Der Mann, der gegen die glatte Welt ankämpfte

Bernhard Hoetger und das Haus, das wie ein Baum wuchs


1. Der Prolog – Eine Tür, die kein rechter Winkel ist

Worpswede 1922. Ein Mann steht am Südhang des Weyerbergs und redet mit einem Baum. Nicht metaphorisch. Er redet wirklich. Zeigt auf einen Ast, der sich gabelt, auf eine Krümmung im Stamm, auf eine Stelle, wo das Holz über Jahre dem Wind getrotzt hat. Neben ihm ein Zimmermann, der den Kopf schüttelt.

„Den da? Mit dem Knorren?“

„Genau den. Und zwar genau so, wie er gewachsen ist.“

Der Zimmermann, ein alter Mann namens August Freitäger, der schon auf dem Barkenhoff für Heinrich Vogeler gearbeitet hat, versteht die Welt nicht mehr. Man schlägt Bäume, entrindet sie, hobelt sie glatt. Das ist seit Jahrhunderten so. Aber dieser Hoetger will die Stämme so einbauen, wie die Natur sie geliefert hat – mit Astlöchern, mit Wucherungen, mit dem ganzen Gestrüpp, das ein richtiger Baum im Wald so hat. Eine umgekehrte Astgabel als Türrahmen. Ein Stamm, der sich durch den Raum windet wie eine Schlange. Fenster aus Baumscheiben, gefüllt mit buntem Glas.

Die Handwerker murren. Das hat keiner gelernt. Das ist nicht solide. Das ist – verrückt.

Hoetger hört es. Er lächelt. Später wird er in einem Brief an seinen Freund, den Kaffeemagnaten Ludwig Roselius, schreiben: „Für den Bau meines heißersehnten Hauses dürstet mich nach unmittelbarer Naturnähe und nach einem reinigenden Bade im Urland.“ 

Das „Urland“ – das ist kein Ort auf der Landkarte. Das ist ein Gefühl. Eine Sehnsucht nach einer Welt, die es vielleicht nie gab, die aber tief in uns drinsteckt. Eine Welt vor der glatten Oberfläche, vor der Industrie, vor dem rechten Winkel. Eine Welt, in der Häuser nicht gebaut, sondern gezüchtet werden.

Dieses Haus steht heute noch am Südhang des Weyerbergs. Früher nannte man es „Kaffee Verrückt“. Heute ist es stillgelegt, ein Denkmal, das langsam vor sich hin altert. Aber wenn man vor der Tür steht – einer Tür, die kein rechter Winkel ist – dann spürt man: Hier hat jemand versucht, etwas zu bauen, das es nicht geben dürfte.


2. Der Mensch – Der Schmiedesohn, der Rodin traf

Bernhard Hoetger wurde 1874 in Hörde bei Dortmund geboren . Vater war Schmiedemeister, Mutter Tochter eines Schneiders – Handwerker durch und durch, keine Kunstakademiker . Mit 14 kam er in die Steinmetzlehre nach Detmold, wanderte als Geselle durch die Gegend, landete schließlich in einer Werkstatt für kirchliche Kunst in Wiedenbrück . Altäre, Heiligenfiguren, das ganze Programm. Solide Arbeit, aber nichts, wovon man träumt.

Mit 24 dann der Durchbruch: Er wird an die Düsseldorfer Kunstakademie aufgenommen, studiert Bildhauerei bei Karl Janssen . Aber das eigentliche Erlebnis kommt 1900. Eine Exkursion zur Pariser Weltausstellung . Und Paris ist damals nicht einfach eine Stadt – Paris ist das Zentrum der Welt. Die Metro wird gebaut, der Eiffelturm ist erst elf Jahre alt, und in den Ateliers hängt der Geruch von Ölfarbe und Tabak.

Hoetger bleibt. Er lernt Auguste Rodin kennen, der auf der Weltausstellung seinen großen Durchbruch erlebt . Rodin, der Bildhauer, der dem Stein die Bewegung abringt, der Oberflächen beben lässt wie lebendige Haut. Hoetger saugt es auf. Seine ersten Pariser Arbeiten – Tänzerinnen, Der Sturm, Der Blinde – sind voll von dieser rodinesken Unruhe .

Dann, 1904, trifft er Aristide Maillol . Wieder so ein Moment, der alles verändert. Maillol macht das Gegenteil von Rodin: geschlossene Formen, Ruhe, Archaik. Hoetger, der schon immer zwischen Extremen wanderte, nimmt auch das auf. In ihm kämpfen zwei Seelen: der Expressionist, dem die Oberfläche nie wild genug sein kann, und der Archaiker, der nach dem Ursprünglichen sucht.

1906 lernt er in Paris eine deutsche Malerin kennen. Sie heißt Paula Modersohn-Becker, ist verheiratet mit einem Worpsweder Maler und wird wenige Jahre später, 1907, an einer Embolie sterben – achtzehn Tage nach der Geburt ihrer Tochter . Hoetger ist tief getroffen. Jahre später, 1912, wird er für ihr Grab in Worpswede eine Plastik schaffen: eine sterbende Mutter mit Kind .

Dieses Grabmal wird ihn nicht mehr loslassen. Es taucht wieder auf in Darmstadt, im Platanenhain, als Teil eines großen Zyklus über Werden und Vergehen . Und es führt ihn schließlich nach Worpswede, an den Ort, an dem Paula gelebt und gearbeitet hat .

Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.


3. Das Problem – Die Kunst, die keiner versteht

1911 beruft Großherzog Ernst Ludwig von Hessen Hoetger an die Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe . Eine große Ehre. Die Mathildenhöhe ist damals ein Leuchtturm der Moderne, ein Ort, an dem Jugendstil und Reformarchitektur neue Wege suchen. Hoetger soll für die geplante Ausstellung von 1914 den Platanenhain gestalten .

Der Hain ist eine alte Anlage aus den 1830er Jahren, ein rechteckiges Areal mit regelmäßig gepflanzten Platanen . Ein englischer Landschaftspark, gezähmt, geordnet, bürgerlich. Hoetger soll ihm eine Seele einhauchen.

Er entwirft über vierzig Skulpturen und Reliefs . Ein riesiger Zyklus über den Kreislauf des Lebens: Frühling, Sommer, Schlaf, Auferstehung. Krugträgerinnen, die an gotische Madonnen erinnern. Einen Silberlöwen, der den Tag trägt, und einen Leoparden, der die Nacht trägt . Die Figuren sind nicht schön im klassischen Sinne. Sie sind archaisierend, expressiv, manchmal brutal. Die Köpfe groß, die Glieder schwer, die Gesichter maskenhaft.

Hoetger lässt sich von ägyptischer Kunst inspirieren, von mittelalterlichen Madonnen, von indischen Mystikern. Unter die Reliefs setzt er Inschriften: ein Sonnengesang des Echnaton, ein Brunnengebet aus dem Papyrus Sallier I . 1200 vor Christus. Theben-West.

Die Darmstädter sind irritiert. Was soll das? Wo bleibt das Gefällige, das Dekorative, das man von einer Künstlerkolonie erwartet? Hoetger antwortet nicht. Er arbeitet weiter.

1914 wird die Ausstellung eröffnet. Der Platanenhain ist fertig – und sorgt für einen Skandal. Die einen finden es genial, die anderen monströs. Ein Kritiker schreibt von „bizarrer Hässlichkeit“. Ein anderer lobt die „archaische Wucht“. Hoetger ist das egal. Er hat längst entschieden: Er bleibt nicht in Darmstadt. Er geht nach Worpswede, dorthin, wo Paula Modersohn-Becker gelebt hat, dorthin, wo das Grabmal steht, das er für sie gemacht hat .

Worpswede ist damals eine Künstlerkolonie der anderen Art: kein großherzoglicher Hof, kein Mäzenatentum von oben, sondern ein Dorf im Moor, in dem sich Maler und Dichter niedergelassen haben, um der Stadt zu entfliehen. Hoetger kauft sich ein Haus, den sogenannten Brunnenhof, und beginnt zu bauen .

Aber das reicht ihm nicht.


4. Der Bau – Das Haus als begehbare Skulptur

1921, vier Jahre nach dem Brunnenhof, beginnt Hoetger mit einem neuen Haus . Es liegt am Südhang des Weyerbergs, eingewachsen in den Wald, kaum sichtbar von unten. Ein Längsbau mit Krüppelwalmdach, dessen First nach Westen ansteigt wie ein Tier, das sich streckt . Daran anschließend ein Querbau für das Atelier. Alles aus Backstein und Holz – Materialien, die hier wachsen, die hierher gehören.

Aber die Art, wie Hoetger sie verwendet, ist neu.

Die Backsteinwände werden ohne genaue Pläne gemauert. Hoetger steht dabei und ruft den Handwerkern zu: „Schafft Bewegung und Leben in den Baukörper. Habt Phantasie!“  Die Maurer sind ratlos. Sie sind gewohnt, nach Schnur zu arbeiten, Lot und Waage zu nehmen. Jetzt sollen sie einfach drauflos mauern? Strukturen in die Wand kneten wie Ton? Einige weigern sich. Andere lassen sich darauf ein und entdecken plötzlich eine Freiheit, die sie nie gekannt haben.

Das Holz ist noch radikaler. Hoetger geht in den Wald, sucht Bäume aus, markiert sie. Im Winter werden sie geschlagen – genau die, die er sich ausgesucht hat, mit all ihren Krümmungen, ihren Astlöchern, ihren Verwachsungen . Dann werden sie ins Haus gebracht und so eingebaut, wie sie sind. Ein Stamm wird zum Türsturz, ein Ast zur Fensterlaibung, eine Astgabel zum Rahmen. Die Rinde bleibt dran, manchmal sogar das Moos.

Im Inneren entsteht so etwas wie eine Höhle. Der große Wohnraum, die „Diele“ genannt, wird von einer zentralen Feuerstelle beherrscht . Die Rauchhaube wird von mächtigen, klobigen Baumstämmen getragen, die aussehen, als würden sie gleich zusammenbrechen – aber sie halten. Seit hundert Jahren.

Die Fenster sind zum Teil aus Baumscheiben gemacht, in die farbiges Glas eingesetzt ist . Wenn die Sonne durchscheint, liegt ein grünliches, goldenes Licht im Raum, wie unter einem Blätterdach.

Hoetger nennt das nicht Architektur. Er nennt es „begehbare Skulptur“ . Und er meint das wörtlich: Das Haus ist kein Behälter, in den man nachträglich hineingeht. Es ist ein Körper, der einen umschließt. Man bewegt sich nicht in ihm, sondern durch ihn.

Die Balkenköpfe werden von Fred Ehlers, einem Holzbildhauer, mit Runen, Sonnensymbolen und Tierköpfen verziert . Germanische Mythologie trifft auf expressionistische Fantasie. Hoetger schreibt an Roselius: „Dieses reine Gefühl der Schöpfung, nordisch und phantastisch zugleich.“ 

„Nordisch“ – das Wort wird später eine schwere Last tragen. Aber hier, 1921, meint es noch etwas anderes: die Sehnsucht nach einer vorchristlichen, vorindustriellen Welt, in der die Dinge noch nicht entzaubert sind. Hoetger sucht das Ursprüngliche. Er sucht es im Holz, im Stein, im Handwerk. Er glaubt, dass die alten Germanen es hatten – dieses unmittelbare Verhältnis zur Natur. Ob sie es wirklich hatten, ist eine andere Frage. Aber Hoetger braucht diesen Mythos, um bauen zu können.

1923 kommen zwei kleinere Gebäude dazu: die „Kunsthütten“, eine Töpferwerkstatt und eine Bauhütte . Hier soll Kunsthandwerk entstehen, Keramik, Weberei – eine Wiederbelebung alter Techniken, aber nicht als Kopie, sondern als etwas Neues. Hoetger holt Handwerker, bildet sie an, lässt sie experimentieren. Einige bleiben Jahre, andere gehen nach kurzer Zeit wieder. Das Geld ist knapp, die Aufträge sind selten, und Hoetger kann schwierig sein.

1928, sechs Jahre nach dem Einzug, erweitert er das Haus um ein neues Atelier . Diesmal modern: Beton, Stahl, Flachdach. Eine Brücke verbindet es mit dem Wohnhaus. Zwei Welten treffen aufeinander – der expressionistische Traum und die sachliche Moderne. Hoetger scheint zu spüren, dass die Zeit sich ändert. Aber die Zeit ändert sich schneller, als er denkt.


5. Das Herzstück – Der Baum, der sich weigert, Pfosten zu sein

Was ist das Herzstück dieses Hauses? Nicht die Feuerstelle, nicht die Astgabel, nicht das farbige Licht. Es ist die Idee, die dahintersteckt: die Weigerung, die Natur zu unterwerfen.

Seit der Renaissance gilt: Architektur ist der Sieg des Geistes über die Materie. Der Architekt zwingt dem Stein seine Idee auf. Er macht aus einem Baum einen Balken – gerade, glatt, berechenbar. Die Natur wird gezähmt, in Form gebracht, dem Menschen dienstbar gemacht. Das ist die Grundlage unserer Zivilisation.

Hoetger dreht das um. Er fragt nicht: Was will ich aus dem Baum machen? Er fragt: Was will der Baum sein? Und dann baut er das.

Die Astgabel, die als Türrahmen dient, war vorher eine Astgabel. Sie hatte ihre Form, weil der Baum dort zwei Äste ausgetrieben hat, weil der Wind sie gebogen hat, weil das Licht sie gedehnt hat. Diese Geschichte ist in ihr eingeschrieben. Hoetger löscht sie nicht aus, indem er sie hobelt und glättet. Er lässt sie sichtbar. Die Tür erzählt die Geschichte ihres Materials.

Das klingt romantisch, ist aber hartes Handwerk. Einen krummen Stamm so einzubauen, dass er trägt, dass er nicht reißt, dass er sich nicht verdreht – das erfordert mehr Können, als einen geraden Balken zu verwenden. Der Zimmermann muss das Holz lesen können, muss wissen, wo die Spannung sitzt, wie es sich verhalten wird. August Freitäger, der alte Mann, der anfangs den Kopf schüttelte, wurde am Ende zum Experten dafür .

Hoetger selbst hat es so formuliert: „Nie habe ich zertrümmern wollen, nie etwas Neues schaffen wollen.“  Ein merkwürdiger Satz für einen Künstler, der ständig Neues schuf. Aber er meint etwas anderes: Er wollte nicht über die Natur triumphieren. Er wollte mit ihr arbeiten, nicht gegen sie.

Das ist das Herzstück. Nicht eine bestimmte Technik, nicht ein bestimmtes Material. Sondern eine Haltung: Respekt vor dem, was schon da ist.


6. Das Ende – Triumph und Tragödie

Das Haus am Weyerberg steht bis heute. Aber Hoetger hat nicht lange darin gewohnt. Um 1930 verkauft er es an Eberhard Osthaus, den Sohn des Hagener Kunstmäzens Karl Ernst Osthaus . Osthaus tauft es um: „Myrkwid“ – altnordisch für „dunkler Wald“ . Der mythische Ort wird zum mythischen Namen.

Hoetger zieht nach Bremen, in die Böttcherstraße. Ludwig Roselius, der Kaffeemagnat, hat ihn geholt, um ein ganzes Straßenensemble zu gestalten: das Paula-Modersohn-Becker-Haus, das Haus Atlantis, den Hoetger-Hof . Wieder Expressionismus, wieder Backstein, wieder diese Mischung aus Archaik und Moderne. Die Böttcherstraße wird sein Hauptwerk, das, was bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Aber die Zeit ist dunkel. 1933 kommen die Nationalsozialisten an die Macht. Hoetger, der sich immer als „nordischer“ Künstler verstanden hat, der germanische Mythen beschwor, der das Ursprüngliche suchte – er sieht in ihnen zunächst Verbündete. 1934 tritt er der NSDAP bei . Er glaubt, jetzt endlich Anerkennung zu finden für seine Kunst, die so viele nicht verstanden haben.

Es kommt anders.

1936 besucht Hitler die Böttcherstraße. Was er sieht, gefällt ihm nicht. Er nennt es „entartete Kunst“ . Die Presse schimpft, die SS-Zeitschrift „Das Schwarze Korps“ fällt über Hoetger her. 1937 werden in der Aktion „Entartete Kunst“ 14 seiner Werke aus Museen beschlagnahmt . 1938 wird er aus der Partei ausgeschlossen .

Ein Lebenstraum zerbricht. Hoetger, der dazugehören wollte, der geglaubt hatte, das „Dritte Reich“ sei seine Heimat, wird ausgestoßen. Er flieht nach Berlin, dann nach Bayern, schließlich in die Schweiz . 1949 stirbt er in Beatenberg am Thunersee, vergessen, verbittert, ein Mann ohne Land .

1968 bekommt er ein Ehrengrab in Dortmund. Zu spät.

Das Haus in Worpswede wechselt mehrfach den Besitzer. In den 1980er Jahren wird es von Helmut Weyh gemietet, der darin Seminare veranstaltet – Kreativitätstraining für Manager . Der krumme Baum als Methode, um aus der Linearen auszubrechen. Ironie der Geschichte. Dann steht es wieder leer. Die Denkmalschutzbehörde ringt mit der Bausubstanz. Das Holz altert, der Putz bröckelt. „Myrkwid“ wird wirklich zum dunklen Wald.


7. Der Epilog – Was bleibt?

Im Archiv der Böttcherstraße liegt ein Blatt Papier. Es ist ein Brief von Bernhard Hoetger an Ludwig Roselius, datiert auf Mai 1921. Mitten in der Bauzeit des Hauses. Hoetger schreibt: „Für den Bau meines heißersehnten Hauses dürstet mich nach unmittelbarer Naturnähe und nach einem reinigenden Bade im Urland.“ 

„Urland.“ Ein Wort, das es nicht gibt. Ein Wort, das Hoetger erfunden hat, weil die vorhandenen Wörter nicht reichen.

Was ist das Urland? Vielleicht der Ort, an dem die Dinge noch sie selbst sind, bevor wir sie benennen, vermessen, katalogisieren. Der Ort, an dem ein Baum ein Baum ist und nicht „Rohstoff“. Der Ort, an dem ein Haus wächst wie ein Lebewesen und nicht nach DIN-Norm berechnet wird.

Hoetger hat dieses Urland gesucht – in der Bretagne, in Worpswede, in der ägyptischen Kunst, im germanischen Mythos. Er hat es nicht gefunden, weil es kein Urland gibt. Es gab nie eine Zeit, in der die Menschen im Einklang mit der Natur lebten, ohne sie zu verändern. Die Steinzeitmenschen haben Feuer gemacht und Bäume gefällt. Die Germanen haben gerodet und gebaut. Das Paradies ist immer schon verloren.

Aber die Sehnsucht danach – die ist echt. Und sie treibt uns an. Sie treibt uns dazu, Häuser zu bauen, die anders sind als die anderen. Sie treibt uns dazu, Bäume nicht zu glätten, sondern ihre Geschichten zu lesen. Sie treibt uns dazu, gegen die glatte Welt anzukämpfen, auch wenn wir wissen, dass wir verlieren werden.

Hoetger hat verloren. Er ist gescheitert als Künstler, gescheitert als Mensch, gescheitert in seiner politischen Blindheit. Aber das Haus am Weyerberg steht noch. Und wenn man heute davorsteht – vor dieser Tür, die kein rechter Winkel ist – dann spürt man: Hier hat einer versucht, das Unmögliche möglich zu machen.

Vielleicht ist das genug.


Die Quellen zu diesem Artikel finden sich verstreut: Im Archiv der Böttcherstraße in Bremen, wo die Briefe an Roselius liegen . In der Dissertation von Wolfgang Saal, die im Weser-Kurier zitiert wird . In den Akten der Darmstädter Mathildenhöhe, die den Skandal um den Platanenhain dokumentieren . Und in den Worpsweder Museen, wo man noch heute die Handwerkerberichte über den Bau des Hauses einsehen kann . Wer sich auf den Weg macht, findet sie alle – die Spuren eines Mannes, der nichts so sehr hasste wie die glatte Oberfläche.

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