Der vergessene Tragbare: Der Philips P2000C und die Last der frühen Mobilität

Autor: DerSchneider

Kaum ein Gerätembargo der Technikgeschichte ist so lehrreich wie der tragbare Computer. Was heute selbstverständlich und allgegenwärtig ist, war in den frühen 1980er Jahren eine logistische und technische Herausforderung. In diese Ära fällt ein Gerät, das heute fast vergessen ist: der Philips P2000C. Er war Philips‘ ambitionierter, aber letztlich erfolgloser Versuch, im aufkeimenden Markt der „tragbaren“ Geschäftscomputer Fuß zu fassen. Dieser Artikel beleuchtet die Technik, die Hintergründe und das ambivalente Erbe dieses frühen „Lunchbox“-Computers.

Eine Familie im Widerspruch: Die P2000-Serie

Um den P2000C zu verstehen, muss man die chaotische Modellpolitik von Philips in den frühen 80ern begreifen. Die österreichische Philips-Fertigung in Wien produzierte eine ganze Familie von Mikrocomputern, die jedoch das merkwürdige Merkmal aufwiesen, untereinander nicht kompatibel zu sein .

ModellJahrZielgruppeZentrale MerkmaleInkompatibilität
P2000T1980Heimbereich, AusbildungAnschluss an TV, Mini-Kassette, 40×24 Farbtext, Teletext-ChipEigene Software, kein CP/M standardmäßig
P2000M1980Business, ProfessionellMonitor-Gehäuse mit 2 Disketten, 80×24 Text, CP/M-fähigKaum Software-Kompatibilität zum P2000T
P2000C1983Mobile Professionals„Tragbar“ mit Bildschirm, 2 Disketten, CP/M 2.2, 2x Z80AVöllig neues System, kein Bezug zu Vorgängern
Yesca. 1985BusinessMS-DOS-basiert, IBM-kompatibel?P2000C mit CoPower-Karte lahm, eigener Ableger

Der P2000C war der Versuch, mit einem Schlag alles richtig zu machen. Er sollte das Business-Segment erobern, mobil sein und höchste Kompatibilität mit der damaligen Profi-Software bieten .

Technische Tiefenanalyse: Ein Z80 im Doppelpack

Der P2000C war für seine Zeit technisch außergewöhnlich. Während Konkurrenten wie der Osborne 1 auf einfachere Z80-Systeme setzten, verfolgte Philips einen aufwendigeren Ansatz mit zwei Prozessoren.

Die Dual-Prozessor-Architektur

Herzstück waren zwei Zilog Z80A CPUs, die mit 4 MHz takteten . Diese Aufteilung war nicht für Multitasking gedacht, sondern für eine klare Aufgabentrennung:

  • CPU 1 (Hauptprozessor): Führte die Anwendungssoftware und das Betriebssystem CP/M aus.
  • CPU 2 (I/O-Prozessor): War exklusiv für die Ein- und Ausgabe zuständig – Tastatur, Bildschirm und serielle Schnittstellen.

Diese Architektur war ein Segen für die Leistung. Während ein Osborne 1 bei jeder Tastatureingabe den Hauptprozessor unterbrechen musste, konnte der P2000C rechenintensive Aufgaben durchführen, während der zweite Z80 unabhängig den Bildschirm aktualisierte. Das machte ihn zu einem der schnellsten CP/M-Systeme seiner Zeit .

Das Display: Grün, eingebaut und schwer

Anders als der P2000T, der an den Fernseher angeschlossen wurde, besaß der P2000C ein eigenes 9-Zoll CRT-Display mit grüner Phosphorbeschichtung (Grünmonitor) . Die monochrome Grafikauflösung betrag 512 x 256 Pixel im Grafikmodus, im Textmodus waren es scharfe 80 Zeichen mal 25 Zeilen . Das war damals Industriestandard für Textverarbeitung und Tabellenkalkulation.

Der Einbau des Monitors war jedoch der Hauptgrund für das immense Gewicht von 15 Kilogramm . Tragbar bedeutete hier: Man konnte es theoretisch von einem Tisch zum nächsten tragen, wenn man stark genug war.

Datenspeicher und Konnektivität

Der P2000C kam serienmäßig mit zwei eingebauten 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerken. Die Kapazität variierte:

  • Frühe Modelle: 160 KB pro Diskette (einseitig) .
  • Spätere Modelle: 640 KB pro Diskette (zweiseitig, doppelte Dichte).

Für die Anbindung an die Außenwelt war der P2000C erstaunlich gut ausgestattet:

  • Serielle RS232/V24-Schnittstelle (hier gab es später aber Probleme mit der Pin-Belegung für Enthusiasten) 
  • Parallele Druckerschnittstelle
  • SCSI (bzw. SASI)-Anschluss für den Betrieb externer Festplatten (bis zu 10 oder 20 MB, aber unbezahlbar) 
  • CoPower-Erweiterung: Eine Steckkarte mit einem Intel 8088-Prozessor und zusätzlichem RAM. Diese Karte erlaubte es dem Rechner, MS-DOS auszuführen und damit IBM-PC-Software wie WordStar oder Turbo Pascal zu nutzen .

Die CoPower-Karte: Ein cleverer, aber teurer Brückenschlag

Die Möglichkeit, mit der optionalen 8088 CoPower-Karte MS-DOS zu booten, war der große Trumpf des P2000C . Philips hatte erkannt, dass CP/M langfristig keine Chance gegen das aufkommende IBM-PC-Ökosystem hatte. Die CoPower-Karte war eine elegante (wenn auch kostspielige) Übergangslösung: Sie enthielt einen eigenen 8088-Prozessor (4,77 MHz) und 256 KB RAM. Der Benutzer konnte so zwischen CP/M- und MS-DOS-Welt wechseln .

Praktische Implikation für Historiker: Ein P2000C mit CoPower-Karte ist eigentlich zwei Computer in einem, was ihn für die Retro-Community besonders begehrenswert macht.

Warum der P2000C scheiterte

Trotz technischer Überlegenheit war der P2000C ein kommerzieller Misserfolg. Die Gründe liegen auf der Hand:

  1. Der Preis: Mit etwa $3000 (ca. 8.000 DM inflationsbereinigt) war er teurer als die Konkurrenz von Kaypro oder Osborne .
  2. Das Gewicht: 15 kg ohne Akku. Er konnte nicht im Zug oder Flugzeug genutzt werden, nur am Zielort. Der Vorteil der „Mobilität“ war marginal.
  3. Die Konkurrenz: 1983/84 begann der Siegeszug des IBM PC und seiner Klone. Warum ein teures Nischenprodukt von Philips kaufen, wenn es schon fast einen Standard gab?
  4. Interner Wettbewerb: Philips selbst hatte keine klare Strategie. Neben dem P2000C gab es die MSX-Computer (wie den VG-8000), die den Heimmarkt erobern sollten. Die Kräfte wurden zersplittert.

Das Vermächtnis eines Mauerblümchens

Heute ist der Philips P2000C eine seltene Rarität. Für Retro-Computing-Enthusiasten ist er ein faszinierendes Beispiel für einen Übergangscomputer: tragbar, aber klobig; proprietär, aber mit MS-DOS-Erweiterung; leistungsstark, aber erfolglos .

Während die P2000T/M Modelle in einigen niederländischen und deutschen Schulen noch eine gewisse Verbreitung fanden, verschwand der P2000C schnell in der Versenkung . Projekte wie MAME ermöglichen heute die Emulation dieser Maschinen und bewahren so die Technikgeschichte vor dem Vergessen .

Der P2000C steht sinnbildlich für Philips‘ Ambitionen im Computerzeitalter: technisch oft innovativ, aber strategisch schlecht positioniert und teuer. Er ist ein Stück Techarchäologie, das uns daran erinnert, dass der Weg zu unserem heutigen Verständnis von „Mobilität“ mit vielen gescheiterten, aber faszinierenden Ideen gepflastert ist.

Quellen:

  • Technisches Museum Wien: Objektdatenbank – Tragbarer Personal Computer Philips P2000C 
  • The Centre for Computing History – Philips P2000C 
  • Retrocomputing Stack Exchange – How to read data from Philips P2000C over its serial port 
  • Wikipedia – Philips P2000 (englisch/deutsch) 
  • IT History Society – Philips P2000C 

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