Atari 8-Bit-Heimcomputer: Der vollständige Artikel über die technische Revolution aus Sunnyvale

Einleitung: Als Spieleentwickler Computer bauten

Als im November 1979 die ersten Atari-Heimcomputer in den Läden standen, betrat die Käuferwelt technisches Neuland. Atari, das Unternehmen, das mit „Pong“ die Arcade-Ära eingeläutet hatte, wagte den Schritt vom Spielautomatenbauer zum Computerhersteller. Das Ergebnis war eine Serie von Maschinen, die in puncto Grafik und Sound der Konkurrenz von Apple, Commodore und Tandy weit voraus war. Die Atari 400 und 800, gefolgt von den XL- und XE-Serien, sollten bis 1992 produziert werden und insgesamt etwa vier Millionen Käufer finden .

Dieser Artikel zeichnet die vollständige Geschichte der Atari-8-Bit-Familie nach – von den visionären Anfängen unter Nolan Bushnell über die goldenen Jahre bis zum Niedergang und dem bis heute lebendigen Erbe in der Retro-Community.


1. Die Ursprünge: Vom Arcade-Automaten zum Heimcomputer

1.1 Nolan Bushnell und die Geburt von Atari

Die Geschichte von Atari beginnt 1971, als der visionäre Unternehmer Nolan Bushnell zusammen mit Ted Dabney das erste kommerzielle Arcade-Spiel entwickelte: Computer Space, basierend auf Steve Russells früherem Spiel „Spacewar!“ . Ein Jahr später, 1972, folgte der Durchbruch: Pong, ein einfaches Tennisspiel, das Bushnell mit Hilfe von Ingenieur Al Alcorn entwickelte und das die Spielhallen eroberte.

Im selben Jahr gründeten Bushnell und Dabney die Firma Atari – ein Begriff aus dem japanischen Brettspiel Go, der etwa „Ich greife an“ bedeutet . Der Name sollte Programm werden.

1.2 Der Verkauf an Warner Communications

1975 wagte Atari den Schritt in die Wohnzimmer: Pong erschien als Heimversion und verkaufte sich 150.000 Mal . Der Erfolg machte hungrig, aber auch kapitalhungrig. Für die Entwicklung der nächsten Konsolengeneration – der späteren Atari 2600 – fehlte das Geld. 1976 verkaufte Bushnell Atari für 28 Millionen Dollar an den Medienkonzern Warner Communications .

Warner stellte mit Ray Kassar einen neuen CEO ein, der moderne Managementmethoden einführte und aggressive Marketingkampagnen startete. 1979 wurde die Atari 2600 zum meistverkauften Weihnachtsgeschenk – über eine Million Einheiten gingen über die Ladentheke . Der Videospielmarkt boomte.

1.3 Die Idee eines Heimcomputers

Noch während der Arbeit an der 2600 begann das Entwicklungsteam des Atari Grass Valley Research Center (ehemals Cyan Engineering) mit Überlegungen für eine neue, leistungsfähigere Konsole. Man rechnete damit, dass die 2600 etwa drei Jahre auf dem Markt bleiben würde, und wollte rechtzeitig einen Nachfolger parat haben .

Das Ergebnis war ein grundlegend überarbeitetes Design, das die Beschränkungen der 2600 beseitigte, aber die gleiche grundlegende Philosophie beibehielt: Spezialisierte Coprozessoren für Grafik und Sound sollten die Haupt-CPU entlasten und überlegene Leistung ermöglichen .

Während dieser Entwicklungsphase begann das Heimcomputer-Zeitalter mit dem TRS-80, dem Commodore PET und dem Apple II – eine Dreifaltigkeit, die das Byte-Magazin später als „1977 Trinity“ bezeichnete . Ray Kassar, der neue CEO von Atari, erkannte die Chance: Warum die neue Chipsatz-Technologie nicht für einen Heimcomputer nutzen, um es mit Apple aufzunehmen? 


2. Die technische Revolution: Das Chipsatz-Trio

Das Herzstück der Atari-8-Bit-Familie war ein revolutionäres Trio spezialisierter Chips, die zusammenarbeiteten, um eine damals unerreichte Grafik- und Soundleistung zu ermöglichen.

2.1 Der Prozessor: MOS 6502

Alle Atari-8-Bit-Computer basieren auf dem bewährten MOS Technology 6502 Prozessor, der mit 1,79 MHz (NTSC-Version) bzw. 1,77 MHz (PAL-Version) taktet . Derselbe Prozessor trieb auch den Apple II und den Commodore PET an – ein Branchenstandard der späten 70er.

2.2 ANTIC: Der Grafik-Coprozessor

Der ANTIC-Chip (Alpha Numeric Television Interface Controller) war das eigentliche Geniestück. Er fungierte als Coprozessor, der die CPU von Grafikaufgaben entlastete . Seine Fähigkeiten:

  • Hardware-Scrolling für fließende Bewegungen in Spielen
  • Raster-Interrupts für dynamische Bildschirmeffekte (wie in „Mayhem in Monsterland“ Jahre später auf dem C64)
  • Player-Missile-Grafik (Hardware-Sprites) für bewegliche Objekte ohne CPU-Last
  • Vielfältige Grafikmodi: Von 40×24 Zeichen Textmodus bis zu 320×192 Pixeln in monochrom oder 160×192 in 16 Farben 

2.3 CTIA/GTIA: Der Farbprozessor

Der CTIA (Color Television Interface Adapter) bzw. sein Nachfolger GTIA (Graphic Television Interface Adapter) war für die Farbgebung zuständig . Er kombinierte die Sprites des ANTIC mit der Hintergrundgrafik und erzeugte das endgültige Videosignal. Der GTIA fügte zusätzliche Grafikmodi hinzu, darunter einen 16-Farben-Modus mit höherer Auflösung.

Die Farbpalette umfasste 128 Farben (ab 1981 sogar 256) . In den vorgegebenen Modi konnten 16 Farben gleichzeitig dargestellt werden, bei Selbstprogrammierung waren sogar 256 möglich .

2.4 POKEY: Der Soundchip

Der POKEY-Chip (POtentiometer and KEYboard Integrated Circuit) war ein Multitalent . Er übernahm:

  • Vier unabhängige Soundstimmen mit je 3,5 Oktaven 
  • Tastaturabfrage (daher der Name)
  • Serielle Kommunikation über den SIO-Bus
  • Zufallszahlengenerierung für Spiele

Die Soundfähigkeiten des POKEY waren bahnbrechend. Er konnte nicht nur einfache Pieptöne erzeugen, sondern komplexe Klanglandschaften, die sich vor den besten Arcade-Automaten nicht verstecken mussten.

2.5 Der SIO-Bus: USB der 80er

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal war der Atari SIO (Serial Input/Output) Bus . Dieses serielle Bussystem erlaubte das Daisy-Chaining mehrerer Peripheriegeräte – Diskettenlaufwerke, Drucker, Modems – an einem einzigen Anschluss. Die Geräte wurden automatisch erkannt und konfiguriert, ein früher Vorläufer des modernen USB .

Ein Atari-Manager formulierte die Philosophie treffend: „Interessiert sich der Endbenutzer für die Architektur der Maschine? Die Antwort ist nein. ‚Was wird es für mich tun?‘ – das ist seine Hauptsorge.“ 


3. Die Modellreihen im Detail

Die Atari-8-Bit-Familie durchlief drei Hauptgenerationen: die ursprünglichen 400/800 (1979–1982), die XL-Serie (1982–1985) und die XE-Serie (1985–1989) . Insgesamt wurden zwischen 1979 und 1985 etwa zwei Millionen Geräte verkauft, bis zur Produktionseinstellung 1992 waren es etwa vier Millionen .

3.1 Die erste Generation: Atari 400 und 800 (1979)

Interne Codenamen: Candy (400) und Colleen (800), benannt nach zwei attraktiven Atari-Sekretärinnen .

Atari 400: Der Einsteiger

EigenschaftDetail
Einführungspreis (USA)495 US-Dollar (1979) 
Einführungspreis (Frankreich)ca. 1.990 Francs (ca. 300 Euro) 
ProzessorMOS 6502 @ 1,79 MHz
RAM8 KB (später 16 KB)
ROM10 KB
TastaturMembran-Folientastatur, 57 Tasten + 4 Funktionstasten 
Besonderheit4 Joystick-Ports für Mehrspieler-Action

Der Atari 400 wurde als reine Spielkonsole oder Hybridgerät vermarktet, daher die einfache Folientastatur. Ursprünglich war sogar geplant, die Tastatur ganz wegzulassen und als externes Zubehör nachzureichen . Trotz seiner Beschränkungen verkaufte sich der 400 doppelt so gut wie sein großer Bruder 800 .

Atari 800: Der Profi

EigenschaftDetail
Einführungspreis (USA)1.000 US-Dollar (1979) 
ProzessorMOS 6502 @ 1,79 MHz
RAM8 KB, erweiterbar auf 48 KB über Steckmodule
TastaturVollwertige Schreibmaschinentastatur
BesonderheitZwei Cartridge-Slots, erweiterbares Gehäuse

Der Atari 800 war als ernstzunehmender Computer positioniert. Sein Gehäuse war größer und enthielt Steckplätze für Speichererweiterungen. Die späteren Modelle wurden ab Werk mit vollen 48 KB RAM ausgeliefert .

Die FCC-Herausforderung

Eine besondere Hürde war die FCC-Zulassung. Die US-Fernmeldebehörde verlangte extrem strenge Abschirmung gegen Hochfrequenzabstrahlung. Atari löste das Problem mit einem massiven Aluminium-Druckguss-Chassis, das als Faraday’scher Käfig wirkte . Dies machte die ersten Modelle extrem robust, aber auch teuer in der Produktion. Spätere Modelle kamen mit günstigeren Konstruktionen aus.

3.2 Die XL-Serie: 600XL, 800XL, 1200XL (1982–1985)

1983 erschien die überarbeitete XL-Serie. Sie war günstiger produziert, enthielt nun Atari BASIC im ROM und hatte nur noch zwei Joystick-Ports statt vier .

Atari 600XL

EigenschaftDetail
RAM16 KB
BesonderheitGünstiges Einstiegsmodell, oft erweiterungsbedürftig 

Atari 800XL (das erfolgreichste Modell)

EigenschaftDetail
Einführungspreis (USA)299 US-Dollar (1983) 
ProzessorMOS 6502 @ 1,79 MHz
RAM64 KB 
ROM24 KB (mit Atari BASIC)
Grafik320 × 192 Pixel, 16 Farben 
TastaturSchreibmaschinentastatur, 62 Tasten, QWERTY 
Maße (B×H×T)38,0 × 7,0 × 22,0 cm 

Der 800XL war der Verkaufsschlager der Serie und ist das heute am häufigsten anzutreffende Modell in Sammlungen.

Atari 1200XL

Ein kurzlebiges Modell mit verbesserter Tastatur, aber eingeschränkter Kompatibilität zu älterer Software. Es wurde schnell wieder vom Markt genommen.

Nicht erschienene Modelle

Der Atari 1450 XLD sollte ein oder zwei eingebaute 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerke erhalten, existierte aber nur als Prototyp .

3.3 Die XE-Serie: 65XE, 130XE (1985–1989)

Nach der Übernahme durch Jack Tramiel (Ex-CEO von Commodore) im Jahr 1984  brachte die neue Atari Corporation die XE-Serie heraus. Sie basierte technisch auf der XL-Serie, kam aber in einem modernisierten, flacheren Gehäuse.

Atari 65XE

EigenschaftDetail
RAM64 KB
BesonderheitStandardmodell der XE-Serie

Atari 130XE

EigenschaftDetail
RAM128 KB (Bank-Switching)
BesonderheitErweitertes Modell für anspruchsvolle Anwendungen

Atari XEGS (1987)

Der XEGS (XE Game System) war ein Sonderfall: eine Spielekonsole im XE-Gehäuse, die mit optionaler Tastatur zum Computer aufgerüstet werden konnte .

EigenschaftDetail
Prozessor6502C @ 1,79 MHz
RAM64 KB
ROM34 KB
Preis (Frankreich)990 Francs
Gewicht1,02 kg
ZubehörLichtpistole XG-1, optionale Tastatur 

3.4 Produktionseinstellung

Am 1. Januar 1992 stellte Atari Corp. offiziell jegliche Unterstützung für die 8-Bit-Linie ein . Einige Modelle wurden noch bis Anfang der 90er in Osteuropa verkauft, wo sie aufgrund der niedrigen Preise und der Verfügbarkeit von Raubkopien beliebt waren.


4. Peripherie und Zubehör

4.1 Datasette: Atari 410 Program Recorder

Das Kassettenlaufwerk war der günstigste Massenspeicher. Es nutzte handelsübliche Kompaktkassetten, war aber langsamer als Diskettenlaufwerke.

4.2 Diskettenlaufwerke: Atari 810, 1050, XF551

ModellKapazitätBesonderheit
Atari 81090 KB (einseitig)Erstes Laufwerk, langsam aber robust
Atari 1050130 KB („Enhanced Density“)Meistverbreitetes Laufwerk
Atari XF551360 KB (doppelseitig)5,25-Zoll, selten

4.3 Drucker: Atari 1020, 1025, 1029

Verschiedene Modelle von Matrix- über Tintenstrahl- bis zu Plotter-Druckern.

4.4 Modem: Atari 830, 835

Für den Einstieg in die Welt der Mailboxen und frühen Online-Dienste.

4.5 Joysticks und Controller

ModellBesonderheit
CX40Der klassische Joystick (auch für 2600)
CX80Trackball für präzise Steuerung
PaddlesFür Spiele wie „Super Breakout“

Der Atari 400/800 hatte serienmäßig vier Joystick-Ports, was Spiele mit vier Spielern gleichzeitig ermöglichte – ein Novum. Spiele wie M.U.L.E. nutzten diese Funktion .


5. Software: Das Herzstück

5.1 Atari BASIC

Atari wollte ursprünglich Microsoft BASIC lizenzieren, scheiterte aber an der Größe – die 6502-Version benötigte 12 KB, Atari hatte nur 8 KB ROM vorgesehen . Stattdessen beauftragte man die kalifornische Firma Shepardson Microsystems, ein eigenes BASIC zu schreiben. Das Ergebnis war Atari BASIC, das speziell auf die Grafik- und Soundfähigkeiten der Maschine zugeschnitten war und eigene Befehle wie SOUNDCOLORPLOT und DRAWTO enthielt.

5.2 DOS: Atari DOS

Das Disketten-Betriebssystem Atari DOS war menügesteuert und damit einsteigerfreundlich – ganz im Sinne der Atari-Philosophie. Versionen:

  • DOS 1.0 (1979)
  • DOS 2.0/2.5 (1983) – Der De-facto-Standard
  • DOS 3.0 (ungenügend, inkompatibel)
  • DOS 4.0/4.5 (besser, aber selten)
  • DOS XE (für XF551)

5.3 Die Killer-App: Star Raiders

Star Raiders, entwickelt von Doug Neubauer, war das Spiel, das die Atari-Computer berühmt machte . Es kombinierte Ego-Shooter-Perspektive mit strategischen Elementen und zeigte erstmals die volle Leistungsfähigkeit der Atari-Hardware: flüssige 3D-Grafik, hardwarebeschleunigte Sprites, beeindruckenden Sound. Viele Käufer entschieden sich allein wegen dieses Spiels für einen Atari-Computer.

5.4 Weitere wichtige Software

Spiele-Klassiker:

  • M.U.L.E. (1983) von Ozark Softscape – Das erste Mehrspieler-Wirtschaftsspiel
  • Alternate Reality: The City (1985) – Rollenspiel mit atmosphärischem Sound
  • Rescue on Fractalus! (1984) von Lucasfilm Games – Bahnbrechende 3D-Grafik
  • The Eidolon (1985) – Ebenfalls von Lucasfilm, mit beeindruckender Fractal-Grafik
  • Ballblazer (1985) – 3D-Sportspiel mit rotierendem Spielfeld

Anwendungen:

  • AtariWriter (1983) – Die meistverkaufte Textverarbeitung für Atari
  • Visicalc – Die erste Tabellenkalkulation (von Atari portiert)
  • SynCalc + SynFile + SynTrend – Das Synapse-Softwarepaket

Programmiersprachen:

  • Atari BASIC, Atari Microsoft BASIC, Atari Assembler Editor, Forth, Pascal, C (verschiedene Anbieter)

6. Der Markterfolg: Zahlen und Fakten

6.1 Verkaufszahlen

ZeitraumVerkaufte Einheiten
1979–19852 Millionen 
Gesamt (bis 1992)4 Millionen 

6.2 Marktanteile und Wettbewerb

1980 verkauften sich Atari 400 und 800 zusammen etwa 200.000 Mal und lagen damit gleichauf mit dem Mattel Intellivision, aber hinter dem Atari VCS (1,25 Mio.) und dem Game & Watch (2 Mio.) .

Der Hauptkonkurrent war ab 1982 der Commodore 64, der ähnliche Grafikleistung bot und sich dank aggressiver Preispolitik über 17 Millionen Mal verkaufte. Die Atari-Computer blieben technisch ebenbürtig, konnten aber nie die Marktdominanz des C64 erreichen .

6.3 Unternehmensumsätze

  • 1980: Atari-Home-Video-Systeme setzten 415 Millionen Dollar um 
  • 1982: Atari 2600 erreichte seinen Höhepunkt mit 8 Millionen verkauften Einheiten; der Unternehmenswert stieg von 75 Millionen auf 2,2 Milliarden Dollar – die Hälfte des Warner-Konzernumsatzes 
  • 1983: Verluste von 533 Millionen Dollar aufgrund des Videospiel-Crashs 

7. Der Videospiel-Crash von 1983

7.1 Ursachen

Die Geschichte von Atari ist untrennbar mit dem Video Game Crash von 1983 verbunden (in Asien auch als „Atari Shock“ bekannt) . Mehrere Faktoren führten zur Krise:

  • Unkontrollierte Dritthersteller: Atari hatte keinerlei Kontrolle über Drittanbieter, die massenhaft Software produzierten. Der Markt wurde mit minderwertigen Spielen überschwemmt 
  • E.T. der Extra-Terrestrial: Das berüchtigte Spiel zum gleichnamigen Film war ein gigantischer Flop. Atari produzierte Millionen Exemplare und blieb auf der Hälfte sitzen 
  • Die Verbuddel-Aktion: Ein Großteil der nicht verkauften E.T.-Module wurde auf einer Mülldeponie in Alamogordo, New Mexico, vergraben – eine Geschichte, die jahrelang als urbaner Mythos galt, bis 2014 Ausgrabungen die Kartuschen tatsächlich zutage förderten 
  • Preisverfall: Einzelhändler mussten ihre riesigen Lagerbestände zu Schleuderpreisen abstoßen, was die Wertwahrnehmung der Konsumenten zerstörte 

7.2 Die Folgen

1983 verzeichnete Warner Communications Verluste von 533 Millionen Dollar mit Atari . Das Unternehmen war am Boden.


8. Die Ära Tramiel: Neuanfang und Niedergang

8.1 Jack Tramiel übernimmt

1984 verkaufte Warner Communications die angeschlagene Computer-Sparte an Jack Tramiel, den früheren CEO von Commodore, für einen nicht genannten Preis . Tramiel hatte Commodore groß gemacht und wollte nun mit Atari wieder angreifen.

8.2 Der Atari ST

Tramiel konzentrierte sich auf die 16/32-Bit-Zukunft: den Atari ST, der 1985 auf den Markt kam . Mit seiner grafischen Benutzeroberfläche GEM, dem Motorola 68000-Prozessor und integriertem MIDI-Interface wurde er zum erschwinglichen Einstiegscomputer für Musiker und Grafikdesigner. 1986 erzielte Atari mit dem ST bereits 25 Millionen Dollar Umsatz .

Die 8-Bit-Linie wurde zwar weitergeführt, aber nicht mehr aktiv beworben. Sie lebte als Billigangebot für preisbewusste Käufer weiter, besonders in Osteuropa.

8.3 Die letzten Jahre

  • 1989: Einführung des tragbaren Atari Portfolio, eines der ersten DOS-kompatiblen Handhelds
  • 1992: Verlust eines Kartellrechtsprozesses gegen Nintendo 
  • 1993: Veröffentlichung der Atari Jaguar, der ersten 64-Bit-Konsole – technisch beeindruckend, aber kommerziell erfolglos
  • 1994: Sega investierte 40 Millionen Dollar in Atari und erhielt dafür alle Patentrechte 
  • 1996: Die Firma wurde vom Festplattenhersteller JTS übernommen 
  • 1998: JTS verkaufte alle Atari-Urheberrechte, Marken und Patente für 5 Millionen Dollar an Hasbro Interactive 

9. Das Erbe: Die Atari-Community heute

9.1 Die Rechtslage heute

Die Markenrechte an Atari haben seitdem mehrfach den Besitzer gewechselt. Heute gehört die Marke einem französischen Unternehmen, das Retro-Konsolen und neue Spiele unter dem legendären Namen veröffentlicht. Die Rechte an der 8-Bit-Hardware und den ROM-Inhalten gelten als weitgehend gemeinfrei oder werden von der Community als solche behandelt – Emulatoren sind weit verbreitet und legal nutzbar.

9.2 Die aktive Community

Die Atari-8-Bit-Community ist eine der lebendigsten in der Retro-Szene. Jährliche Treffen wie das Atari-Fest in Deutschland, die Atari-Connection und internationale Veranstaltungen halten den Geist am Leben.

9.3 Hardware-Neuentwicklungen

Bis heute entstehen neue Hardware-Projekte:

  • SIDE3 – Compact-Flash-Adapter für Festplattenemulation
  • Incognito – Erweiterungskarte für Atari 800 mit modernen Anschlüssen
  • VBXE – Video-Erweiterung mit VGA-Ausgang und verbesserten Grafikmodi
  • PokeyMAX – Erweiterter Soundchip mit mehr Stimmen
  • FujiNet – WLAN-Adapter für Netzwerkzugriff

9.4 Software und Demoszene

Die Demoszene produziert weiterhin beeindruckende Werke, die die Grenzen der alten Hardware ausloten. Jährliche Compos auf Events wie der Silicon Valley Rocket Fuel oder der Atari Connection zeigen, was 2026 noch aus dem 6502 herauszuholen ist.

9.5 Emulation

Für alle gängigen Plattformen gibt es hervorragende Emulatoren:

  • Altirra (Windows) – Der Goldstandard
  • Atari800MacX (macOS)
  • Atari++ (Linux, Unix)
  • Rainbow (plattformunabhängig)

10. Zeittafel der wichtigsten Ereignisse

JahrEreignis
1971Nolan Bushnell und Ted Dabney entwickeln „Computer Space“, das erste Arcade-Spiel
1972Gründung von Atari; Veröffentlichung von „Pong“
1976Verkauf von Atari an Warner Communications für 28 Millionen Dollar
1977Veröffentlichung der Atari 2600 (VCS)
1978Beginn der Entwicklung des 8-Bit-Chipsatzes
1979, NovemberMarkteinführung von Atari 400 und 800
1980Atari 400/800 verkaufen sich 200.000 Mal; Star Raiders wird zur Killer-App
1982Höhepunkt der Atari 2600 mit 8 Millionen Einheiten; Ankündigung der XL-Serie
1983Markteinführung der XL-Serie (600XL, 800XL, 1200XL); Videospiel-Crash; Atari verzeichnet 533 Millionen Dollar Verlust
1984Jack Tramiel kauft Atari von Warner; Umfirmierung in Atari Corporation
1985Veröffentlichung der XE-Serie (65XE, 130XE) und des Atari ST
1987Veröffentlichung des Atari XEGS
1989Atari Portfolio (erster DOS-Handheld)
1992, 1. JanuarOffizielle Einstellung des 8-Bit-Supports
1993Veröffentlichung der Atari Jaguar
1996Übernahme durch JTS
1998Verkauf der Markenrechte an Hasbro Interactive für 5 Millionen Dollar

11. Quellenverzeichnis

  1. HTW Berlin (o.D.): Atari 800 XL. Computermuseum an der HTW Berlin. Online verfügbar unter: https://computermuseum.htw-berlin.de/index.php/exhibit/W/2013/05/00014 
  2. Wikipedia (2023): 家用游戏机 – Abschnitt zur Geschichte von Atari. Online verfügbar unter: https://zh.wikipedia.org/w/index.php?diff=80278689 
  3. Bibliothèque et Archives Canada (2021): *Atari 8-bits – Wikipédia (Archivversion)*. Online verfügbar unter: https://webarchiveweb.wayback.bac-lac.canada.ca/web/20211229040439/https://fr.wikipedia.org/wiki/Atari_800 
  4. WirtschaftsWoche (2021): *50 Jahre Gaming: Vom ersten Arcade-Spiel 1970 bis zu 165 Milliarden Dollar Umsatz 2020*. Online verfügbar unter: https://blog.wiwo.de/look-at-it/2021/01/20/50-jahre-gaming-vom-ersten-arcade-spiel-1970-bis-zu-165-milliarden-dollar-umsatz-2020/ 
  5. IPFS / Wikipedia (o.D.): *Atari 8-bit family*. Online verfügbar unter: https://ipfs.io/ipfs/bafybeiemxf5abjwjbikoz4mc3a3dla6ual3jsgpdr4cjr3oz3evfyavhwq/wiki/Atari_65XE.html 
  6. Archive-It / About.com (2009): History of the entertaining Atari video system and game computer. Online verfügbar unter: https://wayback.archive-it.org/all/20090315193056/http://inventors.about.com/od/astartinventions/a/Atari.htm 
  7. Technisches Museum Wien (o.D.): Heimcomputer Atari 800 XL. Online verfügbar unter: https://data.tmw.at/object/222028 
  8. Wikipedia (2004ff.): 1980 in video games. Online verfügbar unter: https://en.wikipedia.org/?curid=1323040 
  9. Wikipedia (2020): *Atari 8-bit family (alte Version)*. Online verfügbar unter: https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Atari_8-bit_family&oldid=970928883 
  10. PC Games (2023): Spielegeschichte: Von 1980 bis 1990 – jetzt ging es richtig los! Online verfügbar unter: https://www.pcgames.de/Spiele-Thema-239104/Specials/retro-report-special-magazin-geschichte-videospiele-klassiker-rueckblick-1980-1990-1415685/2/ 

Hinweis: Dieser Artikel wurde im Februar 2026 verfasst. Alle Preisangaben in US-Dollar beziehen sich, soweit nicht anders vermerkt, auf die damalige Kaufkraft. Die heutige Rechtslage bezüglich Markenrechten kann sich aufgrund von nicht öffentlich dokumentierten Transaktionen geändert haben.

Kommentar abschicken