Louis Antoine Kriéger: Der vergessene Pionier der Elektromobilität

Autor: DerSchneider


Einleitung

Wenn heute von den Anfängen der Elektromobilität die Rede ist, fallen oft Namen wie Ferdinand Porsche, Thomas Edison oder Camille Jenatzy. Ein Name jedoch taucht in der öffentlichen Wahrnehmung nur selten auf, obwohl seine Verdienste um die Entwicklung des Elektroautos kaum zu überschätzen sind: Louis Antoine Kriéger (1868–1951). Dieser französische Ingenieur begann bereits 1894 mit der Konstruktion elektrischer Fahrzeuge, lange bevor der Verbrennungsmotor die Automobilwelt eroberte .

Kriégers Innovationen sind geradezu visionär: Er baute die ersten elektrischen Radnabenmotoren, erfand die regenerative Bremse für Automobile und präsentierte bereits 1903 das erste Hybridfahrzeug der Welt – mit Frontantrieb und Servolenkung . Dass diese Errungenschaften bis heute das Rückgrat moderner Elektro- und Hybridfahrzeuge bilden, macht Kriéger zu einem der bedeutendsten, aber zugleich vergessensten Pioniere der Technikgeschichte.

Dieser Artikel zeichnet das Leben und Wirken Louis Antoine Kriégers nach, analysiert seine bahnbrechenden technischen Entwicklungen und ordnet sie in den historischen Kontext ein. Dabei wird auch die Frage beleuchtet, warum ein so visionärer Unternehmer scheitern musste – und welche Lehren sich daraus für die heutige Mobilitätswende ziehen lassen.


Der Weg zum Elektroauto: Kriégers frühe Jahre

Ausbildung und erste Schritte

Louis Antoine Kriéger, in Paris geboren, absolvierte seine schulische Ausbildung am traditionsreichen Collège Sainte-Barbe, bevor er an die renommierte École Centrale des Arts et Manufactures wechselte. 1891 schloss er sein Ingenieurstudium ab – zu einer Zeit, als die Elektrotechnik noch in den Kinderschuhen steckte .

Seine berufliche Laufbahn begann Kriéger 1894 bei der Société des batteries électriques Fulmen. Die Marke Fulmen (lateinisch für »Blitz«) war erst 1891 von Albert Brault gegründet worden und produzierte neben Automobilbatterien auch Systeme für die erste elektrische Lokomotive auf der Strecke Paris–Lyon–Marseille sowie für das französische U-Boot Narval . In diesem technologisch fruchtbaren Umfeld reifte Kriégers Entschluss, die Elektrizität auch für den Straßenverkehr nutzbar zu machen.

1894: Das erste Elektrofahrzeug

Noch im selben Jahr schuf Kriéger seinen ersten Prototyp: Er elektrifizierte eine zweisitzige Victoria-Droschke der Compagnie des fiacres de l’Abeille . Die Konstruktion war bemerkenswert fortschrittlich: Jedes der beiden Vorderräder erhielt einen eigenen Elektromotor – ein direkt wirkender Radnabenantrieb ohne Ketten oder Riemen. Das Fahrzeug wog mit dem Fulmen-Akkumulatorpaket (285 kg) insgesamt 1.150 kg und erreichte eine Reichweite von etwa 30 km .

1897 folgte ein weiteres, verbessertes Modell, ebenfalls auf Kutschenbasis mit gegenüberliegenden Sitzen (vis-à-vis). Der Akkupack wuchs auf 540 kg, das Gesamtgewicht auf 1.850 kg – doch die Reichweite stieg auf bis zu 80 km bei einer Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h . Kriéger hatte den technologischen Beweis angetreten: Elektroautos waren keine Spielerei, sondern alltagstauglich.

1898: Firmengründung und Produktionsbeginn

Mit dem wachsenden Interesse an Elektrofahrzeugen in Frankreich wagte Kriéger 1898 den entscheidenden Schritt: Er gründete die Compagnie Parisienne des Voitures Électriques Système Kriéger mit Sitz in Courbevoie bei Paris . Noch im selben Jahr präsentierte er seine Fahrzeuge auf dem Pariser Automobilsalon und erregte dort große Aufmerksamkeit.

Die Produktion begann – zunächst in kleinen Stückzahlen, aber durchaus erfolgreich. Die Fahrzeuge trugen prestigeträchtige Modellnamen wie Brougham, Landaulette und Electrolette . Sie erfreuten sich vor allem in der gehobenen Gesellschaft großer Beliebtheit. Wie ein zeitgenössischer Bericht aus dem Dezember 1903 festhielt: »Kriéger ist der Lieferant der schicken, reichen Kundschaft« .

Die Liste der royalen Kunden liest sich wie ein Who’s Who der europäischen Monarchien: König Victor Emanuel III. von Italien, Zar Nikolaus II. von Russland, König Eduard VII. von England, Kaiser Wilhelm II. von Deutschland sowie die spanische, ägyptische und dänische Königsfamilie besaßen mindestens ein Fahrzeug aus Kriégers Werkstätten . Diese internationale Nachfrage führte sogar zu Lizenzfertigungen im Ausland: In Deutschland bei der Namag, in Italien bei S.T.A. und in England bei der Electromobile .


Technische Meisterleistungen im Detail

1. Das Antriebskonzept: Zwei Radnabenmotoren

Das Herzstück aller Kriéger-Fahrzeuge war das einzigartige Antriebskonzept. Anders als die meisten zeitgenössischen Elektroautos, die einen einzelnen Motor mit Kettentrieb verwendeten, setzte Kriéger auf zwei völlig unabhängige Radnabenmotoren in den Vorderrädern .

Die Funktionsweise war ebenso einfach wie genial: Neben jedem Vorderrad befand sich ein Elektromotor mit einer Leistung von 2,2 kW (3 PS). Das Ritzel des Motors griff direkt in ein großes Zahnrad ein, das fest mit dem Rad verbunden war – die gesamte Getriebeeinheit saß in einem staub- und wasserdichten Gehäuse . Jedes Rad wurde also von seinem eigenen Motor angetrieben, was eine bemerkenswerte Traktionskontrolle ermöglichte.

Diese Bauweise hatte mehrere entscheidende Vorteile:

  • Keine mechanische Verbindung zwischen den Rädern – damit entfielen Differentialgetriebe und Antriebswellen
  • Hervorragende Gewichtsverteilung – die Motoren saßen tief und vorn
  • Hohe Effizienz – keine Getriebe- oder Kettenverluste
  • Einfache Lenkung – die Motordrehzahlen konnten abhängig vom Lenkeinschlag synchronisiert werden 

Dass dieses Konzept erst mehr als 100 Jahre später mit modernen Radnabenmotor-Konzepten wieder aufgegriffen wurde, zeigt, wie visionär Kriéger dachte.

2. Das Batteriekonzept: 360 kg Fulmen-Akkus unter dem Boden

Die Energieversorgung übernahmen die Fulmen-Bleibatterien – ein Name, der bereits für Qualität stand. Der Akkupack wog satte 362,87 kg (800 Pfund) und war in einer stabilen Box unter dem Fahrzeugboden montiert .

Besonders durchdacht war die Zugänglichkeit: Die gesamte Batteriebox konnte einfach nach hinten aus der Karosserie herausgeschoben werden . Dies erlaubte sowohl das bequeme Aufladen als auch den schnellen Austausch gegen frische Batterien – ein Konzept, das bis heute als »Batteriewechsel« diskutiert wird.

Die Reichweite gab Kriéger mit mindestens 105 km (65 Meilen) pro Ladung an . Für das Jahr 1901 war das ein bemerkenswerter Wert, der erst mehr als ein Jahrhundert später wieder zum Standard werden sollte. Das Leergewicht des Electrolette-Modells betrug 771 kg (1.700 Pfund) – damit war der Wagen leichter als viele moderne Kleinwagen .

3. Die erste regenerative Bremse der Automobilgeschichte

Die wahrscheinlich bedeutendste Innovation Kriégers war die Einführung der regenerativen Bremse im Automobil . Zwar war das Prinzip – den Elektromotor beim Verzögern als Generator zu nutzen – aus dem Bahnbereich bereits bekannt, doch auf ein Straßenfahrzeug übertrug es Kriéger als weltweit Erster.

Die Physik dahinter ist einfach: Wenn ein Elektromotor angetrieben wird, wandelt er elektrische Energie in Bewegungsenergie (kinetische Energie) um. Wird die Stromzufuhr unterbrochen und der Motor durch die Fahrzeugbewegung weiter gedreht, arbeitet er rückwärts – er wird zum Generator, der Bewegungsenergie in elektrische Energie zurückverwandelt.

Kriéger nutzte diesen Effekt gezielt zur Fahrverzögerung. Der Fahrer musste lediglich das »Strompedal« zurücknehmen, und die Motoren wirkten wie eine Bremse – gleichzeitig floss der erzeugte Strom zurück in die Batterien . Das brachte drei entscheidende Vorteile:

  1. Reichweitenverlängerung durch Rückgewinnung von Bremsenergie
  2. Entlastung der mechanischen Bremsen, die damals noch sehr unzuverlässig waren
  3. Die Grundlage dessen, was heute als One-Pedal-Driving bekannt ist

Die regenerative Bremse ist heute aus keinem Elektro- oder Hybridauto mehr wegzudenken. Dass diese Technologie bereits 1901 serienreif war, ist eine kaum zu überschätzende Pionierleistung.

4. 1903: Der erste Hybrid – und die Genialität der »Electrogenia«

Im Jahr 1903 überschritt Kriéger abermals eine technologische Schwelle: Er präsentierte der Öffentlichkeit das erste Hybridauto der Welt . Dieses bahnbrechende Fahrzeug, das zeitweise den Namen Electrogenia trug, vereinte einen Benzinmotor mit dem elektrischen Antriebsstrang in einem gemeinsamen System .

Die Konstruktion war ebenso visionär wie technisch ausgefeilt:

  • Frontantrieb: Die beiden Elektromotoren trieben wie gewohnt die Vorderräder an
  • Benzinmotor als Generator: Ein Verbrennungsmotor (zunächst von De Dion-Bouton, später von Brasier) diente nicht dem direkten Antrieb, sondern trieb einen Generator an, der die Batterien während der Fahrt nachlud 
  • Servolenkung: Kriéger integrierte bereits eine frühe Form der Servolenkung – völlig ungewöhnlich für diese Zeit 
  • Fünf Sitzplätze: Der Hybrid war als geräumiges Tourenwagen konzipiert 

Das Fahrzeug war ein serieller Hybrid, wie man heute sagen würde: Der Verbrennungsmotor trieb nie direkt die Räder an, sondern war stets nur als »Range Extender« für den elektrischen Antrieb tätig. In der Praxis bedeutete das enorme Flexibilität: Kurze Strecken konnten rein elektrisch zurückgelegt werden, für längere Fahrten stand die kombinierte Reichweite von Batterie und Verbrenner zur Verfügung.

Die Leistungsfähigkeit des Hybrid-Konzepts bewies Kriéger auf spektakuläre Weise: Er überquerte im Winter 1903/04 die Alpen mit seinem Hybridfahrzeug und durchquerte anschließend einen Teil Italiens . Auf einer guten, geraden Straße erreichte der Wagen fast 75 km/h (über 45 mph) . Und das ohne jede Heizung – eine wahrhaft abenteuerliche Fahrt.

Allerdings hatte die Technik auch ihre Schattenseiten: Der Verbrauch des Benzinmotors war mit etwa 20 Litern pro 100 Kilometer enorm hoch . Zum Vergleich: Ein moderner Toyota Prius kommt mit etwa 4–5 Litern aus. Doch gemessen an der Pionierleistung und der technologischen Grundidee war dies ein akzeptabler Kompromiss.

Im Jahr 1905 vertiefte Kriéger die Zusammenarbeit mit dem Motorenhersteller Brasier und brachte den Kriéger-Brasier als weiterentwickelte Hybridversion auf den Markt .


Historische Einordnung: Kriéger im Wettbewerb der Antriebe

Um Kriégers Leistung richtig würdigen zu können, ist ein Blick auf die automobile Konkurrenz um 1900 hilfreich. In dieser Zeit konkurrierten drei Antriebsarten miteinander:

AntriebsartStärkenSchwächenTypische Vertreter
DampfwagenHohes Drehmoment, leise, keine GetriebeLange Aufheizzeit, hoher Wasserverbrauch, ExplosionsgefahrStanley Steamer
BenzinwagenHohe Reichweite, gute LeistungLaut, ruppig, schwer zu starten, Gestank, unzuverlässigDaimler, Panhard & Levassor
ElektrowagenLeise, sauber, sofort startbereit, einfach zu fahrenGeringe Reichweite, schwere Batterien, teuerKriéger, Jeantaud, Lohner-Porsche

Die Elektromobilität hatte um 1900 durchaus ihre Anhänger – vor allem in der gehobenen Gesellschaft. Sie galt als die saubere, zivilisierte und vornehme Alternative zum lärmenden, stinkenden Benzinmotor. Kriéger bediente genau dieses Klientel mit Erfolg.

Dennoch begann sich das Blatt bereits in den 1900er Jahren zu wenden: Die Entdeckung reichhaltiger Erdölvorkommen ließ die Benzinpreise sinken, die Verbrennungstechnik wurde immer ausgereifter, und mit Henry Fords Fließbandfertigung (ab 1913) wurden Benzinautos massiv billiger. Hinzu kamen technologische Durchbrüche wie der elektrische Anlasser (1912 von Cadillac eingeführt), der das lästige Ankurbeln des Verbrennungsmotors überflüssig machte.

Die Elektroautos hingegen blieben teuer – vor allem wegen der schweren Bleibatterien, deren Technologie sich nur langsam verbesserte. Auch Kriéger konnte dieses Dilemma nicht lösen.


Das Scheitern: Warum Kriéger unterging

Trotz aller Innovationen und des königlichen Kundenstamms geriet die Compagnie Parisienne des Voitures Électriques zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig und lehrreich zugleich.

Produktionszahlen und Marktstellung

Interessanterweise lief das Geschäft zeitweise gar nicht schlecht. Die Produktionszahlen belegen das:

JahrProduzierte Fahrzeuge
190143
1902mindestens 65
1906ca. 150 (allein für die Pariser Taxiflotte)

1906 schloss die Compagnie Parisienne des Taxautos Electriques einen Großauftrag über 150 elektrische Fiacres (Droschken) bei Kriéger ab . In jenem Jahr wurde zudem eine zweite Fabrik im Pariser Vorort geplant, da die bestehenden Kapazitäten nicht mehr ausreichten . Auch ein eigenes Garagenhaus mit 200 (später 300) Stellplätzen für Elektro- und Hybridfahrzeuge eröffnete Ende 1904 – ein klares Zeichen für eine wachsende Flotte .

Dennoch war die Produktion gemessen an der Gesamtautomobilproduktion gering. Die Stückzahlen von Kriéger erreichten nie die Dimensionen, die nötig gewesen wären, um durch Masseneffekte die Kosten zu senken.

Die Wirtschaftskrise 1907/08

Den entscheidenden Schlag versetzte die Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 1907/08. Viele junge Automobilunternehmen gerieten damals in Zahlungsschwierigkeiten – auch Kriéger. Der Absatz brach ein, die Liquidität versiegte .

Hinzu kamen strukturelle Probleme:

  • Hohe Batteriekosten: Die Bleiakkus waren teuer in der Herstellung und hatten eine begrenzte Lebensdauer
  • Technologischer Rückstand: Während die Verbrennungstechnik rasant voranschritt, stagnierte die Batterietechnologie
  • Fehlende Ladeinfrastruktur: Außerhalb von Paris gab es kaum öffentliche Ladestationen
  • Wachsende Konkurrenz: Immer mehr Hersteller setzten auf den günstigeren und reichweitenstärkeren Verbrennungsmotor

Das Ende der Produktion

1908 ging die Firma in Konkurs, 1909 wurde die Produktion endgültig eingestellt . Ein trauriges Ende für einen so visionären Pionier.

Doch Louis Antoine Kriéger gab nicht auf. Er überlebte seine Firma um mehr als vier Jahrzehnte und arbeitete bis ins hohe Alter weiter an Elektroantrieben. 1940, im Alter von 72 Jahren, ging er eine Partnerschaft mit Charles Mildé ein, einem anderen Pionier der Elektromobilität . Gemeinsam elektrifizierten sie 1941 einen viersitzigen Wagen des Karosseriebauers La Licorne – den La Licorne Mildé-Kriéger Typ AEK. Zwischen 120 und 150 Fahrzeuge entstanden, die bei einem Preis von 42.500 Francs eine Reichweite von etwa 100 km erzielten. Erst 1942 endete die Produktion auf Druck der deutschen Besatzungsmacht, die den Bau von Elektrofahrzeugen untersagte .

Bis zu seinem Tod 1951 im Alter von 82 Jahren blieb Kriéger seiner Überzeugung treu – ein Leben lang verfolgte er die Idee, das Automobil mit Elektrizität anzutreiben.


Kriégers Vermächtnis im Licht der modernen Elektromobilität

Die »vergessenen« Erfindungen

Was Kriéger um 1900 erfand, ist aus modernen Elektro- und Hybridautos nicht mehr wegzudenken:

  • Radnabenmotoren: Das Prinzip, jedes Rad einzeln anzutreiben, erlebt heute bei manchen Elektro-SUVs und Bussen eine Renaissance
  • Rekuperation: Jedes moderne E-Auto nutzt Bremsenergierückgewinnung – ohne Kriégers Vorarbeit undenkbar
  • Serieller Hybrid: Das Konzept, den Verbrenner nur als Generator zu nutzen, findet sich heute z.B. beim BMW i3 REx oder bei bestimmten Hybrid-LKW
  • Wechselbatterien: Der Gedanke, leere Akkus schnell gegen volle zu tauschen, wird weiterhin diskutiert (z.B. von Nio in China)

Die Parallelen zur heutigen Elektromobilität

Die Geschichte Kriégers offenbart verblüffende Parallelen zur Gegenwart. Auch heute ringt die Elektromobilität mit ähnlichen Herausforderungen:

Herausforderung1900 (Kriéger)2024/25
BatterietechnologieBleibatterie: schwer, teuer, begrenzte ReichweiteLithium-Ionen: deutlich besser, aber noch Verbesserungspotential
LadeinfrastrukturKaum vorhanden außerhalb von ParisStark im Ausbau, aber noch lückenhaft
AnschaffungskostenTeurer als VerbrennerTrotz sinkender Preise oft noch teurer
ReichweitenangstBestehend (»Angst vor leeren Batterien«)Noch immer ein Kaufhemmnis
Politische RahmenbedingungenKeine FörderungMassive Subventionen und Regulierungen

Der entscheidende Unterschied: Heute gibt es politischen Willen und wirtschaftliche Anreize, die Elektromobilität voranzutreiben. Zu Kriégers Zeiten war das nicht der Fall – das freie Spiel der Kräfte auf dem Automobilmarkt entschied zugunsten des Verbrennungsmotors.

Was die Automobilgeschichte von Kriéger lernen kann

Drei zentrale Lehren lassen sich aus Kriégers Schicksal ziehen:

  1. Technologische Überlegenheit allein reicht nicht – ohne Kostenparität, Infrastruktur und politische Rahmenbedingungen kann die beste Technologie scheitern.
  2. Batterieforschung ist der Schlüssel – die ganze Elektromobilität steht und fällt mit der Energiespeicherung. Hier musste Kriéger mit den damaligen Möglichkeiten arbeiten.
  3. Pioniere haben es schwer – wer seiner Zeit voraus ist, wird oft nicht belohnt, sondern geht unter. Die Geschichte der Technik ist voll von vergessenen Erfindern, deren Ideen erst Jahrzehnte später Wirklichkeit wurden.

Und vielleicht ist das das größte Verdienst Kriégers: Dass er trotz aller Rückschläge niemals aufgab. Dass er noch im hohen Alter an Elektroautos baute – in einer Zeit, als längst jeder glaubte, die Zukunft gehöre dem Benzin. Er hatte recht behalten – nur viel später, als er es sich erträumt hatte.


Fazit: Ein Pionier, der seiner Zeit voraus war

Louis Antoine Kriéger war zweifellos einer der bedeutendsten Pioniere der Elektromobilität. Er baute nicht nur die ersten alltagstauglichen Elektroautos, sondern erfand mit der regenerativen Bremse und dem seriellen Hybridantrieb gleich zwei Technologien, die heute zum Standard gehören. Dass er bereits 1903 einen Hybridwagen mit Frontantrieb, Servolenkung und Range-Extender-Konzept präsentierte, grenzt an technologische Hellseherei.

Dennoch scheiterte sein Unternehmen – nicht an mangelnder Innovation, sondern an den harten wirtschaftlichen Realitäten seiner Zeit. Die Batterietechnologie war noch nicht reif, die Infrastruktur fehlte, und die Konkurrenz des Verbrennungsmotors war einfach zu stark.

Doch die Geschichte holte Kriéger letztlich ein. Was er vor mehr als 120 Jahren begann, setzt sich heute fort. Die Elektromobilität, die er einst mit so viel Enthusiasmus vorantrieb, ist keine Modeerscheinung mehr – sie wird zur technologischen Notwendigkeit. Und dann, vielleicht, wird man sich wieder an Louis Antoine Kriéger erinnern – den Mann, der schon alles wusste, bevor die Welt bereit dafür war.


Quellen

  • Wikipedia: Kriéger Company of Electric Vehicles (englisch) 
  • Wikipédia: Louis Antoine Kriéger (französisch) 
  • Wikipedia: Krieger Company of Electric Vehicles (Gateway) 
  • Wikipédia: Société des Voitures Électriques Système Kriéger 
  • Caradisiac: Rétromobile 2017 – une électrique de 1906 
  • DBpedia: Kriéger Company of Electric Vehicles 
  • Wikipedia: Compagnie Parisienne des Voitures Électriques Système Kriéger (deutsch) 
  • PreWarCar: La Kriéger Victoria: la voiture électrique des rois et des empereurs 
  • Ingenium Canada: « Jamais le pétrole ne tuera l’électricité… » (Teil 3) 
  • Gijs Mom: The electric vehicle: technology and expectations in the automobile age
  • Popular Science Monthly, Band 57, August 1900
  • INPI (Französisches Patentamt): Patentschriften von Louis Antoine Kriéger

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