Die Welt der Kräuter – Sorten, Anbau, Verwendung, Gesetze und Kultur

Autor: DerSchneider


Einleitung

Kräuter sind die heimlichen Stars der Küche. Während Gewürze oft aus fernen Ländern stammen (Pfeffer aus Indien, Zimt aus Sri Lanka, Nelken aus den Molukken), wachsen Kräuter buchstäblich vor der Haustür – auf dem Balkon, im Garten, am Wegesrand. Sie sind die Brücke zwischen der Wildnis und dem Teller, die Verbindung zwischen Heilkunst und Kochkunst. Schon die alten Ägypter, Griechen und Römer schätzten Kräuter nicht nur als Würzmittel, sondern auch als Heilpflanzen. Petersilie galt als Symbol des Sieges, Thymian als Stärkungsmittel für die Soldaten, Salbei als Pflanze der Unsterblichkeit.

Doch Kräuter sind mehr als nur Dekoration auf dem Teller. Sie verleihen Gerichten Tiefe und Komplexität, ohne sie zu dominieren. Ein Zweig Rosmarin im Bratenfond, ein Blatt Lorbeer im Eintopf, ein Bündel Petersilie in der Sauce – das sind die kleinen Geheimnisse der Küche. Und anders als getrocknete Gewürze sind frische Kräuter ein Erlebnis für alle Sinne: ihr Duft, ihre Farbe, ihre Textur.

In diesem Artikel tauchen wir ein in die grüne Welt der Kräuter. Als Lebensmittelhistoriker und Verfahrenstechniker beleuchte ich die wichtigsten Kräutersorten, den Anbau und die Ernte, die Unterschiede zwischen frischen und getrockneten Kräutern, die gesetzlichen Regelungen und die kulturelle Bedeutung dieser oft übersehenen Zutaten, die jede Küche bereichern – und die viel zu oft im Kühlschrank vergessen werden.

1. Kräuter – Eine Begriffsbestimmung

Was ist ein Kraut? Die Abgrenzung zu Gewürzen ist fließend, aber es gibt einige typische Unterschiede:

MerkmalKräuterGewürze
PflanzenteileMeist Blätter (manchmal Stängel, Blüten)Meist Samen, Rinden, Wurzeln, Früchte (manchmal Blätter: Lorbeer, Curryblatt)
HerkunftOft aus gemäßigten Zonen (Europa, Nordamerika)Oft aus tropischen/subtropischen Zonen (Indien, Indonesien, Mittelamerika)
FrischeÜberwiegend frisch verwendet (getrocknet verlieren sie viel Aroma)Meist getrocknet verwendet (frische Gewürze sind selten, z.B. Ingwer, Chili)
GeschmackEher fein, blumig, krautig, dezentEher kräftig, scharf, intensiv, dominierend
AnbauGedeihen auch in Mitteleuropa (im Garten, Topf)Benötigen tropisches Klima (außer Kümmel, Koriander)
VerwendungZum Würzen (meist dezent), als GarniturZum kräftigen Würzen, als Hauptaroma

Typische Kräuter: Petersilie, Schnittlauch, Dill, Basilikum, Oregano, Thymian, Rosmarin, Salbei, Estragon, Kerbel, Bohnenkraut, Majoran, Liebstöckel (Maggikraut), Koriander (Blätter), Minze, Zitronenmelisse, Borretsch, Kapuzinerkresse, Sauerampfer.

Typische Gewürze: Pfeffer, Paprika, Zimt, Nelken, Muskat, Kardamom, Kurkuma, Koriandersamen, Kreuzkümmel, Chili, Senfkörner, Vanille.

Die Grenzfälle: Lorbeerblatt (Blatt, aber meist getrocknet) wird oft zu den Gewürzen gezählt. Curryblatt (Blatt, frisch oder getrocknet) ist ein Gewürz (in der indischen Küche). Ingwer (Wurzel) ist ein Gewürz (wird als frisches Gewürz verwendet). Knoblauch (Zehe) wird manchmal zu den Gewürzen gezählt, manchmal als eigenständiges Gemüse gesehen. Für diesen Artikel konzentrieren wir uns auf die klassischen, blättrigen Kräuter der europäischen Küche.

2. Die wichtigsten Kräutersorten im Überblick

2.1 Die Kräuter der deutschen Küche

KrautBotanischer NameGeschmackTypische Verwendung (deutsch)Saison (frisch)Haltbarkeit (frisch, im Kühlschrank)
Petersilie (glatt, kraus)Petroselinum crispumFrisch, grasig, leicht pfeffrig (glatte Petersilie aromatischer)Suppen, Soßen, Kartoffeln (Petersilienkartoffeln), Kräuterquark, als GarniturGanzjährig (Treibhaus) – Freiland: April–Oktober5–7 Tage (im Glas mit Wasser)
SchnittlauchAllium schoenoprasumMild zwiebelig, frischEierspeisen (Rührei, Spiegelei), Kräuterquark, Salate, KartoffelsuppeApril–Oktober (Freiland)3–5 Tage (feuchtes Tuch)
DillAnethum graveolensSüßlich, leicht anisartig, grasigGurken (Dillgurken), Fisch (Lachs, Forelle), Salate (Gurkensalat), Saucen (Dillsauce)Mai–September3–5 Tage (im Glas mit Wasser)
KerbelAnthriscus cerefoliumFein, leicht anisartig, süßlich (ähnlich Estragon)Frankfurter Grüne Soße (mit 7 Kräutern), Suppen, Salate, EierspeisenApril–Juni (Freiland)2–3 Tage (sehr empfindlich)
Liebstöckel (Maggikraut)Levisticum officinaleKräftig, würzig, an Sellerie und Maggi erinnerndSuppen (Brühe), Eintöpfe, Fleischgerichte, SoßenMai–Oktober (Freiland)3–5 Tage
BorretschBorago officinalisMild gurkenartig (Blüten) – Blätter leicht borstig (nur junge Blätter verwenden)Frankfurter Grüne Soße, erfrischende Getränke (Blüten), SalateMai–August2–3 Tage (Blätter welken schnell)
SauerampferRumex acetosaSauer, zitronig (durch Oxalsäure)Suppen (Sauerampfersuppe), Salate, Saucen (zu Fisch)April–Juni2–3 Tage (welkt schnell)
Pimpinelle (Kleiner Wiesenknopf)Sanguisorba minorGurkenartig, nussigFrankfurter Grüne Soße, Salate, KräuterquarkApril–August2–3 Tage

2.2 Die mediterranen Kräuter (in Deutschland beliebt)

KrautBotanischer NameGeschmackTypische VerwendungSaison (Deutschland, Freiland)Besonderheit
BasilikumOcimum basilicumSüßlich, leicht pfeffrig, anisartig (Nelken, Minze)Pesto (Basilikum, Pinienkerne, Parmesan), Tomatensalat, Pizza, CapreseMai–September (Freiland)Sehr empfindlich (nicht kühl lagern, friert bei Temperaturen unter 10°C; besser bei Zimmertemperatur in Wasser)
OreganoOriganum vulgareWürzig, bitter, harzig (dominant)Pizza, Pasta (mit Tomatensoße), mediterrane Gemüsegerichte, GrillfleischJuni–Oktober (Freiland)Getrocknet intensiver (das Öl konzentriert sich)
ThymianThymus vulgarisWürzig, herb, leicht pfeffrig (mit Kampfernote)Suppen, Eintöpfe, Fleisch (Lamm, Geflügel), Soßen, KräuterbutterGanzjährig (immergrün) – am besten im Sommer (frisch)Getrocknet intensiver
RosmarinRosmarinus officinalisHarzig, kiefernartig, bitter (sehr intensiv)Lamm, Kartoffeln (Rosmarinkartoffeln), Brot (Focaccia), MarinadenGanzjährig (immergrün) – am besten frischGetrocknet (Aroma etwas anders, aber noch intensiv)
SalbeiSalvia officinalisWürzig, bitter, kampferartig (intensiv)Pasta (Salbeibutter), Fleisch (Geflügel, Kalb), Kräuterbutter, TeeGanzjährig (immergrün)Getrocknet (intensiver)
MajoranOriganum majoranaWürzig, süßlich, etwas bitter (feiner als Oregano)Würste (Thüringer Bratwurst), Kartoffeln (Majorankartoffeln), Suppen, EintöpfeMai–September (Freiland)Getrocknet (Klassiker)
Bohnenkraut (Sommer-, Winterbohnenkraut)Satureja hortensis (Sommer) – Satureja montana (Winter)Würzig, scharf, pfeffrig (ähnlich Thymian, aber kräftiger)Bohnen (Bohnenkraut zu dicken (grünen) Bohnen), Linsen, Eintöpfe (Suppen)Sommer: einjährig (Juni–September), Winter: immergrünGetrocknet besser (weil es das ganze Jahr über verfügbar ist)
Estragon (französischer)Artemisia dracunculusFein, anisartig, süßlich (leicht bitter)Saucen (Béarnaise), Essig (Estragonessig), Salate, FischApril–OktoberFrisch ist viel besser (getrocknet verliert es viel Aroma)
Koriander (Blätter, frisch)Coriandrum sativumFrisch, zitrusartig, seifig (für manche genetisch bedingt)Asiatische, mexikanische, orientalische Küche (Salsa, Currys, Pho)Mai–September (Freiland)Frisch (getrocknetes Korianderkraut ist geschmacklos)

2.3 Frankfurter Grüne Soße – Die deutsche Kräuterlegende

Die Frankfurter Grüne Soße ist ein kulinarisches Wahrzeichen Hessens. Sie besteht aus einer Mischung von sieben Kräutern (genau festgelegt, nach Tradition):

Die sieben KräuterDeutscher NameBotanischer NameBesonderheit
1BorretschBorago officinalisGurkenartig
2KerbelAnthriscus cerefoliumFein, anisartig
3KresseLepidium sativum (Gartenkresse)Scharf, pfeffrig
4PetersiliePetroselinum crispum (glatte)Frisch
5Pimpinelle (Kleiner Wiesenknopf)Sanguisorba minorGurkenartig
6SauerampferRumex acetosaSauer
7SchnittlauchAllium schoenoprasumMild zwiebelig

Die Kräuter werden fein gehackt, mit saurer Sahne, Joghurt oder Quark, Senf, Öl, Essig, Salz, Pfeffer und manchmal gekochten Eiern vermischt. Traditionell serviert man sie zu gekochten Kartoffeln und Eiern (am Gründonnerstag, zu Ostern). Die Soße ist ein Symbol der hessischen Regionalküche. Sie ist (seit 2016) als „Hessische Spezialität“ (g.g.A. – geschützte geografische Angabe) geschützt – das bedeutet, dass nur in Hessen hergestellte Soße (mit regionalen Kräutern) den Namen „Frankfurter Grüne Soße“ tragen darf. Außerhalb Hessens heißt sie „Grüne Soße nach Frankfurter Art“.

3. Anbau und Ernte – Vom Samen bis zum Bund

Kräuter sind relativ anspruchslos – sie wachsen auf dem Balkon, im Garten oder auf der Fensterbank. Die meisten Kräuter bevorzugen einen sonnigen, warmen Standort (Basilikum, Thymian, Rosmarin, Oregano, Salbei). Andere gedeihen auch im Halbschatten (Petersilie, Schnittlauch, Minze, Kerbel).

KrautStandortWasserBodenBesonderheit beim Anbau
BasilikumSonnig (Südseite)Regelmäßig, nicht übergießenNährstoffreich, lockerSehr empfindlich gegen Kälte – ab Mai ins Freie.
PetersilieHalbschattig bis sonnigGleichmäßig feuchtTiefgründig, humosKeimt langsam (2–4 Wochen). Am besten frischen Samen verwenden.
SchnittlauchSonnig bis halbschattigRegelmäßig (Trockenheit vermeiden)Nährstoffreich, feuchtMehrjährig – teilen nach 3–4 Jahren.
ThymianSonnig (trocken)Sparsam (nicht zu viel)Mager, kalkhaltig, gut durchlässigMehrjährig – vor Frost schützen (Decke aus Laub).
RosmarinSonnig (geschützt)SparsamMager, kalkhaltig, durchlässigIm Topf auf dem Balkon (nicht winterhart in strengen Wintern, aber manche Sorten überleben mit etwas Glück – die „Veitshöchheimer“ Sorte ist winterhart bis -15°C).
Minze (Pfefferminze)HalbschattigFeucht (sehr wasserliebend)Nährstoffreich, feuchtWuchert stark – am besten im Topf (nicht ins Beet, sonst überwuchert sie alles).
OreganoSonnigSparsamMager, kalkhaltigMehrjährig – in warmen Regionen winterhart.
SalbeiSonnigSparsamTrocken, mager, kalkhaltigMehrjährig – vor Frost schützen.

Ernte – Der beste Zeitpunkt: Kräuter entfalten ihr volles Aroma kurz vor der Blüte (wenn sich die Blütenknospen gerade zeigen). Zu diesem Zeitpunkt ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten. Ernten Sie morgens (nachdem der Tau getrocknet ist, aber bevor die Sonne die Pflanze austrocknet – die Öle sind am intensivsten). Bei mehrjährigen Kräutern sollten Sie nicht mehr als ein Drittel der Pflanze auf einmal ernten.

Haltbarmachen – So bleiben Kräuter länger frisch:

AufbewahrungsmethodeDauerVorgehenGeeignet für
Im Kühlschrank (Wasserglas)5–10 TageDie Stiele abschneiden (wie Blumen in ein Glas mit Wasser stellen), mit einer Plastiktüte locker abdecken (die Feuchtigkeit hält die Blätter frisch).Petersilie, Dill, Minze, Schnittlauch (nicht Basilikum – verträgt Kälte nicht)
Im Kühlschrank (feuchtes Tuch)3–5 TageDie Kräuter in ein feuchtes Küchentuch wickeln, in eine Plastiktüte legen.Alle Kräuter (außer Basilikum)
Trocknen (Lufttrocknung)Monate (getrocknet)Die Kräuter (ganze Stiele) in kleinen Bündeln kopfüber an einem warmen, trockenen Ort (nicht in der Sonne, nicht über der Heizung) aufhängen. Nach 1–2 Wochen sind sie trocken.Thymian, Oregano, Rosmarin, Salbei, Majoran, Lorbeer (nicht geeignet für zarte Blattkräuter wie Basilikum, Petersilie – verlieren zu viel Aroma)
Einfrieren (ganze Blätter)MonateDie Blätter waschen, trocknen, in einen Gefrierbeutel legen, einfrieren.Basilikum, Petersilie, Dill, Schnittlauch (die Textur wird weich, aber das Aroma bleibt gut erhalten)
Einfrieren (in Eiswürfelform)MonateGehackte Kräuter mit etwas Olivenöl oder Wasser in Eiswürfelformen füllen, einfrieren (portionierbar).Alle Kräuter (besonders Basilikum, Petersilie)

Tipp: Zarte Kräuter (Basilikum, Kerbel, Koriander) sollten nicht getrocknet werden – das Aroma verfliegt vollständig. Besser einfrieren (ganze Blätter) oder in Öl konservieren (Basilikum in Olivenöl püriert, ergibt Pesto-artige Paste). Harte, holzige Kräuter (Thymian, Rosmarin, Salbei, Oregano, Lorbeer) trocknen gut – das Aroma wird sogar intensiver (da die ätherischen Öle konzentriert werden).

4. Frische vs. getrocknete Kräuter – Ein wichtiger Unterschied

Dieser Unterschied wird oft unterschätzt. Frische und getrocknete Kräuter sind nicht austauschbar.

AspektFrische KräuterGetrocknete Kräuter
GeschmackFein, blumig, komplex, dezentKonzentriert, intensiv, oft bitterer (durch die Trocknung)
Menge (beim Kochen)3–4 mal mehr als getrocknete (da die getrockneten konzentrierter sind) – Faustregel: 1 TL getrocknet entspricht 1 EL frisch (je nach Kraut)1 TL getrocknet reicht für ein Gericht für 4 Personen (je nach Kraut)
VerwendungAm Ende des Kochvorgangs (nicht zu lange kochen, sonst verfliegt das Aroma) – zum Garnieren, in Salaten, in kalten SoßenZu Beginn des Kochvorgangs (damit sich das Aroma entfalten kann) – in Suppen, Eintöpfen, Marinaden, Saucen (weil die getrockneten Kräuter Zeit brauchen, um sich zu rehydrieren)
HaltbarkeitTage (im Kühlschrank)Monate (im trockenen, dunklen Vorratsschrank)
PreisTeurer (pro Portion), aber preiswert für den Anbau im eigenen GartenGünstiger (getrocknete Kräuter halten lange)
Typische VertreterBasilikum, Petersilie, Dill, Schnittlauch, Koriander, Minze, KerbelThymian, Oregano, Rosmarin, Salbei, Lorbeer, Majoran, Bohnenkraut

Fazit für den Koch: Verwenden Sie frische Kräuter für Gerichte, bei denen das Kraut eine Hauptrolle spielt (Pesto, Caprese, Salat, Kräuterquark, Frankfurter Grüne Soße). Verwenden Sie getrocknete Kräuter für Gerichte, die lange kochen (Eintöpfe, Suppen, Saucen, Schmorgerichte), wo die Frische keine Rolle spielt, sondern die konzentrierte Würze. Sie können auch eine Mischung verwenden (frische Petersilie zu einem Eintopf aus der Dose geben – aber die getrockneten Kräuter sollten im Eintopf mitgekocht werden, die frischen erst ganz am Ende). Die Qualität der getrockneten Kräuter variiert stark – kaufen Sie sie nicht im Discounter (dort sind sie oft alt und schmecken nach Heu), sondern in der Apotheke oder im Feinkostladen (oder trocknen Sie Ihre eigenen).

5. Kräuter in der Küche – Verwendung und Dosierung

Hier eine kleine Gebrauchsanweisung für die wichtigsten Kräuter.

KrautFrisch (Dosierung für 4 Personen)Getrocknet (Dosierung für 4 Personen)Wann hinzugeben?Passt zu…
Petersilie1 Handvoll (ca. 20 g Blätter)1–2 EL (nur wenn frisch nicht verfügbar – besser frisch verwenden)Am Ende (gar nicht kochen, nur kurz erwärmen) – die Petersilie verliert sofort ihr Aroma bei Hitze.Kartoffeln, Suppen, Soßen, Eier, Quark, Salate (als Garnitur)
Schnittlauch1 Bund (ca. 20 g)Nicht geeignet (wird bitter, verliert Aroma)Am Ende (über das fertige Gericht streuen)Rührei, Spiegelei, Quark, Kartoffelsuppe, Salate
Dill1 Bund (ca. 20 g)1–2 EL (noch akzeptabel)Frisch: am Ende – getrocknet: zu BeginnFisch (Lachs, Forelle), Gurke (Gurkensalat), Kartoffeln (Dillkartoffeln), Saucen
Basilikum1 Bund (ca. 15–20 Blätter)Nicht geeignet (verliert völlig das Aroma)Immer am Ende (nicht kochen) – Basilikum wird bitter, wenn es zu lange erhitzt wird.Tomaten, Caprese, Pizza (nach dem Backen), Pesto
Oregano2–3 Zweige (frisch)1 TL (getrocknet ist intensiv)Getrocknet: zu Beginn (muss mitkochen) – frisch: kann man auch kurz vor Schluss zugeben, wird aber bitter, wenn es zu lange kocht.Pizza, Tomatensoße, mediterrane Gemüse, Grillfleisch
Thymian3–4 Zweige1 TL (getrocknet)Anfang (mitkochen) – die Zweige können später entfernt werden (die Blätter fallen beim Kochen von selbst ab).Suppen, Eintöpfe, Fleisch, Kartoffeln, Kräuterbutter
Rosmarin1–2 Zweige1 TL (gehackt) – aber Vorsicht, Rosmarin ist sehr dominant!Anfang (mitkochen) – Zweige vor dem Servieren entfernen.Lamm, Kartoffeln (Rosmarinkartoffeln), Brot (Focaccia), Marinaden
Salbei3–4 Blätter1/2 TL (auch sehr dominant)Anfang (mitkochen)Pasta (Salbeibutter), Geflügel, Kalb, Kräuterbutter
Koriander (Blätter)1 Bund (ca. 20 g)Nicht geeignet (Aroma verschwindet)Am Ende (über das Gericht streuen) – nicht kochen.Asiatische, mexikanische Gerichte (Currys, Salsa, Pho)
Estragon5–6 Zweige (frisch)1–2 EL (getrocknet deutlich weniger aromatisch)Frisch: am Ende – getrocknet: AnfangSaucen (Béarnaise), Essig, Salate, Fisch, Huhn
Minze1 Bund (ca. 20 g)Nicht geeignet (verliert Aroma)Am Ende (nicht kochen) – Minze wird bitter.Tee, Desserts, Salate (Taboulé), Lamm (Minzgelee)
Kerbel1 Bund (ca. 15 g)Nicht geeignet (Aroma verschwindet)Am Ende (nur kurz erhitzen)Frankfurter Grüne Soße, Suppen, Eierspeisen
Liebstöckel2–3 Blätter (frisch)1 TL (getrocknet akzeptabel)Anfang (mitkochen)Suppen (Brühe), Eintöpfe, Fleischgerichte (Maggikraut)
Bohnenkraut2–3 Zweige (frisch)1 TL (getrocknet sehr gut)Anfang (mitkochen)Bohnen (grüne Bohnen), Linsen, Eintöpfe

6. Kräuter als Heilpflanzen – Die andere Seite

Viele Kräuter werden nicht nur in der Küche, sondern auch in der traditionellen Heilkunde verwendet. Die moderne Wissenschaft hat einige dieser Wirkungen bestätigt, andere sind umstritten.

KrautTraditionelle AnwendungWissenschaftliche EvidenzNebenwirkungen
PetersilieBei Blasenentzündungen, Nierensteinen (harntreibend) – auch bei Mundgeruch (kauen)Schwach (die harntreibende Wirkung ist schwach) – die ätherischen Öle (Apiol) können in großen Mengen (wie bei der Pflanze selbst, die Samen, nicht die Blätter) abtreibend wirken.In großen Mengen (wie z.B. dem Verzehr von Petersilie in Essig) nicht gesundheitsschädlich, aber die Blätter sind unbedenklich. Vorsicht bei Schwangeren (mäßiger Verzehr normal).
SalbeiBei Halsschmerzen (Gurgeln mit Salbeitee), Husten, übermäßigem SchwitzenGut belegt (antimikrobiell, entzündungshemmend – für den Hals und zur Reduzierung von Schweißproduktion)Nicht in Schwangerschaft (da Thujon, ätherisches Öl, in großen Mengen giftig sein kann). Nicht über längere Zeit anwenden.
ThymianBei Husten, Bronchitis, Atemwegsinfekten (als Tee, als Hustensirup). Das ätherische Öl (Thymol) wirkt antibakteriell.Gut belegt (expektorierend, krampflösend) – Thymian ist ein zugelassenes pflanzliches Arzneimittel.Magenreizungen bei Überdosierung. Nicht in der Schwangerschaft (in großen Mengen).
Minze (Pfefferminze)Bei Verdauungsbeschwerden (Reizdarmsyndrom), Kopfschmerzen (äußerlich als Öl), ErkältungenGut belegt (entspannend auf die Muskulatur des Darms) – in Form von Pfefferminzöl-Kapseln (z.B. bei Reizdarm).Das ätherische Öl (hochkonzentriert) kann bei Kleinkindern (unter 2 Jahren) zu Atemstillstand führen (Gefahr!). Bei begrenzter oraler Einnahme (Tee) ist das unbedenklich.
RosmarinBei Verdauungsbeschwerden, Kreislaufproblemen (anregend), Muskelkater (Rosmarinbäder)Schwach belegt (die durchblutungsfördernde Wirkung ist gering)In großen Mengen (ätherisches Öl) giftig (Krämpfe, Leberschäden). In der Küche harmlos.
Kamille (kein Küchenkraut, aber eine Heilpflanze)Bei Entzündungen, Magen-Darm-Beschwerden, Erkältungen (als Tee)Gut belegt (entzündungshemmend, krampflösend) – Kamille ist ein zugelassenes Arzneimittel.Allergien möglich (Kreuzallergie mit Beifuß).

Einschränkung: Kräuter in Küchenmengen (einige Blätter im Salat, ein Zweig im Eintopf) sind unbedenklich – sogar gesund. Wer sie aber als Arznei einsetzen möchte (Tee aus getrockneten Kräutern mehrmals täglich), sollte die Dosierung beachten (nicht übertreiben) und bei Schwangerschaft oder chronischen Erkrankungen einen Arzt konsultieren.

7. Die Rechtslage – Kräuter im Lebensmittelrecht

Kräuter sind in der EU weniger streng reguliert als Gewürze. Aber es gibt einige wichtige Regelungen.

Kennzeichnung von frischen Kräutern (im Bund):

PflichtangabeBedeutung
Name„Petersilie“, „Schnittlauch“, „Basilikum“ etc.
HerkunftslandMuss angegeben sein (z.B. „Erzeugt in Deutschland“, „Importiert aus Italien“) – das gilt für unverpackte (lose) Ware nicht, aber für verpackte (z.B. im Plastiktopf im Supermarkt).
Bio-Siegel (optional)Wenn das Kraut aus biologischem Anbau stammt (EU-Bio-Siegel, Bio-Kräuter).

Besondere Regelungen:

  • Frische Kräuter aus eigenem Anbau (für den eigenen Gebrauch) unterliegen keinen Vorschriften.
  • Wildkräuter (Bärlauch, Giersch, Brennnessel, Löwenzahn, Vogelmiere) unterliegen den allgemeinen Lebensmittelvorschriften (dürfen nicht aus Naturschutzgebieten gesammelt werden, dürfen nicht mit Giftstoffen belastet sein – was bei Wildpflanzen nicht kontrolliert ist, also Risiko für den Sammler). Wer Wildkräuter sammelt, sollte sich auskennen (Verwechslungsgefahr mit giftigen Doppelgängern – Bärlauch vs. Maiglöckchen, Herbstzeitlose).
  • Bärlauch (Allium ursinum) ist sehr beliebt (schmeckt nach Knoblauch). Achtung: Verwechslungsgefahr mit Maiglöckchen (giftig) und Herbstzeitlosen (tödlich giftig). Nur sammeln, wenn man sich sicher ist (Bärlauch hat ein Knoblauch-Aroma, die anderen nicht). In Deutschland gibt es Bärlauch in Wäldern (Vorsicht). Man kann ihn auch im Garten anpflanzen.

8. Tabellarische Übersichten

8.1 Kräuter nach Verwendung

GerichtPassende Kräuter (frisch)Passende Kräuter (getrocknet)
KartoffelnPetersilie, Schnittlauch, Dill, Rosmarin (Rosmarinkartoffeln), Majoran, ThymianThymian, Rosmarin, Majoran
Eier (Rührei, Spiegelei)Schnittlauch, Kerbel, PetersilieKeine
FischDill, Petersilie, Estragon, Basilikum, KorianderDill (getrocknet – nicht ideal)
Fleisch (Rind, Schwein)Thymian, Rosmarin, Salbei, Bohnenkraut, Petersilie (als Garnitur)Thymian, Rosmarin, Salbei, Bohnenkraut, Oregano
Geflügel (Huhn, Pute)Salbei, Thymian, Rosmarin, Petersilie, EstragonSalbei, Thymian, Rosmarin
LammRosmarin, Thymian, Minze (Minzgelee)Rosmarin, Thymian
Tomaten (Salat, Sauce)Basilikum, Oregano, PetersilieOregano (für Pizza, Tomatensoße)
Bohnen (grüne Bohnen)Bohnenkraut (frisch oder getrocknet) – der Klassiker!Bohnenkraut
KräuterquarkSchnittlauch, Petersilie, Dill, Kerbel, Kresse, PfefferminzeKeine
Salat (grüner Salat)Schnittlauch, Petersilie, Dill, Basilikum, KerbelKeine
Nudeln (Pasta)Basilikum (mit Tomatensoße), Salbei (Salbeibutter), PetersilieOregano, Thymian, Rosmarin

8.2 Kräuter im Topf auf dem Balkon – Eine kleine Anbauanleitung

KrautTopfgrößeStandortWasserWinterhärte
Basilikum2–3 LiterSonnig (Südseite)Täglich (nicht übergießen)Frostempfindlich (stirbt bei unter 5°C) – einjährig
Petersilie2–3 LiterHalbschattigGleichmäßig feuchtWinterhart (überlebt leichten Frost) – zweijährig (im zweiten Jahr schosst sie, wird bitter)
Schnittlauch2–3 LiterSonnig bis halbschattigGleichmäßig feuchtWinterhart (zieht sich im Winter zurück, treibt im Frühjahr wieder aus) – mehrjährig
Thymian1–2 LiterSonnig, trockenSparsamWinterhart (in milden Wintern) – mehrjährig (kann auch im Topf überwintern, geschützt vor Frost)
Rosmarin2–3 Liter (kalkhaltiger Boden)Sonnig, geschütztSparsamBedingt winterhart (nur milde Winter, besser im Haus überwintern (kühl, hell) bei 5–10°C) – mehrjährig (als Topfpflanze)
Minze (Pfefferminze)3–5 Liter (alleine, sonst wuchert sie)HalbschattigGleichmäßig feucht (sehr wasserliebend)Winterhart (mehrjährig) – aber wuchert, daher am besten im Topf
Oregano1–2 LiterSonnigSparsamWinterhart (mehrjährig)
Salbei2–3 LiterSonnig, warmSparsam (nicht übergießen)Winterhart (mehrjährig, schützt in strengen Wintern mit Reisig)
Kerbel1–2 LiterHalbschattigGleichmäßig feuchtWinterhart (einjährig – sät sich oft selbst aus)

9. Die Zukunft der Kräuter

9.1 Der Boom der Kräuter-Mischungen (Bio, regional, im Topf)

Immer mehr Supermärkte bieten frische Kräuter im Topf an (Basilikum, Petersilie, Schnittlauch, Thymian, Rosmarin) – das ist praktisch, weil die Kräuter länger halten (als geschnittene Bundware). Der Verbraucher kann sie auf der Fensterbank weiterziehen (aber die meisten gekauften Kräutertöpfe sind so dicht bepflanzt (eng gesät), dass sie keine Nährstoffe haben – sie gehen schnell ein, wenn man sie nicht umtopft). Besser: Kräuter aus eigenem Anbau (aus Samen) oder aus dem Garten – das ist nachhaltiger.

9.2 Microgreens – Die babyhaften Kräuter

Microgreens (keimende Pflänzchen, die nach wenigen Tagen geerntet werden) sind ein Trend aus der gehobenen Küche. Das sind junge Sprossen von Kräutern, Gemüse, Getreide (Basilikum, Koriander, Rucola, Radieschen, Brokkoli). Sie sind sehr aromatisch und werden als Dekoration, in Salaten, auf Sandwiches verwendet. Auch für den Balkon (einfach zu ziehen, schnell wachsend). Die Microgreens-Bewegung wird wachsen.

9.3 Kräuter als Zutat in Fertigprodukten (Kräuterbutter, Kräutersalz, Kräuterquark)

Die Industrie setzt zunehmend auf tiefgekühlte Kräuter (statt getrocknete) für Fertigprodukte – die Qualität ist besser (näher an frischen Kräutern). Es gibt Kräutermischungen für die Küche im Tiefkühlregal (z.B. „Petersilie, Dill, Schnittlauch“ – praktisch für Suppen). Die Nachfrage nach Bio-Kräutern steigt (zurückgehendes Misstrauen gegenüber Pestiziden aus konventionellem Anbau – besonders bei empfindlichen Kräutern wie Basilikum).

Fazit: Die grüne Seele der Küche

Kräuter sind die Seele der Küche. Sie verleihen Gerichten Leben, Frische, Tiefe. Sie sind die einfachste Art, ein Gericht zu veredeln – ohne viel Aufwand, ohne viele Zutaten. Ein Zweig Rosmarin im Bratenfond, ein paar Blätter Basilikum auf der Pizza, eine Handvoll Petersilie über den Kartoffeln – das sind kleine Gesten, die große Wirkung zeigen.

Die deutsche Küche ist reich an Kräutertraditionen: die Frankfurter Grüne Soße, die Kartoffeln mit Dill, die Bohnen mit Bohnenkraut. Die mediterranen Kräuter (Basilikum, Oregano, Thymian) sind längst in der deutschen Alltagsküche angekommen.

Die beste Art, Kräuter zu nutzen, ist der eigene Anbau – auf dem Balkon, im Garten, auf der Fensterbank. Es ist einfach, es ist günstig, und es macht Freude, zu sehen, wie aus einem Samen eine Pflanze wird, die man später erntet. Oder wie der Gärtner sagen würde: „Kräuter sind die einfachste Art, das Glück auf den Teller zu bringen.“

Guten Appetit – und vergessen Sie nicht die Petersilie!

Quellen

  • EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) – Kennzeichnung von frischen Kräutern
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Kräuter in der Ernährung
  • Bundesamt für Naturschutz (BfN): Wildkräuter – Sammeln
  • Kommission E (für pflanzliche Arzneimittel, Deutschland) – Monographien zu Thymian, Salbei, Pfefferminze, Kamille
  • Wikipedia: Frankfurter Grüne Soße – geschützte geografische Angabe
  • Gartenwissen: Anbau von Kräutern (verschiedene Quellen)

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Schlagworte

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