B. 10 mA) für korrekte Funktion – das Prüfgerät simuliert das aber meist selbst

7. RCD-Prüfung in der wiederkehrenden Prüfung

Nach BetrSichV muss der Betreiber monatlich die Prüftaste drücken (Funktionsprüfung). Die messtechnische Prüfung (Auslösezeit, Rampe) ist im Rahmen der wiederkehrenden Prüfung (alle 4 Jahre oder kürzer) durch eine Elektrofachkraft durchzuführen.

Checkliste für die Praxis

  • Wurde die Auslösezeit bei 1× IΔn gemessen (≤ 300 ms)?
  • Wurde die Auslösezeit bei 5× IΔn gemessen (≤ 40 ms)?
  • Wurde die Rampenmessung durchgeführt (Auslösung zwischen 0,5× und 1× IΔn)?
  • Bei Typ B: Wurde ein geeignetes Prüfgerät verwendet oder die Herstellerfreigabe geprüft?
  • Wurden beide Phasenlagen (0° und 180°) gemessen?
  • Ist das Prüfgerät für den jeweiligen RCD-Typ geeignet (A, F, B)?

Fazit und Ausblick

Die RCD-Prüfung ist mehr als ein Tastendruck. Nur die Messung von Auslösezeit und Auslösestrom gibt Gewissheit, dass der RCD im Fehlerfall auch wirklich schützt.

Im nächsten Artikel (27) widmen wir uns einer Spezialdisziplin: „Schleifenimpedanz in IT-Systemen: Besonderheiten und Messverfahren“.

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